23.01.2023 •

Fliegerärztlicher Dienst bei Einsätzen und Übungen im In- und Ausland

Z. Ahmad

Fliegerärztliche Betreuung am Standort Nörvenich
Bundeswehr/Stephan Ink

Der Fliegerärztliche Dienst der Bundeswehr (FlgÄrztlDstBw) hat den Auftrag, unter Anwendung der Erkenntnisse der Luft- und Raumfahrtmedizin, die Voraussetzungen für den Erhalt und die (Wieder-)Herstellung der Einsatzbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Luftfahrtpersonals – einschließlich des Steuerungspersonals für zulassungspflichtige ferngesteuerte Luftfahrzeuge – sowie des Personals des örtlichen Flugsicherungskontrolldienstes in der Bundeswehr auf Grundlage rechtlicher und konzeptioneller Vorgaben zu schaffen und zu erhalten.

Der FlgÄrztlDstBw hat im In- und Ausland zur Wahrnehmung dieser besonderen Aufgaben Fliegerarztbereiche, sogenannte Strukturelemente Fliegerarzt (StrEl FlgArzt), an den Standorten der fliegenden Verbände ausgebracht, die truppendienstlich der Verbandsführung unterstellt sind.

Fachdienstlich wird der fliegerärztliche Dienst aller Teilstreitkräfte und militärischer Organisationsbereiche im Auftrag des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr durch den Generalarzt der Luftwaffe geführt, der sich auf die Leitenden FliegerärztInnen abstützt.

Aufgabe von FliegerärztInnen ist, neben der ärztlichen Behandlung und Begutachtung von Luftfahrt- und Flugsicherungspersonal, die Organisation der medizinischen Notfallversorgung ­während des Flugbetriebes sicherzustellen. In ihrer alltäglichen Aufgabenwahrnehmung werden sie durch Flugmedizinische AssistentInnen, SportwissenschaftlerInnen, PhysiotherapeutInnen und MedizingerätetechnikerInnen unterstützt. Zudem sind assignierte FliegerpsychologInnen Teil des FlgÄrztlDstBw, um psychische und psychophysische Belastungen des Luftfahrt­personals und des zugeordneten lizenzpflichtigen Personals zu erkennen und adäquat zu behandeln. Die Angehörigen des FlgÄrztlDstBw werden oft als „Team Flugmedizin“ bezeichnet und tragen wesentlich dazu bei, dass die fliegenden Besatzungen einsatzbereit sind und bleiben.

Die fliegerärztliche Versorgung beinhaltet die sanitätsdienstliche Betreuung unter Beachtung der besonderen flugmedizinischen Voraussetzungen, die Erteilung von Flugfreigaben, die Durchführung von Schutzimpfungen und reisemedizinischer Beratung, der Hilfe bei Vor- und Nachbereitung von Missionen im In- und Ausland, das Organisieren von Heilfürsorge– und weiteren Präventionsmaßnahmen wie das Fördern eines gesunden Lebensstils sowie regelmäßiger sportliche Betätigung.

Da im Gegensatz zur zivilen Luftfahrt eine unmittelbare Regeneration beim Ausfall von militärischem fliegendem Personal in der Regel nicht möglich ist, kommt FliegerärztInnen eine Schlüsselrolle dabei zu, gesundheitsbedingte Einschränkungen zu minimieren. Hierzu halten sie engen Kontakt mit den fliegenden Besatzungen und sind integraler Bestandteil der fliegerischen Community. Auf diese Weise ist es ihnen auch möglich, durch persönliche Gespräche und über ein Erleben der Gruppendynamik in der Staffel Besonderheiten zu erkennen, welche sie gemeinsam mit dem weiteren Personal des FlgÄrztlDstBw in die Lage versetzt, frühzeitig Unterstützung und Hilfe anbieten zu können. So ist eine leistungsfähige fliegerärztliche und fliegerpsychologische Versorgung Voraussetzung für weltweite Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen der Bundeswehr, die Daueraufgaben im Grundbetrieb sowie den Ausbildungs- und Übungsbetrieb. 

Darüber hinaus sind weitere Dienstposten für FliegerärztInnen außerhalb von fliegenden Verbänden im Inland ausgebracht. So führen Sanitätsstabsoffiziere z. B. an der Universität der Bundeswehr München sowie in Bundeswehrkrankenhäusern in Nebenfunktion Begutachtungen bzw. fliegerärztliche Versorgungsmaßnahmen durch. Der FlgÄrztlDstBw stellt auch im Ausland die fliegerärztliche Betreuung sicher. So sind neben den Heimatstandorten an vier Auslandsdienststellen StrEl FlgArzt ausgebracht. Diese sind in Goodyear (3. Deutsche Luftwaffenausbildungsstaffel), Évreux (Binationale Lufttransportstaffel Rhin/Rhein), Eindhoven (Multinational Multi Role Tanker Transport Unit und European Air Transport Command) und Sigonella (NATO Alliance Ground Surveillance Force) beheimatet.

Fliegende Verbände befinden sich regelmäßig im Auslandseinsatz oder in einsatzgleichen Verpflichtungen und werden dort fliegerärztlich begleitet, sofern nicht im Einzelfall eine Abstützung auf eine fliegerärztliche Versorgung anderer Nationen möglich ist. Aktuell beteiligt sich der FlgÄrztlDstBw mit je einem Team an MINUSMA (Mali) und VAPB im Baltikum. Die flugmedizinische Führung übernimmt dabei in der Regel diejenige Teilstreitkraft, welche die im Einsatzland stationierten Luftfahrzeuge stellt. Bei den Einsätzen in der Vergangenheit im Irak und auf dem Balkan war dies z. B. das Heer, in Afghanistan und Westafrika überwiegend die Luftwaffe sowie am Horn von Afrika die Marine. Gleiches gilt für Auslandskommandos zu Ausbildungs- und Übungszwecken (meist in den USA, Kanada oder Südafrika). So finden allein in den fliegenden Verbänden der Luftwaffe etwa zehn Übungen pro Jahr außerhalb Deutschlands statt, die im Schnitt zwei bis drei Wochen dauern. 


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