Artikel: J. Backus

Von der ersten Aufstellung zum ­„Spezialkommando“ des Sanitätsdienstes

Aus dem Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst Ostfriesland (Kommandeur: Oberstarzt Dr. J. Backus)

„Herr Oberstarzt Dr. Canders! Hiermit übertrage ich Ihnen das Kommando über das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst!“ Diese Worte des damaligen Befehlshabers des Sanitätsführungskommandos, Generaloberstabsarzt Dr. Erich Wolfgang Bick, setzten im März 2003 in gewisser Weise den Schlusspunkt hinter eine turbulente Entwicklung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Die damalige Aufstellungsgeschichte und die nachfolgenden 15 Jahre des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst „Ostfriesland“ (Kdo SES) lesen sich dabei wie ein Stück im Spiegel der Zeit.

Änderung der Sicherheitspolitik nach der deutschen Wiedervereinigung

Wenn man heute von veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen spricht, denkt man unweigerlich an den 11. September 2001 und hat auch heute noch die Bilder von den Verkehrsflugzeugen im Kopf, die von islamistischen Terroristen in die Zwillingstürme des World ­Trade Centers in New York gelenkt wurden. ­Allerdings zeichneten sich die neuen Konfliktfelder, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges eröffneten, schon längere Zeit vorher ab. Der Krieg kehrte zurück. Kuwait war Anfang der 1990er Jahre gewaltsam aus irakischer Besetzung befreit worden, mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien fand direkt vor der Haustür, mitten in Europa, wieder ein Krieg statt.

Während des Kalten Krieges war die Bundeswehr ausschließlich auf Landes- und Bündnisverteidigung eingerichtet. Sanitätssoldaten waren dennoch seit 1960 regelmäßig weltweit im Einsatz. Sei es bei der Erdbebenhilfe in Agadir 1960, der Flutkatastrophenhilfe in Algerien 1963 oder aber im Rahmen der humanitären Hilfe in Biafra 1968. Viele derartige Einsätze folgten. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und dem Ende des Kalten Krieges veränderten sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen für die Bundesrepublik jedoch grundlegend. Als eine der wesentlichen sicherheitspolitische Reaktionen darauf, wurde die Verkleinerung der Streitkräfte als sog. „Friedensdividende“ beschlossen und umgesetzt. Zugleich hatte sich die deutsche Regierung aber auch entschlossen, die Bundeswehr in ein weltweit einsetzbares sicherheitspolitisches Einsatzinstrument zu verändern und für bewaffnete internationale Friedenseinsätze zur Verfügung zu stellen. Und die weltweiten Einsätze sollten nicht lange auf sich warten lassen….

Auch für den Sanitätsdienst wurde dieser politische Umschwung konkret spürbar, als mit dem Einsatz in Kambodscha ab 1991 und Somalia 1992 deutsche Sanitäter nicht nur für humanitäre Hilfs- und Katastropheneinsätze, sondern nunmehr auch für friedenserhaltende Maßnahmen („Peace-Keeping-Operations“), hier im Rahmen der Vereinten Nationen (VN), eingesetzt wurden. Die weltweiten Einsätze bekamen ein konkretes Gesicht und eine andere, neue Qualität und Dimension und spätestens mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 12.07.1994 waren auch die letzten Bedenken für diese politische Ausrichtung juristisch ausgeräumt. Allerdings wurde schnell deutlich, dass die Bundeswehr auf derartige schnelle, kurzfristige Einsätze nur unzureichend vorbereitet und ausgerichtet war. Man benötigte für diese Einsätze Streitkräfte, die nicht nur mit weniger Kräften und Mitteln, sondern auch in besserer Qualität, hochmobil, flexibel einsetzbar sein müssen. Entweder unter dem Dach der NATO, der VN oder unter Umständen auch unter nationaler Regie. Kurzum man benötigte „Krisenreaktionskräfte“, wie sie damals dann auch genannt wurden.

Unter dem Stichwort „Transformation“ sollten die Streitkräfte in die Lage versetzt werden, sich fortdauernd an sich verändernde Sicherheitsbedrohungen und neue militärische Aufgaben anzupassen. Dem Sanitätsdienst beispielsweise hatten bereits die Einsätze in Kambodscha und Somalia aufgezeigt, dass mit dem vorhandenen Personal und technischen Gerät eine moderne sanitätsdienstliche Versorgung auf Dauer nicht möglich sein würde. Das bisherige Sanitätskonzept des Kalten Krieges, bei Auftreten einer sehr großen Anzahl an Verwundeten „lediglich“ das Überleben zu sichern, war weder fachlich noch gesellschaftlich akzeptabel.

