Die regionale sanitätsdienstliche Versorgung der Streitkräfte im Umbruch
Artikel: A. Bell

Die regionale sanitätsdienstliche Versorgung der Streitkräfte im Umbruch

Aus dem Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung (Kommandeur: Generalstabsarzt Dr. A. Kalinowski)

Ausrichtung auf Systemverbund Basis Inland
Die Weiterentwicklung der Regionalen Sanitätseinrichtungen (RegSanEinr) entlang der Vorgaben der Konzeption (KdB) der Bundeswehr und des Fähigkeitsprofils (FPBw) stellt mit Blick auf die Meilensteine 2027 und 2031+ eine Herkulesaufgabe dar. Eingefügt im Systemverbund Basis Inland haben sie weitreichende Aufgaben aus der Grundaufstellung heraus jederzeit und gleichzeitig wahrzunehmen.

Hierbei gilt es, den Prozess der letzten Jahre, eine fachlich erstklassige ambulante Patientenversorgung im In- und Ausland sektorenübergreifend auf Facharztniveau sowie eine zunehmende Professionalisierung der Begutachtungssystematik mit sozialmedizinischem Sachverstand und der umfassenden Rehabilitation (Einsatz-)Geschädigter und Langzeiterkrankter zu verstetigen und auszubauen. 

Die regionalen Sanitätseinrichtungen der Zukunft, deren Kräftedispositive und Ressourcen bisher an den Erfordernissen des internationalen Krisenmanagements ausgerichtet und im Grundbetrieb eingesetzt wurden (Zielstruktur 2020), werden in der Neuausrichtung mehr denn je mit einer Vielzahl von gleichzeitig zu erfüllenden Aufgaben konfrontiert. 

Als zunehmend herausforderndes Ziel und komplexes Szenario steht die Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung im Vordergrund. Unsere ambulanten Versorgungssysteme haben dabei weiterhin mit im Inland verbleibenden Anteilen als medizinische Dienstleister zu fungieren. Dieser Wirkverbund der Drehscheibe Heimatland wird zu einem Systemverbund Basis Inland entwickelt werden.

Einerseits sorgen sich die sanitätsdienstlichen „Enabler“ um Erhalt und Förderung körperlicher und mentaler Gesundheit der einsatzbereiten Kräfte, andererseits auch um die mit Verwundungen an Leib und Seele aus den Einsätzen zurückkehrenden Kameradinnen und Kameraden. Diese müssen nach der stationären Versorgung in einen umfänglichen und an den individuellen Bedürfnissen angepassten Rehabilitationsprozess aufgenommen werden. Hier ist neben der kurativen und rehabilitativen fachlichen Betreuung das System der Heilfürsorge in besonderer Weise umfassend gefordert. 

Gleichzeitig sind die RegSanEinr mit den Sanitätsstaffeln Einsatz (SanStff Eins) Hauptträger der notfallmedizinischen Versorgung der Ebene 1 innerhalb der Rettungskette bei Einsätzen hoher und höchster Intensität. Diese müssen bei erwarteten hohen Patientenzahlen und den Bedingungen erweiterter Operationsräume die notfallmedizinische Versorgung innerhalb der ersten Stunde nach Verwundung sicherstellen. 

Damit nicht genug, neben fortlaufenden Verpflichtungen der „Basis Inland“ wie beispielsweise verstärkten Flugunfallbereitschaften oder Ausbildungs- und Übungsunterstützung sind weitere Ressourcen vorzuhalten. Zusätzlich müssen Aufgaben der sanitätsdienstlichen Unterstützung im Rahmen der Verlegung für den Einsatz vorgesehener Kräfte, Host Nation Support (HNS) durchmarschierender Verbündeter (Drehscheibe Europa/Deutschland) und des Heimatschutzes übernommen werden. Abhängig von der Auslastung des zivilen Gesundheitssystems wird sich möglicherweise auch die Notwendigkeit zu Einrichtung und Betrieb stationärer Behandlungseinrichtungen in militärischen Liegenschaften ergeben. 

