03.05.2023 •

    Als funktionale Einheit bewährt

    S. von Maltzan

    Das Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung (Kdo RegSanUstg) ist eine dem Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr nachgeordnete Kommandobehörde auf Divisionsebene und im Schloss Oranienstein in Diez an der Lahn beheimatet. Aufwachsend aus dem ehemaligen Sanitätskommando II wurde es zum 01.01.2013 aufgestellt und verantwortet als eines der beiden Fähigkeitskommandos des Sanitätsdienstes die Führung und Koordination der ambulanten Inlandsversorgung aller SoldatInnen im regionalen Bezug.

     Der Kommandeur Kdo RegSanUstg im Rang eines Generalstabsarztes führt insgesamt rund 7 400 militärische und 1 400 zivile Angehörige des Kommandobereiches (KdoBer) und Stabes. Der stellvertretende Kommandeur im Dienstgrad Generalarzt nimmt zugleich die Funktion des Beauftragten für Integrierte Versorgung und Fachaufgaben wahr. Der dem Chef des Stabes unterstehende Kommandostab beinhaltet mit den Führungsgrundgebieten 1–6 die klassischen Bestandteile eines Divisionsstabes inklusive einer Wehrdisziplinaranwaltschaft und Bearbeitung der Sollorganisations- und Infrastrukturanpassung für den gesamten KdoBer. Zusätzlich sind im Stab weitere Funktionen wie der Militärärztliche Berater, der Kommandozahnarzt und die Kommandobetriebsärztin, die als oberste Instanzen in ihren Fachgebieten jeweils die fachliche Weisungsbefugnis für den KdoBer besitzen, abgebildet. Dieser Teil des Stabes steuert alle fachlichen Aspekte der unentgeltlichen truppen(zahn-)ärztlichen Versorgung (utV) und Heilfürsorge. Das breite Spektrum reicht dabei u. a. von der Bewilligung von Kuren und Psychotherapien über die sanitätsdienstliche Koordinierung und Überwachung der Betreuung von Einsatzgeschädigten im Rahmen des Einsatzversorgungs- und des Einsatzweiterverwendungsgesetzes – zu diesem Zweck ist hier die „Sanitätsdienstliche Koordinierungs- und Ansprechstelle für Einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten“ ausgebracht – bis zur Koordination von Rehabilitationsmaßnahmen. Dazu gehört außerdem der zahnärztliche Bereich der Begutachtung und Heilfürsorge einschließlich der Vertragszahnarztbeauftragung. Des Weiteren liegt hier die Verantwortung für die Sicherstellung der betriebsärztlichen Betreuung, die weit über den eigenen KdoBer hinaus den gesamten Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung inklusive des Ministeriums selbst umfasst.

     Ein weiteres wichtiges wie anspruchsvolles Aufgabenfeld des Kdo RegSanUstg ist die sanitätsdienstliche Ausbildungs- und Übungsunterstützung der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche. Daneben ist es mit seinem KdoBer der wesentliche Truppensteller für ärztliches und nicht-ärztliches Personal, das die notfallmedizinische Versorgung der Ebene 1 innerhalb der Rettungskette bei Einsätzen aller Intensitätsstufen sicherstellt.

    Das Kdo RegSanUstg in der Struktur der Zentralen Sanitätsdienstes der...
    Das Kdo RegSanUstg in der Struktur der Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr

    Struktur und Aufgabenverteilung

    Für die umfassende Auftragserfüllung sind dem Kommando 13 Sanitätsunterstützungszentren (SanUstgZ) unterstellt. Diesen wiederum sind insgesamt 129 – im Durchschnitt neun bis zehn – Sanitätsversorgungszentren (SanVersZ), 15 Facharztzentren (FachArztZ) und 15 Sanitäts­staffeln Einsatz (SanStff Eins) zugeordnet.

    Dabei ist die deutschlandweite Verteilung dieser Regionalen Sanitätseinrichtungen (RegSanEinr) vorrangig am sanitätsdienstlichen Unterstützungsbedarf der Truppe und dem individuellen Anspruch der Sol­dat­Innen auf utV mit ihren kurativen, präventiven, rehabilitativen und begutachtenden Anteilen ausgerichtet. Bei der gemeinsamen einsatzvorbereitenden Ausbildung wird die Kohäsion der Kräfte des Kdo RegSanUstg mit den zugeordneten Truppenteilen geübt und vertieft, um im Bedarfsfall abrufbar zu sein.