Von der „klassischen Kriegsmedizin“ zur „neuen Einsatzmedizin“

Mit der sanitätsdienstlichen Versorgung im weltweiten Einsatz kam also ein neues, zusätzliches Aufgabengebiet auf den Sanitätsdienst zu. Der damalige Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens, Generaloberstabsarzt Dr. Gunter Desch, erließ 1993/95 den bis heute unverändert geltenden Leitsatz („Maxime“), dass Soldaten der Bundeswehr bei einem Einsatz außerhalb Deutschlands im Falle einer Erkrankung, eines Unfalls oder Verwundung eine medizinische Versorgung zu teil werde, die im Ergebnis dem medizinischen Fachstandard in Deutschland entspricht. Damit war, ohne es damals schon zu wissen, auch der Grundstein für das spätere Kdo SES gelegt. Moderne „Indivi­dual-Medizin“ anstelle von „Massen-Medizin“ war das Schlagwort, d. h. jedem einzelnen ­Ver­letz­ten oder Verwundeten auch unter erschwer­ten Bedingungen die bestmögliche medizinische Versorgung zu bieten – und zwar weltweit. 

Dazu galt es, sich auf alle möglichen „Einsatz-Szenarien“ vorzubereiten:

  • Sanitätsdienstliche Unterstützung in Stabilisierungseinsätzen.
  • Sanitätsdienstliche Unterstützung in der klassischen Landes- und Bündnisverteidigung (robuster Kampfeinsatz)
  • Sanitätsdienstliche Unterstützung von spezialisierten und Spezialkräften
  • Sanitätsdienstliche Unterstützung in Humanitären Hilfs- und Katastropheneinsätzen


Aus den Erfahrungen der Einsätze sowie den dabei festgestellten Verletzungsmustern wurde, in Anlehnung an zivile Standards und von NATO-­Konzeptdokumenten, als führender Qualitätsstandard für die angestrebte hochwertige medizinische Versorgung von Soldaten im Einsatz die sog. Rettungskette entwickelt und fest etabliert. Entscheidend für eine erfolgreiche Rettungskette sind die Qualität des darin eingesetzten Personals sowie der Faktor Zeit zwischen Verwundung und Behandlung. Es gehört seitdem zur vornehmsten Kernaufgabe und ist eine der Kernkompetenzen des Sanitätsdienstes, diese Rettungskette weltweit aufzubauen und durchhaltefähig zu betreiben.

Grundlegender Umbau des Sanitäts­dienstes

Die politischen Ereignisse der 90er Jahre ließen für einen geordneten Umbau des Sanitätsdienstes nur wenig bis gar keine Zeit. Für die Einnahme der neuen Strukturen im Transformationsprozess waren immer wieder sowohl aktive, nicht-aktive (= bestehend aus Reservisten) oder teilaktive Verbände aufzulösen, neu aufzustellen, neu zu unterstellen oder „umzugliedern“ – und alles unter laufendem Betrieb. So mussten ab 1994 unterschiedliche Einsatzmissionen nacheinander, teilweise auch gleichzeitig alimentiert werden. Der aufwendigste davon waren die Stabilisierungseinsätze im ehemaligen Jugoslawien. Diese wurden allesamt unter der Regie der Sanitätsbrigade 1 in Leer bedient. Dieser Verband verfügte u. a. mit den beiden Luftlandesanitätskompanien 260 und 270 über hochmobile Einheiten. Die hierdurch in der Sanitätsbrigade 1 vorhandene Expertise führte damit gewissermaßen zum „Spezialverband des Sanitätsdienstes für Auslandseinsätze“ in Leer. Zumeist war sie als Leitverband sowohl für Planung und Vorbereitung als auch für die Durchführung des Einsatzes der Sanitätskräfte der Bundeswehr verantwortlich.

Eine elementare Veränderung für die Bundeswehr und den Sanitätsdienst erfolgte in den Jahren 2000/2001, als mit der sog. „Neuausrichtung der Bundeswehr“ und der sich daran anschließenden „Ressortentscheidung Stationierung“ per Ministerweisung die Bundeswehr erneut grundlegend umgebaut wurde. Der Schwerpunkt des militärischen Auftrags wurde auf Einsätze zur Krisenvorbeugung und Krisenbewältigung ausgerichtet. Für den Sanitätsdienst bedeutete diese Entscheidung vor allem aber auch die größtmögliche Bündelung aller sanitätsdienstlichen Kräfte und Mittel in einem eigenen militärischen Organisationsbereich, dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBw). Damit konnten zum erstmals in der Geschichte der Bundeswehr der überaus größte Teil des Sanitätsdienstes fach- und truppendienstlich aus einer Hand geführt werden. Dieses sollte zukünftig natürlich auch in den Einsätzen seine Gültigkeit haben. Folgerichtig war ein Ausplanungsziel, einen Sanitätsverband aufzustellen, der mit jederzeit verfügbaren, leichten und hochmobilen Kräften in der Anfangsphase einer Mission weltweit die sanitätsdienstliche Unterstützung im gesamten Aufgabenspektrum der Streitkräfte sicherstellen würde können. Der ZSanDstBw verfügt dazu seit 2003 mit dem Kdo SES als Nachfolgeorganisa­tion der einsatzerfahrenen Sanitätsbrigade 1 über einen Verband, in dem grundsätzlich alle schnellen Einsatzkräfte des Sanitätsdienst gebündelt bzw. diesem assigniert wurden, um so aus dem Stand heraus schnell verfügbar, luftverlegbar und flexibel Kräfte und Mittel vorzuhalten und auf die unterschiedlichen militärischen Einsatz-Formen weltweit vorbereitet zu sein. 

