Artikel: M. Mülder

Gemeinsam Gesundheit Gestalten - Dar­stellung eines dienststellenübergreifenden BGM Projekts am Standort Bonn

Aus dem Sanitätsversorgungszentrum Bonn (Leiter: Oberstarzt Dr. H. Radtke)

Die Halbzeit der Implementierungsphase des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ist beinahe erreicht. Seit Anfang des Jahres 2016 wurde mit dem Roll-Out des BGM bei der Bundeswehr begonnen, mit dem Ziel dieses bis Ende des Jahres 2019 auf alle Dienststellen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) auszufächern.

Am Standort Bonn ist das Maßnahmenangebot der drei Säulen Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), Arbeits- und Gesundheitsschutz (AGS) und Führung und Organisation (FuO) seit den Anfangstagen stetig gewachsen. Gründend auf einer einjährigen Erprobungsphase am 1. Dienstsitz des BMVg in Bonn präsentiert der Standort inzwischen ein umfangreiches Angebot an BGM-Maßnahmen und verfolgt gleichzeitig zielstrebig Ambitionen dienststellenspezifische Maßnahmen zu entwickeln, um Herausforderungen in den Bereichen AGS und FuO anzugehen.

Schon im Frühjahr 2016 wurde hierzu mit der „Rahmenvereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung von Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements durch die Dienststellen am Standort Bonn zur Sicherstellung des Versorgungs-Versicherungsschutzes“ eine wichtige Grundlage entwickelt, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vielfältige Möglichkeiten zu bieten ihre Arbeitsbedingungen und ihren dienstlichen Alltag gesundheitsförderlich zu gestalten.

Ein Standort mit großen und Kleinstdienststellen

Am Standort Bonn arbeiten rund 5.800 Beschäftigte der Bundeswehr. 3.240 zivile und 2.560 militärische Beschäftigte verteilen sich auf 12 Dienststellen, zusätzliche Klein- und Kleinstdienststellen, sowie Dienststellenteile. Neben dem Bundesamt für Infrastruktur, Umwelt und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw, 1.500 Beschäftigte), dem BMVg (1.350) und dem Kommando Streikräftebasis (Kdo SKB, 900) zählen das Streitkräfteamt (SKA, 550), eine Aussenstelle des Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw, 440) und das Kommando Informationstechnik der Bundeswehr (KdoITBw, 400) zu den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Dienststellen des Standortes.

Das Zentrum des Standortes bildet die Liegenschaft Hardthöhe, in der sich mit 4.700 Beschäftigten der Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befindet. Weitere 1.100 Beschäftigten verteilen sich auf vierzehn weitere Liegenschaften im gesamten Stadtgebiet.

Die personelle Aufstellung und Größe, die sich bei einer Dienststelle als Vorteil bei der Etablierung eines attraktiven BGM Angebotes feststellen lässt, stellt sich bei anderen kleineren Dienststellen wiederum als große Herausforderung dar. Auch die infrastrukturellen Ressourcen der flächenmäßig unterschiedlichen Liegenschaften könnten gegensätzlicher nicht sein und fordert zum Teil kreative Lösungsansätze um gesundheitsförderliche Ansätze im Arbeitsalltag zu integrieren und zu verbessern.

BGM Bonn im Entwicklungsprozess

Der Grundstein für das BGM am Standort Bonn wurde durch Hauptmann Fabian Blachny als BGM-Koordinierender im Erprobungsvorhaben am BMVg 1.Dienstsitz Bonn gelegt. Neben der Analyse betrieblicher Arbeitsstrukturen der Beschäftigten in der Liegenschaft Hardthöhe wurde in enger Zusammenarbeit mit den Organisationsbereichen BMVg, Streitkräftebasis und dem BAIUDBw Bedarfsermittlungen und erste Maßnahmen durchgeführt.

