Forschung am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz

Motor hochwertiger Medizin

J. Becker, D. Overhoff und R. Schwab

Das Bundeswehrzentralkrankenhaus (BwZKrhs) Koblenz verfolgt – ganz im Sinne seiner PatientInnen – eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Behandlung auf höchstem medizinischen Niveau. So galt es bisher, und gilt es auch zukünftig, die Rolle als medizinisches Kompetenzzentrum der Streitkräfte und zuverlässiger Bestandteil des regionalen Gesundheitsnetzes zu erfüllen.

Einen wichtigen Motor des Innovationsprozesses der medizinischen Versorgung stellt eine leistungsfähige Forschung dar. So dient diese am BwZKrhs Koblenz keinem Selbstzweck, sondern ist mit Blick auf den sanitätsdienstlichen Versorgungsauftrag stets darauf ausgerichtet, die Patientenbehandlung mittel- bis langfristig zu verbessern. Sie erfolgt u. a. im Rahmen institutioneller wehrmedizinsicher Forschungsvorhaben und in Kooperationsvorhaben mit diversen Universitäten oder militärischen und zivilen Institutionen. Aktuelle klinische Forschungsaktivitäten fokussieren beispielsweise auf die Traumaforschung (komplexes Trauma und Polytrauma), die offene Abdominalbehandlung und Bauchwandrekonstruktion, die „Damage control radiology“, die kardiologische Versorgung sowie die SARS-CoV-2 Pandemie. Zudem erfolgt eine populationsbezogene Infektiologie im Sinne eines Public Health Labors in einer forschungsorientierten Sektion der Abteilung Mikrobiologie. Weitere Forschungsthemen am BwZKrhs Koblenz sind die Anwendung simulationsgestützter Ausbildungsmethoden und die Digitalisierung der Rettungskette. Ergebnisse der Forschungsvorhaben veröffentlichen die Beteiligten in (inter-)nationalen Fachjournalen und präsentieren diese auf Kongressen der Wehrmedizin oder Fachkongressen im In- und Ausland. In der Regel erfolgen diese wissenschaftlichen Arbeiten neben dem klinischen Hauptamt. Als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin Mainz sind Angehörige des BwZKrhs Koblenz auch in die Ausbildung Studierender der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eingebunden.

Bedeutung von Forschung, Lehre und Patientenbehandlung für den...
Bedeutung von Forschung, Lehre und Patientenbehandlung für den Versorgungsauftrag
Quelle: Bundeswehr/Jochen Becker

Ausgangsbasis für die Forschungsaktivitäten am BwZKrhs Koblenz ist eine Ausstattung mit modernster Medizintechnik auf dem Niveau einer Universitätsklinik und einem ebenso vergleichbaren Fallschweregrad der Patienten. Dabei stellt das aus einem heterogenen Patientenklientel resultierende breite Behandlungsspektrum – von Alltagsverletzungen ziviler PatientInnen bis hin zu Polytraumen einsatzverletzter SoldatInnen – nicht nur die Grundlage für regelmäßige interdisziplinäre und institutionsübergreifende wissenschaftliche Arbeiten dar. Es bedingt ebenso eine kontinuierliche Fortentwicklung etablierter medizinischer Standards, die nicht zuletzt die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Streitkräfte durch die effektive Versorgung und Rehabilitation Verletzter gewährleistet.

Zur Unterstützung des wissenschaftlichen Engagements wurde ab dem Jahr 2017 die Einrichtung der „Koordinierungsstelle(n) für Forschung und Wissenschaft“ an den Häusern des Systemverbundes realisiert und mit der Besetzung hauptamtlicher Dienstposten im Forschungsmanagement ein Meilenstein für die Dienststelle im Jahr 2020 abgeschlossen. Das BwZKrhs Koblenz verfügt damit über ein fachlich breit aufgestelltes Team, das sich unter Leitung des Forschungsmanagers der Umsetzung wissenschaftlicher Vorhaben widmet und die Forschung am Standort durch Schaffung unterstützender Strukturen fördert. In Abstimmung mit dem Kommandeur und Ärztlichen Direktor sowie dem Forschungskoordinator erfolgt zudem die Steuerung und Realisierung des eigenen institutionellen Forschungsprogramms. Mit dieser Neuerung in der wehrmedizinischen Forschung wurde den Bundeswehrkrankenhäusern eine Option eröffnet, die bisher den Ressortforschungsinstituten des Sanitätsdienstes vorbehalten war.