Hohe Erwartungen und maßgeschneidertes Portfolio für das Kdo SES

Die Erwartungshaltung an den neuen Einsatz-Verband des Sanitätsdienstes war von Beginn an hoch. Insbesondere für sog. „Schnelle Anfangsoperationen (Initial Entry Operations)“ deutscher Streitkräfte sollte eine weltweit verlegefähige qualifizierte medizinische Versorgungsleistung vorgehalten werden. Da für einen derartigen Einsatz besonders qualifiziertes Personal (fachlich und militärisch) sowie modernes notfallmedizinisches Gerät notwendig ist, bot sich dieser neue Verband auch für sanitätsdienstliche Unterstützungsleistung im Rahmen von Humanitären Hilfeleistungen an. Darüber hinaus galt es, für militärische Evakuierungsoperationen unter nationalem Kommando die erforderlichen sanitätsdienstlichen Fähigkeiten bereitzustellen. Waren diese Aufgaben zu Beginn noch relativ unscharf umrissen, so wurden im Laufe der Zeit konkrete Beteiligungen an den sog. NATO Response Forces (NRF) und an der European Battlegroup (EU BG) angewiesen. Das neu aufgestellte Kdo SES wurde in der Folge sowohl zentrale Koordinationsstelle („Leitkommando“) für den Sanitätsdienst, als auch truppen- und materialstellender „Leitverband“.

Im Zuge der Aufstellung des Kdo SES wurden aus dem Stab und der Stabskompanie der SanBrig 1 die neue 1./Kdo SES, aus der ehemaligen LLSanKp 270 die vorerst weiterhin in Varel stationierte 2. und 3. Kompanie gebildet. Aus dem ehemaligen gemischten LazRgt 11 (mittlerweile zum SanRgt 12 umgegliedert) wurden die 2. und 4. Kompanie dem Kdo SES unterstellt und zur 4. und 5. Kompanie des neuen Verbandes. Der innere Aufbau des Kdos SES war im Ergebnis ein Abbild der neuen, oben erwähnten konzeptionellen Grund-Überlegungen für das Streitkräfteportfolio.

Von Beginn an hatte das Kdo SES im Schwerpunkt die Behandlungsebene 2 der Rettungskette abzudecken sowie Kapazitäten für einen effizienten, gesteuerten Transport von Verwundeten im Einsatzraum bis zum Übergabepunkt an den Strategischen Verwundetentransport bereitzustellen. Der Verband verfügte damit über eigene Container und Zelte für Rettungsstationen und Rettungszentren sowie eigene gepanzerte und ungepanzerte, bewegliche Arzt-Trupps für die medizinische Versorgung im Einsatz der Behandlungsebenen 1 und 2. Außerdem standen umfangreiche Kapazitäten für den Verwundeten-Transport im Einsatzraum auf der Straße oder im Hubschrauber bereit. Auf Fähigkeiten der Behandlungsebene 3 war zwar unter dem Vorrang der Schnelligkeit verzichtet worden. Gleichwohl hätte bei kleineren, aber längerfristigen Einsätzen auch ein leichtes Einsatzlazarett für diese Behandlungsebene genutzt werden können. Eine Kompanie war dafür zuständig, dass das Kdo SES unabhängig von sonstigen Unterstützungsleistungen seine Primäraufgaben erfüllen konnte. An alles war gedacht; eigenes Personal sorgte für Wasser, Strom, Licht, Fernmeldeverbindungen, Sanitäts-Hygiene, Materialnachschub über Instandsetzung eventuell kaputten Geräts bis hin mit eigener Feldwäscherei für saubere Kleidung. Eine eigene, verlegbare Einsatzleitzentrale (militärisch „Gefechtsstand“) ermöglichte die Führung der eigenen Truppe aus einer Hand und sorgte für die notwendige Anbindung. Als „Hauptwaffensystem“ sollten zukünftig aber nur noch luftgestützte (= aufblasbare Zelte; synonym LGZ) Zelte dienen. Weil diese aber noch in der Erprobung standen und das Personal ebenfalls noch umfangreiche hochwertige Schulungen zu absolvieren hatte, war der neue Verband erst im Laufe des Jahres 2006 voll einsatzfähig.

Erblasten, erste Bewährungsproben und Weiterentwicklung

PhotoEUFOR RD Congo Das frisch aufgestellte Kdo SES hatte nicht wirklich Zeit sich in Ruhe einzurichten und zu orientieren, galt es doch u. a. den von der SanBrig 1 übertragenen Einsatz im ehemaligen Jugoslawien zu übernehmen und zu stemmen. Sowohl in der Rolle als „Leitkommando“, als auch in der Funktionalität „Leitverband“ galt es für den Einsatz Leistungs- und Koordinationsaufgaben sowie mit eigenem Personal Truppenstelleraufgaben (regelmäßig bis zu 67 Soldatinnen und Soldaten aus dem Kdo-Bereich) unter einen Hut zu bekommen.

