19.09.2012 •

DER BEHANDLUNGSPUNKT 100 MILITÄRISCH (BHP 100 MIL)

DAS SANITÄTSREGIMENT 32 AUS WEIßENFELS STELLT EINE BESONDERE SANITÄTSKOMPONENTE FÜR DEN BESUCH DES PAPSTES IN ERFURT

Einen wirklich fordernden und interessanten Auftrag hatte das Sanitätsregiment 32 aus Weißenfels im September 2011 zu bewältigen. Papst Benedikt XVI. besuchte Deutschland und machte auch Station in Thüringen. Bereits im Vorfeld des Besuchs wurde deutlich, dass die zivilen Kräfte und Mittel für die sanitätsdienstliche Absicherung der Großveranstaltungen hier ggf. nicht ausreichten und die Unterstützung durch die Bundeswehr erforderlich werden sollte.

Vorgeschichte

Am 2. September 2009 wurde der erste ZMZStützpunkt der Bundeswehr in Weißenfels beim Sanitätsregiment 32 in Dienst gestellt. Hauptaufgabe ist die Unterstützung der zivilen Behörden mit hochqualifiziertem Personal und speziellem Material zur Bewältigung der Folgen von Naturkatastrophen und Unglücksfällen sowie zur Krisenprävention bei Großveranstaltungen. Die Grundlage für Einsätze der Bundeswehr zur Hilfeleistung bildet das VMBl 2008 Seite 2 ff in Verbindung mit Artikel 35 Absatz 1 Grundgesetz. Seit 2009 stellt das Sanitätsregiment 32 mit seinem ZMZStützpunkt ständig subsidiär Kräfte und Mittel für die Amts- oder Katastrophenhilfe auf Anfrage von zivilen Behörden und Organisationen bereit.

Für den ZMZ-Stützpunkt Sanitätsdienst sind in erster Linie acht geländegängige Krankenkraftwagen 2to (KrKw) und zwei bewegliche Arzttrupps (BAT) auf Lkw 2to, eine Rettungsstation (RettStat) und ein Sichtungsmodul sowie ein Rettungszentrum leicht (RettZ le) vorgesehen. KrKw, BAT, RettStat und RettZ le entsprechen dabei der bekannten militärischen Konfiguration, während das Sichtungsmodul aus einer Rettungsstation speziell für den ZMZ-Einsatz konfiguriert wurde. Das Sichtungsmodul besteht daher aus einem luftgestützten Zelt mit Versorgungspalette, medizinischem Material wie Tragen, Decken, Vakuummatratzen, Überwachungsmonitoren, Defibrillator, Pulsoxymeter, Beatmungsgeräte, Infusionsständer, usw. Weiter ist medizinisches Verbrauchsmaterial zur ersten Notfallbehandlung vorbereitet wie Verbandmaterial, Infusionen, Analgetika und weiteres.

Kräfte und Mittel des ZMZ-Stützpunktes werden subsidiär bereitgestellt, d.h. sie werden im normalen Dienst-, Übungs- und Ausbildungsbetrieb des Regiments genutzt und erst auf Anforderung durch zivile Stellen im zivil-militärischen Einsatz zur Verfügung gestellt, so dass keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das Sanitätsregiment 32 hat seit 2009 in mehreren Übungen und auch bereits in Einsätzen im Inland seine Fähigkeiten im Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit regelmäßig weiter ausbauen und erweitern können, so dass inzwischen eine besondere Expertise zur Verfügung steht.

Amtshilfeersuchen der Stadt Erfurt

Am 11. Juli 2011 stellte die Stadt Erfurt in Vorbereitung des Besuchs von Papst Benedikt XVI. am 23. und 24. September 2011 in Erfurt und dem Eichsfeld einen Antrag auf Hilfeleistung durch die Bundeswehr, um die sanitätsdienstliche Versorgung an allen Public - Viewing Standorten ausreichend zu gewährleisten. Der Papst sollte neben einer großen Freiluftmesse auf dem Eichsfeld im Westen Thüringens auch eine Messe im Dom von Erfurt halten, zu der die Stadt Erfurt mehr als 100.000 Besucher erwartete. Für diese Besucher wurde je ein Public Viewing Bereich mit Großleinwänden am Domplatz und am Steigerwaldstadion eingerichtet, um so den Besuchern die Möglichkeit zur Teilnahme an der Messe zu geben. Um die große Zahl erwarteter Besucher sanitätsdienstlich adäquat versorgen zu können, wurden Kräfte der Hilfsorganisationen und Feuerwehren aus ganz Thüringen herangezogen. Auch die Bundeswehr wurde um Unterstützung gebeten.

