AUSBILDUNG IM SANITÄTSDIENST DER BUNDESWEHR - EIN STÄNDIGER LERNPROZESS

Nur gut ausgebildete und motivierte Soldatinnen und Soldaten sind befähigt, ihren Auftrag unter den aktuellen Einsatzbedingungen zielgerichtet erfüllen zu können.

Die Vorbereitung auf den Einsatz ist damit eine Führungsaufgabe, die jeder militärische Führer gegenüber „seinem Personal“ zu erfüllen und zu verantworten hat.

Sanitätspersonal hat im Einsatz einerseits das militärische Grundhandwerk sicher zu beherrschen, andererseits kommt der fachlichen Handlungssicherheit eine besondere Bedeutung zu, geht es doch nicht selten um das Leben, mindestens aber um die körperliche Unversehrtheit, der eigenen Kameraden. Aktuellen Einsatzerfordernissen kann das Sanitätspersonal nur dann gerecht werden, wenn es auf dem neuesten fachlichen Stand der Medizin ausgebildet wird und die erworbenen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten auch unter den widrigsten Bedingungen sicher zum Einsatz bringen kann.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Vielfalt in allen Bereichen von Staat und Gesellschaft, aber auch der permanenten und teilweise elementaren Veränderungen von Strukturen, Prozessen und Technologien ist die fachliche und militärische Ausbildung des Sanitätspersonals einer ständigen Anpassung unterworfen. Es kommt darauf an, den unterschiedlichen Aufgabenstellungen der Streitkräfte durch eine differenzierte Ausbildung Rechnung zu tragen. Dies bedeutet aber auch, dass sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr bei der Ausgestaltung seines Ausbildungssystems von einem eher klassischen Bild der Ausbildung in Form einer bloßen Aneinanderreihung von Lehrgängen, Seminaren oder Fortbildungsmaßnahmen verabschieden muss. Dies stellt auch das sanitätsdienstliche Ausbildungssystem vor neue Herausforderungen.

Ausbildung ist mehr als die individuelle Bevorratung von Fakten und Fähigkeiten

Betrachtet man zunächst die Zielsetzungen und Auswirkungen, so kann schnell festgestellt werden, dass moderne Ausbildung weit mehr ist, als die reine Vermittlung von Fakten und Fähigkeiten im Zuge einer eine aufgabenbezogenen Kompetenzentwicklung. Jeder, der gemeinsam in einer Gruppe gelernt hat bzw. gemeinsam in einer Gruppe ausgebildet wurde, kennt den damit verbunden Sozialisierungsaspekt. Einer gemeinsamen Ausbildung in den unterschiedlichen Ausprägungen kommt die Funktion der Identitätsstiftung oder - besser ausgedrückt - der Crew-Bildung zu. Gleiche Ausbildungen führen zu einem gleichen Verständnis auf dessen Grundlage letztendlich auch gemeinsame Wertevorstellungen entstehen können. Die Teamausbildung ist hier nur die unterste Stufe.

Zukunftsfähige Ausbildung im Sanitätsdienst kann auch niemals unidirektional angelegt sein, sondern immer multidirektional. Die Kooperation verschiedener Fächer, Disziplinen und Partner ist dabei Notwendigkeit aber auch Kennzeichen einer qualitativ hochwertigen und innovativen Ausbildung. Wenn das sogenannte „über den Tellerrand hinausschauen“ mittlerweile Prinzip ist, bedeutet dies für den Sanitätsdienst schon heute mehr, als die Einsatzgrundsätze und Verfahren der zu unterstützenden Truppe zu beherrschen und gemeinsam mit dieser auszubilden und zu üben. Zugleich werden die Herausforderungen an das militärische Gesundheitssystems durch technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen immer anspruchsvoller. Dies muss sich auch im Ausbildungssystem des Sanitätsdienstes widerspiegeln.

