Als Teamarzt bei den Invictus Games 2022 – ein Erfahrungsbericht

Philipp Georg Schnadthorst, Christoph Holtherm, Andreas Lison

Zusammenfassung

In diesem Artikel stellen wir die medizinische Versorgung der 15 Athleten des Team Germany rund um die Invictus Games 2022 in Den Haag vor. Diese durch Prinz Harry begründete paralympische Sportveranstaltung lenkt öffentliche Aufmerksamkeit auf körperliche und seelische Einsatzfolgen und kann für einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten einen wichtigen Beitrag im Rehabilitationsprozess leisten. Etwas Besonderes ist dabei die Implementierung der Angehörigen (Family & Friends) in das Grundkonzept der Spiele, wodurch das soziale Umfeld der Einsatzversehrten im Rehabilitationsprozess berücksichtigt wird. Die Teilnahme an den Invictus Games kann ein Zwischenschritt in der medizinisch-dienstlich orientierten Rehabilitation (MDORBw) sein und folgt stets einer individuellen Zielsetzung, um eventuell bestehende Teilhabestörungen positiv zu beeinflussen. Dafür werden einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten rehabilitativ am Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) geführt und in ambulanten und teilstationären Reha-Maßnahmen behandelt. Erst nach interdisziplinärer Indikationsstellung wird das Sondervorhaben Invictus Games in Zusammenarbeit mit der Gruppe Sporttherapie der Sportschule der Bundeswehr (SportSBw) durchgeführt.

Vorbereitung und Training für die Spiele erfolgen in zweiwöchigen Trainingslagern unter truppenpsychologischer Begleitung. Vor dem Wettkampf werden die Teilnehmenden durch eine Kategorisierung in Schadensklassen eingeteilt, um faire Bedingungen zu ermöglichen. Der Teamarzt wird vom ZSportMedBw gestellt und sichert die allgemein-, sport- und notfallmedizinische Versorgung am Wettkampfort, wobei vor dem Hintergrund einer zielgerichteten Rehabilitation die Vermeidung von negativen Einflüssen priorisiert wird. Beispielhaft dafür ist das Invictus Loch, bei dem nach Beendigung der Invictus Games durch das Wegfallen von produktiver Zielsetzung Sinn der rehabilitative Behandlungserfolg gefährdet wird. Um negativen Auswirkungen entgegenzuwirken, ist eine fachkundige rehabilitative Betreuung auch über die Dauer der Invictus Games hinaus essenziell.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.


Verwandte Artikel

„Quo vadis Tropenmedizin 2.0?“

„Quo vadis Tropenmedizin 2.0?“

Mobilität, Klimawandel, Krisen, Kriege, Migrationsströme und viele weitere Faktoren führen zum Auftreten von Infektionserkrankungen weit über ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete hinaus.

Wehrmedizinische Monatsschrift 11/2022

Drei Jahre medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe in der sanitätsdienstlichen Versorgung der Bundeswehr

Drei Jahre medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe in der sanitätsdienstlichen Versorgung der Bundeswehr

Die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wurde im November 2019 in den Leistungskatalog der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung (utV) aufgenommen.

Wehrmedizinische Monatsschrift 11/2022

Sport gegen Tagesschläfrigkeit

Sport gegen Tagesschläfrigkeit

Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie) ist für Betroffene und ihr Umfeld sehr belastend. Aufgrund einer therapeutisch häufig nur unzureichenden Beeinflussbarkeit hat sie teilweise die Berufsunfähigkeit zur Folge. Zu den primären Hypersomnien zählen...

Wehrmedizinische Monatsschrift 11/2022

Meist gelesene Artikel

Photo

Der menschliche Faktor

Im Jahr 2005 starb in Großbritannien eine junge Frau bei einem Routineeingriff aufgrund fehlender Beatmung. Die anschließend eingeleitete Untersuchung ergab Folgendes: Die Art des Notfalls war…

Photo

Life Saving Hemostasis Technology

Wenige Minuten sind entscheidend, um ein Leben zu retten. Bei diffusen, unklaren Blutungen ist die Verwendung eines blutstillenden Verbandes oft die einzige Möglichkeit, die Blutung zu stoppen.