Das Absicherungskonzept der Stadt Erfurt sah vor, am Domplatz zwei Behandlungsplätze 50 (BHP 50) und am Steigerwaldstadion einen Behandlungsplatz 100 (BHP 100) einzurichten, um so bei einem Massenanfall von Patienten direkt reagieren zu können und die Sichtung und Erstbehandlung qualifiziert einleiten zu können. Vorgeschaltet werden sollte je eine einfache Dekontaminationseinrichtung, um ggf. kontaminierte Patienten ebenfalls einer Behandlung zuführen zu können. Zum Transport von Erkrankten und Verletzten zu den Behandlungsplätzen waren Krankenträger zu Fuß vorgesehen, den Transport von den Behandlungsplätzen zu den Krankenhäusern sollten Rettungsdienstfahrzeuge übernehmen.

Die aus dem Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr resultierenden Forderungen umfassten einen Behandlungsplatz mit einer durchhaltefähigen Behandlung von 100 Patienten pro Stunde am Steigerwaldstadion und die Sicherstellung des Verletztentransports mit 10 geeigneten Fahrzeugen über den gesamten Einsatzzeitraum von 34 Stunden. Zusätzlich waren sechs Intensivbeatmungsplätze als Back-Up für die Krankenhäuser der Maximalversorgung in Erfurt bereitzustellen. Weiterhin bestand ein Bedarf an 40 Krankenträgern mit 10 Krankentragen, um so Verletzte und Erkrankte den Behandlungsplätzen zuführen zu können. Die Entwicklung vom Rettungszentrum zum BHP 100 mil Die Anforderung seitens der Stadt Erfurt bedeutete nicht nur die Vorbereitung des Sanitätsregiments 32 auf einen Einsatz im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit, sondern stellte gleichzeitig einen Meilenstein in der Entwicklung der Sanitätskomponente dar. Die konzeptionelle Entwicklung des geforderten Behandlungsplatz 100 militärisch (BHP 100 mil) umfasste häufige Besprechungen mit den zivilen Trägern und Katastrophenschutzbehörden der Stadt Erfurt, aber auch die Heranziehung und Auswertung der DIN 13050, um genaue Definitionen aus dem Segment des Rettungswesens in Bezug auf Funktionen, Personen, Material und Ausrüstung in die Entwicklung des BHP 100 mil zu projizieren. Mit der Entwicklung des BHP 100 mil ist es gelungen, die zivilen Forderungen mit den zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln in Einklang zu bringen und eine den Erfordernissen angepasste Form des Rettungszentrums zu schaffen. Zunächst musste jedoch durch das Sanitätsregiment 32 erst einmal definiert werden, was ein BHP 100 überhaupt ist. Im zivilen Bereich halten Katastrophenschutzorganisationen BHP 50 zur Sichtung und notfallmedizinischen Erstbehandlung von 50 Patienten bei einem Massenanfall vor. Analog dazu wurde an das Sanitätsregiment 32 die Forderung zur Sichtung und notfallmedizinischen Erstbehandlung von 100 Patienten bei einem Massenanfall gestellt, sprich ein BHP 100. Militärische sanitätsdienstliche Einrichtungen wie z. B. ein Rettungszentrum sind jedoch an anderen Erfordernissen und Rahmenbedingungen ausgerichtet als zivile sanitätsdienstliche Elemente. Definiert wurden also folgende Anforderungen an den BHP 100 mil: • mobile sanitätsdienstliche Einrichtung für einen temporären Einsatz über 34 Stunden, • Sichtung und notfallmedizinische Erstbehandlung von bis zu 100 Patienten bei einem Massenanfall, • Herstellen der Transportfähigkeit und Einleiten des Transports der Patienten, • Auswahl der Zielkliniken in Zusammenarbeit mit der zivilen Rettungsleitstelle, • Kommunikation mit zivilen Führungselementen, • autarker Betrieb über 34 Stunden, insbesondere eigene Energieversorgung. Ein besonders Augenmerk wurde weiterhin auf die Implementierung von sechs Intensivbeatmungsplätzen gelegt, um Patienten bei einer