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Betriebliches Gesundheitsmanagement im Geschäftsbereich des -Bundesministeriums der Verteidigung – Wissenschaftliche Begleitung eines ehrgeizigen Projektes

Aus der Task Force Betriebliches Gesundheitsmanagement des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr (Führung: Generaloberstabsarzt Dr. M. Tempel, Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr), der Abteilung Führung Streitkräfte II 6 im Bundesministerium der Verteidigung (Abteilungsleiter: Vizeadmiral H. Lange) und den an der wissenschaftlichen Evaluierung beteiligten Instituten

Stefan Sammito¹,²; Andreas Schlattmann³; Jörg Felfe⁴; Karl-Heinz Renner⁵; Jens Kowalski7; Michael Stein6; Gertrud -Winkler7; Ulrike Arens-Azevedo8; Christian Krauth9; Ute Latza10; Dirk Densow¹; Oliver Maria Erley¹¹; Dirk-Matthias Rose²

WMM 59. Jahrgang (Ausgabe 8/2015; S. 230-235)

Originalarbeit

Zusammenfassung

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) hat sich in den letzten Jahren zum Erhalt und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Arbeitnehmer sowie zur Attraktivitätssteigerung der Arbeitgeber etabliert. Seit dem 01.01.2015 wird im Rahmen einer Erprobungsphase BGM im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung eingeführt. Diese Erprobungsphase wird von acht Hochschulinstituten wissenschaftlich begleitet.

Es soll eine Vorstellung der Online- und Paper-Pencilbefragung im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung sowie ein Ausblick auf die Datenauswertung und die weitere Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse in eine anschließende Ausbreitung des BGM über die Erprobungsdienststellen hinaus gegeben werden. Hierbei wird auf die Daten-erhebung im Kontext unterschiedlicher Erprobungsdienststellen und die geplante Auswertungsstrategie eingegangen.

Die Nutzung moderner Technologien, hier die Durchführung einer webbasierten Onlinebefragung, stellt eine geeignete Maßnahme dar, um schnell, kostengünstig – insbesondere bei der großen Anzahl der Mitarbeiter (>10 000) – eine wissenschaftliche Ist-Erhebung zu erhalten. Die Auswertung der ersten Befragungswelle, insbesondere der Rücklaufquoten, wird zeigen, ob die im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung ergriffenen Maßnahmen zu einer möglichst hohen und – auf die Dienststellen bezogen – vergleichbaren Verteilung der Teilnahme der Mitarbeiter geführt haben. PhotoAbb. 1: Verteilung der Erprobungsdienststellen

Schlüsselwörter: Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Stressprävention, Militär, Bewegung, Ernährung

Summary

Occupational health management (OHM) has been established over the last years to improve or enhance performance ability and health of employees and to improve attractiveness of the employers. Since January 1, 2015 OHM has been implemented in the area of responsibility of the German Federal Ministry of Defense. Eight universities are involved in the scientific evaluation of this pilot scheme.

This paper presents the methods of the survey of all employees, the used analysis and the integration of these results in the future expansion of the OHM amongst the Federal Armed Forces. The challenges of the survey methods and the analysis in the context of the different participating departments of this pilot scheme are described.

The use of modern technology (web based survey tool) is a suitable measurement method for a fast and also cost-effective survey, especially in regard to the great number of employees (>10,000).

Particularly, the response rate to the web-based questionnaire of the first survey will indicate whether all taken measures have been effective to achieve a high participant quota as an indicator of the degree of acceptance amongst the involved employees.

Keywords: occupational health management, health promotion, stress prevention, military, activity of daily life, nutrition

Einleitung

Betriebliche Gesundheitsmanagementmaßnahmen (BGM-Maßnahmen) haben sich in den letzten Jahren zum Erhalt und Steigerung der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer und zur Attraktivitätssteigerung der Arbeitgeber etabliert. Insbesondere im Kontext des demographischen Wandels gewinnt BGM zunehmend an Bedeutung [1, 7]. Dies trifft gleichermaßen für Industrie- und Dienstleistungsbereiche, wie auch auf den Arbeitgeber Bundeswehr zu. Gerade die hohen psychophysischen Herausforderungen mit Dienst im Heimatland und in den Einsatzgebieten [8, 16] erfordern ein hohes Maß an Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation von jedem Einzelnen. Im Kontext zunehmender Zivilisationskrankheiten wie Hypertonus, Diabetes mellitus und Übergewicht [10], deren zunehmendes Auftreten bei potenziellem Nachwuchs [13, 17], verbunden mit der ständigen Zunahme stressbedingter Ausfalltage [9], führen zu Herausforderungen für den Erhalt der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten und der Gewinnung von geeignetem Nachwuchs.