Ein weiterer Meilenstein und völlig neue Bewährungsprobe in jeder Hinsicht stellte ab Oktober 2003 der ISAF Einsatz in Afghanistan dar. Dieser war für die Sanitäter aus Leer quasi die erste „typische“ Anfangsoperation und es sollte ein modifiziertes „leichtes Luftlanderettungszentrum mit insgesamt 34 Soldaten verlegt und in Kundus betrieben werden. Was das für die Sanitätssoldaten damals konkret bedeutete, lässt sich aus dem Nachfolgenden erahnen: Nach ersten Erkundungen mussten umfangreiche Vorarbeiten erledigt werden, insbesondere war der Aufbauplatz und die Verlegung vorzubereiten. Konkret musste ein Olivenhain gerodet, die entstehende Fläche geschottert und eingeebnet werden. Am Standort Leer musste gleichzeitig das Sanitätsmaterial gesichtet, verpackt und zum Flughafen transportiert werden. Im Einsatzgebiet selbst wurden zunächst zehn luftgestützte Zelte und 13 Container als Grundbaustein für das zukünftige Rettungszentrum aufgebaut und eingerichtet. Die Strom- und Wasserversorgung, Klimageräte und Vorrichtungen für die Entsorgung von Abfall und Abwasser wurden ebenfalls verbracht und installiert. Afghanistan – ein Einsatzgebiet, das dem Kdo SES bis heute erhalten geblieben ist und damals wie heute viele prägende Eindrücke und Auswirkungen auf das Kdo SES hinterlassen hat.

Der Humanitäre Einsatz Ende Dezember 2004 in Südost-Asien war für das Kdo SES dann der bis heute intensivste Einsatz im Rahmen einer Katastrophenhilfe. Die Naturkatastrophe, deren Ausmaß alles bis dato Dagewesene überschritten hat, ist unter dem Stichwort „Tsunami-Einsatz“ noch heute in der Öffentlichkeit in Erinnerung. Verhältnismäßig rasch wurden verletzte deutsche Touristen sowie andere betroffene EU-Bürger über die sog. „fliegende Intensivstationen“ der Bundeswehr routiniert zur Weiterversorgung nach Deutschland gebracht. Aber der Einsatz in der Region um Banda Aceh auf Sumatra in Indonesien selber brachte für die Sanitäter des Kdo SES eine überaus prägende und reichhaltige Erfahrung mit sich. Um dort ein Luftlanderettungszentrum einzurichten und zu betreiben, musste alles, was dafür nötig war, angefangen von den Zelten über medizinisches Gerät bis hin zu Benzin und Verpflegung (insgesamt über 600 Tonnen) mitgeführt werden – und das innerhalb kürzester Zeitspanne. Mit dem Flugzeug angekommen, galt es dann die Gesamttonnage auf dem Landwege rund 650 km weit durch Bürgerkriegsgebiet und verwüstete Landschaften zu transportieren. Die bis zu 60 Soldatinnen und Soldaten des Kdo SES waren von Beginn an rund um die Uhr mit ihrem Luftlandrettungszentrum bei Durchschnittstemperaturen von 30°C+ und einer Luftfeuchtigkeit von ca. 84 % durchgängig bis März 2005 für die gesundheitliche Versorgung der dortigen Bevölkerung eingesetzt und haben sich dafür nachhaltig Verdienste erworben. 

Parallel stellte das Kdo SES von 2004 bis 2011 regelmäßig ca. 30 Soldatinnen und Soldaten für den im Auftrag der EU mandatierten Stabilisierungseinsatz in Bosnien-Herzegowina (vormals SFOR, dann „Operation Althea“) bzw. für KFOR ins Kosovo ab.

Die sanitätsdienstliche Betreuung des Einsatzes der Bundeswehr ab Juni 2006 zur Absicherung der Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo war als gemeinsamer Einsatz von Sanitätern des Kdos SES und des damaligen Sanitätsregiments 12 aus Fürstenau konzipiert. Noch während der NATO Übung „STAEDFAST JAGUAR – NRF“ erhielt das Kdo SES den Auftrag im ­KONGO eine unter europäischem Mandat stehende Einsatzmission sanitätsdienstlich abzudecken. Der ZSanDstBw stellte hierzu ein LLRZ (Kdo SES) und ein RZ MSE (Sanitätsregiment 12) ab. Die Führung des Sanitätseinsatzverbandes wurde ebenfalls aus dem Kdo SES heraus gestellt. Im Juli 2006 verlegten die Vorauskräfte des Kdo SES und Teile des LLRZ MilEvakOp bereits in das Einsatzland Kongo. Das Sanitätsregiment 12 verlegte sein RZ MSE nach GABUN (Libreville). Der Kdr Kdo SES als Führer Sanitätseinsatzverband RD KONGO verlegte mit einem Gefechtsstand ebenfalls dorthin.