Überbelegung der Intensivstationen der Krankenhäuser übernehmen zu können und ihre Überwachung über eine Dauer von 24 Stunden sicherzustellen. Abgeleitet aus o. g. Anforderungen entwickelte das Sanitätsregiment 32 dann aus einem Rettungszentrum leicht einen BHP 100 mil. Im Kern wurden mehrere Schockmodule, die Bereiche Pflege, Intensivstation, Labor und SanMat des RettZ le verwendet. Da die standardmäßige Ausstattung des Rettungszentrums auch hinsichtlich der medizinischen Verbrauchsgüter nicht den Anforderungen im zivil-militärischen Einsatz entsprach, wurden in Vorbereitung des Einsatzes die Ausstattungslisten in Zusammenarbeit mit Sanitätsoffizieren des BwKrhs Berlin und mit dem VersInstZSanMat Blankenburg komplett überarbeitet. Das VersInstZSanMat Blankenburg übernahm dann auch die SanMat-Versorgung des BHP 100 mil, was für das VersInstZ ebenfalls eine Herausforderung und interessante Aufgabe darstellte. Der personelle Umfang für die Durchhaltefähigkeit des gesamten BHP 100 mil über den Einsatzzeitraum erforderte den Einsatz von 10 Ärzten und 70 Soldaten in unterschiedlichen Funktionen und Aufgabenbereichen. Darüber hinaus wurden weitere 110 Soldaten eingesetzt für die Bereiche Krankentransport, Krankenträger, Gefechtsstand, Logistik und Versorgung, Unterkunft und Verpflegung. Konfiguration des BHP 100 mil Der Bereich „Rot“ für schwerverletzte Patienten wurde in zwei Schockmodulen mit insgesamt 16 Schockbehandlungsplätzen am Eingang des BHP 100 mil abgebildet. Ein Schockmodul á 2 Schockcontainer (je zwei Behandlungsplätze) plus Zugangszelt (sechs Behandlungsplätze) wurde daher zweimal beigestellt. Schwerpunkt des eingesetzten und fachspezifisch ausgebildeten Personals stellten primär die notfallmedizinische Versorgung und die Herstellung der Transportstabilität der Patienten dar. 20 Pflegebetten und zehn Notbetten ließen im Bereich „Gelb“ medizinische Behandlung von mittelschweren und schweren Verletzungen zu. Weitere 30 Behandlungsplätze des Bereiches „Grün“ für die Versorgung leichter Verletzungen wurden in der Vorhalle der Leichtathletikhalle eingerichtet, die direkt an den BHP 100 mil angrenzte. Hier wurde auch der Gefechtsstand eingerichtet. Integriert in den Gefechtsstand wurde ein Verbindungselement der Berufsfeuerwehr Erfurt, um so die Kommunikation und den Informationsfluss sicherstellen zu können. Eine weitere Forderung der Stadt Erfurt umfasste den Verletztentransport mit 10 geeigneten Fahrzeugen. Der bodengebundene Transport setzte sich aus acht SanTrp in KrKw und zwei BAT der 2. Kompanie SanRgt 32 zusammen, deren Verfügungsraum und Einsatzort (Domplatz Erfurt) disloziert vom BHP 100 mil und somit von der Regimentsführung abgesetzt lag. Eine erhebliche Unterstützungsleistung für die Transportkomponente erfolgte durch das Führungsunterstützungsbataillon 383 aus Erfurt. 40 Soldaten stellten zusätzlich 10 Krankentragentrupps. Die Kommunikation zwischen den abgesetzten Teilen Sanitätsregiment 32, der militärischen Führung im Einsatzgebiet Erfurt und den Einsatzleitern der zivilen Behörden war Dank der Führungsmittel des ZMZ -Stützpunktes und Integration von Verbindungstrupps der Feuerwehr gewährleistet. Dabei wurden neben Festnetztelefon und Festnetzdatenleitung, Mobiltelefon und Feldtelefon auch VHF-Funk und BOS-Funk genutzt. Aufbau des BHP 100 mil in forderndem Gelände Erkundungen des Aufbauplatzes in Erfurt führten zu dem Ergebnis, dass die eingesetzten Kräfte und Mittel des Sanitätsregiments 32 neben der konzeptionellen Entwicklung des BHP 100 mil eine weitere spezielle Herausforderung zu absolvieren hatten. Neben einer außergewöhnlichen