PhotoTab. 1: Übersicht über die Themeninhalte der ersten und zweiten Befragungswelle Mit dem Konzept „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) [2] wurde vor dem Hintergrund der Forderung einer hohen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und der Fürsorgeverpflichtung des Dienstherrn bzw. Arbeitgebers „die Notwendigkeit einer Gesundheitsprävention und -förderung für alle Angehörigen des Geschäftsbereichs BMVg“ festgestellt. Auf Basis einer systematischen, bedarfs- und zielorientierten und sukzessiven Einführung und Anpassung von Maßnahmen eines BGM sollen die physische und psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit aller Mitarbeiter im Geschäftsbereich (militärisch wie zivil) erhalten bzw. gefördert werden und die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber im Rahmen der Initiative „Bundeswehr in Führung - Aktiv. Attraktiv. Anders.“ gesteigert werden.

Um nachhaltig zu sein, ist es zwingend notwendig, den tatsächlichen Bedarf zu erfassen und die Maßnahmen entlang der vorhandenen Ressourcen bedarfsgerecht zu entwickeln. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, auch wenn vieles schon bekannt zu sein scheint, eine Erprobung durchzuführen.

Dazu wurden elf Dienststellen ausgewählt, die hinsichtlich ihres jeweiligen Auftrages und vor allem ihrer personellen Zusammensetzung für die Diversität der Bundeswehrdienststellen repräsentativ sind (siehe Abbildung 1). Daraus sind Erkenntnisse zu gewinnen, die für die weitere Implementierung in anderen Dienststellen hilfreich sind.

Aufgrund des hohen personellen Einsatzes einerseits und der hohen Bedeutung für den Einzelnen anderseits, sollten die Entscheidungen hierzu evidenz-basiert getroffen werden. Dazu wurde im Auftrag des BMVg eine Forschungskooperation von acht Hochschuleinrichtungen geschaffen, um eine zeitgleiche wissenschaftliche Evaluierung der Einführung durchzuführen. Begleitet wird diese Forschungskooperation durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) - Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Die BAuA bringt umfangreiche Erkenntnisse und fundierte empirische Daten zur Entwicklung von Arbeit und Gesundheit der Beschäftigten in das Evaluierungsvorhaben ein. Spezifisch beteiligt sie sich mit einem Forschungsprojekt zur Evaluierung der Tätigkeit und Wirksamkeit der BGM-Koordinatoren (Projektnummer: F2370; Erläuterungen zu Aufgaben und Ausbildung der BGM-Koordinatoren finden sich im Kapitel „Vorbereitung und Durchführung der Befragung“).

Mit der Evaluierung sollen mit Blick auf den Roll-out folgende Ziele verfolgt werden: PhotoAbb. 2: Informationsschreiben zum Hintergrund und zur Durchführung der ersten Befragungswelle

  • Systematische Erfahrungsaufbereitung aus der Erprobungsphase;
  • Machbarkeit und Wirkung der Maßnahmen abschätzen;
  • Stärken und Schwächen identifizieren, sowie Chancen und Risiken erkennen;
  • Klärung, was bei einem bundeswehrweiten Roll-out zu beachten ist.

Dazu sollen unter anderem folgende Fragestellungen beantwortet werden:

  • Machbarkeit: Wie gut funktioniert die praktische, organisatorische Umsetzung?
  • Akzeptanz: In welchem Umfang und von welchen Beschäftigtengruppen werden die Angebote genutzt?
  • Nachhaltigkeit: Wie groß sind Interesse bzw. Bedarf an einer Fortsetzung?
  • Gesundheit: Wie wirken sich die Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF-Maßnahmen) auf das individuelle Gesundheitserleben aus?
  • Bundeswehr: Wie wirken sich die BGF- Maßnahmen auf Commitment, Arbeitgeberattraktivität und die Zufriedenheit aus?
  • Bedingung: Welche förderlichen und hinderlichen Rahmenbedingungen beeinflussen die Teilnahme bzw. Akzeptanz der BGF-Angebote?
  • Differenzierung: Systematische Erfahrungsaufbereitung nach Dienststellen, Mitarbeitergruppen, Maßnahmen, etc.