Ein Aspekt zukunftsfähiger Ausbildung wird insbesondere aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland und der tatsächlichen Konkurrenz des Sanitätsdienstes der Bundeswehr mit dem zivilen medizinischen Ausbildungsmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dies ist der Aspekt der Attraktivität. Gute und moderne Ausbildung wird als attraktiv angesehen. Daher ist die Investition in das Ausbildungssystem immer ein Benefit für die Gesamtorganisation. Je qualitativer, vielfältiger, flexibler, moderner und interessanter ausgebildet wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit einen Schulabsolventen, für eine Karriere im Sanitätsdienst der Bundeswehr zu gewinnen.

Grundkompetenzen für die Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr

Die wesentliche Grundlage für jedwede Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr ist und bleibt natürlich eine solide fachliche Ausbildung im jeweiligen Beruf. Dies gilt für alle Dienstgrade und Berufsgruppen gleichermaßen.

Die Rahmenbedingungen des Einsatzes verlangen ganz grundsätzlich von jeder Soldatin und von jedem Soldaten ein sicheres Urteilsvermögen, um unübersichtliche Situationen richtig erfassen und beurteilen zu können sowie hohe körperliche wie seelische Belastbarkeit, um unter Stress handlungs- wie entscheidungsfähig zu sein.

Darüber hinaus müssen weitere Kompetenzen vermittelt werden, welche den Besonderheiten der Berufsausübung in den Streitkräften Rechnung tragen und sich somit von den zivilen Ausbildungssystematiken unterscheiden. Damit ist zunächst natürlich die zusätzliche militärische Ausbildung als Voraussetzung für das Zusammenwirken des Sanitätsdienstes mit den Land-, Luft- und Seestreitkräften im Einsatz gemeint. Für Führungspersonal in allen Bereichen des Sanitätsdienstes gehört hierzu die ebenen- und aufgabengerechte Qualifizierung im Bereich der Konzeption, der Fähigkeiten und Strukturen von Streitkräften sowie deren Führung und Einsatz.

Im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung des Sanitätspersonals sind soziale und interkulturelle Kompetenz genauso zu entwickeln, wie die Anwendung geeigneter Konzepte erfolgreicher Kommunikation und verantwortlicher Führung. Zur Vermeidung posttraumatischer Belastungsstörungen muss gerade das Rettungsdienstpersonal über geeignete Werkzeuge zum Umgang mit diesen Störungen verfügen.

Gefordert ist aber auch, vor allem von Sanitätsoffizieren in Führungsverwendungen, zunehmend die Fähigkeit zur Beurteilung und Umsetzung gesundheitspolitisch relevanter Prozesse, verbunden mit Management- und Führungsqualifikation auf allen Ebenen. Dies umfasst die Befähigung zum qualifizierten Anwenden betriebswirtschaftlicher Verfahren in der Leitung von Sanitätseinrichtungen ebenso wie das Verständnis der Finanzierungs- und Versorgungssysteme.

Die rasanten fachlichen Entwicklungen im Gesundheitswesen erfordern in allen diesen Ausbildungsfeldern eine stetige Überprüfung und Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten. Die hohe Geschwindigkeit, mit der neues Wissen entsteht und vorhandenes veraltet, verlangt vom Einzelnen, sich ständig neues Wissen zu erschließen und individuelle Kompetenz zu steigern, von den Ausbildungseinrichtungen eine hohe inhaltliche und organisatorische Flexibilität, um den fortlaufenden Veränderungen der Rahmenbedingungen und des Bedarfs für Ausbildung gerecht werden zu können.

Wie ist die aktuelle Ausgangslage?

Bevor aus diesen Überlegungen heraus einige wesentliche Bausteine für die Neuordnung und Neuausrichtung der Ausbildung im Sanitätsdienst skizziert werden, erscheint es sinnvoll, zunächst einmal die Ausgangslage und die Veränderungsnotwendigkeiten zu beschreiben.