Darüber hinaus müssen die RegSanEinr weiterhin befähigt bleiben, Herausforderungen wie der Bekämpfung von nationalen und internationalen Katastrophen oder Pandemien entgegenzutreten. Gleichzeitig bleiben in unterschiedlicher Intensität und Gewichtung Stabilisierungsoperationen oder Beiträge zur humanitären Hilfe.

Eine Ausrichtung auf dieses ambitionierte Leistungsportfolio bedarf nicht nur der Behebung aktueller, insbesondere materieller Defizite, sondern bedeutet auch für die Zukunft einen hohen personellen, materiellen und infrastrukturellen Aufwuchsbedarf.

Gelingt es nicht, die erforderlichen Ressourcen aufgrund äußerer Einflussfaktoren zu gewinnen, so ist es unumgänglich, flexibel und innovativ Lösungsideen zu entwickeln.

Betrachten wir nun „schlaglichtartig“ organisatorische aber auch fachliche Aspekte auf dem Weg der Weiterentwicklung der regionalen sanitätsdienstlichen Versorgung der Streitkräfte 2031+:

Organisation

PhotoNotfallmedizinische Versorgung der Ebene 1 im Einsatz (Abb.: Torsten Kraatz) Der Blick in die Zukunft erfordert zunächst eine möglichst umfassende Beurteilung der aktuellen Lage. Im Rahmen einer Stärken- und Schwächenanalyse und damit einhergehenden Workshops im Jahr 2019 konnte ein sehr gutes Bild der nunmehr in den RegSanEinr eingenommenen Zielstruktur 2020 ermittelt werden.

Im Kern wurde dabei herausgearbeitet, dass es mit der aktuellen Struktur der RegSanEinr gelungen ist, trotz stark limitierter Ressourcen den Auftrag der RegSanEinr in allen Facetten mit sehr hoher Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit zu gewährleisten. Doch wo liegen die Schwächen? Was ist auf dem Weg 2031+ zu beachten und welche Maßnahmen sind erforderlich, um der Herausforderung der Refokussierung im Sinne des FPBw bestmöglich entsprechen zu können?

Resilienz und Durchhaltefähigkeit sind eng mit der personellen und materiellen Verfügbarkeit verbunden. Vakanzen und die Tagesverfügbarkeitslage reduzierende Abwesenheiten sowie die angespannte Materiallage bspw. bei den geschützten und ungeschützten Verwundeten-Transportfahrzeugen, führen bereits aktuell zu regional unterschiedlichen Mangelsituationen im Grundbetrieb. 

Treten verstärkte Auftragsdichten, wie beispielsweise erhöhte Übungs- und Einsatztätigkeiten im Zusammenhang mit LV/BV (VJTF, eFP) hinzu, wird die Kompensationsfähigkeit bereits heute in Teilen überschritten. Besonders betroffen sind hiervon die querschnittlichen und nicht kompensierbaren Aufgaben (Schirrmeister, IT-Fachpersonal, InstOffz oder Materialbewirtschafter) sowie die Führungsfähigkeit.

In einem ersten Schritt sind die RegSanEinr entlang der Aufwüchse des Versorgungsumfanges Truppe an den jeweiligen Standorten und für den Einsatz in Umfang, materiellem Bedarf (im Schwerpunkt wie o.a. Fahrzeuge) und infrastrukturellen Notwendigkeiten anzupassen. 

In einem zweiten Schritt geht der Blick weiter in die Zukunft. Der Aufwuchs der Streitkräfte 2031+ und die Absicht, mit deutlich mehr Brigaden im Systemverbund Land für die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung (VJTF) einsatzbereit zu sein, bedeuten eine dem Szenar und den eingesetzten Kräften sowie den qualitativen und quantitativen Ansprüchen medizinischer Versorgung Rechnung tragende Ausplanung der RegSanEinr und der Fähigkeiten in der Ebene 1. 

Begleitend sollte deshalb der in den letzten Jahren zugenommenen Reduzierung der Einsatz- und Tagesverfügbarkeit des Personals – bspw. durch Inanspruchnahme familienbedingter Abwesenheiten und Erhöhung der Auftragsdichte – sowie der oben dargestellten fehlenden Robustheit in den Führungsgrundgebieten (FGG) durch soll-organisatorische Anpassungen und Erhöhung der Personalverfügbarkeit begegnet werden. 

