Bericht: S. Dittrich, M. Knarr, D. Hinck, W. Rost, J.Hoitz

1. Hanseatic Military and Medical ­Intern Conference am BwKrHs ­Hamburg

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäßchirugie, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg

Vom 6. bis 10. Mai dieses Jahres wurde am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg erstmalig die „Hanseatic Military and Medical Intern Conference“ (HaMMICon) durchgeführt. Ziel ist die Förderung des internationalen Gedankenaustauschs zwischen Sanitätsoffiziere in den ersten Jahren ihrer Ausbildung.

PhotoTeilnehmende der 1. HaMMICon vor dem Haupteingang des BwKrHs Hamburg In der einwöchigen Tagung vermittelten verschiedene Fachrichtungen die wichtigsten Grundlagen in Vorbereitung auf den ­ersten Auslandseinsatz. Ferner wurden die Aus- und Weiterbildungssysteme auf dem Weg zum Sanitätsoffizier in den ver­schie­denen Streitkräften dargestellt.

Abgerundet wurde der Kongress durch praktische Ausbildungsteile im Rahmen der taktischen Verwundetenversorgung (TVV) sowie des Crew Ressource Managements (CRM).

Zum ersten Mal fand in der Zeit vom 06.- 10. Mai 2019 die „Hanseatic Military and Medical Intern Conference“ am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg statt.

Vor dem Hintergrund eines möglichen Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie dem festgestellten Fehlen einer internationalen Plattform zum Gedankenaustausch junger Ärzte der Sanitätsdienste der NATO-Streitkräfte erging über das Kommando Sanitätsdienst der Arbeitsauftrag an das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, eine Intensivierung der Kontakte zu betreiben.

PhotoOberstarzt Johann und Oberfeldarzt Dr. Hinck leiteten die Diskussion zu traumatisch bedingten Verletzungen in den Auslandseinsätzen Seit der britischen Exkursion Northern Relief 2017, einer medizinhistorischen Fortbildung zur Thematik der sanitätsdienstlichen Versorgung der Verletzten während der Operation Gomorrha im Zweiten Weltkrieg sowie möglicher Verwundeter in einem Massenanfallszenario, und dem Gegenbesuch einer Delegation aus der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg zum „Defence Medical Group North Doctors Symposium“ vergangenen Jahres, besteht ein enger Kontakt zwischen dem britischen Sanitätsdienst des Verantwortungsbereiches der Defence Medical Group North und dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg.

Unter der Schirmherrschaft von Generalarzt Dr. Hoitz, Kommandeur und Ärztlicher Direktor des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg, war es das Ziel der Veranstaltung, eine internationale, militärmedizinische Plattform für junge Sanitätsoffiziere/-innen zu installieren. Diesjährig lag der Ausbildungsschwerpunkt auf Vermittlung theoretischer und praktischer Inhalte in Vorbereitung auf den ersten Auslandseinsatz.

Der Einladung zur 1. HaMMICon in die Hansestadt folgten elf britische Sanitätsoffiziere/-innen. Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Fachrichtungen vertreten. Das Teilnehmerspektrum setzte sich aus Medizinstudenten des letzten Semesters bis hin zu Oberärzten aus der Anästhesie, Chirurgie, Notfallmedizin, Psychiatrie und Urologie zusammen.

PhotoTrainieren der suffizienten Tourniquet- Anlage durch britische Sanitätsoffiziere Am Montagmorgen begrüßte Generalarzt Dr. Hoitz die Teilnehmer in der Aula und eröffnete die Konferenz. Im Anschluss übernahm Oberfeldarzt Dr. Hinck, stellvertretender klinischer Direktor der Klinik II und Hauptverantwortlicher für die Organisation und Durchführung des Kongresses, das Wort und erläuterte den historischen Werdegang des Bundeswehrkrankenhauses beginnend mit der Gründung des Bundeswehrlazaretts Hamburg im Jahre 1958 bis in das aktuelle Kalenderjahr.

Mit dem Wissen über den militärmedizinischen Hintergrund wurden die zentrale Notaufnahme und die internationale Station, auf der zurzeit verwundete Soldaten aus der Ukraine behandelt werden, besichtigt.

Besonders großen Anklang fand die Vorstellung des Rettungszentrums durch Flottillenarzt Schüttler, bei der die Rettungsfahrzeuge und zur Freude aller auch der Rettungshubschrauber aus nächster Nähe betrachtet werden konnten.