Der Erfolg der Mission war ebenso deutlich, wie letztlich überraschend. Es war keineswegs selbstverständlich, dass die Rettungskette über 900 Kilometer reibungs- und lückenlos funktioniert. Der Grundsatz, für einen schnellen medizinischen Versorgungs-Einsatz mobile, aber leistungsfähige Arbeits-Module in geringer Stückzahl zu verwenden („klein, aber fein“) hatte sich als zweckmäßig erwiesen. Vor allem die erst kürzlich eingeführten luftverlegbaren und schnell einsetzbaren Sanitätseinheiten (LSE) hatten sich erneut auffallend gut bewährt – vermittelten sie doch bei der kämpfenden Truppe das Gefühl, jederzeit gut aufgehoben und versorgt zu sein. Auch das Zusammenspiel zwischen Kdo SES und SanRgt 12 - salopp ausgedrückt zwischen Zelt- und Containersystem – klappte ohne nennenswerte Probleme und in diesem Einsatz wurden mehrere Fähigkeiten des Kdo SES nachgewiesen:

  • eine reale und schnelle Umsetzung zur Verlegung des MilEvakOp Kräftepositives,
  • die schnelle Verlegung von Sanitätseinrichtungen in eine FMB[1] und FOB[2],
  • das Funktionieren des Hauptwaffensystem LSE sowie
  • die gleichzeitige Bewährung des Personal- und Materials in besonderen Klimazonen.


Bis 2006 hatte das Kdo SES seine volle Einsatzbereitschaft gerade erreicht. Die unterstellten Kompanien waren mit der Verlegung der 2. und 3. Kompanie von Varel eben erst am Standort Leer zusammengeführt worden. Ferner waren die leichten Zelte für die Luftverlegbaren Sanitätseinrichtungen (LSE) ausgeliefert und standen für einen Einsatz zur Verfügung. Doch es sollten auf das Kdo SES erhebliche Veränderungen zukommen, wurden doch bereits im Rahmen der weiteren Bundeswehrtransformation die Auflösung und Neuaufstellung des noch jungen Verbandes beschlossen.

Absicht war es dabei, einen zentralen Sanitätseinsatzverband aufzustellen, der über alle notwendigen Fähigkeiten einer Anfangs- und Nachfolgeoperation in einer Hand verfügt. Der also einerseits schnell beweglich agieren kann, sich andererseits anschließend selbst ablösen und auch durchhaltefähig auf Dauer einrichten kann. So glaubte man, für jede mögliche Form der zukünftigen militärischen Einsatzes vorbereitet und flexibel genug zu sein. Die Neuerungen bedeuteten für das neue Kdo SES einen Aufwuchs der personellen Stärke von ursprünglich ca. 700 auf nunmehr ca. 1.700 Angehörige verteilt auf ca. 800 Dienstposten (DP) am Standort Leer und ca. 900 DP am Standort Schwanewede. Das Kdo SES bestand dann aus zehn Kommandoeinheiten. Diese wurden im Zuge der besseren Führbarkeit organisatorisch in die drei Kommandobereiche (KdoBer) „Führungs- und Einsatzunterstützung (KdoBer FüEU mit drei Kompanien)“, „Initial Entry Forces (KdoBer IEF mit drei Kompanien)“ und die „Follow on Forces (KdoBer FOF mit vier Kompanien)“ gegliedert.

Doch bereits nach drei Jahren wurde der innere Aufbau erneut geändert. Der Kommandobereich FüEU als Organisations-Element wurde aufgelöst und die bislang dort unterstellten Einheiten wurden organisatorisch auf die Kommandobereiche IEF und FOF verteilt. Das Personal verblieb in der Regel an Ort und Stelle, so dass sich für die beiden Standorte Leer und Schwanewede initial nichts Wesentliches veränderte.

Ergänzung des sanitätsdienstlichen Grund-Schemas: Näher ran

PhotoImpressionen Resolute Support Anfang 2006 wurde für die internationalen Sicherheitskräfte in Afghanistan (ISAF) ein schneller Eingreif-Verband aufgestellt, die sog. „Quick Reaction Force (QRF)“. Er bestand aus Spezialisten für die unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten im Einsatzgebiet und konnte sowohl in hochbewegliche Einsatz-Teams aufgeteilt werden, aber auch als eine Art Feuerwehr bei Kampfhandlungen als erster geschlossen an Ort und Stelle sein. Ab 2008 wurde dieser Verband durch die Bundesrepublik Deutschland gestellt. Für die dabei eingesetzten Bundeswehr-Soldaten änderte sich die bisherige Einsatztaktik, galt es doch nun, sich unmittelbar auch dem Kampf zu stellen bzw. diesen wo nötig zu suchen. Diese Änderung der Taktik hatte erheblichen Einfluss auf die Rettungskette. Dabei stellte sich die Frage für den Zentralen Sanitätsdienst, wie man diese überaus beweglichen Truppen unter Gefechtsbedingungen sanitätsdienstlich in entsprechender Versorgungsqualität versorgen soll.

