Bundeswehrkrankenhaus Ulm – Infrastruktur der ­Extraklasse

G. Weisel

Die Grundsteinlegung des Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Ulm wurde am 26.11.1974 gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt entstand der tiefste Baustellenaushub in Süddeutschland.

Es mussten für die ambulante Patientenversorgung, Technik und eine erdversenkte Anlage vier Untergeschosse geschaffen werden. So entstand ein Krankenhaus mit über 600 Betten, einer Apotheke, einem Ambulanztrakt, dem OP-Bereich, Wirtschaftsgebäuden und einer Truppenunterkunft. Das Gebäude wurde in Stahlskelett-Bauweise ausgeführt und erhielt dafür 1980 den Stahlbaupreis. Am 15.10.1979 wurde es an die Bundeswehr übergeben. Der Ambulanzbetrieb wurde bereits 1979 aufgenommen und im Januar 1980 dann auch der stationäre Betrieb.

Die erdversenkte Anlage (EVA) war nichts Anderes als ein 1 000 Betten Reservelazarett. In der Planung einer sanitätsdienstlichen Versorgung im Kalten Krieg waren solche Einrichtungen über die ganze Republik verteilt und die Ulmer als Bunker mit unmittelbarer Verbindung zum Krankenhaus ausgeführt worden. Nach wiederholter „Beübung“ in den vergangenen Jahren spielte sie in den jüngeren sanitätsdienstlichen Einsatzplanungen keine Rolle mehr, sodass man mit dem Rückbau einzelner Technikeinrichtungen begonnen hat. Im Rahmen einer erneuten Priorisierung der Bündnis- und Landesverteidigung ist die EVA jedoch wieder in den Fokus gerückt und es werden Überlegungen angestellt, wie man diese Einrichtung unter neuen Voraussetzungen in einem Gesamtkonzept wieder nutzen könnte.

Das BwKrhs Ulm ist als Bestandteil des neu entstandenen Universitäts- und Wissenschafts-Campus am Oberen Eselsberg gebaut worden. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Universität mit Teilen ihrer Kliniken und dem Rehabilitationskrankenhaus Ulm. In der weiteren Umgebung entstanden verschiedene Institute und Forschungseinrichtungen, die sowohl von der Universität als auch durch die Wirtschaft betrieben wurden.

Auf der freien Fläche entstand damit ein idealtypischer Standort für die Versorgung von Patienten. Eingebunden in ein enges Netzwerk mit kurzen Wegen zu verschiedenen Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Patientenversorgung, einer optimalen teils gemeinsam genutzten Versorgungsstruktur und einer Anbindung an das bestehende Verkehrssystem.

Ursprüngliche Baugrube des BwKrhs Ulm
Ursprüngliche Baugrube des BwKrhs Ulm
Quelle: BwKrhs Ulm

Das Krankenhaus selbst wurde vom Architekturbüro Heinle und Wischer als Krankenhaus im Park konzipiert. Auf dem Gelände wurden daher von Nord nach Süd drei Zonen definiert. Im Norden mit Anbindung an den Straßenverkehr die Parkplätze, das Versorgungsgebäude, der Hubschrauberlandeplatz und die Unterkünfte. In der Mitte das Bettenhaus mit Ambulanzen, OP-Trakt und Notaufnahme. Nach Süden zur Universität und Straßenbahnanbindung der Park mit Kindertagesstätte und Sportanlage. Mit dieser Zonierung werden Lärm und Verkehr von Patienten im zentralen Behandlungsbereich ferngehalten und ein Erholungsbereich im südlichen Park geschaffen.

Im Zentrum des Areals steht das neunstöckige Bettenhaus mit angebundenem Ambulanztrakt im Nordosten sowie der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme (ZINA) und dem OP-Trakt im Südwesten. Hier bestimmen kurze Wege und eine Steuerung der Patientenströme über Ebenen die Architektur. Auf Ebene 0 und darüber erfolgt die Versorgung der ambulanten und stationären PatientInnen. In der Ebene 01 darunter die Notfallversorgung mit ZINA, OP und Diagnostik (Radiologie, Nuklearmedizin, Herzkatheter).