Nachmittags schloss sich ein militärhistorischer Vortrag durch Oberfeldarzt Dr. Hinck über die Operation Gomorrha während des zweiten Weltkrieges an. Den Luftangriffen und dem Feuersturm im Sommer 1943 fielen tausende Bürger zum Opfer und Großteile Hamburgs wurden zerstört. Hervorgehoben wurde die medizinische Versorgung von Tausenden von Verletzten.

Der Bogen von der Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft wurde von Herrn Oberstarzt Dr. Schütz aus der Führungsakademie Hamburg gespannt.

PhotoStationsausbildung im Rahmen der taktischen Verwundetenversorgung mit dem Üben der Durchführung eines initialen Assessments nach dem MARCH- Schema In einem überaus informativen Vortrag gab er einen Einblick in die Herausforderungen der Sanitätsdienste im Angesicht aktueller Entwicklungen in Krisen- und Konflikt­situa­tionen. Er zeigte die Aufgaben, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gilt, überaus kurzweilig auf.

Durch Commander Stannard und Oberstabsarzt Mulsow wurden die Organisation und der Aufbau des britischen und deutschen Sanitätsdienstes gegenübergestellt. Auf beiden Seiten wurden die gleichen Probleme identifiziert und die Schwierigkeit eine militärmedizinische Ausbildung im Spannungsfeld zivil-militärischer Vorgaben zu gewährleisten.

Bei einem BBQ im Kasino des Bundeswehrkrankenhauses fand der erste Kongresstag einen geselligen Ausklang und lud dazu ein, die angerissenen Themen des Ausbildungstages im kameradschaftlichen Gespräch zu vertiefen.

Der folgende Dienstag stand ganz im Zeichen der Einsatzmedizin.

Im Schwerpunkt ging es um die Vermittlung von im Auslandseinsatz gemachten Erfahrungen, die durch einsatzerfahrene Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen geschildert und anschaulich präsentiert wurden.

Den Anfang machte Oberfeldarzt (w) Dr. Wiemer, Leiterin des Fachbereichs Tropenmedizin am Bernhard- Nocht- Institut (BNI), mit einem Vortrag über tropenmedizinische Infektionserreger und Parasiten in den Einsatzländern Mali und Afghanistan. In dem Fachgebiet der Inneren Medizin bleibend, führte Frau Oberfeldarzt (w) Engels anhand von Fallbeispielen aus den Einsatzländern internistische Herausforderungen auf.

Trotz aller Sorgfalt im Erfassen des Gesundheitszustandes der Soldaten/-innen bevor es in den Einsatz geht, bleiben diese nicht vor einem möglichen Herzinfarkt verschont. Weitaus häufigere und regelmäßig gesehene Krankheitsbilder stellten jedoch Durchfallerkrankungen, banale Infektionen oder Dehydratation dar.

Nach den konservativ tätigen Fachrichtungen berichtete Oberstarzt Johann, Leiter der Klinik für Orthopädie und -Unfall­chirurgie am BwKrHs Hamburg, sehr praxisorientiert von unfallchirurgischen Verletzungen und deren Therapieoptionen im Einsatzland.

Oberfeldarzt Dr. Hinck führte in seinem Vortrag die operativen Herausforderungen bei Schuss- und Sprengverletzungen auf. Hauptaugenmerk und wichtigste Therapiemaßnahme ist zwingend die Blutungskontrolle. Das Verbluten ist nach gegenwärtiger Studienlage nach wie vor die in den Auslandseinsätzen häufigste Todesursache und je nach Blutungslokalisation bei sofortiger adäquater Behandlung am ehesten zu vermeiden.

Am Nachmittag berichtete Flottillenarzt Dr. Fohr aus der Abteilung der Anästhesie von seinem maritimen Werdegang mit den ganz eigenen Tücken und Besonderheiten, die die sanitätsdienstliche Versorgung der Besatzung auf See mit sich bringt.

Abschließend brachte Oberstabsarzt (w) Dr. Walter aus der Abteilung für Psychiatrie den Zuhörern die Posttraumatische Belastungsstörung nahe. Sie ging auf die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten ein und schilderte, welche Maßnahmen im Auslandseinsatz nach einer traumatischen und belastenden Situation ergriffen werden können.

