03.02.2014 •

    Aus der NATO Science and Technology Organization (STO) Human Factors and Medicine Panel - Research Task Group 184 “Safe Ride Standards for Patient Evacuation Using Unmanned Aerial Vehicles (UAV)”

    Mit dem größer werdenden militärischen Einsatzspektrum unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) insbesondere im Bereich der Drehflügler kamen Überlegungen auf, ob und ggf. wie solche Systeme auch zum sicheren Transport von Patienten genutzt werden können. Durch das Human Factors and Medicine (HFM) Panel der NATO Science and Technology Organization (STO)¹ wurde eine Research Task Group (RTG 184) etabliert, die auf der Grundlage von heute und in absehbarer Zukunft verfügbarer Technologien die Möglichkeiten des sicheren Patiententransportes mit UAV untersuchte.

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     Verleihung des NATO STO Scientific Award durch den NATO Chief Scientist MGen Husniaux (rechts) an Generalarzt a.D. Dr. Rödig.

    Unter der Leitung von Generalarzt a.D. Dr. Erich Rödig (bis Juni 2008 in letzter Verwendung Generalarzt der Luftwaffe) entwickelten 18 Experten aus 4 Nationen (Deutschland, Israel, Großbritannien und USA) ein „Handbuch“, welches zum einen den Entwicklern von UAV sowohl die technischen Sicherheitsstandards wie auch die medizinischen Erfordernisse vorgibt als auch mögliche Führungs- und Kontrollsysteme beschreibt. Zum anderen liefert es den militärischen und sanitätsdienstlichen Operateuren Entscheidungskriterien für die Beantwortung der Frage, wann und unter welchen Bedingungen UAV erfolgreich für den Verwundetentransport eingesetzt werden können.

    Die RTG untersuchte bereits verfügbare UAV in engem Zusammenwirken mit den Entwicklern; hier wurden insbesondere Fähigkeiten und Grenzen für Patiententransporte aus dem Blickwinkel eines zukünftigen Nutzers umfassend analysiert. Durch die multidisziplinäre Zusammensetzung der RTG – im Übrigen eine der Stärken der NATO STO – konnte die Frage des zukünftigen Einsatzes von UAV für Patiententransporte aus vielen Blickwinkeln beleuchtet werden. Zum Research Team gehörten Ärzte und Rettungspersonal (überwiegend mit umfassender Erfahrung mit Lufttransporten von Patienten), Piloten (sowohl von Rettungshubschraubern als auch von UAV), Personal aus Forschung und Entwicklung (sowohl aus dem Bereich der Medizin als auch der UAV-Entwicklung), Experten aus den Gebieten Flugsicherheit und Standardisierung, Luftfahrzeugentwicklung, aus miltärischen Planungsstäben und dem operationellen Bereich. Ausgehend von der Problemstellung „Wenn ein UAV mit geeigneten Fähigkeiten für einen CASEVAC zur Verfügung stünde – wie kann der verantwortliche Kommandeur das Einsatzrisiko in der gegebenen militärischen Lage abschätzen, um im Individualfall die Entscheidung zu treffen, ob und wie er ein solches System einsetzt?“ Die RTG wählte einen generischen Ansatz, um Entscheidungskriterien hierfür zu entwickeln. Des Weiteren definierte sie Kriterien für die Vorbereitung und Auswahl von Patienten, die vor dem Einsatz eines CASEVAC-UAV in den Entscheidungsprozess einbezogen werden müssen. Diese umfassen:

    • Das UAV muss die gleichen Flugsicherheitsstandards erfüllen wie ein entsprechender bemannter Hubschrauber.
    • Die Umweltbedingungen in der Patiententransportzelle (z.B. Lärm, Vibration, Beschleunigungskräfte, Luftqualität, etc.) müssen zulässigen Standards genügen.
    • Der Patient muss sicher fixiert werden können.
    • Der Patient muss innerhalb des UAV transportiert werden.

    Schlussfolgerung 

    Die RTG kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von UAV für CASEVAC unter bestimmten Umständen schon heute gerechtfertigt sein kann. Sie hält in naher Zukunft solche UAV-CASEVAC-Einsätze (ohne medizinische Behandlung während des Transports) sowohl für durchführbar als auch für praktikabel. Der Einsatz von UAV für MEDEVAC als Teil eines Behandlungskontinuums wird heute und in naher Zukunft noch nicht gesehen, allerdings sieht die RTG auch keine Gründe, die der Entwicklung einer solchen Möglichkeit in mittlerer oder weitere Zukunft entgegenstehen. Der Abschlussbericht macht eine Reihe von Vorschlägen sowohl für zukünftige Forschung und Entwicklung als auch für die Entwicklung von Doktrinen und medizinischen Leitlinien. Mit 191 breit diskutierten Literaturbezügen kann der Bericht als „das Handbuch“ für die zukünftige Entwicklung von UAV für Patiententransporte in Bezug auf die technische und medizinische Forschung und Entwicklung, Strategieentwicklung, operative und medizinische Planung als auch für die Entscheidung in rechtlichen und ethischen Fragen angesehen werden. Konsequenterweise wurde der Technical Report HFM 184 im Jahre 2013 zur Vorgabe für die UAV-Entwicklung in der US Army gemacht. Die wissenschaftliche Leistung der RTG und die herausragende Bedeutung des Ergebnisses für die zukünftige Entwicklung von Rettungssystemen in der NATO wurde durch die STO mit dem Scientific Achievement Award ausgezeichnet, den Generalarzt a. D. Dr. Rödig aus der Hand des NATO Chief Scientist, MGen Albert Husniaux (BEL) am 18. Sept. 2013 in Vilnius entgegen nahm (Bild). Der vollständige Bericht (STO-HFM-TR 184) steht im Internet unter http://www.cso.nato.int/abstracts.aspx?RestrictPanel=2 zur Verfügung.

    Bildquelle: www.sto.nato.int

    1Die STO unterstützt mit 7 wissenschaftlichen Panels gemeinsame Forschung und Weiterentwicklung, insbesondere in Bezug auf die Nutzung von Zukunftstechnologien für gemeinsame Zwecke. Nähere Informationen siehe unter www.sto.nato.int

    Datum: 03.02.2014

    Quelle: Wehrmedizinische Monatsschrift 2014/1

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