Ausbildung von Pflegefachkräften am ­Bundeswehrkrankenhaus Ulm

F. Cazorla Albrecht

Das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Ulm verfügt, als einziges Krankenhaus der Bundeswehr, über eine eigene Berufsfachschule für Pflege. Hier starten jährlich 25 Teilnehmer mit der dreijährigen Berufsausbildung zur Pflegefachkraft. Insgesamt verfügt die Schule über 75 staatlich anerkannte Ausbildungsplätze, welche sich auf drei Lehrklassen verteilen. Mit der Idee, benötigte Fachkräfte in eigener Verantwortung auszubilden, startete das Pilotprojekt der Berufsfachschule im Oktober 2015. Der erste Kurs begann mit 15 Teilnehmern. Mittlerweile sind es 135 Auszubildende, die seit Eröffnung der Schule ihre Ausbildung in der Berufsfachschule am BwKrhs Ulm begonnen und zum Teil auch schon erfolgreich abgeschlossen haben.

Interessant dabei ist die Zusammensetzung der einzelnen Klassen. Da hier ein staatlich anerkannter Berufsabschluss angeboten wird, sind die Teilnehmer der Ausbildung nicht nur Soldatinnen und Soldaten. Von den jährlich zu besetzenden 25 Ausbildungsplätzen werden zehn an zivile Bewerber vergeben. Auf einen Ausbildungsplatz kommen im Durchschnitt 15 zivile Interessenten. Für die militärischen Auszubildenden beginnt die Ausbildung als ZAW-Maßnahme, die Auswahl erfolgt über die Karriere- und Assessmentcenter der Bundeswehr.

Militärische und zivile Auszubildende der Berufsfachschule für Pflege des...
Militärische und zivile Auszubildende der Berufsfachschule für
Pflege des BwKrhs Ulm
Quelle: A. Köpke

Die Ausbildung dauert drei Jahre und gliedert sich in theoretischen und praktischen Unterricht mit einem Umfang von 2 100 Stunden. Diese werden vollständig durch die Berufsfachschule für Pflege abgedeckt. Die rein praktische Ausbildung hat einen zeitlichen Ansatz von mindestens 2 500 Stunden, wovon die Auszubildenden wenigstens 1 400 Stunden im BwKrhs Ulm absolvieren.

Praktische Ausbildung im BwKrhs Ulm
Praktische Ausbildung im BwKrhs Ulm
Quelle: A. Köpke

Wie in vielen Berufsausbildungen ist eine wesentliche Aufgabe der Schule einen Theorie-Praxis-Transfer zu schaffen. Inhalte des theoretischen und praktischen Unterrichtes sollen Grundlagen der pflegerischen Arbeit vermitteln und somit die berufliche Handlungskompetenz in der Praxis fördern. Mit dem Pflegeberufe-­reformgesetz vom 17.07.2017, welches 2020 vollumfänglich in Kraft trat, wurde das notwendige Fachwissen noch ­komplexer. 

Mit der neuen generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann gibt es keine Trennung mehr zwischen Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Die Pflegeberufe wurden zu einem Beruf zusammengeführt und zum ersten Mal definiert ein Gesetz „Vorbehaltene Tätigkeiten“ für den Berufsstand der Pflege. 

Diese Veränderungen beeinflussen maßgeblich die Inhalte der Ausbildung. Weiterhin muss im Fall der Berufsfachschule auch das Pflegesetting und Aufgabenfeld einer militärischen Pflegefachkraft bei den Ausbildungsinhalten berücksichtigt werden. Um diesen Anspruch zu erfüllen, wurde der Lehrplan um Inhalte des „Military Nurse“ ergänzt. 

So wurden beispielsweise im Rahmen der Unterrichtsfächer Persönliche Gesunderhaltung, Wundversorgung, Stressbewältigung, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bundeswehr relevante Themen wie die IGF-Leistungen, Ausbildungen zu Schussverletzungen, Coping Strategien im Auslandseinsatz und die sanitätsdienstliche Versorgungsstruktur der Bundeswehr  (Role 1 bis Role 4) integriert.

Auswahl notwendiger Lehrbücher
Auswahl notwendiger Lehrbücher
Quelle: A. Köpke

Dazu kommen die praktischen Einsatzbereiche, die sich durch die generalistische Pflegeausbildung verändert haben. Diese finden in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen der professionellen Pflege statt. Hierunter fallen die stationäre Akutpflege, die stationäre Langzeitpflege, die ambulante akut und Langzeitpflege, sowie die Pädiatrie und Psychiatrie. Der Bereich der stationären Akutpflege wird komplett durch das BwKrhs Ulm abgedeckt. 

Für die weiteren Einsatzfelder wurden Kooperationen mit entsprechenden Einrichtungen geschlossen. Die Gesamtverantwortung der Ausbildung sowie die Einsatzkoordination der praktischen Ausbildungsanteile liegt bei der Berufsfachschule für Pflege. Die Schule leistet somit einen wichtigen Beitrag bei der Fachkräfteausbildung, -gewinnung und -bindung von zivilen und militärischen Pflegefachfrauen und Pflegefachmännern.


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