Die konzeptionellen Forderungen an die Bundeswehr mit ihren konzeptionellen Folgedokumenten zur sanitätsdienstlichen Versorgung und zur Ausbildung setzen den bundeswehrgemeinsamen Rahmen für die Ausgestaltung sanitätsdienstlicher Ausbildung in der Bundeswehr.

Auf der Grundlage streitkräftegemeinsamen Denkens und Handelns sind Kenntnisse und Fertigkeiten zur Auftragserfüllung im gesamten Aufgabenspektrum der Streitkräfte zu vermitteln. Dies geht mit einer differenzierten Ausbildung nach dem Grundsatz „Tiefe vor Breite“ einher, so dass die sanitätsdienstliche Aufgabenwahrnehmung im Inland und ein Zusammenwirken zwischen dem Sanitätsdienst und den anderen militärischen Organisationsbereichen in der Einsatzvorbereitung und im Einsatz gewährleistet ist.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die sanitätsdienstliche Unterstützung von Land-, Luft- und Seestreitkräften in einem breiten Spektrum möglicher Operationen erfolgt. Dies reicht vom Einsatz bei länger angelegten Stabilisierungsoperationen bis zur sanitätsdienstlichen Unterstützung raumgreifender und schneller Truppenbewegungen sowie hochmobiler Gefechtshandlungen mit hoher Einsatzintensität und ständiger Gefährdung („Einsatz im Kampf“).

Das Spektrum möglicher Erkrankungs-, Verletzungs- und Verwundungsmuster unterscheidet sich deutlich von dem in Deutschland und kann auch innerhalb eines Einsatzraumes sehr starken Schwankungen unterliegen. Eine besondere Herausforderung im Einsatz stellt dabei die Erstversorgung von Schuss- und Explosionsverletzungen mit systemischen Auswirkungen auf den gesamten Körper dar.

Die rettungs- und notfallmedizinische Versorgung im Einsatzgebiet wird auch zunehmend bestimmt durch die zeitgleiche Versorgung vieler kleiner Einheiten, eine verstärkte Dislozierung der Kräfte im Einsatzraum sowie die daraus resultierenden großen Entfernungen zur eigenen Truppe und deren Versorgungseinrichtungen. Diese schwierigen Rahmenbedingungen werden es nicht immer ermöglichen, (fach-)ärztliches Personal des SanDstBw bis auf Truppebene unmittelbar vor Ort einzusetzen. Notwendigkeit und zeitliches Ausmaß, in welchem spezifisch ärztliche Maßnahmen im Rahmen der Notkompetenz auch durch nicht-akademisches Assistenzpersonal durchgeführt werden müssen, resultieren also aus weitaus schwierigeren Rahmenbedingungen, wie sie im zivilen Rettungsdienst in Deutschland üblich sind.

Daraus folgt ein höheres Maß an Eigenverantwortlichkeit sowie an erforderlicher Handlungskompetenz bereits auf Ebene des medizinischen Assistenzpersonals. Auch diese Tatsache erfordert eine fachliche Ausbildung, die deutlich über die Systematik, Ausbildungsinhalte und –tiefe der zivilen Gesundheitsberufe hinausgeht. Die fachlichen Qualifikationen der Soldatinnen und Soldaten müssen in immer kürzeren Abständen aktualisiert werden. Ein verzugloses Umsetzen von neuen medizinischen Erkenntnissen in die sanitätsdienstliche Ausbildung ist notwendig. Die zeitnahe Auswertung von Einsatzerfahrungen und Entwicklungen sowohl des zivilen als auch des militärischen Umfeldes ist eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung in der Ausbildung. Hierfür stehen derzeit jedoch noch keine ausreichenden Evaluationsverfahren zur Verfügung.