Aufbaufläche von 20m x 100m galt es, ein Gefälle von 2% auszugleichen. Durch computergestützte Programmierung entstand das Modell eines 90m langen Zeltschlauches mit der seitlichen Anordnung der geforderten Container-Module. Am 20.09.2011 ging es dann endlich los: Nach ungestörtem Anmarsch der Hauptkräfte des Sanitätsregiments begann der Aufbau des BHP 100 mil. Hindernisse auf dem Aufbauplatz und Schwellen erforderten Anpassungen, so dass nur mit der umfangreichen Erfahrung des Personals Rettungszentrum der Aufbau schließlich gelang. Alle Soldaten packten tatkräftig mit an, so dass das Zelt und die angeflanschten Container schnell standen. Eine Herausforderung war dann jedoch die Einrüstung des Materials, insbesondere der Verbrauchsgüter, da diese nicht immer teileinheitsweise geliefert worden waren. So war der SanMatZg des Regiments die Nacht über im Einsatz, um frühzeitig die Einsatzbereitschaft herstellen zu können. Auch die unterstützenden Sanitätsoffiziere aus dem gesamten Kommandobereich SanKdo III und Transportpersonal des LazRgt 31 aus Berlin trafen im Laufe des Tages ein. Am Nachmittag des 22.09. waren schließlich alle Vorbereitungen abgeschlossen – das Sanitätsregiment 32 konnte die Aufnahme- und volle Einsatzbereitschaft des BHP 100 mil vorzeitig melden. Betrieb des BHP 100 mil Am Morgen 23.09.2011 hatten nach zeitigem Aufstehen und gemeinsamem Frühstück alle Soldaten ihre Arbeitsplätze bezogen. Der Vormittag war geprägt von gemeinsamer Ausbildung, Einweisung in Notfallverfahren und Behandlungsabläufe, vertraut machen mit der Organisation des Arbeitsplatzes und Integration der unterstützenden Soldaten anderer Einheiten. Emsige Betriebsamkeit war zu spüren, alle waren mit Eifer bei der Sache. Die Stadt Erfurt dagegen war wie ausgestorben. Lediglich Polizei und Rettungskräfte waren in großer Zahl über die Innenstadt verteilt präsent. Auch am Nachmittag, als dann die Public Viewing Bereiche ihren Betrieb aufnahmen und Bilder und Beiträge vom Papstbesuch live sendeten, strömten lange nicht die erwarteten Menschenmassen herbei – maximal 200 statt der erwarteten 5000 Zuschauer bevölkerten den Public Viewing Bereich am Steigerwaldstadion, für den der BHP 100 mil zuständig war. Ein großer Ansturm an Patienten war daher für den BHP 100 mil nicht zu erwarten, so dass die Soldaten die Zeit und die Sanitätsoffiziere vor Ort nutzten, um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten durch die vorhandene Fachexpertise aus dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin und den Sanitätszentren im jeweiligen Fachgebiet zu vertiefen und zu verbessern. Im Laufe des Nachmittags nutzten auch viele zivile Rettungskräfte und Interessenten die bis dahin einmalige Gelegenheit, um das Pilotprojekt kennenzulernen und Erfahrungswerte auszutauschen. Die qualitativ hochwertige Ausstattung des BHP 100 mil, seine Größe und umfangreichen Fähigkeiten sprachen sich schnell herum, so dass ein reger Zustrom von zivilen Rettungskräften das große Interesse an dieser Einrichtung belegte. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Erfurt und der Befehlshaber des Wehrbereichskommandos aus Erfurt ließen es sich nicht nehmen, persönlich den BHP 100 mil in Augenschein zu nehmen und den eingesetzten Soldaten für ihr Engagement und ihre Arbeit zu danken. Der BHP 100 mil verzeichnete insgesamt eine Auslastung von 2 Behandlungen. Vorbereitung auf die Regimentsübung Eigentlich sollte die Verlegung eines Rettungszentrums leicht während der Regimentsübung im Oktober 2011 geübt werden. Der Schwerpunkt sollte dabei auf dem Verlegen, Errichten und