Bei der Evaluation kommen unterschiedliche Zugänge und Methoden zum Einsatz:

  • Standardisierte Online-Befragung: zu Beginn und am Ende der Pilotphase (Federführung: Universitätsmedizin Mainz);
  • Qualitative Interviews: strukturierte Interviews mit „Stakeholdern“: Betriebsärzte, Dienststellenleiter, BGM-Koordinatoren, Truppenpsychologen mit ausgewählten Teilnehmern zu Beginn und zum Ende der Pilotphase (unter anderem Helmut-Schmidt Universität Hamburg und Streitkräfteamt, Gruppe Wehrpsychologie);
  • Teilevaluationen zu einzelnen Maßnahmenpaketen: Bewegung, Stressprävention, Schlafcoaching, Ernährung.

Methoden

PhotoAbb. 3: Dienststellencodierung, hier am Beispiel des Panzergrenadierbataillon 391 Beginnend mit dem 01.01.2015 wurde aus dem BMVg von hierfür speziell ausgebildeten BGM-Koordinatoren an elf ausgewählten Dienststellen eine Erprobungsphase gestartet. Die Erprobungsdienststellen wurden so ausgewählt, dass die im Zuständigkeitsbereich des BMVg vorkommende Breite der Zusammensetzung von Mitarbeitern (Soldaten und zivile Mitarbeiter) und die Unterschiedlichkeit von Dienststellen (zum Beispiel Verwaltung und militärischer Kampfverband) während der Erprobungsphase repräsentiert werden. Im Folgenden sollen die Onlinebefragung präsentiert sowie ein Ausblick auf die Datenauswertung und die weitere Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse in eine Ausbreitung des BGM über die Erprobungsdienststellen hinaus gegeben werden. Dabei hat jedes Fachgebiet seine eigenen „Tools“. Insbesondere für die geplante adressatengerechte Bedarfsanalyse ist die Befragung jedes einzelnen Mitarbeiters von hohem Wert. Für die hier vorgestellte Befragung der Mitarbeiter liegen ein positives Votum der Ethikkommission des Landes-Rheinland-Pfalz, eine positive Stellungnahme des Datenschutzbeauftragen des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr (Kdo SanDstBw) sowie eine Zustimmung des Gesamtvertrauenspersonenausschusses und des Hauptpersonalrates beim BMVg vor. Es ist unter der Forschungsnummer E/U2AD/ED003/EF555 bei der Sanitätsakademie der Bundeswehr registriert und wird vom BMVg finanziell gefördert.

Entwicklung des Fragebogens Teil I und II
Aufbauend auf einem webbasierten Befragungstool wurden zu Beginn (Februar/März 2015) und zum Ende der Erprobungsphase (Juni 2015) in zwei Befragungswellen die Mitarbeiter der Erprobungsdienststellen gebeten, freiwillig und anonym an der Befragung teilzunehmen. Hierzu wurde durch das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, basierend auf Vorerfahrungen mit Onlinebefragungen bei Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften des Landes Rheinland-Pfalz [3, 4], eine webbasierte Onlineplattform geschaffen. Diese wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen auf dem Server der Universitätsklinik Mainz hinterlegt, wodurch ein hohes Maß an Sicherheit für die erhobenen Daten gewährleistet werden kann.

Im Rahmen mehrerer Workshops und elektronischer Abstimmungsrunden wurde gemeinsam mit den Forschungspartnern ein Fragebogen entwickelt, welcher zum einen noch überschaubar und in 15 - 20 Minuten ausfüllbar ist, zum anderen möglichst viele Facetten des BGM abdecken soll (Arbeitssituation, Gesundheit, Stress, Bewegung, Ernährung und Arbeitgeberattraktivität) sowie zusätzlich einige soziodemographische Daten zwingend umfassen musste. Im Zuge der Erstellung des Fragebogens wurde schnell erkannt, dass lediglich durch Splittung der Ist-Erhebung auf beide Befragungswellen ein den Mitarbeitern vom Umfang noch zumutbarer Fragebogen vorgegeben werden konnte. Fragen zu Aspekten, bei denen kurzfristige Veränderungen zu erwarten sind, wurden zu beiden Zeitpunkten erhoben. Fragen zur Teilnahme an BGM-Maßnahmen und deren Einschätzung wurden in die zweite Befragungswelle gelegt. Aufgrund der Fristen im Rahmen der Mitwirkung der Beteiligungsgremien, konnte der ursprünglich geplante Starttermin der ersten Befragungswelle im Anschluss an die im Januar stattfindenden Kick-Off-Veranstaltungen der BGM-Koordinatoren nicht gehalten werden, wodurch es zu einer Verschiebung der ersten Befragung in die Monate Februar und März 2015 kam. PhotoAbb. 4: Geplante Zeitschiene der ersten und zweiten Befragungswelle