Gestiegene fachliche Qualitätsstandards für die Versorgungs-/Behandlungsabläufe führen zu höheren Anforderungen an die Ausbildung in allen Gesundheitsberufen. Damit verbunden sind die Entwicklung neuer Qualifikationen im Bereich des medizinischen Assistenzpersonals, eine zunehmende Spezialisierung und Akademisierung bereits bestehender Berufsbilder sowie ein steigender Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften auf dem zivilen Arbeitsmarkt.

Änderungsnotwendigkeiten am Beispiel der einsatzvorbereitenden Ausbildung von Rettungsdienstpersonal

Die nachfolgenden Aussagen zur Ausbildung des Rettungsdienstpersonals sollen beispielhaft die Änderungsnotwendigkeiten in der Ausbildung umreißen. Als Rettungsdienstpersonal werden im Folgenden Einsatzsanitäter, Einsatzrettungsassistenten und approbiertes Personal in der präklinischen Notfallversorgung verstanden. Natürlich kann das Beispiel auch auf andere Gesundheitsberufe, wie z.B. das Pflegedienstpersonal oder ärztliches Personal in anderen Fachgebieten übertragen werden. Das Beispiel des Rettungsdienst-personals in der präklinischen Versorgung eignet sich jedoch besonders, weil dieses Personal am engsten mit der zu unterstützenden Truppe zusammenarbeiten muss. Hier gilt es einerseits die durch das Nicht- Sanitätspersonal im Rahmen der Selbstund Kameradenhilfe getroffenen Maßnahmen weiterzuführen, andererseits ist dieses Personal intensiv in die Auftragserfüllung der zu unterstützenden Truppe eingebunden und trägt somit im besonderen Maße zum Erfolg der jeweiligen Gesamtoperation bei.

Inhalte und Abläufe der sanitätsdienstlichen Individual- und Teamausbildung sind für dieses Personal noch konsequenter als bisher auf die rettungs- und notfallmedizinische Versorgung in Szenarien mit hoher Gefechtsintensität und beweglicher Gefechtsführung auszurichten. Die notwendigen militärischen Fähigkeiten für den beschriebenen Auftrag werden vom Beginn der Dienstzeit bereits im Rahmen der Individualausbildung vermittelt. Hierzu gehören die Elemente der sog. Individuellen Grundfertigkeiten (IGF), wie körperliche Fitness oder Schießkompetenzen ebenso wie die Fähigkeiten aus dem ersten Anteil der Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, der sog. Basis-EAKK (z.B. Verhalten in Notsituationen, Erkennen der Gefährdung durch nicht zur Wirkung gelangte Kampfmittel, Führen des Feuerkampfes oder Interkulturelle Kompetenz).

Der Notwendigkeit der Änderung der Schießausbildung wurde streitkräftegemeinsam bereits mit der Einführung des sog. „Neuen Schießausbildungskonzepts“ (nSAK) Rechnung getragen. Ein Kernpunkt des nSAK ist dabei die Vermittlung der Kompetenzen zum Schießen auch aus nahen und nächsten Entfernungen. Für einen Teil des mobil eingesetzten Rettungsdienstpersonal ist aufgrund der aktuellen Entwicklung eine Ausbildung an MP 7 und ggf. MG 3 notwendig.

Im Zuge der einsatzbezogenen Teamausbildung sind diese militärischen Fähigkeiten weiter zu festigen. Für die Teamausbildung des ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals sind komplexe einsatzbezogene notfallmedizische Lagen mit in die Ausbildung aufzunehmen. Es kommt dabei auf die aufgabenbezogene Integration unterschiedlicher Laufbahnund Berufsgruppen zu professionellen und militärisch funktionsfähigen sanitätsdienstlichen Teams an. Voraussetzung hierfür ist das Intensivieren und Standardisieren von interdisziplinären Behandlungs- und Versorgungskonzepten zur Befähigung eines leitlinienorientierten Handelns.