    Primär konzipiert, um den SanVersZ und FachArztZ die Konzentration auf ihre kurative Tätigkeit unter weitgehender Entlastung von administrativen Aufgaben zu ermöglichen, obliegt den auf Bataillonsebene angesiedelten SanUstgZ eine Vielzahl an Verantwortlichkeiten. Zur Erfüllung ihrer fachdienstlichen und truppendienstlichen Führungsaufgaben und Unterstützung ihrer Teileinheiten sind sie mit einem eigenem Stabselement ausgestattet. Zudem sind in den SanUstgZ die Heilfürsorge und militärärztliche Begutachtung sowie die Befähigungen Betriebsmedizin in Form einer Arztgruppe sowie Präventivmedizin abgebildet. Neben der Sicherstellung der materiellen und personellen Einsatzbereitschaft tragen die SanUstgZ die Verantwortung für Materialerhaltung und Führungsunterstützung einschließlich Gewährleistung gesetzlicher Vorgaben und Umsetzung medizinischen Qualitätsmanagements und Controllings. Dabei ist ihre spezifische Glie­derung abhängig vom Versorgungsumfang und Auftrag der zu betreu­enden Truppenteile.

    Die SanVersZ wiederum gewährleisten die utV in Form der ambulanten allgemein- und zahnmedizinischen Primärarztversorgung. Sie stellen anteilig die sanitätsdienstliche Unterstützung und Beratung der zu betreuenden Dienststellen, Einheiten und Verbände bei Ausbildungs- und Übungsvorhaben inklusive der Sanitätsausbildung für die Truppe sicher. Insbesondere im Bereich der Sanitätsstabsoffiziere Arzt und Zahnarzt schultern sie die Hauptlast der (zahn-)ärztlichen Personalabstellungen für die Einsätze. Sie übernehmen Aufgaben in der Heilfürsorge, den wehrmedizinischen Begutachtung und der Dokumentation auf dem ersten Level der Grundversorgung. Damit sind die SanVersZ zugleich auch erster Ansprechpartner in der Versorgung Einsatzgeschädigter und tragen zu Erhalt und Wiederherstellung der individuellen körperlichen und psychomentalen Einsatzfähigkeit der Angehörigen der Streitkräfte bei. Zusätzlich nehmen sie standortärztliche und öffentlich-rechtliche Aufgaben im Bereich Hygiene, Infektionsschutz und Umweltmedizin wahr.

    Unterstellte Dienststellen des Kdo RegSanUstg
    Unterstellte Dienststellen des Kdo RegSanUstg
    Quelle: alle Abb.: Bundeswehr/ Kdo RegSanUstg

    Den FachArztZ obliegt die ambulante fachärztliche Sekundärarztversorgung in ausgewählten Fachgebieten wie Innere Medizin, Orthopädie und Unfallchirurgie, Augenheilkunde und Psychia­trie. Dabei kommen regional differierend weitere Fachdisziplinen wie z. B. Dermatologie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hinzu. Im Zuge eines Pilotprojektes wurden an fünf FachArztZ Rehabilitationsstützpunkte ausgebracht, an denen zusätzlich auch Psychotherapie, Physiotherapie und Radiologie zur Verfügung stehen. Eine wichtige Rolle spielt die in den FachArztZ durchgeführte militärärztliche Begutachtung, da sie in besonderem Maße die Bedingungen des militärischen Umfelds berücksichtigt und ein Outsourcing in das zivile Gesundheitswesen auf Grund der fehlenden militärspezifischen Expertise häufig keinen adäquaten Ersatz darstellt.

    Die SanStff Eins mit ihren über 50 weiträumig dislozierten Zügen Sanitätsunterstützung (Zg SanUstg) stellen die „grüne“ sanitätsdienstliche Betreuung der Truppe sicher: als Realversorgung bei Ausbildungs- und Übungsvorhaben u. a. auf Truppenübungsplätzen und im Gefechtsübungszentrum Heer, aber auch als Host Nation Support bei Vorhaben alliierter Truppenteile in Deutschland. Sie sind als Unterstützung bei öffentlichen Gelöbnissen und im Rahmen des protokollarischen Dienstes der Bundeshauptstadt gefordert. Zu ihren Aufgaben gehört auch die anteilige Sicherstellung der Flugunfallbereitschaft für fliegende Verbände, die tauchmedizinische Unterstützung und die sanitätsdienstliche Begleitung bei Fallschirmsprungdienst und Gebirgsausbildung. Ihre Kräfte nehmen als primär zu beübende Truppe an nationalen und internationalen Übungen im Inland und Ausland teil. Zudem führen die Zg SanUstg die Einsatzersthelfer-Alpha-Ausbildung mit dem Ziel durch, alle SoldatInnen zur Anwendung lebensrettender Maßnahmen unter spezifischer Berücksichtigung der Einsatzbedingungen zu befähigen. Darüber hinaus sind sie maßgeblicher Truppensteller für den Einsatz in Bezug auf die nicht-(zahn-)ärztlichen Dienstposten.