Tabelle 1 zeigt die Zusammenstellung der Themen in den beiden Befragungswellen. Der Großteil der Fragen kann auf einer 4-, 5- oder 6-stufigen Likertskala beantwortet werden, wobei die Angaben „keine Aussage“ und „trifft für mich nicht zu“ durchgängig bei jeder Frage zur Verfügung gestellt werden. Bei der Zusammenstellung der Items wurde, soweit möglich, auf wissenschaftlich erprobte Instrumente und Skalen zurückgegriffen. Darüber hinaus werden Freitexteinträge, sowie, wo immer möglich, vorgegebene Antwortoptionen (zum Beispiel männlich / weiblich) angeboten. Im Zuge eines Vortestes zur Verständlichkeit und Beantwortbarkeit der Fragebögen, konnte das angepeilte Zeitmaß von 15 - 20 Minuten Dauer für die Beantwortung der Fragen verifiziert sowie die zielgruppenspezifische Frageformulierung weiter verbessert werden.

Vorbereitung und Durchführung der Befragung

Im Rahmen von Kick-Off-Veranstaltungen im Januar und der ersten Februarhälfte 2015 wurden durch die BGM-Koordinatoren in den Erprobungsdienststellen die Mitarbeiter bei zentralen Informationsveranstaltungen auf die geplanten Maßnahmen hingewiesen und die Ansprechpartner und der Ablauf des BGM-Erprobungsprojektes vorgestellt. Bei den BGM-Koordinatoren handelt es sich um Truppenoffiziere mit einem abgeschlossenen Studium der Sportwissenschaften, die für jeweils eine der Erprobungsdienststellen ab Dezember 2014 als Vor-ort-Ansprechpartner und Koordinator zu Verfügung standen. Im Vorfeld wurden diese zusätzlich während eines mehrwöchigen Lehrganges an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf eingewiesen und zum Fachsportleiter Gesundheitssport ausgebildet. Ihre Aufgaben während der Erprobungsphase sind die Koordination, Erfassung und die Durchführung von BGF-Maßnahmen in den jeweiligen Erprobungsdienststellen. Sie stellen zugleich für den Dienststellenleiter und für Vorgesetzte, wie auch für alle Mitarbeiter und Soldaten die Ansprechstelle für Maßnahmen im Rahmen der Erprobungsphase dar. In diesem Zusammenhang wurden die beiden geplanten Befragungswellen vorgestellt und eine erste Einweisung in die Nutzung der Onlineplattform durchgeführt. Hierzu wurden den BGM-Koordinatoren Musterpräsentationen zur Verfügung gestellt, um eine einheitliche Informationsweitergabe sicherzustellen. Zusätzlich wurden für jede Dienststelle dienststellenbezogene Flyer erarbeitet (Abbildung 2), welche diese erste Einweisung im Rahmen der Kick-Off-Veranstaltung unterstützen sollten.

Da – um die Anonymisierung der Befragung sicherzustellen –weder IP-Adressen noch personenbezogene Login-Daten genutzt werden sollten, jedoch eine spätere Subanalyse auf Dienststellen- und gegebenenfalls Abteilungsebene (bei mindestens 10 Teilnehmern) möglich sein sollte, wurde im Vorfeld für jede Dienststelle eine spezielle Dienststellen-Identifikationsnummer (ID) erstellt, die im Normalfall aus einem Buchstaben (für die Dienststelle) und einer arabischen Nummerierung (für die Abteilung) bestand. Sollte die Dienststelle in ihrer Gesamtheit keine weitere Abteilungsunterteilung zulassen (zum Beispiel Verpflegungsamt der Bundeswehr bzw. Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, Standort Lahnstein), so wurde lediglich ein Buchstabe für die Dienststelle als ID hinterlegt (Abbildung 3). Darüber hinaus bedurfte es der Eingabe einer gemeinsamen Zugangskennung und eines Passworts durch die Mitarbeiter, um Manipulationen und/oder bewusste Falscheingaben durch Personen außerhalb der Erprobungsdienststellen zu vermeiden. Diese Information wurde unter anderem im Rahmen der Kick-Off-Veranstaltungen und auf den dienststellenbezogenen Flyern den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt.