Betreiben der notfallmedizinischen Kernfähigkeiten des RettZ le liegen, inklusive der kompletten Ausstattung mit medizinischem Verbrauchsmaterial und logistischer SanMat-Versorgung durch das VersInstZSanMat Blankenburg. Das Sanitätsregiment 32 bekam durch das Amthilfeersuchen der Stadt ERFURT die Möglichkeit, die bevorstehende Regimentsübung „BLUE CIMIC 2011“ Anfang Oktober 2011 im realen Einsatz durchzuführen. Die vorgesehenen Schwerpunkte der Übung wurden während des Einsatzes in Erfurt real abgefordert und benötigt. Das wirkte sich zum einen auf die Motivation aller Beteiligten besonders positiv aus, andererseits kamen auch neue Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit zivilen Kräften hinzu. Das Sanitätsregiment 32 hat dadurch seinen Auftrag herausragend erfüllen können, aber auch Erkenntnisse für die zukünftige zivil-militärische Arbeit und den Betrieb eines RettZ le gewinnen können. Es gibt immer etwas, das man besser, einfacher oder reibungsloser machen kann. Das soll Anspruch des Regiments für die weitere Zukunft sein. Das Sanitätsregiment 32 konnte Anfang Oktober 2011 besonders gut vorbereitet in die Regimentsübung gehen, bei der dann der Schwerpunkt in der zivil-militärischen Zusammenarbeit auf die Dekontamination und anschließende Versorgung kontaminierter Patienten eines Chemie-Unfalls gelegt wurde. Fazit Der Auftrag, die Stadt Erfurt bei einer Großveranstaltung im Rahmen des Papstbesuchs im September 2011 sanitätsdienstlich zu unterstützen, war zum einen Herausforderung, aber auch eine Gelegenheit, die besondere Leistungsfähigkeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und seine besonderen Fähigkeiten, die Alleinstellungsmerkmal sind, darzustellen. Die Vorlaufzeit für den Einsatz war ausreichend, wenn auch dringend erforderlich, insbesondere da auf ziviler Seite die Absicherungskonzepte erst mit der Zeit entstanden und sich das Regiment in der Vorbereitung mehrmals auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen musste. Ein glücklicher Umstand war, dass für Oktober die Regimentsübung mit den Schwerpunkten vorgesehen war, die auch im Einsatz in Erfurt abgefordert wurden. So mussten viele der vorbereitenden Maßnahmen lediglich angepasst werden, andererseits erhöhte sich die Motivation aller Beteiligten, da für den „scharfen Einsatz“ alles funktionieren und bereitstehen musste. Insbesondere das komplette Einrüsten eines Rettungszentrums inklusive aller benötigten Verbrauchsmaterialien wird in Übungen ja meist nicht realisiert. Jedoch kann ein Sanitätsregiment einen solchen Einsatz nicht alleine schultern. Nötig war zum einen die Unterstützung mit Sanitätsoffizieren und die logistische Versorgung durch eine BwApotheke oder ein VersInstZSanMat. Zum anderen brauchte das Sanitätsregiment 32 Transportunterstützung, da es nicht ausreichend gemäß STAN über Transportfahrzeuge und Anhänger verfügt. Durch die Unterstützung aus dem Bereich des Sanitätskommandos III konnten alle Forderungen des SanRgt 32 erfüllt werden. So konnte der Einsatz der fast 200 Soldaten die Stadt Erfurt bei der Durchführung der Großveranstaltung hervorragend entlasten und auch den Sanitätsdienst der Bundeswehr im Blick der Öffentlichkeit positiv darstellen. Der Einsatz zeigte, dass Unterstützung für zivile Behörden und Organisationen durch Fachkräfte und –mittel des Bundeswehrsanitätsdienstes zeitgerecht und auf qualitativ besonders hohem Niveau auch über Entfernungen hinweg zeitgerecht realisiert werden kann.

Datum: 19.09.2012

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2012/2

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