15.05.2023 •

    Für die kommenden 10 Jahre – Der Weg in die Zukunft

    W. Barclay, M. Alvarez-Brückmann, C. Grübnau

    Auf dem langen und steinigen Weg zur Digitalisierung:
    IT-U RegSan

    Die truppenärztliche Dokumentation erfolgt seit Gründung der Bundeswehr anhand und in der Gesundheits-Akte (G-Akte) und hat sich seitdem bewährt. Das nicht mehr zeitgemäße händische Ausfüllen von Formularen und Dokumenten ist jedoch nicht nur eine Fehlerquelle, sondern auch mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden und führt mitunter zu Verzögerungen in der Kommunikation im bundeswehreigenen Gesundheitssystem.

     Die Digitalisierung in der truppenärztlichen Versorgung ist nicht zuletzt vor diesem Hintergrund eine absolute Notwendigkeit. Im Gegensatz zu hausärztlichen Praxen sind Aufgaben und Anforderungen an die Dokumentation in den Regionalen Sanitätseinrichtungen (RegSanEinr) spezifisch und haben zum Teil kaum bis gar keine zivilen Äquivalente. Der Kauf eines zivilen Praxis- oder Patienteninformationssystems war daher keine Option, so dass in einem Projekt ein bundeswehreigenes System entwickelt wurde.

     Mit der „Informationstechnik-Unterstützung in den Regionalen Sanitätseinrichtungen“ (ITU-RegSan) steht erstmals ein digitales Informationssystem für die truppenärztliche Versorgung zur Verfügung. Diese IT-Unterstützung basiert auf Softwarekomponenten der Firma SAP und bildet als sogenannte „S-Schiene“ eine neue Systemlandschaft in der Bundeswehr. Auch hier begann die Einführung in 2020 als Pilotprojekt, zunächst am Sanitätsunterstützungszentrum (SanUstgZ) Köln-Wahn und wurde bis 2022 sukzessive bundesweit ausgerollt. Beim roll-out unterstützten Teams der BWI GmbH. Dieser sogenannte „go-live“ wurde 2022 in allen RegSanEinr abgeschlossen.

     Herausforderungen, die gemeistert wurden, waren die Gewährleistung des Datenschutzes, die Einführung eines „brandneuen“ Systems im laufenden Betrieb der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung (utV) unter den Einschränkungen und Belastungen der COVID-19-Pandemie.

     Die derzeitige „Ausbaustufe“ des Systems stellt nur eine Grundbefähigung dar. Sie ist nicht perfekt aber ein Anfang und soll den Einstieg für alle Beteiligten möglichst einfach gestalten.

     Diese sogenannte Anfangsbefähigung ist Ursache dafür, dass sich die Akzeptanz und Nutzung bisher nicht in allen Bereichen vollumfänglich durchgesetzt haben. Zum einen ist die Nutzung, vor allem durch den Aufbau des Datenbestandes von Null an beginnend, zeit- und arbeitsintensiv, zum anderen bedingt die immer wieder eingeschränkte Verfügbarkeit von Sanitätspersonal eine Verzögerung der kontinuierlichen Nutzung des neuen Systems. In der täglichen Anwendung haben sich immer wieder Sachverhalte dargestellt, die theoretisch sehr gut durchdacht, in der Praxis jedoch nicht zielführend waren und nicht vollständig ausgereifte Arbeitsschritte bei den Nutzern erforderlich machten. Für die Fälle, wo die Nutzerbetreuer der Einrichtungen vor Ort keine Abhilfe schaffen können, ist zur Meldung und Lösung solcher Sachverhalte die Erstellung von Incidenttickets vorgesehen. Aktuell besteht noch ein relativ hohes Aufkommen solcher Tickets mit sehr langen Bearbeitungszeiten. Die Bearbeitung dieser Incidents wird täglich durchgeführt und wöchentlich durch ein fachliches Incidentboard, bestehend aus Vertretern des Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr (Kdo SanDstBw), dem Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung (Kdo RegSanUstg) und der BWI besprochen. Anhand der vorliegenden Incident­tickets werden der Bedarf an Änderungen und Verbesserungsvorschläge für Arbeitsschritte im System aufgenommen und durch die zuständige zivile Firma umgesetzt.

