10.12.2009 •

DIE ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG IM BEREICH DER GESUNDHEITSVERSORGUNG

Rahmenbedingungen für die Bundeswehrkrankenhäuser

Das Gesundheitswesen im Umbruch

Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich derzeit in einem seiner größten und umfassendsten Umwälzungsprozesse. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Art. In jedem Falle aber ist das Bestreben nach Effizienz und Kostensenkungen maßgebend für jede Überlegung, das System weiter zu reformieren. Und so ist es denn auch kaum verwunderlich, dass die Regelungsdichte in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat und noch weiter zunehmen wird. Die Notwendigkeit, das System umzugestalten und für die Zukunft fit zu machen, hat allerdings mit keiner dieser Reformen abgenommen und so sind die bisherigen Bemühungen letztlich nur ein Meilenstein auf dem weiteren Weg.

Die zunehmende Verrechtlichung einerseits, der immense ökonomische Druck auf der anderen Seite hat alle Beteiligten im Gesundheitssystem im zunehmenden Maße veranlasst, nach Lösungsmöglichkeiten und Auswegen aus der bisherigen Situation zu suchen, um sich letztlich fit für die Zukunft zu machen. Dies hat nicht zuletzt dazu geführt, dass immer größere Einheiten auf Leistungserbringerseite entstanden sind. Häufig wird hierbei zwar der Weg der Kooperation zwischen verschiedenen Leistungserbringern gesucht. Allerdings geraten auch immer häufiger Fusionen und Übernahmen in den Blickpunkt des Interesses, um über Größenvorteile Synergien zu heben, die letztlich Vorteile im sich immer mehr verschärfenden Wettbewerb sichern sollen. Denn gerade der Aspekt des Wettbewerbs ist es, der im Mittelpunkt der jüngsten Reformbestrebungen stand und auch in Zukunft stehen wird.

Wettbewerb als Voraussetzung für Effektivität und Nachhaltigkeit des Systems

Fest steht, dass den aktuellen und künftigen Herausforderungen nicht durch ein Festhalten am überkommenen System begegnet werden kann. Nur durch die konsequente Einführung wettbewerblicher Elemente kann das bestehende System eine nachhaltige Stärkung erfahren. Und so wurde bereits durch die Reformen in den 90er Jahren versucht, das Gesundheitswesen stärker zu liberalisieren und zunehmend wettbewerbliche Elemente einzuführen. Ein funktionierender Wettbewerb im Gesundheitswesen ist grundlegende Voraussetzung für die Beseitigung unwirtschaftlicher Versorgungsstrukturen. Daneben ist er aber auch Innovationsmotor, indem er dazu beiträgt, dass sich die Akteure im Gesundheitswesen immer wieder aufs Neue um Qualitätsverbesserungen bemühen und den Versicherten innovative Produkte und Dienstleistungen anbieten.
Der erst jüngst eingeführte Gesundheitsfonds etwa ist hierfür elementare Voraussetzung, indem er den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen weiter verschärfen wird. Zugleich wird künftig der Aspekt Qualitätssicherung immer wichtiger werden, nicht zuletzt auch deshalb, um sich im Wettbewerb besser voneinander angrenzen zu können. So ist in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu beobachten gewesen, dass Krankenkassen verstärkt auch Qualitätsaspekte in die vertraglichen Vereinbarungen mit Leistungsanbietern aufnehmen.
Der hierdurch hervorgehobene Wettbewerb einhergehend mit dem wachsenden finanziellen Druck führt in der Folge allerdings auch dazu, dass Krankenhäuser zunehmend neue Wege beschreiten müssen, um den wachsenden Herausforderungen effektiv begegnen zu können. Häufig wird hierbei der Weg einer Fusion oder der Privatisierung einer Klinik beschritten, um den aktuellen Herausforderungen des Marktes gerecht zu werden. Doch auch generell müssen bestehende Strukturen und Prozesse auf Ihre Geeignetheit hin immer wieder überprüft und bewertet werden.

