Jubiläum in einem Haus, das niemals schläft

65 Jahre Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

C. Witzel

Der Baufortschritt am neuen Multifunktionsgebäude und dem Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine ist nicht zu übersehen
Bundeswehr/BwKrhs Hamburg

Mit geschlossenen Augen hat sich in den Jahrzehnten nicht viel verändert. Inmitten der Eingangshalle des Bundeswehrkrankenhauses (BwKrhs) Hamburg mischen sich die typischen Geräusche und Gerüche einer Klinik miteinander. Das Martinshorn von sich nähernden Krankenfahrzeugen, leise und laute Gespräche, Weinen und Trösten, Fragen und Antworten, schnelle Schritte auf den Fluren, das Rollen von Betten und der Geruch von Desinfektionsmittel mischt sich mit einem Hauch von Kaffee.  

Doch mit offenen Augen betrachtet hat das heutige Klinikum kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Lazarett von damals. Nur der unter Denkmahlschutz stehende Hauptteil des alten Gebäudes, mit der Inschrift „Scienciae, Humanitatae, Patriae“ („Wissenschaft, Menschlichkeit, Vaterland“) im Inneren der Aula, erinnert an die Jahre vor 1958.  

Inzwischen prangt der Leitsatz „Der Menschlichkeit verpflichtet“ in großen Buchstaben über der Einfahrt. Das Kopfsteinpflaster ist durch Straßen und breite Zufahrten ersetzt, die alten massiven Türen durch Sicherheitsglas. Eine hochmoderne Notaufnahme mit angrenzendem Neubau flankiert die linke Seite des 1,4 Millionen Quadratmeter großen Geländes. Angrenzend an den Neubau bildet sich der weitere stetige Prozess der Modernisierung ab. In den Herbsthimmel ragen die Baukräne für das zukünftige Multifunktionsgebäude. Auf 33 000 Quadratmetern entstehen hier knapp 1 000 Räume mit multimodernen Operationssälen, Fachuntersuchungsstellen und dem Schifffahrtsmedizinische Institut der Marine, inklusive der modernsten Druckkammern in Deutschland.  

Eine Symbiose zwischen alt und neu

Im Jahr 1937 begann die Geschichte als Standortlazarett des Heeres – mit rund 400 Betten war es das größte Lazarett der Wehrmacht in Deutschland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte das britische Militär das Haus, bis es im Jahr 1958 offiziell zum Lazarett der Bundeswehr wurde. Rund elf Jahre später (1969) bekam das heutige Klinikum seinen Titel „Bundeswehrkrankenhaus“ und wurde damit auch für die Behandlung von zivilen Patienten geöffnet.  

Inzwischen sind rund 80 Prozent der Patienten Zivilisten – 25 000 Menschen suchen jedes Jahr in der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme des BwKrhs Hamburg nach Hilfe. Hilfe, die nur dank der 1 300 Mitarbeiter Tag und Nacht gewährleistet werden kann.  

Ein weiterer wichtiger Aspekt des BwKrhs Hamburg ist seine Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal. Das Klinikum bietet ein breites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten und mittels zahlreicher Kooperationen mit Universitäten sowie anderen medizinischen Instituten leistet das Krankenhaus einen wichtigen Beitrag zur Förderung des medizinischen Nachwuchses in Hamburg. Durch die Teilnahme an klinischen Studien trägt die Klinik zusätzlich zur Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaft bei. Aber der Kernauftrag wird dabei nie vergessen. Die Entsendung von medizinischem Personal und Hilfsgütern in Krisengebiete zur humanitären internationalen Unterstützung bei der Versorgung von Notfallpatienten.

Aber selbst wenn die Teams des Krankenhauses tausende Kilometer entfernt von der Heimat Hamburg ihre Arbeit aufnehmen, sind die Geräusche mit geschlossenen Augen wieder dieselben. Das Surren der Monitore, die leisen und lauten Gespräche, das metallische Klappern und Piepen von medizinischen Geräten begleiten wie immer den nächtlichen Rhythmus des Krankenhauses – egal wo. Hoffnung, Heilung und Hingabe, alles an einem Ort und immer ein Stück BwKrhs Hamburg.  



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