31.03.2016 •

    Die Betreuungsorganisation der SanOA im neuen Gewand

    Im vergangenen Jahr hat sich die Betreuungsorganisation der studierenden Sanitätsoffizieranwärterinnen und Sanitätsoffizieranwärter (SanOA) deutlich verändert.

    Die Neuausrichtung der Bundeswehr und die Umgliederungen im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBw) auf der einen Seite und Veränderungen in der Studienlandschaft in Deutschland andererseits haben Anpassungen der Organisation und der Zuständigkeiten in der Betreuung der studierenden SanOA notwendig gemacht. Darüber hinaus rückt der Konkurrenzkampf zwischen dem Arbeitgeber Bundeswehr und der zivilen Wirtschaft um die besten Köpfe und die Wichtigkeit der Ressource Mensch zunehmend in den Mittelpunkt. Die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber, Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Dienst und Verbesserungen der Rahmenbedingungen in der Bundeswehr sind heutzutage von zentraler Bedeutung und liegen im Fokus der Bundesregierung. In diesem strategischen Umfeld wurde die Betreuungssituation der SanOA aktuell bewertet und im Jahr 2015 an die neuen Gegebenheiten angepasst. 

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    Abb. 1: Deutsche und Französische SanOA. (Bild: Kdo SanDstBw I 1.5)

    Im Mittelpunkt unserer Betrachtung lag dabei der SanOA. Die optimale Führung und Begleitung während des Studiums und der erfolgreiche Abschluss des Studiums in den Studienrichtungen Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinär­medizin und Pharmazie mit Lebensmittelchemie stehen dabei im Fokus. Die Betreuungsorganisation hat hierzu einen Rahmen zu schaffen, der eine enge und verlässliche truppendienstliche Führung durch die Betreuungsdienststellen im ZSanDstBw sicherstellt und gleichzeitig eine durch Vorbild geprägte persönliche Ansprechbarkeit durch einen Betreuungsoffizier so nah wie möglich am Studienort gewährleistet. Studienverzögerungen und sogar den Verlust einzelner SanOA während des Studiums sind zu vermeiden.

    Aktuell werden ca. 1 800 SanOA an 37 Hochschulen/Universitäten durch 17 Betreuungsdienststellen und 24 Betreuungsoffiziere betreut.

    Was macht eine gute Betreuung aus und was waren unsere Leitgedanken bei der Neuorganisation?

    Zum einen haben wir festgestellt, dass auch die freie Wirtschaft heutzutage zunehmend bestrebt ist, ihr zukünftiges Personal während des Studiums intensiver zu betreuen und finanziell zu unterstützen. Mit z. B. dualen Studiengängen binden zivile Arbeitgeber frühzeitig ihre Führungskräfte für morgen und entwickeln über Betriebspraktika die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Finanzielle Unterstützungen während des Praktischen Jahres für Medizinstudenten sind hier ein weiteres Beispiel. Die Regeneration von Sanitätsoffizieren im Schwerpunkt auch weiterhin über den Werdegang eines SanOA und das neue Ausbildungskonzept der prä-, para- und postuniversitären Ausbildung tragen dem Rechnung.

    SanOA Betreuung macht Arbeit. Mit dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm und dem Fachsanitätszentrum Hannover hatten wir bereits seit 2013 zwei Dienststellen identifiziert, die eine gute Betreuung leisteten. Aufgrund einer Leistungserfassung in diesen Dienststellen konnte die Aufgabenvielfalt der SanOA Betreuung erstmals erfasst und in den Organisationsgrundlagen niedergeschrieben werden. Der ZSanDstBw und die SanOA Betreuung haben hiervon profitiert, da auf dieser Grundlage Dienstposten zur Unterstützung eingerichtet werden konnten. Auch die Aufgabenverteilung des Betreuungspersonals wurde effizienter gestaltet, so dass der Betreuungsoffizier von administrativen Aufgaben befreit wurde und sich nunmehr auf die fachliche Beratung und Begleitung der SanOA während des Studiums konzentrieren kann. Die truppendienstliche Führung übernimmt z. B. die Sanitätsakademie der Bundeswehr, ein Bundeswehrkrankenhaus, ein Sanitätsunterstützungszentrum oder ein Regiment als Betreuungsdienststelle.