Die Technik des Hauses befindet sich in einer abgehängten Decke. Aufgrund einer Geschosshöhe von 4,7 bis 5,7 Meter ist hier ausreichend Platz insbesondere in Hinblick auf neue Entwicklungen in der Technik und für Instandhaltungsmaßnahmen. Der hohe Automatisierungsgrad mit einer AWT-Anlage (automatisierter Warentransport) und zukünftig einer Rohrpostanlage sind nur Beispiele.

In den letzten Jahren wurden bereits viele große Bauprojekte realisiert. So konnte das Bettenhaus komplett saniert werden. Die ZINA und der OP-Trakt fanden in einem südwestlich gelegenen Flachbau eine neue Heimat. Im Parkbereich wurde eine Kindertagesstätte erbaut, die in den nächsten Jahren auch eine Erweiterung erfahren werden wird. Zum Abschluss kommt in diesem Jahr ein neuer Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Westflügels. Mit ihm können Forderungen aus dem SAV-Verfahren (Schwerstverletzte nach Arbeitsunfällen) bezüglich des Patiententransportes vom Rettungsmittel zur Klinik erfüllt werden.

Das nächste große Projekt ist der Neubau des Ambulanztraktes. Mit dem Bauende für den ersten Teil wird hier im Jahr 2027 gerechnet. Daneben laufen aber noch eine Reihe weitere große Baumaßnahmen wie ein Parkhaus mit 1 000 Stellplätzen, eine neue Truppenunterkunft, eine neue Psychiatrie und die Erweiterung unserer Kindertagesstätte.

Geplante Baumaßnahmen am BwKrhs Ulm
Geplante Baumaßnahmen am BwKrhs Ulm
Quelle: BwKrhs Ulm

Neben diesen großen Baumaßnahmen laufen auch weiterhin über 30 kleine Baumaßnahmen sowie eine Reihe von großen und kleinen Bauunterhaltsmaßnahmen. Es geht dem BwKrhs Ulm wie dem Ulmer Münster, es wird immer gebaut. Bundesbau ist dabei kein Sprint sondern ein Marathon. Hervorzuheben ist dabei die überaus gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem staatlichen Hochbauamt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Ulm, dem Kompetenzzentrum Bau in Stuttgart, der Oberfinanzdirektion und den übergeordneten Dienststellen der Bundeswehr. Alle Akteure zeichnet hier eine Lust am guten Bauen und das Streben nach einer für PatientenInnen und MitarbeiterInnen des BwKrhs optimalen Infrastruktur aus.

Das BwKrhs Ulm wurde in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt und dem Stand der Technik und Wissenschaft angepasst. Dies erfolgte kontinuierlich und während des laufenden Betriebes. Das Grundkonzept in einem Haus mit einer Rasteraufteilung (7 x 7 Meter), Magistralen und einer Technikebene in der Decke wurde beibehalten und genutzt. Die Bauweise in Stahlskeletttechnik war hier hilfreich und nachhaltig. Nachhaltigkeit ist auch ein bestimmender Parameter in der Weiterentwicklung. So sollen Änderungen in der Planung und den übergeordneten Forderungen auch weiterhin integrierbar sein, der Flächenverbrauch minimiert werden und der Park als wertvolle Fläche für Patienten und Mitarbeiter erhalten bleiben.

So sieht man dem Haus seine 40 Jahre nicht an. Die architektonische Klarheit und Großzügigkeit unterstützten den Heilungsprozess der Patienten. Mitarbeiter nehmen das Haus als „best place to work“ war. Und so wirkt das Haus auch heute frisch, modern und zukunftssicher.  



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