22.02.2013 •

    NATRIUMZUFUHR VON SPORT TREIBENDEN BUNDESWEHRSOLDATEN IN RELATION ZUM GESCHÄTZTEN, DURCH SCHWEIßVERLUSTE BEDINGTEN, ERHÖHTEN BEDARF*

    Sodium Supply of German Soldiers doing Sports in Relation to the ­increased Need guessed, caused by Sweat Losses.



    Aus dem Sportmedizinischen Institut der Bundeswehr¹ Warendorf (Leiter: Oberstarzt Dr. A. Lison) und dem Fachbereich Oecotrophologie² (Leiterin: Prof. Dr. P. Deitscheid) der Fachhochschule Münster



    Lisa Kraft², Stefan Sammito¹, Christoph Holtherm¹, Johannes Hutsteiner², Karl-Joseph Groneuer² und Andreas Lison¹



    WMM, 57. Jahrgang (Ausgabe 1/2013: S. 22-24)

    Zusammenfassung



    Inhalt der Betrachtung war die Gegenüberstellung eines erwarteten Mehrbedarfes an Natrium bei Sport treibenden Soldaten an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf – hier durchaus vergleichbare körperliche Belastungen wie in anstrengenden Einsatzszenarien – mit den Möglichkeiten der Deckung dieses Bedarfes durch die angebotene Nahrung sowie der tatsächlichen Deckung durch das eigene Ernährungsverhalten.

    Im Ergebnis kam es zur deutlichen Überdeckung des Natriumbedarfes, sodass von einer zusätzlichen Supplementierung abgesehen werden kann und selbst bei ungünstigeren (wärmeren) Witterungsverhältnissen von einer ausreichenden Deckung ausgegangen werden kann.

    Summary
    With this consideration we compared the expected greater need of sodium among participants at sports trainings at the Sportschule der Bundeswehr in Warendorf –  here thoroughly comparable physical strains like in exhausting assignment abroad – with the possibility to cover this need by the offered food as well as by the food really chosen. At least it came to the clear covering of the sodium need, so that no additional supplements are needed and even the expected greater need in warmer weather conditions would be covered.

    Einleitung

    Natrium ist ein essenzieller Mineralstoff, insbesondere für den Wasserhaushalt des menschlichen Körpers. Über den Schweiß gehen vermehrt Elektrolyte und somit auch Natrium verloren. Körperlich anstrengende Tätigkeiten wie unter anderem sportliche Aktivität und erhöhte Außentemperaturen sind mit erhöhter Schweißneigung verbunden [1]. Gerade an der Sportschule der Bundeswehr (SportSBw) treiben die Lehrgangsteilnehmer vermehrt Sport (Abb. 1). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das aktuell angebotene natriumarme Mineralwasser ausreicht, um den täglichen Natriumbedarf der Lehrgangsteilnehmer zu decken.
    Ziel der Arbeit war es, den Mehrverbrauch an Natrium durch sportliche Aktivität während eines Übungsleiterlehrgangs zu ermitteln und mit der individuellen Natriumaufnahme sowie dem Natriumangebot über die Truppenküche zu vergleichen.

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    Methoden

    Untersucht wurde ein Übungsleiterlehrgang im November 2010. Die Teilnehmer wurden eine Woche lang jeweils vor und nach den insgesamt 11 Sporteinheiten in Unterwäsche gewogen. Der daraus ermittelte Gewichtsverlust wurde zur Berechnung des Schweiß- beziehungsweise Natriumverlustes mittels einer Bilanzrechnung (0,5 g Na+/l Schweiß [2]) genutzt. Es wurden nur die Probanden berücksichtigt, von denen zwei Datenpaare vorlagen und die eine negative Gewichtsentwicklung aufwiesen. Zeitgleich wurde von den Probanden ein Freiburger Protokoll geführt, um die individuelle Ernährung der Probanden zu erfassen. Außerdem wurde der Plan der Truppenküche der Untersuchungswoche, der alle verwendeten Lebensmittel mit der genauen Zusammensetzung der Mahlzeiten enthielt, hinzugezogen. Die Freiburger Protokolle und der Plan der Truppenküche wurden in DGE-PC eingegeben und hinsichtlich der Natriumversorgung ausgewertet.

