02.07.2021 •

Bioforensische Untersuchungen an historischen Milzbrandproben als Grundlage für moderne Ausbruchsaufklärung im medizinischen B-Schutz

PAUL-SCHÜRMANN-PREIS 2020

Peter Braun (Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, München)

Zusammenfassung

Hintergrund: Der Erreger des Milzbrands, Bacillus anthracis, und insbesondere seine Sporen zählen zu den berüchtigsten potenziellen Biokampfstoffen. Nur durch eine schnelle und exakte Aufklärung sowie Rückverfolgung kann bei Milzbrandausbrüchen zwischen einem natürlichen Auftreten des Erregers oder einer möglicherweise absichtlichen Ausbringung sicher unterschieden werden. Hierfür muss zuvor eine flächendeckende Phylogeografie des Erregers bekannt sein. In Ländern wie Deutschland, in denen Milzbrand nicht mehr oder nur sehr selten vorkommt, bestehen hier erhebliche Wissenslücken, die durch Rückgriff auf historische Proben früherer Milzbrandausbrüche zumindest teilweise geschlossen werden könnten.

Während Genomanalysen rezenter B. anthracis Isolate bereits eine eingehende phylogeografische Abdeckung in Regionen mit regelmäßigen natürlichen Milzbrandausbrüchen ermöglichen, fehlen Einblicke in die historische Genomik des Erregers für die Zeit vor Mitte des 20. Jahrhunderts, als Milzbrand auch in Mitteleuropa noch weit verbreitet war. Aufgrund dieser Datenlücke kann bisher nur sehr schwer entschieden werden, ob es sich bei den seltenen, neu auftretenden Milzbrandfällen in Deutschland um einen natürlichen Ausbruch oder eine beabsichtigte Ausbringung handelt.

Material und Methode: In dieser Arbeit wurde das bislang älteste dokumentierte B. anthracis Genom charakterisiert. Das inaktive 142 Jahre alte Material stammt von einem 1878 in Chemnitz verendeten Rind. Die DNA wurde mit einer speziell für die Analyse von historischen Präparaten entwickelten Methode extrahiert.

Ergebnisse: Das sequenzierte Genom mit 242 einzigartigen Basenpositionen gegenüber seinem nächsten rezenten Verwandten konnte in eine für Mitteleuropa als typisch postulierte, phylogenetische Hauptgruppe von B. anthracis („B. Branch CNEVA“) eingeordnet werden.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.


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