08.12.2021 •

Die Wirksamkeit von Assistenzhunden als komplementäre ­Behandlung für die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Einsatzveteranen

Ein systematisches Review

Jonathan Schmidt, Laura Obexer, Wolfgang Schäberle

Zusammenfassung

Hintergrund: Trotz zahlreicher empirisch fundierter Psycho- und Pharmakotherapien weisen Einsatzveteranen bei der Behandlung ihrer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) hohe Non-Response- und Drop-Out-Raten auf. Zusätzlich scheinen sie insgesamt weniger von psychotherapeutischen Behandlungen zu profitieren als Zivilpersonen mit PTBS. Diese Umstände erfordern die Evaluation alternativer und komplementärer Behandlungsmethoden wie den Einsatz von PTBS-Assistenzhunden.

Fragestellung: Es wurde untersucht, ob durch den komplementären Einsatz von PTBS-Assistenzhunden bei Einsatzveteranen mit PTBS eine Veränderung der PTBS-Symptomschwere herbeigeführt werden kann. Ergänzend wurden Veränderungen zur Lebensqualität, zur Depression und zur sozialen Isolation betrachtet.

Methodik: Die Datenbanken und Netzwerke PubMed (NCIB), PTSDpubs (ProQuest), Base, Heidi und Re­searchgate wurden systematisch nach relevanter Literatur durchsucht. Dabei konnten nach vorher definierten Kriterien Pilotstudien und kontrollierte Studien, die im Zeitraum zwischen 2010–2020 in deutscher oder englischer Sprache veröffentlicht wurden, extrahiert werden.

Ergebnisse: Die PTBS-Symptomschwere wurde in den sieben eingeschlossenen Studien mit der PCL und dem TSI-2 erfasst. Dabei konnte eine signifikante Linderung der PTBS-Symptomschwere (0.001 ≤ p ≤ 0.05) nach Erhalt eines PTBS-Assistenzhundes festgestellt werden. Zudem waren die Depressionssymptome der Einsatzveteranen reduziert, sie litten weniger an sozialer Isolation und empfanden eine gesteigerte Lebenszufriedenheit und Lebensqualität.

Fazit: Obwohl die Aussagekraft dieser Ergebnisse aufgrund der großen methodischen Unterschiede der ­Studien, einer nicht-randomisierten Zuordnung der ­Patienten, fehlenden Kontrollinterventionen und der Verwendung von Selbstberichtsverfahren möglicherweise eingeschränkt ist, zeigt sich, dass der komplementäre Einsatz von PTBS-Assistenzhunden bei Einsatzveteranen mit PTBS positive Auswirkungen auf die PTBS-Symptomschwere, die Lebensqualität, die Depression und die sozialen Isolation herbeiführen kann.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.


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