Artikel: Wehrmedizinische Monatsschrift 9/2018

Alte Fähigkeiten – neues Denken

Marinesanitätsdienst und regionale Sanitätseinrichtungen

Marinekommando, Rostock

Hintergrund

Das vorläufige Fähigkeitsprofil der Bundeswehr rückt die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) neben dem Heimatschutz wieder in den Fokus der Betrachtung. Für den Sanitätsdienst der Bundeswehr ergibt sich daraus die Notwendigkeit, vorhandene Fähigkeiten zu überdenken.

Sanitätsdienstliche Fähigkeiten der Marine

Abb. 1: Rettungskette in See im LV/BV-SzenarAbb. 1: Rettungskette in See im LV/BV-Szenar In den Konzepten des Marinesanitätsdienstes (MSanDst) sind in den letzten 30 Jahren sanitätsdienstliche Fähigkeiten immer angepasst an die aktuelle sicherheitspolitische Situation nach Ende der Ost-West-Konfrontation beschrieben worden. Heute ist der MSanDst in seinen Stützpunkten mit den regionalen Sanitätseinrichtungen kolloziert. Hieraus ergeben sich Koordinierungserfordernisse im Hinblick auf die Ausgestaltung neuer Fähigkeiten.

Sanitätsdienstliche Unterstützung im maritimen Umfeld

Die sanitätsdienstliche Unterstützung im maritimen Umfeld umfasst die Bereiche Individualmedizin und Kollektivmedizin (Katastrophen- bzw. Einsatzmedizin). Die folgende Betrachtung bezieht sich auf die Einsatzmedizin:

An Bord von seegehenden Einheiten führen Treffer durch Flugkörper, Torpedos oder Minen zu unterschiedlichen Verletzungsmustern. Insbesondere Treffer von Flugkörpern und Torpedos gehen dabei mit einer hohen Anzahl an Toten und Verwundeten einher.

Die erste sanitätsdienstliche Versorgung muss an Bord erfolgen, die weitere Behandlung in seegestützten oder landgebundenen Role 2-Einrichtungen. Die Verlegung einer großen Anzahl von behandelten Verwundeten zurück nach Deutschland kann, auf Grund der Kapazitäten, nicht ausschließlich per Flugzeug erfolgen. Eine Verlegung über See oder auf dem Landweg muss deshalb wieder neu in Betracht gezogen werden.

Schnittstelle: Anlandepunkt

PhotoAbb. 2: Der Anlandepunkt ist die Schnittstelle See/Land der sanitätsdienstlichen Versorgung in See. (Symbolbild) Zur Anlandung einer hohen Anzahl von Verwundeten müssen die Stützpunkte der Marine in der Landes- und Bündnisverteidigung über bestimmte sanitätsdienstliche Fähigkeiten verfügen. Dies gilt bei der Unterstützung von Kräften der Marine ebenso wie bei Bündnistruppen.

Die Anlandepunkte sind als Schnittstelle SEE/LAND von zentraler Bedeutung für die Rettungskette in See. Die sich daraus ergebenden Anforderungen sind in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr betrachtet worden, weil dies nicht mehr notwendig erschien. Die hier erforderlichen Fähigkeiten sind aber ihrerseits in den Konzepten aus der Zeit der Ost--West-Konfrontation beschrieben worden. Es gilt, diese in neue Situationen – wie hybride Bedrohungen – zu transferieren.

Fazit

Im Rahmen der LV/BV müssen die Fähigkeiten zur Anlandung von Verwundeten, die Patienten-Koordination, der Weitertransport sowie sanitätsdienstliche Unterstützungsleistungen innerhalb der Anlandepunkte bzw. Stützpunkte neu betrachtet werden – und zwar in einem Org-Bereich übergreifenden konzeptionellen Ansatz.

Flottillenarzt Dr. Matthias Beste
E-Mail: matthiasbeste@bundeswehr.org

Datum: 21.09.2018