Insbesondere im Hinblick auf komplexe Verletzungsmuster oder die Weiterentwicklung der Einsatzmedizin ergibt sich aus dem sanitätsdienstlichen Versorgungsauftrag der Bedarf eigener Forschung, da diese Szenarien selten im Fokus ziviler Vorhaben stehen. Gemäß Kernauftrag zielt die Forschung am BwZKrhs Koblenz primär auf wehrmedizinische Aspekte ab, bietet dennoch häufig Potential zur Übertragung der Erkenntnisse auf die zivile Gesundheitsversorgung. Aufgrund dieser fachlichen Expertise sind die Sanitätsoffiziere fest in die Wissenschaftsgemeinschaft integriert und übernehmen ebenso Schlüsselfunktionen in zivilen und militärischen Fachgesellschaften auf (inter-)nationaler Ebene. Sanitätsoffiziere des BwZKrhs Koblenz sind zudem regelmäßig als Autoren an der Erstellung von Leitlinien beteiligt, die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu medizinischen Fragestellungen kritisch bewerten und Therapieempfehlungen vorgeben.

Regelmäßige (Re-)Zertifizierungen als Kompetenz- oder Referenzzentren sind nicht nur Zeugnis hoher Behandlungsstandards der Kliniken des BwZKrhs Koblenz, sondern ebenso fest etablierte und qualitätssichernde Elemente. So erfolgt hierbei eine externe Evaluation der Einhaltung leitliniengemäßer Therapiestandards oder vorgegebener Mindestfallzahlen sowie weiterer spezifischer Anforderungen. Häufige Kriterien zur Erlangung dieser Qualitätssiegel sind ebenso die Beteiligung an Qualitätssicherungsstudien oder wissenschaftliche Aktivitäten, wie die aktive Teilnahme an Fachkongressen, die Veröffentlichung von Artikeln in begutachteten Fachjournalen (sogenanntes Peer-Review-Verfahren).

Nicht zuletzt hat die regelmäßige Betreuung wissenschaftlicher Qualifizierungsarbeiten durch Sanitätsoffiziere des BwZKrhs Koblenz (v. a. Dissertationen und sonstige Abschlussarbeiten) sowie deren Lehrtätigkeit in den meisten medizinischen Fachgebieten – hierzu zählen auch eigene Veranstaltungsreihen wie die „Hauptvorlesung für junge Mediziner“ – einen maßgeblichen Einfluss auf die Qualität der Patientenbehandlung, da sie eine regelmäßige Selbstreflektion und kontinuierliche Überprüfung des eigenen Wissens oder der Behandlungsmethoden bedingt. Oftmals trägt dies zur Identifizierung weitergehenden Forschungsbedarfes bei.

So sind die drei Bereiche Klinische Forschung, Akademische Lehre und Patientenbehandlung unabdingbar miteinander verknüpft und stehen am BwZKrhs Koblenz – ganz im Sinne einer qualitativ hochwertigen und zukunftsorientierten Medizin – in einem unmittelbaren Zusammenhang, der sich gegenseitig ergänzt und wie ein Motor stetig antreibt. Ziel der Weiterentwicklung der institutionalisierten Forschung am Standort ist es, die vorhandene Basis weiter zu stärken und die wissenschaftlichen Aktivitäten durch Etablierung zentraler Strukturen und strategischer Partnerschaften weiter voranzutreiben.

Weitere Informationen zur Thematik: Bericht „Forschung, Wissenschaft und Lehre am BwZKrhs ­Koblenz“

https://koblenz.bwkrankenhaus.de/startseite/ueber-uns/zentrales-management/forschung-und-wissenschaft.html 


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