Ein zu Beginn der Befragung von den Mitarbeitern selbst zur erstellender individueller Code konnte auf freiwilliger Basis eingegeben werden, um eine spätere Verknüpfung der Angaben aus der ersten Befragungswelle mit denen aus der zweiten Befragungswelle zur ermöglichen (Zeitschiene der Befragungen siehe Abbildung 4). Der Code wurde in Anlehnung an Empfehlungen des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit und des Hessischen Datenschutzbeauftragten [14] gebildet.

Die Befragung sollte möglichst online stattfinden, jedoch stand nicht für alle Mitarbeiter an den elf Erprobungsdienststellen ein Internetzugang zur Verfügung. Daher wurde ergänzend eine digital erfassbare Paper-Pencil-Version erstellt und über Kdo SanDstBw den BGM-Koordinatoren zur Verteilung vor Ort zur Verfügung gestellt.

Auswertung
Parallel zur Datenerfassung wurde durch die Universität Mainz wöchentlich ein Lage-Update über die Teilnahmequoten, mögliche auftretende Unstimmigkeiten (zum Beispiel gehäuft falsche oder fehlende Dienststellen-ID, gehäufte Abbrüche während der Befragung und gegebenenfalls gehäuftes Abbrechen vor Beantwortung des gesamten Fragebogens) erstellt. Dieses Lage-Update wurde den BGM-Koordinatoren zur Verfügung gestellt, so dass jederzeit ein Sachstand über die laufende Befragung in den einzelnen Erprobungsdienststellen zur Verfügung stand, und bei Auftreten von systematischen Eingabefehlern bei Bedarf durch zusätzliche Schulungen oder Informationsveranstaltungen nachgesteuert werden konnte.

Darüber hinaus wurde durch die Erfassung weiterer Kenngrößen (zum Beispiel Verlauf der Teilnehmerraten, Erhebung der Art der Informationsweitergabe und andere mehr) die Möglichkeit geschaffen, im Sinne eines „lessons learned“ für die zweiten Befragungswelle und für die ab 2016 geplante weitere Etablierung des BGM im Geschäftsbereich des BMVg Erkenntnisse zu sammeln, um zukünftig eine noch bessere und effektivere Datenerhebung zu erreichen.

Mit Abschluss der Onlinebefragung zum 31.03.2015 wurden die, im Rahmen der Paper-Pencil-Befragung erhobenen Fragebögen in der Datenbank ergänzt und eine erste dienststellenbezogene Auswertung bis Ende April 2015 durchgeführt. Diese Auswertung wurde den einzelnen BGM-Koordinatoren zur Verfügung gestellt, um ggf. gemeinsam mit der Leitung der Dienststelle erkannte Schwerpunkte zu besprechen und darauf abgestimmte BGM-Maßnahmen zu initiieren.

Diskussion

Die Einführung des BGM an elf Erprobungsdienststellen im Geschäftsbereich des BMVg stellt nicht nur aufgrund der Vielschichtigkeit von BGM, sondern insbesondere aufgrund der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den einzelnen Erprobungsdienststellen eine große Herausforderung dar. Die hierbei vorgesehene Erprobungsphase von insgesamt lediglich sechs Monaten ist darüber hinaus eine zeitliche Vorgabe, die eine schnelle und vor allem verlässliche wissenschaftliche Begleitung notwendig macht. Die Nutzung moderner Technologien, hier die Durchführung einer webbasierten Onlinebefragung, stellt eine geeignete Maßnahme dar, um schnell, kostengünstig und insbesondere bei der großen Anzahl der Mit-arbeiter (>10 000) eine wissenschaftliche Ist-Erhebung zu erhalten. Onlinebefragungen wurden erfolgreich in einer Reihe von Untersuchungen in verschiedenen wissenschaftlichen Fach-gebieten eingesetzt [3, 4, 11].

