10.10.2010 •

    Fachdienstfeldfebel im Zentralen Sanitätsdienst

    Der Sanitätsdienst der Bundeswehr genießt bei den Verbündeten in den Einsatzländern einen guten Ruf. Dies ist nicht nur, aber auch der Verdienst der Sanitätssoldaten! Natürlich ist meine Darstellung exemplarisch und nicht repräsentativ für alle Sanitätsfeldwebel. Ich habe aber in meiner Dienstzeit mit sehr vielen gut ausgebildeten und hoch motivierten Menschen zusammenarbeiten dürfen und hoffe, mit dem exemplarischen Einblick in meinen Werdegang das Verständnis für unsere Arbeit im Allgemeinen zu erhöhen.

    Meine Dienstzeit hat im September 1997 beim Panzerlehrbataillion 93 in Munster begonnen. Durch meine berufliche Vorausbildung sollte ich als Sanitätssoldat im Bataillion eingesetzt werden. Es hörte sich sehr verlockend an, meinen Dienst in einer Kampftruppe zu leisten und dort für meine Kameraden die medizinische Versorgung zu übernehmen.

    Soviel zur Theorie!

    Die Praxis gestaltete sich dann doch erst einmal deutlich anders. Ich lernte, wie man sich als Soldat zu verhalten hat und was es bedeutet, in einem Panzerbataillion seinen Dienst zu verrichten. Mit Sanitätsdienst hatte das alles rein gar nichts zu tun, vielmehr habe ich militärische Grundfertigkeiten und die Übungsplätze der Region kennen gelernt. Nach Abschluss der Grundausbildung wurde ich als Sanitätssoldat auf einem KRKW M113 eingesetzt. In der weiterführenden Verwendung als Sanitätsunteroffizier habe ich meinen Dienst im SanBereich des Bataillions versehen und so einen umfassenden Einblick in die medizini-sche Versorgung der Soldaten gewinnen können.
    Der Anspruch an die sanitätsdienstliche Versorgung im In- und Ausland hatte zu diesem Zeitpunkt einen nicht gekannten Stellenwert erlangt und die Aufwertung innerhalb der Truppe war deutlich zu spüren. In dieser Zeit durfte ich auch über einen längeren Zeitraum meinen Dienst als Sanitätsunteroffizier auf dem TrÜbPl Shilo / Canada verrichten. Hier wurde ich das erste Mal mit der Notfallmedizin konfrontiert. Mit der Ausbildung als Rettungssanitäter versah ich meinen Dienst auf dem dortigen Rettungshubschrauber sowie auch als Übungsteilnehmer und Realversorger auf dem TrÜbPl. Die dort gesammelten Eindrücke und Erfahrungen gehören auch heute noch zu den prägenden Momenten meiner Dienstzeit. Nach der Rückkehr aus Canada beschloss ich deshalb, meine Dienstzeit bei der Bundeswehr zu verlängern und stellte den Antrag auf Übernahme in die Laufbahn der Unteroffiziere mit Portepee. Nach dem Auswahlverfahren bei der SDBw wurde ich zum Sanitätsfeldwebel ausgebildet und als Zugführer des Sanitätszuges im Panzerlehrbataillion eingesetzt.

    Der Fachdienstfeldwebel in der militärischen Führungsverantwortung

    Als militärischer Vorgesetzter hat man den Auftrag, die unterstellten Soldaten zu führen und zu leiten, um die Befehle und Aufträge der Dienststelle umzusetzen.

    Zeitgleich als Fachkraft eine qualifizierte Tätigkeit im medizinischen Bereich ausführen zu können, steht dem nicht entgegen. Im Gegenteil, so hat man die Möglichkeit, als Vorgesetzter seinen Führungsanspruch mit fachlicher Kompetenz wirkungsvoll zu untermauern. Was fachlich ein Fortschritt ist, wird aus militärischer Sicht zeitgleich ein Problem: Der heutige Nachwuchs kommt aufgrund des Attraktivitätsprogramms mit höherem Dienstgrad zur Truppe und hat eine hohe fachliche Qualifikation. Dem Führungsanspruch aber kann er häufig nur schwer gerecht werden, da es den neuen Fachdienstunteroffizieren nicht möglich ist, eine Führungsverwendung „von unten nach oben“ zu erlernen. Zeitgleich sind sie aber in vielerlei Verwendungen gezwungen, genau diesen Führungsanspruch umzusetzen. Sanitätsfeldwebel des damaligen Truppensanitätsdienstes haben gelernt, verschiedene Aufgaben innerhalb einer Sanitätseinrichtung wahrzunehmen. In diesem Zusammenhang haben sie außerdem gelernt, Führungsverantwortung zu übernehmen und in der jeweiligen Dienstgradgruppe eigenverantwortlich als Trupp- und Gruppenführer zu agieren. Erst nach mehrjähriger Verwendung in der Unteroffizierslaufbahn war ein Aufstieg in die Laufbahn der Feldwebel möglich. Hierzu ist es nicht immer zwingend erforderlich, eine gesonderte Berufsausbildung vorzuhalten. Viele Tätigkeiten innerhalb einer Sanitätseinrichtung sind so speziell, dass sie mit einer zivilen Berufsausbildung nicht unbedingt verglichen werden können. Nur durch die jahrelange Tätigkeit in einer Sanitätseinrichtung war es mir möglich, als Zugführer einen Sanitätsbereich militärisch und fachlich zu führen und meinen Auftrag, die medizinische Versorgung der Soldaten sicherzustellen, zu erfüllen. Der Sanitätsfeldwebel muss - heute noch mehr als früher - in der Lage sein, über seinen eigenen Tellerrand hinweg zu schauen. Nur so können die vielfältigen Aufgaben, die an den Sanitätsfeldwebel im heutigen Sanitätsdienst der Bundeswehr gestellt werden, erfüllt werden.