Ein weiteres wesentliches Element zukünftiger Teamausbildung ist die Intensivierung des sog. Crew Resource Managements (CRM) für die sanitätsdienstlichen Einsatzelemente. Es geht um die Verbesserung der nicht-technischen / nicht-fachlichen Fertigkeiten (Kommunikation, Führung, Entscheidungsfindung) des eingesetzten Personals. So kann die Leistungsfähigkeit und Handlungssicherheit etwa eines BAT-Teams deutlich verbessert werden. Gleichzeitig wird das Risiko vermeidbarer Fehler z.B. aufgrund von Kommunikationsdefiziten verringert.

Die fachliche und militärische Ausbildung des Rettungsdienstpersonals ist enger als bisher zu verzahnen. Das in der präklinischen Versorgung von Verletzten und Verwundeten eingesetzte Rettungsdienstpersonal des Sanitätsdienstes ist schon immer vor die Herausforderung gestellt, bei der Versorgung die taktischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und ggf. die zivilen Versorgungskonzepte lageorientiert anzupassen. Weit mehr als bisher kommt jedoch eben dieser Kompetenz - der Verbindung von fachlichen und taktischen Können - Bedeutung zu. Aus diesem Grund wurde im laufenden Jahr ein Lehrgang „taktische Verwundetenversorgung“ konzipiert, bei dem die beschriebe Kompetenzentwicklung im Vordergrund steht. Die Ausbildungsinhalte sind dabei stark an das international anerkannte und ursprünglich für nicht Nicht-Sanitätspersonal entwickelte Konzept des „Tactical Combat Casualty Care“ (TCCC) angelehnt. Dies betrifft insbesondere die ersten beiden Anteile „Care under Fire“ und „Tactical Field Care“. Ziel ist es, die Verletzten und Verwundeten optimal auch unter feindlicher Waffenwirkung zu versorgen und das Auftreten weiterer Verwundeten zu vermeiden.

Die Sanitätsoffiziere Arzt sind für ihren Einsatz als Rettungsmediziner stärker auf die Aufgaben als militärischer Führer vorzubereiten. Die bereits bestehenden Module der „postuniversitären Ausbildung für Sanitätsoffiziere“ (PUMA) an der Sanitätsakademie der Bundeswehr sowie an den Offizierschulen der Teilstreitkräfte müssen entsprechend weiterentwickelt werden. Die postuniversitäre modulare Ausbildung ist um Teamausbildungsanteile zu ergänzen, welche die erforderliche fachliche wie militärische Handlungssicherheit in komplexen einsatzbezogenen notfallmedizischen Situationen erhöhen. Für die Rettungsmediziner, die auf Beweglichen Arzttrupps eingesetzt sind, als auch für die Funktionen im Einsatzgebiet, die einem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) bzw. einem Leitendem Notarzt (LNA) vergleichbar sind, ist ein einsatzspezifisches Profil auszubilden, das diesen Sanitätsoffizieren ermöglicht, vor Ort mit dem jeweiligen taktischen Führer bzw. Truppenführer effizient und synergistisch zusammenzuarbeiten.

Diese Ausbildungsanteile sind soweit wie möglich in die weiteren Anteile der EAKK (Aufbauausbildung EAAK, Auffrischungsausbildung EAKK und Zusatzausbilkdung EAKK zu integrieren. Über die so optimierte sanitätsspezifische einsatzvorbereitende Ausbildung der Einsatzorganisationselemente sind die Grundlagen für die darauf aufbauende Kohäsionsausbildung mit den zu unterstützenden Truppenteilen zu schaffen. Bei der Kohäsionsausbildung handelt es sich um die mit der Truppe durchzuführende gemeinsame einsatzvorbereitende Ausbildung direkt vor einem bevorstehenden Einsatz, also um dem letzten Teil der einsatzvorbereitenden Ausbildung (EVA). Abholpunkt für dieses Ausbildung ist für den Sanitätsdienst der Bundeswehr die ZA EAKK am Standort Feldkirchen. Insbesondere seitens des Heeres, aber auch aus den Reihen des einsatzerfahrenen Sanitätspersonals wurde in den vergangenen Monaten aus den aktuellen Einsatzerfahrungen abgeleitet die Notwendigkeit der Intensivierung der Kohäsion von Sanitätseinsatzkräften und zu unterstützender Truppe herausgestellt. Dieser Forderung wurde bereits mit ersten Maßnahmen Rechnung getragen.