Aufbauend auf den Ergebnissen des Erprobungsvorhabens wurde am 01. Januar 2016 mit der Implementierung des BGM auf den gesamten Geschäftsbereich begonnen. Wesentliches Implementierungselement auf der operativen Ebene ist dabei die Gründung der BGM Koordinierungsstelle Bonn mit zwei Dienstposten, deren schwerpunktmäßige Aufgabe die Beratung und Unterstützung von Dienststellenleitern und Dienststellenleiterinnen und dem Gremium Gesundheit ist.

PhotoWochenplan des BGF-Angebotes des BGM auf der Hardthöhe Die Einrichtung eines Gremiums Gesundheit an jeder Dienststelle ist Voraussetzung um ein dienststellenspezifisches BGM zu entwickeln. Ziel ist es auf Basis unterschiedlicher Herausforderungen und Belange der Dienststelle gezielte gesundheitsförderliche Maßnahmen zu etablieren. Während ein Großteil der Beschäftigten Ihrer Arbeit sitzend im Büro nachgeht, sind andere Dienststellen(teile) durch überwiegend aktive Tätigkeiten mit spezifischen Belastungsanforderungen geprägt.

Trotz vereinzelter Unterschiede im Tätigkeitsprofil, und der damit verbundenen Arbeitsbelastungen, überschneidet sich der inhaltliche Bedarf an BGM-Maßnahmen dienststellenübergreifend. Hauptsächlich sitzende Tätigkeiten lassen hier bei allen Beschäftigten am Standort Bonn beispielsweise einen erhöhten Bedarf an gesundheitsförderlichen Bewegungsmaßnahmen und Ernährungsseminaren feststellen. Aufgrund vergleichbarer Arbeitsorganisationsstrukturen in den Dienststellen sind außerdem Maßnahmen im Bereich Stressprävention, sowie Führung und Organisation von hoher Relevanz.

Unterstützt wird deren Umsetzung durch einen umfangreichen Pool an Beschäftigten, die sich, zusätzlich zu ihrem dienstpostengebundenem Hauptauftrag, freiwillig engagieren als Kursleiterinnen und Kursleiter zu fungieren. Durch dieses Engagement von internem fachlich qualifiziertem Personal kommt in der Liegenschaft Hardthöhe ein wöchentliches Angebot von rund 25 regelmäßig stattfindenden präventiven Maßnahmen der Bereiche Bewegung, Stressprävention und Ernährung zustande. Je nach Bedarf an zusätzlichen BGM-Maßnahmen, welcher durch Bedarfsanalyseverfahren durch die Gremien Gesundheit ermittelt wird, können ergänzend Leistungseinkäufe durch externe Referentinnen und Referenten getätigt werden. Hierzu zählen beispielsweise Suchtpräventionsmaßnahmen, Ergonomieschulungen, Führungskräftecoachings, Ernährungs-, Raucherentwöhnungs- und Stresspräventionsseminare.

Gemeinsamer Ansatz

Bei der Durchführung der Maßnahmen wird dienststellenübergreifend auf Liegenschaftsin-fra­struktur wie Sporthalle, Sportraum, Sportplätze und Besucherzentrum, sowie weitere Vortragsräume zurückgegriffen. Neben der Liegenschaft Hardthöhe organisieren sich die weiteren Bonner Bundeswehrliegenschaften in sogenannten BGM-Bereichen („Bonn-Zentrum“ und „Bonn-Beuel“), um die knapp vorhandenen infrastrukturellen Ressourcen zu bündeln und Infrastruktur in fußläufigen Liegenschaften zu nutzen. 

Zur Bündelung der einerseits knapp vorhandenen infrastrukturellen Ressourcen, viel mehr aber der personellen Ressourcen wurde mit Wirkung vom 21. November 2016 durch den Standortältesten Bonn Herrn Brigadegeneral Kai Brinkmann, die „Rahmenvereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung von Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements durch die Dienststellen am Standort Bonn zur Sicherstellung des Versorgungs- Versicherungsschutzes“ verabschiedet. 