     Es gilt zukünftig, mehr und mehr alle benötigten Funktionalitäten für Terminvergabe, Patientensteuerung, Dokumentation, usw. auszubringen und einzuführen, damit das System vollumfänglich eingesetzt werden kann und eine höhere Akzeptanz erreicht.Fernziel wäre dann die Realisierung einer elektronischen Patienten- und Gesundheitsakte, um auf der Basis einer papierlosen Dokumentation der Gesundheitsdaten, eine interne (RegSanEinr – Bundeswehrkrankenhäuser) sowie externe (zivile Leistungserbringer) lückenlose Nutzung zu erreichen und eine digitale Verarbeitung bei sämtlichen medizinischen Prozessen zu ermöglichen.

    Die schlichte Benutzeroberfläche der Anwendung ITU-RegSan
    Die "schlichte" Benutzeroberfläche der Anwendung ITU-RegSan
    Quelle: BWI/Michael Schoenig

    Weiterentwicklung der Rehabilitation von Langzeiterkrankten

    Die Versorgung von Langzeiterkrankten stellt eine besondere Herausforderung dar, welcher sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr vollumfänglich stellt. Wesentliche Meilensteine in den vergangenen Jahren waren diesbezüglich die Schaffung von Interdisziplinären Patientenorientierten Rehabilitationsteams des Psychosozialen Netzwerks sowie der möglichst frühzeitige und stufenlose Übergang zur medizinisch-dienstlich orientierten Rehabilitation in der Bundeswehr.

     Die „Strukturierte Wiedereingliederung von Soldatinnen und ­Soldaten der Bundeswehr in den Dienst“ und das Konzept zur „Medizinischen Rehabilitation“ des Kdo SanDstBw sowie die Implementierung des Beauftragten für Integrierte Versorgung (stellvertretender Kommandeur Kdo RegSanUstg) unterstreichen die herausragende Bedeutung von Rehabilitation in der Bundeswehr. Ziel ist hierbei die Wiederherstellung der Dienst- und Verwendungsfähigkeit angelehnt an den berufsgenossenschaft­lichen Grundsätzen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation im zivilen Gesundheitssystem. Diese ist für die militärischen Besonderheiten stetig weiterzuentwickeln.

     Aktuell wird an der Standardisierung und Evaluation der bis dato fünf pilotierten Rehabilitationsstützpunkte mit fachübergreifendem Ansatz an den Facharztzentren in Augustdorf, Erfurt, Kiel, Köln und Rostock gearbeitet. Ziel ist eine flächendeckende Ausbringung an alle SanUstgZ in Deutschland.

    Was hinter dem roll-out ITU-RegSan steht
    Was hinter dem roll-out ITU-RegSan steht
    Quelle: BWI

    Zusammenfassung

    Der professionelle Umgang mit Erkrankten auf höchstem fachlichen und menschlichen Niveau, umfangreiche Rehabilitationsprozesse, professionelle Begutachtung und die im Prinzip tägliche Bewertung von Dienst- und Verwendungsfähigkeit bedarf klarer Rahmenbedingungen und Prozeduren, braucht eine einheitliche, verständliche und gemeinsame Sprache und muss für alle Beteiligten Handlungssicherheit schaffen.

     Unser aller Ziel ist die Auftragserfüllung sowie die Teilhabe am Dienstalltag aller SoldatInnen und damit die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte.

    In unseren RegSanEinr gelingt es seit vielen Jahren immer, trotz stark limitierter Ressourcen, den Auftrag der utV in allen Facetten mit sehr hoher Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit zu gewährleisten. Unser Anspruch ist die stete Verbesserung, Professionalisierung sowie die möglichst ressourcenschonenden Anwendung der utV.

     Es gilt für die Zukunft gemeinsam das Erreichte zu bewahren und weiterzuentwickeln. Hierfür ist eine vertrauensvolle und ehrliche Zusammenarbeit Grundvoraussetzung. Die Chancen und Herausforderungen in einer dynamischen, sich schnell verändernden und zunehmend digitalisierten Welt gilt es, sich für unsere Gesundheitsversorgung zu eigen zu machen und das hohe Innovations- wie Weiterentwicklungspotential, das sich bietet, zu nutzen. Im engen Schulterschluss zwischen Sanitätsdienst und Truppe werden wir jede Herausforderung in der Zukunft meistern und zusammen unseren Auftrag erfüllen. 



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