Als Antwort darauf wurde das Konzept der „Sanitätskompanie bewegliche Einsätze ­­(SanKp bwgl Eins) entwickelt. Diese Kompanie bestand aus insgesamt 52 Personen und deckte die Behandlungsebenen 1 und 2 ab. Wesentliche Elemente dieser Einheit waren ein leichtes Luftlanderettungszentrum (LLRZ le), eine Luftlanderettungsstation (LLRS), drei bewegliche Arzt-Trupps (BAT) sowie drei Sanitäts-Trupps (SanTrp). Konzeptionell wurde damit das Grund-­Schema durch die Komponente „Näher ran“ ergänzt und bezog sich vor allem auf die Behandlungsebene 2, die näher an die Kampfzone herangeführt werden musste.

PhotoImpressionen ISAF Das Kdo SES übernahm ab der ersten Stunde für die sanitätsdienstliche Versorgung der QRF die Haupt-Verantwortung. Für den Verband war die Zeit ab 2008 bis 2013 die einsatzintensivste Zeit, da es, neben allen anderen Einsatzabstellungen dauerhaft für diesen neuen Auftrag Leitkommando und Leitverband in Einem war sowie das notwendige Personal in das Einsatzgebiet abstellte. Auch wenn dieser Auftrag nicht wirklich zum Kerngeschäft des Verbandes zählte, brachte er dem Verband und seinen Angehörigen doch unschätzbare Erfahrungen – nicht nur im beweglichen Einsatz.

Die sanitätsdienstliche Versorgung der QRF hatte auch Konsequenzen bei den Einsatz-Grundsätzen des Sanitätsdienstes und deren Materialausstattung. Zwei Beispiele sollen dies kurz illustrieren: Die Ausrüstung der Rettungssanitäter sowie eine Variation beim Kernstück der Behandlungsebene 2 - dem Luftlanderettungszentrum leicht.

Die Rettungssanitäter bewegten sich bei der QRF nunmehr in unmittelbarer Nähe zur kämpfenden Truppe und losgelöst von einem relativ sicheren Camp, gingen mit auf Patrouille oder fuhren bei Konvois mit – und waren damit gleichzeitig auch der besonderen Gefahr für das eigene Leben ausgesetzt, die solche Einsätze mit sich bringen. Die medizinische Ausstattung des einzelnen Rettungssanitäters musste darauf ausgerichtet werden, Maßnahmen zu seinem persönlichen Schutz getroffen werden. Sein Material, das er bei sich mitführte, wurde deshalb an die neueren Entwicklungen in der modernen „Kriegs-Notfallmedizin“ angepasst. Diese ergaben sich, nachdem man die entsprechenden Erkenntnisse bei den NATO-Staaten, die bereits über große Erfahrungen mit Kriegsverletzungen verfügten, intensiv ausgewertet hatte. Als ein Ergebnis daraus wurden beispielsweise kleine, ca. 30 kg schwere handelsübliche Rettungsrucksäcke beschafft. Diese wurden mit modernstem notfallmedizinischem Gerät ausgestattet, welches man unter den besonderen Bedingungen eines heißen Gefechts unbedingt dabei haben muss. Zu nennen sind hier beispielsweise Tourniquets zum effektiven Stillen einer starken Blutung, oder die Tatsache, dass Rettungsassistenten Medikamente wie Morphin zur Stillung extremer Schmerzen verabreichen durften, was zuvor ausschließlich ärztlichem Personal vorbehalten war. Für den persönlichen Schutz sorgte u. a. eine kugelsichere Weste, für die persönliche Verteidigung Pistole und Gewehr bzw. Maschinenpistole. Spezielle Rettungstragen wurden beschafft oder Nachtsichtgeräte für den schwie­rigen Einsatz bei Nacht. Für die kämpfende Truppe gab das Wissen ein beruhigendes Gefühl, dass ihre „Sanis“ verwundete Kameraden bereits in kürzester Zeit an einen sicheren Ort mit bestmöglicher medizinischer Versorgung verbringen konnten.

Wurde das Personal insgesamt beweglicher, so wurden die Sanitätseinrichtungen der Behandlungsebene 2 ebenfalls kleiner und leichter. Ab 2013 wurde die Anzahl der in Afghanistan eingesetzten Soldaten insgesamt verringert und auch ihre Aufgaben veränderten sich. Die afghanischen Sicherheitskräfte sollten jetzt vorzugsweise beraten, ausgebildet und unterstützt werden. Komplexe Aufgaben bei weniger Personal und letztlich für den gleichen Verantwortungsbereich, dem sog. „Regional Command North (RC N)“ im Norden Afghanistans, bedeuteten trotzdem aber auch, dass die deutschen Soldaten wie bisher medizinisch versorgt werden mussten. Für Abhilfe sollte eine schnell verlegbare notfall-chirurgische Behandlungseinrichtung sorgen. Dazu musste eine entsprechende Einrichtung entwickelt werden, die luft- und landverlegbar war, leicht an Gewicht, auf wenig Raum und mit wenig Personal betrieben.