Berechnungen von in Kampfhandlungen mit konventionellen Mitteln zu erwartenden Ausfallraten (casualty estimation rate) bedeuten für die SanStff Eins als sicherstellendes Element der Ebene 1 die Notwendigkeit eines umfänglichen personellen und materiellen Aufwuchses. 

Konkret bedeutet dies, das „Organisationselement“ SanStff Eins dahingehend zu überarbeiten, dass deutlich mehr, aber dafür kleinere, hoch mobile und an den Bedürfnissen der zu versorgenden Truppenteile (Kampf, Kampfunterstützung und Einsatzunterstützung) ausgerichtete Einheiten gebildet werden müssen. Diese könnten dann im Idealfall bedarfsabhängig in einer Art „Baukastenprinzip“ mit ihren Einsatzelementen der zu unterstützenden Truppe im Sinne einer engen Kohäsion planerisch zugeordnet werden.

Hohe Zahlen an Verwundeten bringen nicht nur die Herausforderung entsprechender Planungen für die Rettungskette, sondern haben langfristige Implikationen für die RegSanEinr. Am Ende der Rettungskette und damit der stationären Versorgung und Behandlung sind signifikante Zahlen rehabilitationsbedürftiger Kameradinnen und Kameraden zu erwarten. 

Rehabilitation

Bereits aus der Versorgung körperlich und mental versehrter Soldatinnen und Soldaten aus den Stabilisierungsoperationen der letzten Jahrzehnte und der damit einhergehenden Professionalisierung in der Behandlung (bspw. PTBS) wurden wertvolle Erfahrungen gesammelt. 

Organisatorisch wurden mit der Schaffung von Interdisziplinären Patientenorientierten Rehabilitationsteams (IPR) und dem Psychosozialen Netzwerk (PSN) gute Grundlagen gelegt, um eine erfolgreiche medizinische Rehabilitation zu gewährleisten. Gleichzeitig wird hier bereits möglichst frühzeitig der stufenlose Übergang zur medizinisch-dienstlich orientierten Rehabilitation in der Bundeswehr (MDORBw) sichergestellt. 

Auch die aktuelle ministerielle Vorschrift zur „Strukturierten Wiedereingliederung von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in den Dienst“, das Konzept zur „Medizinischen Rehabilitation“ des Kdo SanDstBw sowie die Benennung eines Beauftragten für Integrierte Versorgung zeigen die besondere und vor allem OrgBer übergreifende Bedeutung des Themas Rehabilitation.

Wollen wir also für die Zukunft und die Szenare eines konventionellen Krieges im Zusammenhang LV/BV vorbereitet sein, wird eine flächendeckende Befähigung zur Rehabilitation notwendig. Ziel ist hierbei die Wiederherstellung der Dienst- und Verwendungsfähigkeit angelehnt an den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation im zivilen Gesundheitssystem. Diese ist für die militärischen Besonderheiten weiterzuentwickeln.

Neben den bereits etablierten Verfahren, auf die ich aus Umfangsgründen nicht weiter eingehen möchte, sollen zukünftig Rehabilitationsschwerpunkte an den Facharztzentren in einem fachübergreifenden Ansatz aufgestellt und regional verfügbar werden. 

Dabei können in einem integrierten Ansatz auf Elemente der Orthopädie / Unfallchirurgie, Innere Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie, Physiotherapie, Ergo- sowie Sporttherapie und bspw. Ernährungsberatung zurückgegriffen werden. Das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr und das Psychotraumazentrum der Bundeswehr nehmen dazu die Aufgabe als Kompetenzzentren wahr und gewährleisten die Weiterentwicklung dieser elementaren Fähigkeit.