    Spezialist im Einsatz oder Multifunktionstalent?

    Wie weit gefächert die Funktion als Rettungsassistent im Einsatzland sein kann, möchte ich exemplarisch aufzeigen, denn für den Rettungsassistenten gibt es im Auslandseinsatz die verschiedensten Verwendungen.
    In der Klinik wird der Rettungsassistent in der Notaufnahme eingesetzt und soll die Abläufe einer standardisierten Versorgung in der Notaufnahme und im Schockraum beherrschen. In der MedEvac Kompanie soll er die präklinische Versorgung übernehmen. Er soll unter militärisch taktischen Gesichtspunkten handeln und sich in die Kampftruppe integrieren. Beide Aufträge erfordern aber unterschiedliche zusätzliche Kompetenzen, die mit dem erlernten Beruf des Rettungsassistenten und der herkömmlichen Ausbildung nicht erlangt werden. Daher ist eine spezifische Kompetenzerweiterung für den jeweiligen Auftrag zwingend erforderlich. Anhand dieser Beispiele zeigt sich aber auch, wie unterschiedlich die Verwendung als Sanitätsfeldwebel mit einer einzigen ATN im Allgemeinen sein kann. Im Gegensatz zur zivilen Tätigkeit als Rettungsassistent, hat der Rettungsassistent der Bundeswehr weitaus mehr Möglichkeiten, einen interessanten und abwechslungsreichen Dienst zu leisten.

    Verwendung als Sanitätsfeldwebel in einer regionalen Sanitätseinrichtung

    Wie man vom Heilfürsorgefeldwebel zum S6 Feldwebel wird und trotzdem Rettungsassistent bleibt, lässt sich für viele Menschen nicht nachvollziehen und ist auch nur schwer zu erklären. Zeigt sich doch gerade an diesem Werdegang wie abwechslungsreich eine Verwendung in einer regionalen Sanitätseinrichtung sein kann.
    Der Sanitätsdienst verfügt über Spezialisten die einzig und allein für den Einsatz vorgehalten und auch zwingend gebraucht werden, um eine fachlich kompetente Versorgung sicherzustellen. In einem Sanitätszentrum genügt aber eine reine fachliche Verwendung nicht, um die täglichen Aufträge abarbeiten zu können. Hier ist der Sanitätsfeldwebel gefordert, sich in Arbeitsprozesse zu integrieren, die selten etwas mit der zivilberuflichen Ausbildung zu tun haben und die man so auch zivil nicht erlernen kann. Eine kontinuierliche Ausbildung am Arbeitsplatz ist hier maßgeblich und hat mir im Verlauf meiner Dienstzeit immer wieder neue Möglichkeiten eröffnet, mich fort- und weiterzubilden.

    Auslandseinsatz und Karriere, vereinbar mit der Familie?

    Dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr in den Auslandseinsätzen zwingend gebraucht wird, zeigen die jüngsten Ereignisse. Selbst einen Beitrag dazu zu leisten, ist für mich seit meinem Eintritt in die Bundeswehr selbstverständlich.
    Leider gibt es zur Zeit - gerade im Bereich der Mangel ATN - eine immer größer werdende Belastung durch die Häufung von Auslandseinsätzen in immer kürzer werdenden Intervallen. Das Problem wurde aber inzwischen erkannt und ich gehe davon aus, dass durch Ausbildung von Fachkräften an diesem Problem zügig gearbeitet wird. Somit habe ich die Hoffnung, dass die Einsatzbelastung für alle eingesetzten Soldaten in absehbarer Zeit wieder auf ein ‘familienverträgliches’ Maß gebracht werden kann. Die deutschlandweite Einsetzbarkeit ist neben den Auslandseinsätzen ein großer Problembereich für Familien. Gerade Kinder leiden unter den Wohnortwechseln bzw. unter der langen Abwesenheit eines Elternteils. Durch die Öffnung der Dienstgradgruppen sowie der Aufstiegsmöglichkeit ohne Versetzung wurde schon ein – kleiner - Versuch unternommen, die Versetzungsbelastung im Bereich der Feldwebel zu reduzieren. Somit bleibt vielen Familien in Zukunft wenigstens die ‘Deutschlandtournee’ für die Karriere des Soldaten erspart. Aber auch heute noch verlangt der Beruf des Sanitätssoldaten ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft durch die Partner bzw. die Familien der Soldaten.

    Würde ich den Beruf des Soldaten im Sanitätsdienst noch einmal wählen?

    Meine bisher erlebte Dienstzeit war lehrreich, interessant, immer wieder spannend und sehr erfüllend. Mein Ziel, anderen Menschen im Rahmen der Bundeswehr helfen zu können, habe ich schon häufig erreicht.Als ausgebildeter Sanitätsfeldwebel und Rettungsassistent mit der dargestellten militärischen Laufbahn sehe ich mich gut vorbereitet, um einerseits militärisch meinen Dienst angemessen zu verrichten, andererseits aber auch in der Fachverwendung als Spezialist tätig sein zu können. Ich habe meinen Schritt, Berufssoldat im Sanitätsdienst zu werden, nicht bereut und würde diesen Schritt wieder gehen.
     

    Datum: 10.10.2010

    Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2010/3

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