Das Kernmodul als bislang kleinste, leichte und beweglichste Einrichtung war dafür immer noch viel zu groß und zu schwer. Unter maßgeblicher Beteiligung von Experten aus dem Kdo SES wurde unter dem Namen „Damage Control Surgery Unit (DCS-Unit)“ eine deutlich kleinere, lebensrettende chirurgische Behandlungseinrichtung geschaffen, die bei einem Gewicht von ca. 5to mit Hubschraubern verlegt werden konnte. Sie verfügte über die notwendigste Grundausstattung für eine notfallmedizinisch/notfallchirurgisch stabilisierende Behandlung von initial bis zu zwei Schwerverletzten. Sie war klimatisiert und hatte eine eigenständige Stromversorgung. Sie wurde von acht Personen aufgebaut und betrieben und war letztlich der erste erfolgreiche und mutige Schritt in Richtung „Forward Surgical Element (FSE)“. Die DCS-Unit erwies sich im weiteren Verlauf als Vorlage für die Entwicklung des sog. Basismoduls, dem Grundstein für das neue Luftlanderettungszentrum Spezialeinsatz (LLRZ SpezEins), dass zukünftig das LLRZ le ersetzt.

Die Zukunft – das Kdo SES als Spezial-­Kommando

PhotoTE Barrier Nursing Weniger ist mehr
Die Absicht, für einen spezifischen Einsatz einen Alleskönner vorzuhalten und zur Verfügung zu haben, wurde durch die tatsächliche Einsatz-Praxis wie oben dargestellt immer wieder konterkariert. Das Kdo SES war zwar in der Zeit zwischen 2007 und 2014 mit seinem Personal an nahezu allen Auslandseinsätzen beteiligt, in der Rückschau fällt aber auf, dass der Verband nie als eine kompakte Einheit gefordert bzw. abgerufen wurde. Häufig benötigte man lediglich einzelne ausgewählte Spezialisten für den Einsatz.

Mit dem politisch induzierten Prozess der Ausplanungen zur Neuausrichtung der Bundeswehr in den Jahren 2010 bis 2012 und der daraus resultierenden Stationierungsentscheidung des Verteidigungsministers im Oktober 2011 stand fest: Das neue Kdo SES wird deutlich kleiner, verliert seine schweren Container-Anteile und gibt den Standort Schwanewede spätestens ab 2015 auf. In Zukunft konzentriert sich der neue Verband nur noch auf seine schnellen, leichten und luftverlegbaren Kräfte. Eine eigene Ausbildungs-Einrichtung sorgt dafür, dass das Personal zielgerichtet für einen Einsatz in diesen Einheiten, vor allem aber an der dort vorhandenen Spezialausrüstung, geschult und für den Einsatz fit gemacht wird.

Die Erwartungen an das Kdo SES, „einer für alles“ zu sein, hatten im Grunde genommen auch nicht dem Kerngeschäft des Kdo SES als Spezialverband für schnelle Anfangsoperationen entsprochen. Schnelle Anfangsoperationen gehören zum Aufgaben-Portfolio der Spezialkräfte (genauer: Luftlande-Truppen) und Spezialisierten Kräfte (genauer: Kommando Spezialkräfte KSK), die in der Division Schnelle Operationen (DSO), ab 2014 in der Division Schnelle Kräfte (DSK), zusammengefasst wurden. Es war damit für das neue Kdo SES nur folgerichtig, mit diesem Großverband für sog. luftbewegliche Spezielle und Spezialoperationen zukünftig enger zusammenzuarbeiten. Unterstützt, vielleicht sogar beschleunigt, wurde diese Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln durch eine wesentliche Weiterentwicklung des Einsatzmaterials und der Ausbildungsmuster.

Der Umbau des Kdo SES in den Jahren ab 2014ff gestaltete sich, verglichen mit den Vorgänger-Versionen verhältnismäßig unkompliziert. Die Einheiten des Standortes Schwanewede wurden sukzessive aufgelöst, die MSE-Container wurden auf verschiedene Sanitätsregimenter verteilt, ein Großteil davon wurde auch für den Einsatz in Mali verwendet. Dieser Einsatz startete im März 2013 mit 27 Soldaten zum Aufbau und Betrieb eines RZ (-) (inklusive einer TE Barrier Nursing), dauert bis heute an und wird regelmäßig auch heute noch durch Soldaten des Kdo SES betrieben.