Um diesem Idealbild einer flächendeckend integrierten Versorgung dem qualitativen und vor allem quantitativen Bedarf in 2031+ nahe zu kommen, sind aktuell im Rahmen eines Pilotprojekts an den fünf Standorten Kiel, Rostock, Leipzig, Augustdorf und Köln/Bonn Reha Schwerpunkte an den jeweiligen Facharztzentren ausgebracht. Die hier gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse gilt es dann für eine weitere Ausfächerung und Weiterentwicklung zu nutzen.

Begutachtung

PhotoRehabilitation im integrierten Ansatz (Abb.: Andreas Schindler) Ob beispielsweise im Vorfeld eines militärischen Auftrages und damit einhergehend mit dem Prozess „Einsatzbereite Kräfte bereitstellen“, bei Statuswechseln oder Betrachtungen zur Dienst- und Verwendungsfähigkeit, ja sogar im Rahmen der Empfehlung auf dem altbekannten Krankenmeldeschein: Begutachtung ist zentraler Bestandteil sanitätsdienstlicher Arbeit in den RegSanEinr.

Auch dieser Prozess unterliegt einem ständigen Wandel mit dem Anspruch auf stete Verbesserung, Professionalisierung und der Überprüfung einer möglichst ressourcenschonenden Umsetzung. Dabei sollen zunehmend auch präventivmedizinische Aspekte berücksichtigt werden.

Für die Weiterentwicklung der RegSanEinr 2031+ ergeben sich somit auch für die Begutachtung eine Vielzahl von Handlungsfeldern. 

Einführung und erste Analysen des Systems Allgemeine Verwendungsuntersuchung – Individuelle Grundfertigkeiten (AVU-IGF) haben gezeigt, dass hierdurch bereits ein hervorragendes Instrument präventivmedizinischer Vorsorge („AVU-IGF rettet Leben“)vorliegt. Gleichzeitig hilft dieses Instrument aber bereits, Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verwendungs- und Einsatzfähigkeit zu identifizieren sowie ein erstes „Lagebild“ für die personelle, gesundheitsbedingte Einsatzbereitschaft der Streitkräfte zu generieren und durch gezielte individuelle Maßnahmen die Einsatzbereitschaft wirkungsvoll zu steigern. 

Langfristiges Ziel ist in diesem Zusammenhang die Nutzung dieser regelmäßigen Begutachtungssystematik, um andere Anlässe mit redundanten Inhalten in Befragung oder Untersuchung einzusparen und so insgesamt den Begutachtungsaufwand für die Truppe zu reduzieren und gleichzeitig deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Professionelle Begutachtung im Allgemeinen, Umgang mit Langzeiterkrankten oder durch Trauma geschädigten Kameradinnen und Kameraden und sogar die tägliche Bewertung von Dienst- und Verwendungsfähigkeit auf Krankenmeldeschein bedarf klarer Prozeduren, einheitlicher und verständlicher Sprache sowie mit Blick auf den umfangreichen Rehabilitationsprozess oder komplexe gerichtliche Verfahren, Handlungssicherheit. 

Hierzu sollen Sanitätsoffiziere der RegSanEinr in den nächsten Jahren zunehmend auch sozialmedizinische Kompetenzen erwerben und in Teilen auch über die Zusatzweiterbildung verfügen. 

Letztendlich münden doch alle Bemühungen darauf, die Teilhabe am Dienstalltag und damit die vollschichtige weitere Tätigkeit im aktuellen Status als Soldatin / Soldat und deren Einsatzfähigkeit wiederherzustellen.

Innovation

PhotoModerne Behandlung und Begutachtung auf höchstem Niveau (Abb.: Markus J. Feger) Wir alle wissen, dass personelle und materielle Ressourcen nicht immer in der planerisch abgeleiteten idealtypischen und erhofften Form zur Verfügung gestellt werden können. So ist es heute essentieller denn je, alle Prozesse auf ihr Innovationspotential zu untersuchen, um Ressourcen zu sparen und administrative Prozesse zu verschlanken.

Die RegSanEinr 2031+ bieten hierbei eine Fülle an Potenzialen, auf die zum Abschluss dieses Beitrages nur exemplarisch kurz eingegangen wird.  