Diesen Vorteilen steht als Nachteil gegenüber, dass es nur bedingt möglich ist, Selektionseffekte auszuschließen. Es ist anzunehmen, dass insbesondere Gruppen, die den Maßnahmen des BGM offen gegenüberstehen, verstärkt an Befragungen und Maßnahmen teilnehmen [12]. Hierdurch kann es zu einem Verzerrungseffekt in den Antworten und damit zu einer insgesamt eher positiven Gesundheitserhebung kommen. Lediglich ein Vergleich zwischen der Gruppe der Teilnehmer in ihrer Zusammensetzung (Geschlecht; Zivilbediensteter versus Soldat) lässt einen Vergleich mit den jeweiligen Gesamtangaben bei den Erprobungsdienststellen zu, um so unter Umständen auch statusbedingte Gruppen der Nicht-Teilnehmer zu identifizieren. Hieraus kann jedoch noch keine Aussage über deren potenzielles Antwortverhalten abgeleitet werden.

Durch die Nutzung eines webbasierten Befragungstools im ansonsten freien Internet wäre eine Beeinflussung von dritter Seite durch das Ausfüllen des Fragebogens prinzipiell denkbar. Durch die zu Beginn der Befragung notwendige Eingabe einer Benutzer-ID und eines Passworts konnte dies weitestgehend verhindert werden. Da jedoch aufgrund der notwendigen Anonymisierung nur ein ubiquitäres Passwort möglich war, ist eine Beeinflussung nicht völlig auszuschließen. Insgesamt ist davon auszugehen, dass mit den Maßnahmen zur sicheren Datenablage der Antworten, dem Verzicht auf eine, auf den eingebenden Mitarbeiter zurückführbare IP-Adresse und der Wahl eines eigenen Probandencodes zur Verknüpfung der ersten und zweiten Befragungswelle in Anlehnung an Empfehlungen des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit und des Hessischen Datenschutzbeauftragten [14] das höchstmögliche Maß an Sicherheit und Anonymisierung bei gleichzeitiger wissenschaftlicher Mach- und Auswertbarkeit erreicht werden konnte.

Die Auswertung der ersten Befragungswelle – insbesondere der Rücklaufquoten – wird zeigen, ob die im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung ergriffenen Maßnahmen zu einer möglichst hohen und auf die Dienststellen bezogenen gleichmäßigen Verteilung der Teilnahme der Mitarbeiter geführt haben. Diese Aspekte sind bei der Interpretation der gewonnen Daten zu berücksichtigen.

Interessenkonflikte
Sammito, Densow und Erley sind aktive Sanitätsoffiziere. Schlattmann, Felfe und Renner sind als wissenschaftliche Zivilangestellte bzw. Beamte im Ressortbereich des BMVg tätig. Schlattmann, Felfe, Renner, Winkler, Arens-Azevedo, Krauth und Rose erhalten Forschungsmittel aus dem BMVg.

Ethikfragen
Für die hier vorgestellte Befragung der Mitarbeiter liegt ein positives Votum der Ethikkommission des Landes-Rheinland-Pfalz, eine positive Stellungnahme des Datenschutzbeauftragen des Kdo SanDstBw und eine Zustimmung des Gesamtvertrauenpersonenausschusses und des Hauptpersonalrates beim BMVg vor.

