26.11.2018 •

Gedenkveranstaltung „Freiheit, Gewissen, Zivilcourage“ an der SanAkBw

V. Hartmann

Auch heute gilt unser Gedenken diesen jungen Medizinstudenten der Weißen Rose, die im Einsatz für die hohen Werte Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde ihr Leben riskierten und schließlich auch verloren.

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Generalstabsarzt Dr. Gesine Krüger (Foto: SanAkBw)
Sie hatten dabei schon in sehr jungem Alter eine tief verwurzelte ethische Grundhaltung als Leitbild ihres Handelns. Deshalb sind sie für uns eine feste Größe im Traditionsverständnis der Sanitätsakademie der Bundeswehr. Um aus dem neuen Traditionserlass zu zitieren: „Tradition ist nicht Geschichte, sondern eine absichtsvolle und sinnstiftende Auswahl aus ihr.“ Mit diesen Worten eröffnete die Kommandeurin der Sanitätsakademie der Bundeswehr, Frau Generalstabsarzt Dr. Gesine Krüger, am 5. Juli 2018 eine Gedenkveranstaltung für die Sanitätsfeldwebel der Widerstandsgruppe der Weißen Rose. Die Zusammenkunft unter dem Motto „Freiheit, Gewissen, Zivilcourage“ fand im Rahmen der regelmäßigen Veranstaltungsreihe „Forum Sanitätsakademie“ statt. Die Kommandeurin begrüßte – wie bereits im letzten Jahr – zahlreiche Gäste aus Zivilgesellschaft und Militär sowie Stammpersonal und Lehrgangsteilnehmende im Auditorium Maximum Hans Scholl. Insbesondere waren zahlreiche Familienangehörige aus dem Umfeld der Weißen Rose-Widerstandskämpfer der Einladung gefolgt.

In einem Grußwort erläuterte Frau Dr. Hildegard Kronawitter, die 1. Vorsitzende der „Weißen Rose-Stiftung“, unter Bezugnahme auf die Leitbegriffe Freiheit, Gewissen und Zivilcourage, die Motive und Handlungen der jungen Medizinstudenten vor 75 Jahren. Sie unterstrich zudem die hohe Bedeutung der Traditionswürdigkeit der Sanitätsfeldwebel für den Sanitätsdienst der Bundeswehr. In einem beeindruckenden Essay über Sanitätsfeldwebel Alexander Schmorell befasste sich Fähnrich SanOA Julia Högl von der Ludwigs-Maximilians-Universität München mit dem Leben des engen Weggefährten von Hans Scholl. Sie machte dabei nicht nur die innerliche Zerrissenheit dieses deutsch-russischen Medizinstudenten während seiner Frontfamulatur 1942 in einem Lazarett in Russland deutlich, sondern wies auch auf seine programmatischen Ideen hin, die er gemeinsam mit Hans Scholl in den ersten fünf Flugblättern formulierte und kompromisslos vornehmlich an eine bürgerliche Klientel verschickte. 

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Festredner Winfried Nachtwei (Foto: SanAkBw
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Fähnrich SanOA Julia Högl (Foto: SanAkBw)
Den Festvortrag hielt der ehemalige Bundestagsabgeordnete und auch heute noch aktive Sicherheitspolitiker Winfried Nachtwei aus Münster. Nachtwei gilt als intimer Kenner der Bundeswehr, hatte sich in seiner aktiven Zeit insbesondere dem ressortübergreifenden Ansatz der Sicherheitspolitik gewidmet und in zahlreichen Besuchen Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen aktiv unterstützt. Unter dem Titel: „Anstöße zur Erinnerung und zum Nachdenken: Münster, Riga, Stalingrad, München“ umriss er anhand seiner persönlichen Beziehungen und seiner umfassenden Erinnerungsarbeit zu diesen Orten den historischen Kontext, ermöglichte den Zuhörern Brückenschläge von früher zu heute und machte sie mit daraus folgenden zivilisatorischen Fortschritten vertraut. Unter der Ägide „Freiheit des Gewissens – Tapferkeit im Widerstand“ wandte sich Nachtwei auch den Sanitätsfeldwebeln der Weißen Rose zu, die in einem „Meer an Wegsehen und Apathie“ ihre Überzeugungen bis in die letzte Konsequenz artikuliert haben.

Er appellierte an die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr von heute, genauso Tugenden zu leben und „treu zu dienen mit Kopf, Gewissen und Rückgrat.“ Schließlich führte er auf, dass bei allen erstrebens- und nach­ahmenswerten positiven staatsbürgerlichen Tugenden ein wesentliches Moment in der menschlichen Empfindung nicht fehlen darf: Nämlich die Mitmenschlichkeit. Einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft richtete Winfried Nachtwei – ganz als alter Sicherheitspolitiker – zum Abschluss, in dem er an den Tag des Peacekeepers am 26. Juni 2018 in Berlin erinnerte. Geehrt wurden von den Spitzen des Verteidigungs-, Außen- und Innenministeriums „inzwischen zum sechsten Mal – deutsche Frauen und Männer, die als Soldaten, Polizisten und Zivilexperten in Friedenseinsätzen dien(t)en. … Es sind Profis auf ihren Feldern, prinzipienorientierte Realisten mit langem Atem, Respekt vor den Einheimischen in Krisenländern, freie, couragierte StaatsbürgerInnen in verschiedenen Uniformen und Zivil. Es sind Mutmacher und Hoffnungsträger.“ 

Flottenarzt Dr. Volker Hartmann, SanAkBw

Datum: 26.11.2018

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