    Ergebnisse

    An der Studie haben insgesamt 23 Probanden teilgenommen (21 männlich, 2 weiblich). Der Altersdurchschnitt der Probanden lag bei 27,8 ± 5,3 Jahren. Die Probanden waren im Mittel 180,7 cm ± 6,9 cm groß und wogen durschnittlich 82,0 ± 12,0 kg (BMI 25,0  ± 2,5 kg/m²). Im arithmetischen Mittel kam es bei der sportlichen Aktivität zu einem Gewichtsverlust von 0,2 ± 0,2 kg bis 0,7 ± 0,3 kg. Hieraus ergab sich ein Natriumverlust von 0,1 ± 0,1 g bis 0,35 ± 0,15 g je Sporteinheit (Tab. 1). Wie sich in der Einzelbetrachtung herausstellte, zeigte ein Großteil der Probanden bei den beiden Schwimmeinheiten (Brust- und Kraulschwimmen) positive Gewichtsentwicklungen, was auf eine Flüssigkeitsaufnahme während des Schwimmens zurückzuführen ist. Aufgrund dessen wurde im weiteren Verlauf der Arbeit für die Schwimmeinheiten von einem Schweißverlust von 0,3 l/h ausgegangen [3].
    Wurde der durch die sportliche Aktivität ermittelte zusätzliche Natriumverlust (0,53 g/d) auf den Tagesgrundbedarf (0,55 g/d) [4] angerechnet, ergab sich ein täglicher Natriumbedarf von 1,08 g (Abb. 2). Die Auswertung der individuellen Ernährung der Probanden ergab eine durchschnittliche Natriumaufnahme von 3,72 ± 1,66 g pro Tag, sowie ein Natriumangebot durch die Truppenküche von 7,9 g.

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    Diskussion und Schlussfolgerungen

    Mit der hier vorgestellten Untersuchung konnte gezeigt werden, dass die individuelle Ernährung und das Angebot der Truppenküche mehr als ausreichend sind, um den erhöhten Natriumbedarf während eines Übungsleiterlehrgangs, hier an der Sportschule der Bundeswehr, zu decken (Abb. 2). Einschränkend sind die geringe Probandenzahl und die geringe Teilnahme von weiblichen Probanden zu berücksichtigen.

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    Aussagen über den Natriumverlust während eines Übungsleiterlehrganges in Sommermonaten konnten nicht gemacht werden, auch wenn die deutlich höheren Natriumaufnahmen durch die Teilnehmer den Schluss nahe legen, dass auch in wärmeren Monaten der dann höhere Natriumbedarf gedeckt wäre. Auch ist anzunehmen, dass die Versorgung mit Natrium bei militärischer Gefechtsausbildung ebenfalls ausreichend ist. Hier wären weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Untersuchung in warmen Sommermonaten oder im Rahmen von Einsatzvorausbildungen, an einem größeren Probandenkollektiv notwendig.

    Literatur

    1. Schnabel G et al.:Trainingslehre-Trainingswissenschaft, Leistung Training Wettkampf. 2008; Aachen, Meyer & Meyer Verlag.
    2. Schek A: Trainerbibliothek 36, Topleistung im Sport durch bedürfnisgerechte Ernährung. komplett aktualisierte 2. Auflage, 2005 Philippika-Sportverlag, Münster.
    3. Wöllstein U: Körpergewichtsabnahme durch Schwitzen im Wasser bei Leistungsschwimmern, Examensarbeit an der Abt. Sportphysiologie, Universität Mainz; 2000.
    4. DGE, ÖGE, SGE, SVE (2000) Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.

    *Nach einem Poster, das auf der 43. Jahrestagung der DGWMP in Kassel (11. – 13.10.2012) vorgestellt wurde.

    Datum: 22.02.2013

    Quelle: Wehrmedizinische Monatsschrift 2013/1

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