Bericht: P. Geschwill, OFA Florent Josse, BwKrhs Ulm

Die Combat Medical Care Conference 2018

Die CMC (Combat Medical Care) Conference fand am 29. und 30. Juni 2018 zum dritten Mal als Internationales Symposium zur Taktischen Verwundetenversorgung im Rahmen von Militär- und Polizeieinsätzen für Medics, Rettungsfachpersonal, Pflegekräfte und Ärzte in Neu-Ulm statt.

PhotoGeneralarzt Dr. Hoffmann, Divisionär Dr. Stettbacher mit Referent Staff Sgt Lee (v.r.n.l.) Unter dem diesjährigen Motto „who cares, wins“ wurde mit 1.300 Teilnehmer aus über 30 Nationen erneut eine einmalige internationale Plattform geboten, auf der sich Spezialkräfte von Militär und Polizei, Rettungsdienste, Katastrophenschutz und Feuerwehr zum Thema der taktischen Medizin austauschen und Erfahrungen teilen konnten. An Ständen von über 50 Ausstellern konnten sich die Teilnehmer über die neuesten Produkte zur Versorgung von sogenannten „combat related injuries“ informieren.

Traditionell fand am ersten Abend der CMC Conference als gesellschaftlicher Höhepunkt die legendäre „CMC- get together party“ im Ulmer ROXY statt. Mit der Preisverleihung von zwei „European Best-Medic-Awards“ an einen belgischen SOF-Medic für seinen Dienst im Iraq, sowie an einen SEK Beamten für sein langjähriges Engagement zur Ausbildung von Medics im Bereich der Polizei wurde der Abend mit Live Show und Live Band freigegeben.

Die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V. (DGWMP) sorgte für die reibungslose Durchführung der im zweijährigen Turnus stattfindenden Konferenz. Das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Ulm, im Schwerpunkt die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, war für das wissenschaftliche Programm und den fachlichen Inhalt der Conference verantwortlich.

Weitere Mitwirkende in enger Zusammenarbeit waren das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (AusbZSpezlOp) Pfullendorf, verantwortlich für den CFR-Arbeitskreis, und die Tactical Rescue & Emergency Medicine Association e. V. (TREMA) für die Durchführung des TEMS-­Symposium sowie des TREMA Parcours.

In seiner Eröffnungsrede begrüßte Generaloberstabsarzt a. D. Dr. Jürgen Blätzinger in seiner Funktion als Präsident der DGWMP die Teilnehmer aus den zivilen, militärischen und behördlichen Bereichen der taktischen Medizin. Das Besondere an der Konferenz sei das für das breite Spektrum der Teilnehmer gebotene wissenschaftliche Programm und die zielgruppenorientierten Workshops mit höchster Praxisrelevanz. Die heute praktizierte Einsatzmedizin und ihre Bedeutung sei vor noch 15 Jahren weitestgehend unbekannt und vielmehr eine Art Hobby von Sanitätsoffizieren und Rettungsassistenten gewesen, die ihren Dienst oft unter den schwierigen Bedingungen im Auslandseinsatz leisten mussten und dort mit schweren Verwundungen konfrontiert wurden. Verletzungen durch Hochgeschwindigkeitsprojektile oder „Blast Injuries“ seien hierzulande auch heute noch im zivilen Bereich weitestgehend unbekannt. Die Terroranschläge in Europa seit 2015 bewirkten jedoch ein Umdenken auch bei zivilen Behörden und Organisationen und ließen enge Kooperationen zwischen Militär und zivilen Fachgesellschaften entstehen.

Als wesentliche Aufgabe unterstrich ­daher Generaloberstabsarzt a. D. Dr. ­Blätzinger die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen des Sanitätspersonals sowie des mit der taktischen Verwundetenversorgung be­trauten Nicht-Sanitätspersonals der Bundeswehr an die zivilen Bereiche. Der Ausbau der Netzwerke und die stetige Vorbereitung bzw. gemeinsame Trainings seien essentiell für eine künftige stringente Zusammenarbeit.

