Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin und die Charité Universitätsmedizin Berlin wachsen zusammen

A. Abazid, N. Huschitt und T. Hauer

Bundeswehr/Thilo Pulpanek

Das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Berlin kooperiert auf verschiedenen Gebieten mit der Charité Universitätsmedizin Berlin. Grundlage ist ein Kooperationsvertrag, wonach Fachärzte, die zum Erwerb einer Schwerpunktbezeichnung, einer besonderen Spezialisierung oder einer zweiten Facharztqualifikation (z. B. Facharzt für Viszeralchirurgie) zusätzliche Weiterbildungsinhalte benötigen, meist für 12 Monate an die entsprechende Klinik der Charité kommandiert werden. 

Die chirurgische Klinik der Charité bietet unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Pratschke das gesamte ­Spektrum der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Sie führt sämtliche, auch äußerst komplexe, Eingriffe der Pankreas- und Leberchirurgie, der Magen- und Ösophaguschirurgie sowie Leber-, Nieren- und Pankreastransplantationen durch. Im Rahmen wissenschaftlicher Studien werden außerdem innovative Tumortherapien, zytoreduktive Chirurgie sowie hypertherme intraperitoneale Chemoperfusions-(HIPEC)-Verfahren angewandt, die in dieser Form an nichtuniversitären Kliniken selten angeboten werden können. Seit 2018 besteht darüber hinaus bereits für Assistenzärzte, die sich in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie befinden, die Möglichkeit, ihre sechsmonatige intensivmedizinische Rotation auf einer der chirurgischen Intensivstationen am Campus Virchow-Klinikum (CVK) der Charité abzuleisten. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am BwKrhs Berlin. Jede der zwei Intensivstationen verfügt über zehn Betten unter der Leitung jeweils eines Intensivmediziners der chirurgischen Klinik. 

Während auf Station 21i mit Schwerpunkt Transplantation vor allem die postoperative Versorgung frisch transplantierter Patienten sowie deren präoperative Vorbereitung im Vordergrund ­stehen, werden auf der Station 9i Patienten nach großen viszeral- und unfallchirurgischen Eingriffen betreut. Als Rotations-Assistenzarzt ist man von Beginn an integraler Bestandteil der Abteilung und wird in die Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung eingearbeitet. Die Grundlagen der Narkoseführung, Beatmungstechniken und intensivmedizinische Basismaßnahmen sind hierfür essentiell. Zum Arbeitsspektrum der Weiterbildungsassistenten gehören die intensivmedizinische Behandlung von beatmeten Patienten sowie die Durchführung nicht-invasiver und invasiver Tätigkeiten. 

Das Erkennen und die Behandlung von Infektionen sowie Maßnahmen zur Analgesie und Sedierung einschließlich der Behandlung akuter Schmerzzustände sind elementar für jeden Chirurgen. Die Komplexität viszeralchirurgischer Krankheitsbilder, die im interdisziplinären Zusammenwirken verschiedener Fachabteilungen diagnostiziert und behandelt werden, und die Polytraumaversorgung an einem überregionalen Traumazentrum verlangen in besonderer Weise eine fundierte intensivmedizinische Ausbildung von Ärzten in allgemeinchirurgischer Weiterbildung. Die Erfahrungen, die junge Kollegen während dieser herausfordernden Rotation an der Charité erwerben, können prägend für den weiteren beruflichen Werdegang sein. 

Eine weitere Form der Zusammenarbeit stellt die Aus- und Fortbildung verschiedener medizinischer Fachdisziplinen und Berufsgruppen dar. So wurde im Dezember 2021 ein Pilotkurs für invasive Notfalltechniken im Rettungsdienst durchgeführt, der im Beitrag von Christina Rothe näher vorgestellt wird. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Charité ist das BwKrhs Berlin fest in die studentische Lehre eingebunden. Studierende der Medizin leisten in einem mit der Universität abgestimmten Rotationsplan in den verschiedenen Fachabteilungen ihr praktisches Jahr ab. 

Aus der Vorlesungsreihe Einsatz- und Katastrophenmedizin wurde für die Studenten der Charité im Laufe der Jahre ein Wahlpflichtmodul Einsatz- und Katastrophenmedizin entwickelt. Hier werden den angehenden Ärzten spezielle Aspekte der medizinischen Versorgung nähergebracht, wie sie im In- oder Ausland durch Katastrophen oder Krisen unterschiedlichster Art (Erdbeben, Tsunami, Krieg, u. a.) notwendig werden können. Das Modul umfasst drei Wochen, in denen die Grundlagen zu Aspekten der Katastrophenmedizin oder militärischen Einsatzmedizin vermittelt werden. Im Vordergrund stehen hier Prinzipien der notfallmäßigen Versorgungsalgorithmen aber auch Diagnostik und Therapie spezifischer Erkrankungen. Natürlich bestehen auch auf dem Gebiet der medizinischen Forschung zahlreiche Kooperationen mit den Kliniken des BwKrhs Berlin. Als Beispiele seien hier nur die Zusammenarbeit mit dem Dieter Scheffner Fachzentrum für medizinische Hochschullehre und evidenzbasierte Ausbildungsforschung zur wissenschaftlichen Evaluation und Weiterentwicklung des Einsatzchirurgiekurses der Bundeswehr und die Kooperation der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie mit dem Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration am CVK der Charité genannt.


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