    Mit der Zielsetzung einer intensiveren Betreuung und der kontinuierlichen Bindung der zivil studierenden SanOA an den Dienstherren, hat sich das „San-Netz“ – dem internetbasierten Betreuungsprotal der SanOA – zu einem unverzichtbaren Medium entwickelt und ist somit nicht mehr aus der Betreuungsorganisation wegzudenken und weiter zu entwickeln.

    Um die Standards einer guten Betreuung im Sinne „best practice“ weiterentwickeln zu können, wurde der Rahmenerlass zur Betreuung erneuert, ein Betreuungshandbuch für die Betreuungsoffiziere erstellt und die Standortseiten der Betreuungsoffiziere verbessert.

    Oberstabsarzt Benno Schreiner ist Betreuungsoffizier an der Sanitätsakademie der Bundeswehr und betreut die SanOA in München. Seine Erfahrungen und sein Einblick in die Betreuung der SanOA sind stellvertretend für alle Betreuungsoffiziere:

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    Abb. 2: SanOA beim Studium. (Bild: Kdo SanDstBw IX 3.1)
    Oberstabsarzt Schreiner kümmert sich seit Ende 2014 um die „Münchner SanOA“. Derzeit werden 129 SanOA der Approbationen Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie und dem im Regelfall daran anschließenden Studium der Lebensmittelchemie betreut. Die Studierenden sind größtenteils auf die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München verteilt. Etwas disloziert von der Betreuung sind die fertigen Pharmazeuten, die sich im Lebensmittelchemie-Studium befinden. Hier sind Studienplätze Mangelware.

    Oberstabsarzt Schreiner organisiert und moderiert zweimal im Semester am Standort München Semestertreffen. Er informiert die SanOA dabei über wichtige Neuerungen und Ver­än­de­rungen im zivilen und besonders im militärischen Bereich. Regelmäßig werden Fachvorträge von Experten, hauptsächlich zu sanitätsdienstlichen Themen, gehalten. Beförderungen und Ehrungen stehen ebenso auf dem Programm. Allgemeine und spezifische Fragen in Bezug auf Studium und Dienst werden beantwortet.

    „Die Betreuung ist phasenweise recht zeitaufwendig, so dass doch die eine oder andere Überstunde den SanOA geschuldet ist“, sagt der Sanitätsoffizier und ergänzt: „Diese Überstunden gefallen mir besser als die Überstunden, die bei meiner hauptamtlichen Aufgabe anfallen.“ Ihm mache es Spaß sich mit den „smarten und fachlich interessierten Studenten“ zu unterhalten und es mache ihm ebenso viel Freude, die aufstrebenden militärischen Führer im Sanitätsdienst in einer ganz entscheidenden Phase ihrer Laufbahn zu erleben und mit Rat und Tat zur Seite stehen zu dürfen.

    Ferner werden durch die Betreuungsdienststelle und ihm Möglichkeiten zur Ablegung der
    IGF(Individuelle Grundfertigkeiten)-Leistungen angeboten. Regelmäßige Bergmärsche am Wochenende stärken den Korpsgeist innerhalb der SanOA am Standort. Oberstabsarzt Schreiner ist es wichtig, „dass sich die SanOA frühzeitig mit ihrem zukünftigen militärischen Wirkungsfeld identifizieren und die Bindung an die Bundeswehr gestärkt wird.“

    Die neu konzipierte Betreuungsorganisation wurde in den letzten zwölf Monaten eingenommen, so dass bereits jetzt erste Rückschlüsse gezogen werden können. Auch wenn die ein oder anderen Reibungspunkte noch einen Feinschliff benötigen, so lässt sich aus den konstruk­tiven Rückmeldungen der verschiedenen Betreuungsebenen ein äußerst positives Resümee ableiten. Dabei konnten auch in der Zusammenarbeit mit dem Deutschen SanOA e. V. dessen Erkenntnisse und Erfahrungen in die Weiterentwicklung der Betreuungslandschaft mit einfließen.

    Datum: 31.03.2016

    Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2016/1

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