07.09.2022 •

Schlaf ist eine Waffe

Erprobung und Evaluierung circadianer Seewachsysteme zur Reduzierung von Ermüdung für die Deutsche Marine

Melanie Giesche, Andrea Milbrodt, Thomas Sabbagh, Stefan Röttger

Zusammenfassung

Hintergrund: Traditionelle Wachsysteme, die in der Seefahrt genutzt werden, verursachen Erschöpfung bei seefahrendem Personal. Zu wenig Schlaf in der Nacht führt zu Erschöpfung und zu einer reduzierten Vigilanz. Es wird angenommen, dass circadiane Wachsysteme diese negativen Auswirkungen reduzieren können.

Methode: Im Feldversuch mit zwei Minenjagdbooten wurde mit 67 Soldatinnen und Soldaten ein circadianes Wachsystem (7–5-5–7, beginnend 3.00 Uhr) im Vergleich zum traditionellen 6er Wachsystem (beginnend 00.00 Uhr) gefahren. Im Cross-Over-Design wurde jeweils für sieben Tage entweder das neue oder das traditionelle Wachsystem gefahren. Erhoben wurden Ruhe- und Schlafenszeiten, subjektive Müdigkeit, Erschöpfung und Reaktionszeiten sowie Fehler im Psychomotor Vigilance Test (PVT). Zur Durchführung des PVT und zur Bestimmung der Ruhe- und Schlafphasen trugen die Teilnehmenden Aktigraphen am Handgelenk. Die subjektive Müdigkeit wurde mit verschiedenen Fragebögen evaluiert (Fatigue Severity Scale (FSS), Karolinska Sleepiness Scale (KSS), Epworth Sleepiness Scale (ESS)).

Explorativ wurden auf dem EGV BERLIN in verschiedenen Zeiträumen 3-er und 4-er Wachsysteme ohne Rotation erprobt. Hierbei lag der Fokus vor allem auf der Gestaltung der organisatorischen Rahmenbedingungen. Das neue Wachsystem sollte geeignet sein, um langfristig und durchhaltefähig den kompletten Dienst an Bord abzubilden.

Ergebnisse: Aktuell werden die Daten statistisch ausgewertet, so dass die finalen Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden. Aus den Rückmeldungen der Soldaten und Soldatinnen lässt sich jedoch schließen, dass die circadianen Wachsysteme grundsätzlich umsetzbar sind. Allerdings gäbe es organisatorisch noch Verbesserungsbedarf, so dass die Wachsysteme oft, aber nicht durchgehend positiv bewertet werden.

Fazit und Ausblick: Die bisherige Erprobung der neuen Seewachsysteme hat aufgezeigt, dass eine Modifizierung bis dato etablierter Schiffsroutinen geeignet sein kann, um dem betroffenen Personal Entlastung zu verschaffen und den vergleichsweisen erhöhten Belastungen des traditionellen Seewachrhythmus entgegenzuwirken. Fernziel ist der Aufbau einer Ansprechstelle für Wachplangestaltung und Fatigue Management am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine (SchiffMed­InstM).

Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.


Verwandte Artikel

Schlafapnoe und Fahrtauglichkeit – Interdisziplinäre Therapie eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms

Schlafapnoe und Fahrtauglichkeit – Interdisziplinäre Therapie eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms

Die obstruktive Schlafapnoe ist eine häufige und klinisch bedeutsame Erkrankung, die aufgrund einer resultierenden Tagesmüdigkeit und Schläfrigkeit zu kognitiven Einschränkungen und einem erhöhten Unfallrisiko führen kann.

Wehrmedizinische Monatsschrift 3/2024

Das Schiffslazarett der Zukunft

Das Schiffslazarett der Zukunft

2019 wurde der unabhängige maritime Ingenieurdienstleister MTG Marinetechnik GmbH durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), Abteilung See 1.5 damit beauftragt.

Wehrmedizinische Monatsschrift 9/2022

Neues Rettungszentrum auf Einsatzgruppenversorger der Marine

Neues Rettungszentrum auf Einsatzgruppenversorger der Marine

Heute wurde das neue integrierte Marine-Einsatz-Rettungszentrum (iMERZ) erfolgreich auf dem Einsatzgruppenversorger (EGV) "Frankfurt am Main" aufgesetzt.

Meist gelesene Artikel

Photo

KARL STORZ: Partner der Wehrmedizin

Seit der Gründung 1945 ist KARL STORZ zu einem weltweit agierenden Unternehmen in der Herstellung und im Vertrieb von Endoskopen, medizinischen Instrumenten und Geräten in der Human- und…

Photo

So geht Wundbehandlung heute

Eine Umfrage zeigt, dass beim Thema Wundbehandlung nach wie vor erhöhter Aufklärungsbedarf bei Patienten besteht: Demnach versorgen mehr als zwei Drittel der Befragten ihre Alltagsverletzungen…