Die mobilen Sanitätseinsatzkräfte nehmen seit 2010 an der EVA des Leitverbandes im Übungszentrum Infanterie sowie im Gefechtsübungszentrum des Heeres teil. Diese gemeinsamen Übungen, die in Zug- bis hin zu Bataillonsstärke durchgeführt werden, fördern deutlich die Kohäsion und Teambildung. Die aufgrund des Parallelauftrags der Inlandsversorgung eingeschränkte Verfügbarkeit von Sanitätspersonal für diese Ausbildungsabschnitte ist dabei ein limitierender Faktor. Die notwendigen Freiräume in den letzten Wochen vor einem bevorstehenden Einsatz können nur geschaffen werden, wenn die fachlichen Ausbildungsanteile mit der notwendigen Handlungssicherheit bereits vor der ZA EAKK ausgebildet wurden. Aus diesem Grund müssen beispielsweise alle Berechtigungen zur Anwendung von Medizinprodukten nach Medizinproduktebetreiberverordnung möglichst früh im Zuge der Individualausbildung erworben werden, so dass keine „Nachausbildungen“ direkt vor dem Einsatz nötig sind.

Dies bedeutet auch, dass die fachlichen Kompetenzen mit dem notwendigen Aktualitätsniveau ebenfalls vor der ZA EAKK handlungssicher beherrscht werden. Hierzu müssen international etablierte notfallmedizinische Standards bzw. Entwicklungen der zivilen Rettungsmedizin genutzt werden. Dazu sind u.a. die Konzepte des Advanced Trauma Life Support (ATLS®), Pre-Hospital Trauma Life Support (PHTLS®) und des International Hospital Trauma Life Support (ITLS®) zu betrachten und in geeigneter Form zu implementieren. Wesentlicher Bestandteil ist dabei die Zertifizierung dieser Ausbildungsinhalte.

Zukünftige Entwicklungen des Teilausbildungssystem Sanitätsdienst

Die am Beispiel der einsatzvorbeeitenden Ausbildung des Rettungsdienstpersonals dargestellte Änderungsnotwendigkeiten zeigen auf, dass das Teilausbildungssystem Sanitätsdienst insgesamt so weiterzuentwickeln ist, dass militärische und fachliche Kompetenzen fortwährend an die sich wandelnden Rahmenbedingungen für die Aufgabenerfüllung im In- und Ausland angepasst werden können. Dies schließt u.a. auch die Etablierung technologiegestützten Trainings und Simulation mit ein.

Auf der Grundlage der entsprechend zu überarbeitenden Ausbildungsinhalte und Ausbildungsgänge sind die dazu benötigten Fähigkeiten des sanitätsdienstlichen Ausbildungssystems neu auszurichten. Mit der Fähigkeit zur zentralen „Entwicklung von Curricula“ sowie der verzugslosen Aufbereitung von Ergebnissen und Erkenntnissen aus Einsatz, Erprobung, Weiterentwicklung und wissenschaftlicher Forschung müssen die Voraussetzung für Ausbildung und Lehre auf einem Niveau geschaffen werden, das mit zivilen Ausbildungseinrichtungen kooperationsfähig ist. Dies umfasst für den SanDstBw im Einzelnen eine zentrale Aufbereitung der Erkenntnisse und Entwicklungen sowie Umsetzung in Ausbildungskonzeptionen und –programmen, die Standardisierung von Ausbildungsinhalten und die Bereitstellung von Materialien für einheitliche Lehraussagen, die Entwicklung und Bereitstellung aktueller Forschungs- und Studienergebnisse sowie Entwicklungsarbeit für das Wissensmanagement und das Erarbeiten von Grundlagen und Empfehlungen für fachliche wie konzeptionelle Weiterentwicklung. Mit der Bereitstellung und Umsetzung der Ergebnisse müssen auch die Fähigkeiten zur gezielten Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie ggf. Zertifizierung der Ausbilder (z.B. zu PHTLS®-Instruktoren) abgebildet werden.