Von den am Standort Leer verbliebenen Einheiten wurde die 2. Kompanie nunmehr in die 1. Kompanie umbenannt, die 5. Kompanie in die 2. Kompanie. Die 3. und die 4. Kompanie behielten ihre ehemaligen Bezeichnungen und die ehemalige 1. Kompanie bzw. das Stabsquartier wurde in den Stabszug Kdo SES (= Verwaltungseinheit unterhalb der Kompanie-Ebene) eingegliedert. Der Gesamtpersonalumfang am Standort Leer blieb dabei nahezu unverändert. Zusätzlich wurde am vorläufigen Standort Delmenhorst unter dem Namen „Ausbildungs- und Simulationszentrum“ (Ausb-/SimZ) eine Schulungs-Einrichtung aufgestellt, die nach entsprechender infrastruktureller Anpassungen ebenfalls am StO Leer seine Zielstationierung finden soll.

PhotoEinsätze Kdo SES 2003 - 2018 Wer alles macht, macht nichts
Aber nicht nur die Organisation auch die Erwartungen an den Verband wurden grundlegend verändert. Vordergründig verabschiedete man sich von der Vorstellung, einen Verband für alle möglichen Einsätze zu haben. Anstelle dessen sollte sich das Kdo SES als schneller, leichter und luftverlegbarer Spezial-Verband vorwiegend auf weltweite schnelle Anfangsoperationen konzentrieren. Damit konzentriert sich das Kdo SES vornehmlich auf die 1. Phase eines Einsatzes „Schnell rein“, ergänzt durch die Maßnahme „Näher ran“, was sich auch am inneren Aufbau wiederspiegelt. Kernstück des Kdo SES sind nunmehr drei gleich aufgebaute Kdo-Einheiten, die grundsätzlich in die drei Züge Luftlanderettungszentrum (LLRZ), Luftlanderettungszentrum Spezialeinsatz (LLRZ SpezEins) sowie Krankentransport und Rettung (KrTrsp/Rett) gegliedert. Während das LLRZ bereits ein bekanntes und bewährtes Einsatzmittel für die Behandlungsebene 2E ist, ist das LLRZ SpezEins eine neue Entwicklung zur medizinischen Versorgung auf der Behandlungsebene 2B. Damit sollen vor allem die Spezial- und spezialisierten Einheiten versorgt werden können, auch wenn sie weitgehend auf sich allein gestellt und ohne weitere Unterstützung („autark“) handeln müssen. 

Personal und Material des BasMod LLRZ ­SpezEins bilden ein so genanntes „Special Operations Surgical Team (DEU-SOST)“, welches die leichteste und mobilste notfallchirurgische Behandlungseinrichtung der Bundeswehr darstellt und in dieser Konfiguration ebenfalls der Kategorie LSE zuzuordnen ist.

Das dritte Element konzentriert sich auf die Behandlungsebene 1. Dafür sind eine Luftlande­rettungsstation (LLRS), drei bewegliche Arzt-Trupps (BwglArztTrp) sowie acht Sanitätstrupps (SanTrp) in der IS-Org ausgebracht. Ergänzt wird diese Teil-Einheit durch Personal für den sog. taktischen Verwundeten-Lufttransport ­(TacAirMedEvac). Damit ist jede Kompanie für sich grundsätzlich in der Lage, die Behandlungsebenen 1 und 2 der Rettungskette abzudecken. Auf Ebene der Kdo-Führung kann somit grundsätzlich 365 Tage/a und 24/7 jeweils ein System der Ebene 1 und 2 durchhaltefähig in den Einsatz gebracht werden.

Daneben wurde organisatorisch in der 2. Kompanie die Fähigkeit zur „Verwundeten-Dekontamination“ in einem Zug verortet. Die 1. Kompanie sorgt als Versorgungs- und Unterstützungskompanie dafür, dass die eingesetzten Systeme des Kdo SES über ihre drei sogenannten luftbeweglichen UP-San mit dem notwendigen Querschnittsmaterial sowie einsatzrelevantem EVG und NVG-San ausgestattet werden.

Zusammenfassend darf resümiert werden, dass die Soldatinnen und Soldaten des Kdo SES in der 15jährigen Geschichte mehr als 300.000 Einsatztage aufsummieren konnten. Einzelne mehr als 1500 Einsatztage – eine Leistung die seinesgleichen sucht.

Dabei hat das Kommando auch immer wieder Trendsetter Funktion im Sanitätsdienst ausgeübt und war maßgeblich mit den unterstützenden Kameraden aus den Bundeswehrkrankenhäusern und regionalen sanitätsdienstlichen Versorgungseinrichtungen am sehr guten Ruf des Sanitätsdienstes im internationalen Raum beteiligt.

Immer nach dem Motto „Der Menschlichkeit verpflichtet – Jederzeit – Weltweit“. 


Adresse der Verfasser:
Oberstarzt Dr. med. Johannes Backus
Kdr Kdo SES
Evenburg Kaserne
Papenburger Str. 82, 26789 Leer
E-Mail: JohannesBackus@bundeswehr.org

Alle Bildrechte beim Verfasser

[1] FMB = Forward Mounting Base

[2] FOB = Forward Operating Base



Datum: 09.07.2018

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/2018

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