01.10.2008 •

Data-Mining als Mittel zur modernen Datenanalyse

Die elektronische Dokumentation ist ein Kernprozess innerhalb eines modernen Krankenhauses, der die prozessorientierte, sichere Archivierung von Befunddaten und deren schnelle Verfügbarkeit ermöglicht. Durch die verfügbaren technischen Möglichkeiten tritt die papiergebundene Patientenakte immer weiter in den Hintergrund. Damit enden auch die Zeiten, in denen ein behandelnder Arzt wertvolle Zeit auf der Suche nach Röntgenbildern und aktuellen Laborwerten verliert. Durch die Entwicklung des Gesundheitssystems in den letzten Jahrzehnten ist neben den gewachsenen Ansprüchen an die medizinische Dokumentation auch eine entsprechende gesetzliche Erfordernis und ein Anspruch der Krankenkassen an die Art der Abrechnung mit den Krankenhäusern entstanden. Auch im Rahmen dieser Abrechnung ist eine elektronische Datenverarbeitung nicht mehr wegzudenken. Diese Entwicklung wurde durch den steigenden Druck hin zu mehr Wirtschaftlichkeit weiter verstärkt. Um diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, wurde im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ein modernes Prozessmanagement eingeführt, das unter dem Gesichtpunkt der Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität bei gleichen oder sinkenden Behandlungskosten die Effizienz der Arbeitsprozesse des Krankenhauses steigert. Neben der Vorort-Prozessanalyse stellt die Analyse der vorhandenen Datenbestände das so genannte „Data-Mining“, eine Kernkompetenz dieses kontinuierlichen Verbesserungsprozesses dar. Data-Mining ist eine statistisch-mathematische Methode, um in einem Datenbestand bestimmte Informationsmuster kenntlich zu machen. Basis ist die Erkenntnis, dass gerade bei großen Datenbeständen Metainformationen jenseits der einzelnen Datensätze entstehen, die relevante Führungsdaten beinhalten. Data-Mining bemüht sich daher um die Extraktion primär verborgener inhaltlicher Zusammenhänge, die sich jenseits der einzelnen Softwarekompartimente erst in der Zusammenschau aus den unterschiedlichen Quellen erschließen.

In unserem Krankenhaus werden eine Vielzahl von Informationen digital erfasst und verarbeitet. Eine Analyse dieser Daten wurde bisher innerhalb der Bundeswehrkrankenhäuser nur bedingt betrieben. Im Rahmen eines neuen Ansatzes wurden durch das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg Wege entwickelt, die gerade die führungsrelevanten medizinischen Prozessinformationen für Auswertungen verfügbar machen sollen.
Ermöglicht wurde dies durch primäre Ausblendung von personenbezogenen Informationsinhalten und somit Wahrung der notwendigen Anonymität der einzelnen Patienten. Es wurden Informationspakete erstellt, die anonymisierte Analysen zuließen.
Als Kontrollinstrument diente dabei die so genannte Aufenthaltsnummer, die bei jedem Fall eindeutig erzeugt wird.
Diese Kontrollmöglichkeit eröffnete dem behandelnden Arzt die Möglichkeit, seinen Patienten zu Validierungszwecken aus den anonymen Daten wieder zu identifizieren. Gleichzeitig verhindert das in unserem Haus bestehende Zugriffsrechtekonzept für den gesamten Datenspeicher die Identifikation eines Patienten durch einen nichtberechtigten Nutzer.
Basierend auf den validierten Daten wurden automatisierte, vollständig anonymisierte Reports entwickelt und den verschiedenen Nutzerebenen verfügbar gemacht.

Im ersten Pilotdurchlauf wurden primär bekannte Informationspakete umgesetzt. Hintergrund war das Bestreben,
a) die erstellten Reports durch bereits im System vorhandene Analysen im laufendem Prozess zu kontrollieren und
b) eine graphische Aufbereitung dieser im Haus ständig benötigen Informationen zu ermöglichen, die über die Darstellungen in dem vorhandenen Krankenhausinformationssystem hinausgehen.

Im momentan laufenden zweiten Projektdurchlauf werden weitere Kennzahlen und Metainformationen ermittelt und validiert. Hierbei sollen neben Analysen zum Einzugsgebiet von zivilen und militärischen Patienten, der Darstellung der vorhandenen Altersstrukturen und der Verteilung auf die verschiedenen Erkrankungsgruppen auch Wege gefunden werden, in besonderen Situationen wie MANV (Großschadensfall), oder der Notwendigkeit einer Evakuierung des Krankenhauses die im System vorhandenen Daten schnell und effizient bereitzustellen.

Bereits jetzt lässt sich zeigen, dass durch Data- Mining und verwandte Methoden des „Knowlege Discovery in Datenbase“ die Prozesssteuerung in unserem Krankenhaus erleichtert werden kann. Die Bereitstellung von für den Nutzer transparenten Reports erhöhte die Akzeptanz notwendiger Anpassungen von Arbeitsabläufen.
Manche der neu gefundenen Zusammenhänge trugen dazu bei, bislang gemutmaßte Tatbestände in objektiv gemessene Tatsachen zu korrigieren. (Gefühlte versus gemessene Verspätungen des morgendlichem OP- Beginns.)

Wir haben den Ansatz gewählt, die Prozessanalyse nicht durch externe Firmen durchführen zu lassen, sondern vielmehr das interne Knowlege- Warehouse zu erweitern, um diese Kompetenz zu erweitern. Die Validität und die Reaktionszeit von Datenanalysen für den hausinternen als auch externen Informationsbedarf wurden dadurch verbessert.
Die ebenfalls im Rahmen des Projektes erfolgte Analyse des Kernprozesses Krankenhausinformationssystems (KIS) führte zu vielfältigen Verbesserungen. Durch das gesteigerte Datenbankverständnis wurde die Kommunikation mit Softwareanbietern/Supportunternehmen verbessert und die Möglichkeit geschaffen, kostenpflichtige Dienstleistungstage für Systempflege und –wartung durch Eigenleistung einzusparen.
Die notwendige Investition in die Ausbildung von Personal wird bereits jetzt durch Einsparungen im Bereich der Supporttage ausgeglichen.
Da die Erfahrung im „Knowlege Discovery in Datenbase“ nicht an die verwendeten Datenbankstrukturen gebunden ist, kann trotz der sich verändernden Komponenten in den Krankenhausinformationssystemen der Bundeswehr auch zukünftig auf die vorhandenen Kenntnisse zurückgegriffen werden. Auch befähigt der Ausbau im Knowlege-Warehouse das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, sich und seine Datenbestände bereits jetzt auf die Zukunftsfähigkeit hin zu prüfen und diese durch gezielte Maßnahmen zu verbessern.
Abschließend lässt sich feststellen, dass Kenntnis und Verständnis der eigenen Datenstrukturen und die Fähigkeit schnell und selbstständig Analysen der Datenbeständen durchzuführen, wesentliches Erfolgs- und Führungsinstrument am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg geworden sind.

Datum: 01.10.2008

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2008/3

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