Die Fähigkeiten zur präklinischen Ausbildung sind so abzubilden, dass eine zentrale und systematische Zusammenführung von fachlichen Entwicklungen wie militärischen Erkenntnissen aus Einsätzen (auch von Partnernationen) und deren Umsetzung in Ausbildung und Lehre sowie in Behandlungsleitlinien ermöglicht wird. Sowohl aus rechtlicher als auch aus fachlichwissenschaftlicher Sicht müssen dabei unmittelbarer fachlicher Zugriff bzw. kontinuierliche Kontrolle und Überprüfung der Ausbildungsmaßnahmen und der Ausbildungsorganisation sowie die Ausbildung und Überprüfung von Fertigkeiten durch ärztliches Personal gewährleistet sein. Die Führungsund die Steuerungsfähigkeit in der Ausbildung sind zu entsprechend zu verbessern.

Zusammenfassung

Es gilt, den Bedarf an Ausbildung im Sanitätsdienst nach Inhalt, Umfang und Zeitpunkt sowohl für den Einsatz als auch für den Betrieb in Deutschland richtig und angemessen zu definieren sowie zeitgerecht, in der nötigen Qualität und in den erforderlichen Umfängen sicherzustellen. Die aktuellen Rahmenbedingungen erfordern grundsätzlich eine engere Verzahnung militärischer und fachlicher Ausbildungsinhalte. Die fachlichen Ausbildungsanteile sind auf der Grundlage international etablierter Konzepte kontinuierlich auf dem neuesten Stand zu halten und in geeigneter Form zu zertifizieren. Die militärischen Ausbildungsinhalte sind am Bedarf der Streitkräfte ausgerichtet kontinuierlich weiter zu entwickeln. Sowohl die fachlichen als auch die militärischen Kompetenzen sind im Zuge der Individual- und Teamausbildung stetig zu intensivieren und zu festigen. Parallel dazu müssen die Ausbildungsanteile konstant in die einsatzvorbereitende Ausbildung integriert werden. Dies bildet die Voraussetzung für eine zielgerichtete und effektive Kohäsionsausbildung gemeinsam mit der im Einsatz zu unterstützenden Truppe.

Die dargestellten Funktionen der Ausbildung bilden dabei einen grundsätzlichen Rahmen. Die Bildungs- und Ausbildungsgänge sind so zu gestalten, dass die Soldaten für ihren beruflichen Werdegang innerhalb der Bundeswehr und später im zivilen Berufsleben den größtmöglichen Nutzen ziehen. Die Ausbildung kann somit zu einem wesentlichen Attraktivitätsfaktor für den Dienst im Sanitätsdienst der Bundeswehr werden.

Weitere Rahmenbedingungen werden durch den rasanten fachlichen Fortschritt und die zunehmende Technisierung moderner Ausbildung (Einbindung moderner Ausbildungstechnologie einschließlich Simulation / Fernausbildung etc.) vorgegeben.

Diese angesprochenen Aspekte sollten bei der Neustrukturierung des Teilausbildungssystems einschließlich der Neuordnung von Ausbildungsaufträgen an die unterschiedlichen Ausbildungsträger des Sanitätsdienstes (zentrale Ausbildungseinrichtungen, Bundeswehrkrankenhäuser, Institute, Fachschulen, Sanitätstruppe, regionale Sanitätseinrichtungen) Berücksichtigung finden.

Datum: 15.03.2011

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2010/4

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