Literatur

  1. Altenhöner T, Köhler M, Philippi M, Alaze F: Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Präv Gesundheitsf 2014; 9: 3-9.
  2. BMVg: Konzept Betriebliches Gesundheitsmanagement. Berlin, 6.12.2013.
  3. Dudenhöffer S, Claus M, Schöne K, Adams J, Beutel T, Rose DM, Letzel S: Gesundheitsbericht der Lehrkräfte und Pädagogischen Fachkräfte in Rheinland-Pfalz – Schwerpunkt: Infektionsschutzbelehrung (Schuljahr 2012 / 2013). Universitätsmedizin Mainz, Institut für Lehrergesundheit am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mainz, 2014.
  4. Dudenhöffer S, Schöne K, Letzel S, Rose DM: Gefährdungsbeurteilung in der Schule: Ergebnisse zur individuellen Arbeitssituation und dem Gesundheitsempfinden der Lehrkräfte. In: Dokumentation zur 53. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin e. V. (DGAUM), 13.-16. März 2013 in Bregenz. Hrsg: DGAUM, 2013: 101-103.
  5. Felfe J, Franke F: Commit. Verfahren zur Erfassung von Commitment gegenüber der Organisation, dem Beruf und der Beschäftigungsform. Bern: Verlag Hans Huber 2012.
  6. Franke F, Felfe J: Diagnose gesundheitsförderlicher Führung – Das Instrument „Health oriented Leadership“. In Badura B et al. (Hrsg.). Fehlzeitenreport 2011. Berlin: Springer Verlag 2011: 3-13.
  7. Hadler C: Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Praxis. Präv Gesundheitsf 2010; 5: 203-214
  8. Knapik JJ, Reynolds KL, Harman E: Soldier Load Carriage: Historical, Physiological, Biomechanical and Medical Aspects. Mil Med 2004; 169: 45-56.
  9. Kordt M: DAK-Gesundheitsreport 2013. DAK-Gesundheit, Hamburg, Februar 2013.
  10. Kurth BM: Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS). Bundesgesundheitsbl 2012; 55: 980-990.
  11. Leyk D, Erley O, Ridder D, Leurs M, Rüther T, Wunderlich M, Sievert A, Baum K, Essfeld D: Age-related Changes in Marathon and Half-Marathon Performances. Int J Sport Med 2007; 28: 513-517.
  12. Leyk D, Rohde U, Hartmann ND, Preuß PH, Sievert A, Witzki A: Ergebnisse einer betrieblichen Gesundheitskampagne - Wie viel kann man erreichen? Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 320-307.
  13. McLaughin R, Wittert G: The obesity epidemic: implications for recruitment and retention of defence force personnel. Obes Rev 2009; 10: 693-699.
  14. Metschke R, Wellbrock R: Datenschutz in Wissenschaft und Forschung. Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, 3., überarbeitete Auflage, Berlin: Druckerei Conrad GmbH 2002.
  15. Mohr G, Rigotti T, Müller A: Irritation scale for the assessment of work-related strain. Oxford: Hogrefe 2009.
  16. Sammito S, Hödel U: Sport im Einsatz aus sanitätsdienstlicher Sicht – Am Beispiel CAMP MARMAL, Masar-E-Sharif. Wehrmed Mschr 2010; 54: 123-125.
  17. Yamane G: Obesity in civilian adults: potential impact on eligibility for U.S. military enlistment. Mil Med 2007; 172: 1160-1165.

Zu den Autoren

1 Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, Abteilung A (Abteilungsleiter: Admiralarzt Dr. Stephan Apel)
2 Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institutsleiter: Prof. Dr. Stephan Letzel)
3 Department für Sportwissenschaft der Universität der Bundeswehr München (Departmentsprecher: Prof. Dr. Dieter Hackfort)
4 Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Helmut-Schmidt- Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (Leiter: Prof. Dr. Jörg Felfe)
5 Department für Psychologie, Professur für Differentielle und Diagnostische Psychologie der Universität der Bundeswehr München (Leiter: Prof. Dr. Karl-Heinz Renner)
6 Streitkräfteamt, Gruppe Angewandte Militärpsychologie und Forschung (Amtschef: Generalmajor Werner Weisenburger)
7 Fakultät Life Sciences der Hochschule Albstadt-Sigmaringen (Dekan: Prof. Dr. Andreas Schmid)
8 Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Life Sciences, (Dekan: Prof. Dr. Claus-Dieter Wacker)
9 Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (Direktorin: Prof. Dr. Ulla Walter)
10 Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, FG 3.1 “Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen” (Leiterin: Prof. Dr. Ute Latza)
11 Bundesministerium der Verteidigung, Führung Streitkräfte (FüSK) II 6 (Abteilungsleiter: Vizeadmiral Heinrich Lange)

Originalarbeit

Manuskriptdaten:

Eingereicht: 18.06.2015   
Revidierte Fassung angenommen: 04.07.2015

Zitierweise:

Sammito S, Schlattmann A, Felfe J, et al.: Betriebliches Gesundheitsmanagement im Geschäftsbereich des Bundesministers der Verteidigung – Wissenschaftliche Begleitung eines ehrgeizigen Projektes. Wehrmedizinische Monatsschrift 2015; 8: 230 - 235

 

Datum: 31.08.2015

Quelle: Wehrmedizinische Monatsschrift 2015/8