Artikel: S. Sauer, A. Rump, S. Schremmer und K. Kehe

Innovative Spitzenforschung an den ­Instituten für Radiobiologie und ­Mikrobiologie der Bundeswehr

Aus dem Direktorat Wehrmedizinische Forschung und Fähigkeitsentwicklung Sanitätsdienst (Direktor: Generalarzt Dr. H.-U. Holtherm) an der Sanitätsakademie der Bundeswehr (Kommandeurin: Generalstabsarzt Dr. G. Krüger), dem Institut für Radiobiologie der Bundeswehr (Leitung: Oberstarzt Prof. Dr. M. Port) und dem Referat III 5 im Bundesministerium der Verteidigung Abteilung Führung Streitkräfte (Referatsleiter: Oberstarzt Dr. J. Diehm)

Wehrmedizinische Forschung erfüllt die Aufgabe, militärisch relevante medizinische Fragestellungen unter Einbeziehung aller Fachgebiete und Approbationen zu bearbeiten. Hierdurch werden identifizierte Fähigkeitslücken zielgerichtet geschlossen, so dass die bestmögliche Versorgung aller Soldatinnen und Soldaten im Einsatz und in Deutschland gewährleistet ist und bleibt. Dabei muss sich die wehrmedizinische Forschung kontinuierlich an der aktuellen und künftigen Ausrichtung der Bundeswehr als Ganzes orientieren und gleichzeitig auf höchstem wissenschaftlichen Niveau Methodenkompetenz zur Bearbeitung sehr variabler Themen bereitstellen.

PhotoGamma Portal Monitor der Med. A Task Force zur Erkennung von radioaktiver Kontamination im Körper. Verschiedene Messmodi („Wait-In“ oder „Fast Track“, Walk Through “), die mit unterschiedlichen Nachweisgrenzen verbunden sind, erlauben Messzeiten von 2 - 3 Sekunden pro untersuchter Person (Abb.: InstRadBioBw). Dass diese Bedingungen erfüllt sind, zeigt nun die Pressemitteilung des Wissenschaftsrates vom 15. Juli 2019 mit dem Titel „Sehr gute Forschung unter schwierigen Bedingungen | Zwei wehrmedizinische Einrichtungen positiv begutachtet“. Seit 2005 ist der Wissenschaftsrat intensiv mit der Evaluation der Ressortforschung des Bundes beauftragt. In 2018 wurden nach einer ersten Begutachtung in 2005 zum zweiten Mal die Institute für Radiobiologie und für Mikrobiologie der Bundeswehr in München nach monatelanger akribischer Vorarbeit zu den Strukturen, Abläufen und publizierten Forschungsergebnissen auch vor Ort mehrtätig bewertet. Besonderer Wert wurde dabei auch auf die Qualitätssicherungssysteme und die nationale sowie internationale Einbettung in das zivile wissenschaftliche, universitäre und außeruniversitäre Umfeld gelegt.

Nach Abschluss der Evaluierungen kommt Frau Professor Dr. Martina Brockmeier, Vorsitzende des Wissenschaftsrats, zu folgender Bewertung: „Diese Kompetenz beruht bei den Instituten für Radiobiologie und für Mikrobiologie der Bundeswehr auf guter bis sehr guter Forschungsarbeit. Seit den letzten Evaluationen vor rund zehn Jahren sind in beiden Instituten deutliche Leistungssteigerungen und ein verbessertes Qualitätsmanagement festzustellen. Empfehlungen zur Weiterentwicklung ihrer Forschung und wissenschaftsbasierten Dienstleistungen waren deshalb kaum erforderlich.“

Nach Auffassung des Wissenschaftsrates erfüllt das Institut für Radiobiologie der Bundeswehr als singuläre Ressource auf dem Gebiet des Medizinischen A-Schutzes mit seinem Schwerpunkt auf der Diagnostik und Therapie der akuten Strahlenkrankheit eine unverzichtbare Aufgabe, in aber auch außerhalb der Bundeswehr. Seine Bedeutung ist für mögliche Auslandseinsätze der Bundeswehr in Krisengebieten, in denen nukleares oder radiologisches Gefahrenpotential besteht, als sehr hoch einzuschätzen. Ebenso ist das Institut für die gesamte Bundesrepublik Deutschland von hoher Relevanz, da es bei möglichen Unfällen im Zusammenhang mit Kernkraftnutzung oder etwaigen terroristischen Anschlägen mit radioaktivem Material seine speziellen Kompetenzen einbringen kann. Das Institut für Radiobiologie der Bundeswehr gehört zu den wenigen Einrichtungen weltweit, die sich mit der Modellierung von Nuklidinkorporationen und unter medizinischen Aspekten mit „Dirty Bomb“ Szenarien befassen. Zudem verfügt es mit seiner mobilen, weltweit einsetzbaren Task Force Medizinischer A-Schutz über eine einzigartige Einheit zur praktischen medizinischen Erstversorgung von Strahlenunfallverletzten in A-Szenarien.

Auch das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr erbringt hochwertige Leistungen auf den Gebieten der Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gesundheitsstörungen durch B-Kampfmittel und ähnliche Noxen und ist damit unverzichtbar für den Gesundheitsschutz der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, insbesondere bei Auslandseinsätzen. Die Arbeit des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr hat auch für den Schutz der Zivilbevölkerung zunehmend an Bedeutung gewonnen, da es seine spezielle Expertise auch für das öffentliche Gesundheitswesen zur Verfügung stellt, z. B. durch Führen von Konsiliarlaboren im Auftrag des Robert-Koch-Instituts oder durch Unterstützung bei der Ebolavirus-Diagnostik in afrikanischen Ländern. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Seuchenbekämpfung und dem Gesundheitsschutz der deutschen Bevölkerung. Auch auf den Gebieten der Genomsequenzierung und Bioforensik zur Ermittlung der Herkunft von B-Kampfstoffen in gewaltsamen Konflikten und bei terroristischen Anschlägen hat das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr einen ausgezeichneten Ruf, seine epidemiologische Grundlagenforschung ist international anerkannt.

Durch den Wissenschaftsrat wurden hilfreiche Hinweise mit Blick auf eine wünschenswerte noch stärkere Fokussierung der Forschungsaktivitäten gegeben, insbesondere für die Bereiche der Personalausstattung, Infrastruktur, Autonomie, moderner Informationstechnik, einschließlich forschungsfreundlichen Internetzugängen. Diesen Thematiken werden die Institutsleitungen gemeinsam mit den zuständigen Fachabteilungen der Sanitätsakademie der Bundeswehr (Abteilung E und F), des Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr und des Bundesministeriums der Verteidigung intensiv widmen, um zielgerichtet und zügig die Leistungsfähigkeit und das Renommee der Forschungsinstitute des Sanitätsdienstes noch weiter zu optimieren.

Die Einzelbewertungen der beiden Einrichtungen durch den Wissenschaftsrat sind im Download-Bereich des WR (https://www.wissenschaftsrat.de ) abrufbar. 


Für die Verf.:
Oberstveterinär
Dr. Sabine Sauer
Sanitätsakademie der Bundeswehr
Abteilung E Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung
Ingolstädter Str. 240
80939 München
E-Mail: sabinesauer@bundeswehr.org 

Datum: 10.10.2019

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 3/2019