Die dienststellenübergreifende Organisation schafft ein breiteres Angebotsspektrum von Maßnahmen im Sinne der Zielsetzung des BGM und ermöglicht den Beschäftigten der Klein- und Kleinstdienststellen eine aufwandsarme Teilnahmemöglichkeit. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zivil wie militärisch, können an Bewegungsangeboten teilnehmen, auch wenn die bzw. der Durchführende aus einer anderen Dienststelle kommt. Die fachliche Qualifikation der Kursleiter/in sowie der angebotenen Maßnahme wird in Abstimmung mit den zuständigen BGM-Koordinierenden durch die ausrichtende Dienststelle bewertet und anerkannt. Dazu haben die jeweiligen Dienststellen die Maßnahmen in Wochenpläne bzw. entsprechende Befehle/Weisungen oder Anordnungen aufzunehmen. 

Die durch den Hauptpersonalrat beim BMVg mitgezeichnete BGM-Rahmenvereinbarung regelt zudem den Versorgungsschutz bei Unfällen, die als Voraussetzung für dessen Gewährleistung immer im Zusammenhang mit der Teilnahme an einer durch die Dienststellenleitung anerkannten BGM-Maßnahme stehen muss, auch wenn das Verlassen der Liegenschaft dafür nötig ist (sogenannter Wegeunfall).

Der runde Tisch

Wichtiges Instrument der Rahmenvereinbarung ist die Koordinierungsbesprechung der Dienststellen am Standort Bonn unter Leitung der BGM-Koordinierungsstelle Bonn. Die BGM-Koordinierenden laden vierteljährlich Vertreterinnen und Vertreter der Gremien Gesundheit und die BGM-Beauftragten aller Dienststellen ein, um zum einen strategische Informationen aus den übergeordneten Arbeitsebenen des BGM in der Bundeswehr an die Umsetzungseben weiterzugeben. Zum Anderen erfolgt in der Koordinierungsbesprechung eine Abstimmung aller neuen BGM-Maßnahmen, welche durch die Vertreter und Vertreterinnen der Dienststellen vorgestellt werden. Frei Teilnehmerplätze bei unregelmäßig stattfindenden Seminaren und Schulungen, die aufgrund erhöhten Bedarfs an einer Dienststelle durch externe Expertinnen und Experten abgedeckt werden, können hier zur Teilnahme von Beschäftigten anderer Dienststellen geöffnet und bekannt gegeben werden. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit der externen Leistungseinkäufe und führt zugleich zu stetig gefüllten Seminarräumen.

Ein kritischer Austausch aller Beteiligten und das Beisteuern von Ideen und Anregungen wird von den Koordinierenden ebenso gewünscht wie der Abgleich von Informations- und Wissensständen zu Gesundheitsthemen. Ein weiteres Ziel der Koordinierungsbesprechung und des Ansatzes eines gemeinsamen BGM ist, dass Klein- und Kleinstdienststellen auf diese Weise von leistungsstärkeren und personell stärker besetzten Gremien Gesundheit größerer Dienststellen mitgezogen werden und profitieren.

Engagement vieler Akteure notwendig

Im Laufe der bisherigen Implementierung ist immer deutlicher geworden, dass ein zielorientiertes BGM an einem Standort nur durch Beteiligung vieler Akteure funktioniert. Angefangen bei der Dienststellenleitung mit einem aus ausreichend Vertretern aufgestelltem und die Leitung beratenden Gremium Gesundheit, über die BGM-Koordinierungsstelle und die Durchführenden der Maßnahmen bis letztendlich hin zu den Teilnehmenden ist ein hohes Engagement verschiedenster Ebenen notwendig.

Letztendlich werden auch am Standort Bonn nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Maßnahmen des BGM erreicht. Doch sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, ist die eigene Ent­scheidung jedes Menschen: die Möglichkeiten und das Angebot sind ausreichend vorhanden. 


Kapitänleutnant Maurice Mülder
BGM Koordinierungsstelle Bonn
Sanitätsversorgungszentrum Bonn
E-Mail: mauricemuelder@bundeswehr.org

Datum: 23.04.2018

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 1/2018

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