Artikel: Wehrmedizinische Monatsschrift 9/2018

Amtshilfe des Bundeswehrkrankenhauses -Hamburg während des G20-Gipfels 2017

Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

Hintergrund

Vom 7. bis 8. Juli 2017 fand in Hamburg der G20-Gipfel statt. Die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt kamen hier zum Austausch über Probleme des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems, aber auch zur Koordination bei weiteren globalen Themen, wie z. B. der Klimapolitik, zusammen. Protestaktionen verschiedener Gruppen, bei denen auch mit nicht friedlichen Aktionen zu rechnen war, waren im Vorfeld angekündigt worden.

Konzeption der medizinischen Versorgung

PhotoAbb. 1: Die eigene Sicherheit im BwKrhs wurde durch Feldjägerkräfte gewährleistet. (Fotos: BwKrhs Hamburg) Die Berufsfeuerwehr Hamburg hatte im Vorfeld des Gipfels mehrere Amtshilfeersuchen an das Landeskommando Hamburg gestellt. Unter anderem sollte das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Hamburg primäres Anlaufkrankenhaus für alle uniformierten Einsatzkräfte sein. Weiterhin sollte der Rettungsdienst der Stadt Hamburg mit notarztbesetzten Rettungsmitteln durch das Rettungszentrum des BwKrhs aufgestockt werden. Zusätzlich war geplant, während der Gipfelphase am Tagungsort ärztliches Personal 24 Stunden durchhaltefähig für einen bei Bedarf zu errichtenden Behandlungsplatz zur Verfügung zu stellen.

In der Planungsphase wurden auch Bedrohungslagen theoretisch durchgespielt, wie z. B. ein Terroranschlag auf die Elbphilharmonie sowie komplexe Anschläge im Hamburger Stadtgebiet. Des Weiteren wurden wahrscheinliche Szenarien, wie Ausschreitungen mit einer gegebenenfalls hohen Zahl von Verletzten und massive Beeinträchtigungen des Verkehrs, sowie auch Einwirkungen auf die Liegenschaft des Bundeswehrkrankenhauses selbst berücksichtigt.

Aufgaben des BwKrhs Hamburg

Sehr früh war klar, dass die Erfüllung dieser Aufgaben nur mit eigenen Kräften nicht zu realisieren sein würde. Um zusätzliches Personal zu gewinnen, erfolgte eine Unterstützungsanfrage an das Kommando Territoriale Aufgaben, um sowohl aktive Soldaten wie auch Reservedienst Leistende zu rekrutieren. Zur Unterstützung kamen Kameradinnen und Kameraden aus vielen verschiedenen Teilbereichen zum Einsatz. Hierbei handelte es sich sowohl um aktive Soldatinnen und Soldaten als auch um eine große Zahl von Angehörigen der Reserve. Zur Sicherung der Liegenschaft des Bundeswehrkrankenhauses wurden sowohl Feldjäger als auch die Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie (RSU) Hamburg herangezogen.

Im medizinischen Bereich wurden vor allem die notarztbesetzten Rettungsmittel des Rettungszentrums mit aktiven Soldatinnen und Soldaten aus allen BwKrhs besetzt. Die personelle Verstärkung der Intensivstation und Intensivüberwachungspflege (ICU/IMC), der Notaufnahme sowie die Vorhaltung von medizinischem Personal am Tagungsort erfolgte zum größten Teil mit Reservedienst Leistenden.

Neben der personellen Aufstockung zum G 20-Gipfel wurden weitere Maßnahmen getroffen, um den Amtshilfeersuchen der Berufsfeuerwehr Hamburg nachzukommen. Hierzu wurde die Notaufnahme mit zusätzlichem Material ausgestattet sowie die Präsenz in den Fachabteilungen Anästhesie, Chirurgie und Innere Medizin erheblich erhöht. Die Intensivstation wurde um 10 Betten erweitert und im Operationsbereich wurde während des Gipfels das Elektivprogramm auf ein Minimum reduziert. Weiterhin wurden drei Notfall-OP-Säle vorgehalten. Im Rettungszentrum wurden neben dem Rettungshubschrauber (RTH) und dem 24 Stunden Notarztwagen (NAW) zwei weitere NAW im Tagdienst in den Dienst gestellt. Die zwei regulären Notarzt-einsatzfahrzeuge (NEF) wurden über 24 Stunden durchgehend besetzt.

Im direkten Bereich des Tagungsortes sah das Konzept der Berufsfeuerwehr Hamburg ein eigenständiges Feuerwehr- und Rettungszentrum vor. Hier waren zwei Löschzüge, zwei Rettungswagen (RTW), ein NEF, zwei Gerätewagen Rettung, ein Behandlungsplatz 50 sowie insgesamt 17 Ärztinnen und Ärzte der Bundeswehr im Schichtdienst stationiert.

Der Einsatz

Es kam durch die teils massiv eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei zu einer Vielzahl von verletzten und betroffenen Personen. Insgesamt wurden im BwKrhs 205 Angehörige der Polizei behandelt. Von diesen mussten 2 notfallmäßig operiert und insgesamt 10 stationär behandelt werden. Ein für eingesetzte Polizeikräfte eingerichteter Behandlungsplatz diente vor allem als Ruhe- und Rückzugsmöglichkeit für die Beamtinnen und Beamten. An diesem erfolgten etwa 50 ambulante Behandlungen durch die Ärztinnen und Ärzte des Krankenhauses.

Die Rettungsmittel (NAW/RTH) des BwKrhs Hamburg fuhren/flogen im Zeitraum des G20-Gipfels insgesamt 399 Notarzteinsätze, von denen lediglich 5 in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen standen.

Fazit

Insgesamt kann man den Einsatz des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg zum G20-Gipfel als sehr gelungen bewerten. Durchweg hohe Motivation und persönliches Engagement der eingesetzten Kräfte haben zum Gelingen maßgeblich beigetragen.

Es konnte eine robuste Verstärkung für das G20-Konzept der Stadt Hamburg von Seiten der Bundeswehr vorgehalten werden – auch wenn am Ende glücklicherweise die ausgeplanten und befürchteten Großschadenslagen nicht eingetreten sind und deshalb nur ein Bruchteil der Ressourcen eingesetzt werden mussten.

Oberstarzt Dr. Andreas Schwartz
E-Mail: andreasschwarz@bundeswehr.org


Datum: 10.10.2018