NATO DISEASE SURVEILLANCE SEMINAR
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NATO DISEASE SURVEILLANCE SEMINAR

NATO räumt der Verhütung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen (MVW) und der Abwehr chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer (CBRN) Bedrohungen einen hohen Stellenwert ein. Das Bündnis versucht Fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern, die entscheidend für eine robuste ABC-Abwehr sind, wie zum Beispiel die Detektion biologischer Kampfstoffe und die Überwachung von Krankheiten („Disease Surveillance“).

Während des NATO Gipfels in Prag 2002, verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs der NATO Mitgliedsstaaten, die operative Fähigkeiten ihrer Streitkräfte entweder national oder aber multinational zu verbessern. NATO’s Führer vereinbarten, länderspezifische Ziele entlang einer Zeitachse zu konkretisieren, um existierende Fähigkeiten zu verbessern oder neue Fähigkeiten in bestimmten Gebieten zu entwickeln. Ziel war und ist es sicherzustellen, dass die NATO ihre gegenwärtigen und zukünftigen, operativen Verpflichtungen erfüllen und gegen neuartige Bedrohungen, wie den CBRN Terrorismus und die Weiterverbreitung von MVW zu kämpfen.

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Unter dem “Prague Capabilities Commitment” einigten sich die Mitgliedsstaaten ihre Fähigkeiten in mehr als 400 spezifischen Gebieten zu verbessern, die acht aktuelle, einsatzwichtige Bereiche abdecken. ABC-Abwehr war als eines dieser einsatzwichtigen Gebiete, auf denen es Fähigkeitslücken gab, bestimmt worden. Ergänzend zu den “NBC Event Teams” and “Deployable Analytical Laboratories” (beide wurden später zur Combined Joint CBRN Defence Task Force zusammengefasst) wurde das Fehlen eines Disease Surveillance Systems identifiziert.

Entsprechend der Entscheidung der Chefs der Militärischen Sanitätsdienste der NATO [Chiefs of Military Medical Services in NATO (COMEDS)] in Vilnius/LTU 2008 wurde im Januar 2010 beim Sanitätsamt der Bundeswehr (SanAmtBw)mit der Aufstellung in München eine multi-nationale Deployment Health Surveillance Capability (DHSC) begonnen. Die DHSC wurde funktional in das Centre of Excellence for Military Medicine (MILMED COE) integriert. Als zentrale Analyseeinrichtung analysiert das DHSC direkt übermittelte, aufbereitete Daten der sich im Einsatz befindenden Sanitätsdienste. Basierend auf klinischen Symptomen erlauben diese Daten dann eine zentralisierte Überwachung der eingesetzten NATO Streitkräfte sowie eine frühzeitige Detektion von infektiösen Krankheitsausbrüchen in nahezu Echtzeit. Als Überwachungstool wird das französische ASTER-System (Alerte et surveillance en temps réel – EchtzeitÜberwachungs- und Alarmierungssystem) genutzt. Direktor des DHSC ist Oberstarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm.

Langfristig wird diese Fähigkeit in das Medical Information and Coordination System (MEDICS) integriert warden, und damit die Force Health Protection Fähigkeiten während militärischer Einsätze signifikant verbessern. Der bedarf einer solchen Fähigkeit wird besonders deutlich, denkt man eine Grippe Pandemie und deren Auswirkungen auf laufende NATO Operationen.

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Folgerichtig führte NATO’s Committee on Proliferation (CP) das diesjährige International Partners’ CBRN Defence Outreach Event zum Thema “Military and Civilian Contributions to Disease Surveillance - a Scientific and Technological Approach” durch. Der Workshop fand am 12./13. Mai 2011 in Kyiv an der National Defence University of Ukraine statt. Unterstützt wurde die Vorbereitung und Durchführung des Workshops vom Science for Peace and Security (SPS) Programme der NATO.

Einige Hintergrundinformationen: Das CP ist das beratende Organ des Nordatlantischen Rates (North Atlantic Council = NAC) für den Bereich der Proliferation von MVW, sowie deren Trägersystemen, und im Bereich der ABCAbwehr. The CP ist verantwortlich für die Entwicklung von NATO’s Non-Proliferations- Politik, dem Informationsaustausch, und die Koordinierung aller Belange der Prevention von und Reaktion auf die Weiterverbreitung von MVW, vor allem in dem es militärische und zivile Experten aller NATO-Mitgliedsstaaten und der Partner zusammenbringt.

Die Ukraine wiederum ist die erste Partnernation, die mit dem CP zusammenarbeitet. Es sei hier nur an den Beitrag der Ukraine zur Combined Joint CBRN Defence Task-Force (NRF 15) erinnert. Zweck der diesjährigen Veranstaltung war es, den NATO Mitgliedsstaaten und den teilnehmenden Partnern eine Plattform zur Diskussion wissenschaftlicher Aspekte der „Disease Surveillance“ anzubieten, Impulse für die weitere Forschung zu geben, und – wenn möglich – praktische Ideen für multinationaler Einsätze zu entwickeln.

Experten der NATO, der Ukraine und anderer Partnernationen (Bosnien-Herzegowina, Finnland, Georgien, Kirgistan, die Russische Föderation, Schweiz), sowie von wissenschaftlichen Instituten und Internationalen Organisationen (Z. Bsp. Turkish Military Medicine Academy, NATO Deployment Health Surveillance Capability, JCBRND Centre of Excellence, U.S. Defence Threat Reduction Agency, International Committee of the Red Cross, OPCW, World Health Organisation und andere) trugen zum Erfolg des Seminars bei. Der Workshop wurde von Vertretern der CP Co-Chairs, Ms. Laura Gross, USA Department of Defence, und Colonel Kadir Dikmensoy, Türkischer Generalstab. Generalleutenant Jürgen Bornemann, General Direktor/International Military Staff, beehrte das Seminar mit seiner Anwesenheit, während er zu einem Besuch in der Ukraine weilte.

Vertreter kommerzieller Unternehmen nahmen gleichermaßen an dem Workshop teil, um ihre Fähigkeiten zur Unterstützung von ABC-Abwehr-Operationen zu de mons trie ren. Zudem bot sich den Unternehmen eine Plattform, zukünftige Projekte zur Verbesserung der ABC-Abwehr-Fähigkeiten. Oberstarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm stellte NATO’s Deployment Health Capability vor, während Oberstarzt Dr. Lothar Zöller zur Differenzierung natürlicher und bewusst verursachter Ausbrüche ansteckender Krankheiten vortrug.

Die Teilnehmer diskutierten auch die gesundheitlichen Bedrohungen verursacht durch Umweltbedingungen oder industrielle Gefährdungen. Gastredner von NATO’s WMD Non-Proliferation Centre (Emerging Security Challenges Division), dem United States Department of Defence, dem Department of Emergency Situations of Ukraine und der United Nation’s World Health Organisation boten eine Grundlage für eine fundierte Diskussion, und arbeiteten Gebiete für eine künftige multinationale, aber auch zivil-militärische Zusammenarbeit heraus. Das Zusammenführen von ziviler und militärischer Expertise wird nicht nur zu einem besseren gegenseitigem Verständnis führen, sondern auch zu synergistischen Effekten.

Ein Bericht, der die Ergebnisse des Workshops zusammenfasst und konkrete Empfehlungen, wie auf der Basis existenter Fähigkeiten in der Zusammenarbeit mit NATO-Partnern verbessert werden kann, wird zeitgerecht publiziert werden.

Datum: 05.12.2011

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2011/3