Die Reform des Gesundheitswesens: Situation der Bundeswehrkrankenhäuser

Was für das Gesundheitswesen im Allgemeinen bzw. den zivilen Bereich der medizinischen Versorgung zutreffend ist, beansprucht letztlich auch für die wehrmedizinische Versorgung vollumfänglich Geltung. Mehr noch: Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage und der Tatsache, dass erhebliche Personalressourcen durch zunehmende und komplexe Auslandseinsätze gebunden sind, hat sich die Situation der Bundeswehrkrankenhäuser nicht erst in der jüngsten Vergangenheit erheblich verschärft. Dies wird durch den Umstand verstärkt, dass qualifizierter Nachwuchs häufig ausbleibt und in zunehmendem Maße schwieriger zu rekrutieren ist. Wurde bisher durch verstärkte Rationalisierungsanstrengungen und vor allem durch die Zusammenlegung bzw. Schließung von Bundeswehrkrankenhäusern auf die sich verschärfende wirtschaftliche Situation reagiert, so stellt sich die Frage, wie den aktuellen und künftigen Herausforderungen besser und vor allem nachhaltig Rechnung getragen werden kann. Vor allem ist hierbei von Interesse, in welche Richtung sich die regulatorischen Rahmenbedingungen bewegen werden und welche Rolle dabei den Bundeswehrkrankenhäusern zugedacht werden wird. Mehr als bisher werden sich die Bundeswehrkrankenhäuser dem Wettbewerb mit ihren zivilen Konkurrenten stellen müssen. Dies ist letztlich auch eine Folge des verstärkten Kostendrucks, der nur durch eine Ausweitung der Aktivitäten begegnet werden kann. Insofern wird es in Zukunft zu einer deutlichen Erhöhung des Anteils der Betten für Zivilpatienten kommen müssen. Zugleich wird es unabdingbar sein, neue Betätigungsfelder zu erschließen, um nicht gegenüber den Zivilkrankenhäusern ins Hintertreffen zu geraten. Daneben aber wird der bereits bisher zu beobachtende Trend zur verstärkten Kooperation mit Zivilkrankenhäusern auch in Zukunft weiter anhalten. Dies geschieht nicht zuletzt vor dem Hintergrund, sich das entscheidende Know-how zu sichern und vor allem Zugang zu weiteren Patientenkreisen zu sichern. Beispiele aus der Praxis wie etwa die weitreichende Kooperation des BwK Hamburg mit dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) oder der gemeinsame Betrieb des Klinikzentrums Westerstede durch das BwK Westerstede und die Ammerland-Klinik zeigen hier eine Tendenz auf, die für den gesamten Sektor richtungsweisend ist und der sich auch andere Einrichtungen in Zukunft kaum entziehen werden können.
Daneben aber darf auch die innere Modernisierung des Sanitätsdienstes nicht vergessen werden. Zwar ist der Sanitätsdienst letztlich ein klassischer Dienstleister. Allerdings muss dabei immer berücksichtigt werden, dass er der Truppe und ihren Planungen zu folgen hat und sich insofern seine fachliche und organisatorische Ausrichtung an diesen Erfordernissen zu messen hat. Gerade die Anpassung an die Anforderungen des Sanitätsdienstes im Einsatz wird auch in Zukunft erhebliche Sach- und Personalmittel binden. Dies ist Folge der dramatischen sicherheitspolitischen Veränderungen der letzten Jahre und die auch hieraus resultierende Notwendigkeit zur Weiterentwicklung einerseits sowie Neuorientierung der Bundeswehr bzw. der Bundeswehrkrankenhäuser andererseits.

Der Sanitätsdienst hat nach seiner Zentralisierung sowie im Rahmen der Transformation umfangreiche strukturelle Veränderungen erfahren. Nicht zuletzt die Tatsache, dass vor allem auch die Bundeswehrkrankenhäuser konsequent auf den Auftrag der Einsatzunterstützung ausgerichtet worden sind, hat sich die Landschaft des Sanitätsdienstes in den letzten Jahren erheblich verändert. Dies führte sicherlich zu einem erheblichen Effizienzgewinn, andererseits aber auch zu einer bedeutsamen Weiterentwicklung der Versorgungsqualität insgesamt. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr durch die Besonderheit ausgezeichnet ist, weitreichend mit dem zivilen Gesundheitssektor verzahnt zu sein. Gerade diese enge Verknüpfung ist es, der in Zukunft eine noch weiter reichende Bedeutung beizumessen sein wird, um auch den künftigen Herausforderungen, insbesondere vor dem Hintergrund des sich zunehmend abzeichnenden verschärften Wettbewerbs, gerecht zu werden. Von Bedeutung wird hierbei auch sein, inwiefern der Ausstattung der Bundeswehrkrankenhäuser in personeller Hinsicht die nötige Basis gegeben wird. Konnte etwa bis in das Jahr 2007 hinein die Personalentwicklung als planmäßig bezeichnet werden, so ist doch in den letzten Jahren eine Entwicklung zu verzeichnen, die durchaus Anlass zur Sorge gibt. Gerade die Tatsache, dass im zivilen Gesundheitswesen erhebliche Anstrengungen unternommen worden sind, um die Attraktivität für qualifiziertes Personal zu steigern, hat dazu geführt, dass sich für den Sanitätsdienst der Bundeswehr ein nicht zu vernachlässigendes Personalproblem aufgetan hat. Dieser Trend wird noch dadurch erschwert, dass im deutschen Gesundheitswesen ohnehin ein erheblicher Ärztemangel zu verzeichnen ist, der sich in Zukunft sogar noch verschärfen wird. Dieser Entwicklung kann nur dadurch Rechnung getragen werden, dass der Sanitätsdienst künftig wieder attraktiver ausgestaltet wird und so auch Anreize für junges qualifiziertes Nachwuchspersonal geschaffen werden. Anderenfalls nämlich werden jegliche Reform- und Transformationsbestrebungen durch den Mangel an geeignetem Personal konterkariert, sodass letztlich nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber zivilen Einrichtungen beeinträchtigt wäre, sondern die Einsatzfähigkeit des Sanitätsdienstes insgesamt zunehmend kritisch betrachtet werden müsste.

Datum: 10.12.2009

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2009/4

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