Als Kommandeur des BwKrhs Ulm dankte im Anschluss daran Generalarzt Dr. Hoffmann auch im Namen des gesamten Teams dafür, den ehrenvollen Auftrag bekommen zu haben, diese Konferenz zu unterstützen und das anspruchsvolle wissenschaftliche Programm erstellen zu dürfen. Er sei sich sicher, dass diese Veranstaltung mit Fokus auf die Einsatzmedizin und auf ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischen und praktischen Anteilen auch in diesem Jahr ein Erfolg und ohne Zweifel als wertvolle Ergänzung zu den Veranstaltungen der Special Operations Medical Association (SOMA) in den Vereinigten Staaten überzeugen werde. Ziel sei es, Teilnehmer unterschiedlichster Berufsgruppen und Ausbildungshöhen, Beschäftigungsstellen sowie Ländern zusammenzubringen und gemeinsame Wege zu suchen, um dem Auftrag, Verletzte in Krisensituationen und in Bedrohungslagen bestmöglich zu versorgen, gemeinsam nachzukommen. Das große Interesse und die erneut sehr hohe Anzahl der Teilnehmer unterstreiche den Bedarf und die Notwendigkeit dieser Veranstaltung. Er freue sich vor allem über die zahlreichen Besucher auch aus dem Ausland. Der Bogen der Konferenz-Themen umfasse in den zwei Tagen die Versorgung von Verletzten in militärischen Einsätzen als auch bei Terroranschlägen und Naturkatastrophen im Inland. Neue Schwerpunkte, wie die Lage in den Krisengebieten in Afrika und der zukünftigen Herausforderungen bei ABC-Anschlägen, erweiterten das Programm. Themen der letzten CMC würden auch dieses Mal bewusst wiederholt, um ein gewünschtes „follow up“ als eine Verlaufskontrolle mit „lessons learned“ und Umsetzung bzw. Strukturumwandlung zu dokumentieren.

Als besonderer Höhepunkt seien, wie Generalarzt Dr. Hoffmann betonte, die zahlreichen praktischen Workshops am Nachmittag des ersten Tages zu werten, die, getragen durch das Engagement der Ausbilder die Möglichkeiten bieten, Kenntnisse zu teilen, aufzufrischen und zu ergänzen. Für Generalarzt Dr. Hoffmann und sein Team sei diese Konferenz eine hervorragende Möglichkeit und auch eine Herzensangelegenheit, mit vielen Kameraden und Kollegen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammenzukommen, um als gemeinsames Netzwerk die Aufgaben der Zukunft anzugehen und im Team Hand in Hand zu bewältigen.

Am zweiten Tag wurden parallel zum wissenschaftlichen Programm (mit Vorträgen zur Traumaversorgung und Einsatzchirurgie, chirurgische Versorgung, Training und Ausbildung) vier weitere auf die unterschiedlichen Bedarfsträger und Ausbildungshöhen abgestimmte Vortragsreihen angeboten. Die Beamten der Polizei und Bundespolizei konnten sich im TEMS-Symposium (Tactical Emergency Medical Services) wiederfinden. Für alle medizinischen Assistenzberufe (Rettungsassistenten, Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Pflegekräfte wurden entsprechende Vorträge im Rahmen der Med­Ass-Weiterbildung angeboten. Nationale und internationale CFR (Combat First Responder) sowie SOF- (Special Operations Forces) Medics konnten sich im geschlossenen CFR-Arbeitskreis austauschen, und die Einsatzersthelfer-Bravo (EH-B) hatten die Möglichkeit im Rahmen der EH-B-Fortbildung nicht nur theoretische Anteile zu wiederholen.

Als Ehrengast sprach am Schluss der Grußworte Master Chief (Ret) Steve Viola, Immediate past Präsident der SOMA (Special Operations Medical Association) aus den USA, und stellte die enge Zusammenarbeit beider Veranstaltungen in den Vordergrund. Er betonte die große Notwendigkeit einer europäischen Plattform für die taktische Medizin und freute sich, dass dies nun seit einigen Jahren gelungen sei.

Nach zwei erfolgreichen Tagen CMC-Conference unter dem Motto „who cares wins“ unterstrich bei der Verabschiedung der Kommandeur Regionale Sanitätseinrichtungen, Generalstabsarzt Dr. Kalinowski, die Bedeutung der sanitätsdienstlichen Versorgung auch in Extremsituationen, dankte Veranstaltern wie Teilnehmern für Ihren Dienst am Menschen und würdigte die großartige internationale Plattform dieses ausgezeichnet organisierten und durchgeführten Kongresses. Die nächste CMC Conference findet am 1. und 2. Juli 2020 statt und wird wieder mit Spannung erwartet! 



Datum: 08.10.2018

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 3/2018