Ebene 1: Mit Blick auf die akutmedizinische Versorgung und die Patiententransportorganisation vom Ort der Verwundung zu einer geeigneten sanitätsdienstlichen Versorgungseinrichtung müssen automatisierte Systeme wie Drohnen oder automatisierte geschützte und geländegängige Fahrzeuge zum effizienten Einsatz der rettungsmedizinischen Mittel und Kräfte betrachtet werden.

Soft- und Hardwarelösungen zur Patientensteuerung und zum Patiententracking sind zukunftssicher in ein modernes Battle Management System (BMS) zur Effizienzsteigerung und Kontrolle weiterzuentwickeln. 

Mit Blick auf die Verfügbarkeit von Rettungsmedizinern in BAT oder Rettungsstationen wäre auch unter Berücksichtigung großer Entfernungen eine, im zivilen System bereits in Piloten erfolgreich erprobte Variante der Telemedizin (Tele-Notarzt), zu erproben, wobei notärztliche Expertise dadurch bis in den Rettungstrupp hineinreichen könnte. 

RegSanEinr: Durch die bereits erfolgte Analyse der Prozesse durch die AG Digitalisierung im Kdo SanDstBw gibt es eine gute Datenbasis, aus der Möglichkeiten zur Entwicklung spezifischer IT-Unterstützung, auch zur Reduktion administrativer Aufwände, abgeleitet werden können. 

Das Roll Out der Informationstechnik-Unterstützung in den RegSanEinr (ITU-RegSan) steht nunmehr am SanUstgZ Köln-Wahn kurz vor dem go-live. Diese Erstbefähigung schafft bereits einen entscheidenden Schritt nach vorne. 

Darüber hinaus braucht man auf dem Weg 2031+ weitere klare Meilensteine zur umfassenden Digitalisierung. Konkret gilt es, sich weiterhin der Realisierung einer elektronischen Patienten- und Gesundheitsakte zu widmen. Die eine „am Mann“ / „an der Frau“ auf dem Chip des Truppenausweises, die andere serverbasiert zentral. 

Ziel ist eine papierlose Dokumentation der Gesundheitsdaten, die zur internen (RegSanEinr – BwKrhs) sowie externen (zivile Leistungserbringer) bruchfreien Anwendung befähigt und ein digitales Verarbeiten bei sämtlichen medizinischen Prozessen ermöglicht.

Eine zentrale Zugriffsmöglichkeit auf eine digitale Gesundheitsakte ist auch wesentliche Voraussetzung für die ambulante und poststationäre Versorgung der Soldatinnen und Soldaten im Inland in einem LV/BV-Szenario mit reduzierter Präsenz der RegSanEinr in der Fläche. In Verbindung mit telemedizinischen Anwendungsmöglichkeiten wie einer Videosprechstunde ergeben sich hieraus grundsätzlich neue Optionen der Versorgung. 

Gleiches gilt im Grundbetrieb für die Versorgung an Klein- und Kleinststandorten oder bei auftragsbedingtem Abzug von Personal vor Ort und damit verbundener Clusterung von Behandlungseinrichtungen. Auch hier wäre eine Weiterentwicklung telemedizinischer oder webbasierter Sprechstunden in Verbindung mit Ausstellung von E-Rezepten im Sinne einer elektronischen Fernverordnung zielführend. In diesem Kontext bieten sich auch sehr konkrete Einsatzmöglichkeiten für die in Ausbildung befindlichen künftigen Physician Assistents.

Parallel gibt es Chancen zur Entwicklung von Patienteninformationssystemen zu Krankheitsbildern und Behandlungsformen mittels Apps, Videos oder Podcasts. 

Zusammenfassend zeigt sich in einer dynamischen, sich schnell verändernden und zunehmend digitalisierten Gesundheitsversorgung gleichsam hohes Innovations- wie Weiterentwicklungspotential. 

Kosten- und Ressourcenneutral wird dies nicht gelingen. Gleichwohl ist es für eine erfolgreiche und robuste Sanitätsdienstliche Unterstützung der Truppe essentiell. 

Verfasser:

Oberstarzt Dr. Alexander Bell
E-Mail: Alexander1Bell@bundeswehr.org 

Datum: 12.10.2020

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 3/2020