Nach der für alle Beteiligten äußerst informativen Vortragsreihe schloss sich ein kultureller Teil an. Im Zuge einer Stadt- und Rathausführung konnten die Gäste einen Einblick in die Geschichte der Hansestadt gewinnen und erleben, dass Hamburg mehr als nur das Bundeswehrkrankenhaus zu bieten hat.

Die Vortragsreihe am Mittwoch wurde erneut durch die Kollegen des BNI eröffnet.

In seinem Vortrag ging Oberfeldarzt PD Dr. Frickmann auf hygienische Basismaßnahmen ein, die durch das Miteinander auf engem Raum innerhalb des Feldlagers sowie durch die häufig mangelnde Infrastruktur in den Einsatzländern außerhalb des Camps notwendig sind.

Schwerpunkt des Tages waren die Präsentationen der britischen Gäste. Diese reichten von der Laufbahn des Sanitätsoffiziers, die verschiedenen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung bis zu Berichten einzelner Teilnehmer über ihren persönlichen Werdegang in den britischen Streitkräften. Überaus informativ waren die erklärenden Worte zur ärztlichen Ausbildung der Sanitätsoffiziere im britischen Gesundheitssystem.

In Großbritannien gibt es mit einer Ausnahme keine Militärkrankenhäuser. Die ärztliche Ausbildung der Sanitätsoffiziere ist vertraglich mit dem nationalen Gesundheitssystem festgesetzt und erfolgt in den staatlichen Krankenhäusern. Für militärische Lehrgänge, wie die Offiziersausbildung, Lehrgänge im Rahmen der Auslandseinsatzvorbereitung, die Erhaltung soldatischer Kompetenzen und Übungen, werden die Ärzte, jährlich vertraglich geregelt, von ihrem Dienst im Krankenhaus freigestellt.

Angesichts der geringen Zahl an Fachärzten, die die britische Armee vorhält, ist es beeindruckend, mit welcher internationalen Präsenz diese dennoch in den Auslandseinsätzen vertreten sind. Vor allem die Unterschiede in der Ausbildung bei gleichem Ziel, hochqualifiziertes Personal medizinisch und militärisch auszubilden und langfristig an die Streitkräfte zu binden, sorgten für einen regen Gedankenaustausch und Diskussion.

Es folgte eine praktische Ausbildung zu „Crew Ressource Management“ durch die Fachabteilung X. Durch die zunehmende multinationale Arbeit in den Einsätzen wird das vorherige Zusammenarbeiten bzw. Üben sicherlich eines der Schwerpunkte der nächsten Jahre sein.

Am Donnerstag wurde durch die AG Taktische Medizin unter der Leitung von Oberfeldarzt Horst, unterstützt durch Personal der Helmut-Schmidt-Universität sowie Teile des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf, eine Ausbildung zur taktischen Verwundetenversorgung (TVV) durchgeführt. Auf dem Krankenhausgelände galt es an verschiedenen Stationen die Tourniquet-Anlage, das Legen von intraossären Zugängen am Übungsmodell und das Durchführen eines initialen Assessments verletzter Soldaten nach dem MARCH-Schema (Massive Bleeding, Airway, Respiration, Circulation, Hypothermia/ Head) zu üben und zu trainieren.

Die engagierte Ausbildung wurde mit einem militärischen Wettkampf abgeschlossen, den die Gäste aus Großbritannien knapp für sich entscheiden konnten.

Beendet wurde die Woche durch die Verabschiedung seitens des Kommandeurs des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg und Ausgabe der Teilnahmeurkunde.

Zum Abschluss bestand die Möglichkeit die Einlaufparade an­­lässlich des 830. Hafengeburtstages vom Aussichtspunkt am ­Bernhard-Nocht-Institut zu beobachten.

Es lässt sich festhalten, dass die Beziehung zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und dem sanitätsdienstlichen Verantwortungsbereich des Nordens Großbritanniens nicht nur geographisch, sondern auch auf militärmedizinscher Ebene zu passen scheint und bei allen Teilnehmern sehr großen Anklang gefunden hat.

Zu wünschen wäre die jährliche Durchführung dieser Art für die jungen Sanitätsoffiziere der NATO-Staaten. 

Alle Abbildungen: S. Herholt, BwKrHs Hamburg

Für die Verfasser:
OFA Dr. Daniel Hinck, BwKrHs Hamburg
E- Mail: danielchristianhinck@bundeswehr.org 

SA Selina Dittrich, BwKrHs Hamburg
E- Mail: selinadittrich@bundeswehr.org 

Datum: 10.12.2019

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 3/2019

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