     Zusätzlich ist dem Kdo RegSanUstg seit dem 01.01.2014 das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) in Warendorf unterstellt. Es dient als zentrale Stelle für Behandlung, Begutachtung, Ausbildung und Forschung der Bundeswehr auf dem Gebiet der Sportmedizin einschließlich der Prävention und Rehabilitation und ist insbesondere für die truppenärztliche und sportmedizinische Versorgung aller militärischen SpitzensportlerInnen zuständig.

    Die hohe Leistungsfähigkeit des gesamten KdoBer beruht auf dem bewährten Zusammenwirken der einzelnen Elemente der ambulanten sanitätsdienstlichen Versorgung als ein sich ergänzendes System verschiedener Befähigungen der RegSanEinr in einer sich regional auffächernden Zuständigkeit mit verschiedenen „Eskalationsstufen“. Personal, Fahrzeuge und Material des KdoBer werden fast täglich gefordert. Gerade mit Blick auf die quantitative und qualitative Ressourcenlage bewährt sich hierbei das System des dienststellen-übergreifenden Austausches einsatzbereiter Assets. Auf dem Regionallevel werden die Vakanzen größtenteils direkt im unterstellten Bereich des jeweiligen SanUstgZ aufgefangen, was allerdings auch Personalvertretungen über Entfernungen von deutlich mehr als 100 Km vom Heimatstandort erfordern kann. Bei fehlender Vakanzendeckung im Regionalverbund erfolgt durch den Kommandostab die Vertretungssuche im gesamten KdoBer. Dabei verlangen die bei akutem Personalausfall zumeist äußerst knappen Zeitlinien und weiten Wegstrecken regelmäßig den als Ersatz identifizierten SoldatInnen sehr viel ab und lassen sich nur dank der hervorragenden Leistungsbereitschaft und größtmöglichen Flexibilität der Angehörigen des KdoBer bewältigen. So kann auf einen deutschlandweiten Fähigkeitspool zugegriffen werden, dessen Bandbreite bei einer rein regionalen Bestückung weniger durchhaltefähig und flexibel und damit wesentlich eingeschränkter aufgestellt wäre.

    In der Praxis erprobt

    Diese Struktur hat sich zur Gewährleistung der Aufgabenerfüllung als effizient und zielführend erwiesen. Aber auch die Tatsache, dass sich die Angehörigen der RegSanEinr bereits im Grundbetrieb in Deutschland täglich im „scharfen“ Einsatz bei der Gesundheitsversorgung der Streitkräfte befinden, hat sich wiederholt bei der Bewältigung unerwarteter und zeitkritischer Herausforderungen, wie z. B. der Flutkatastrophe im Ahrtal, von unschätzbarem Vorteil gezeigt. So war es dem Kdo RegSanUstg kurzfristig nach der Alarmierung möglich, watfähige Krankentransportkapazität in das Katastrophengebiet zu verlegen und im Folgenden eine ärztliche Behandlungseinrichtung vor Ort zu installieren. Aber auch die zunehmenden Grasland- und Waldbrände in Deutschland erfordern regelmäßig in den Sommermonaten mit sehr kurzen Vorwarnzeiten die sanitätsdienstliche Unterstützung der Brandbekämpfer zu Lande und aus der Luft über längere Zeiträume und häufig an mehreren Einsatzorten zugleich. Eine echte Bewährungsprobe für seine Leistungs- und Durchhaltefähigkeit hat das Kdo RegSanUstg bei der Bekämpfung der Coronapandemie mit Erfolg bestanden. Hierbei war der KdoBer in mehrfacher Hinsicht langfristig eingebunden: Neben der massiv erhöhten Arbeitslast einer unter hochinfektiösen Bedingungen durchzuführenden personalintensiven truppenärztlichen Versorgung unter gleichzeitiger krankheitsbedingter Reduzierung des eigenen Personals, stellten die vielfältigen im Rahmen der Amtshilfe zu erbringenden Leistungen eine besondere Herausforderung dar. Teilweise waren zeitgleich 250 SoldatInnen aus dem KdoBer im Einsatz und unterstützten dabei in ganz Deutschland langfristig v. a. als Impfpersonal in zivilen Impfzentren und mobilen Impfteams sowie bei Coronatestungen. Zusätzlich zur Immunisierung der Bundeswehrangehörigen wurden gemäß ministerieller Weisung über hunderttausend Impfungen bei einem Teil des funktions- und leitungsrelevanten Personals der Bundesressorts und Bundesoberbehörden inklusive Zoll und Bundespolizei sowie bei Mitgliedern des deutschen Olympiateams durchgeführt. Dies erfolgte sowohl im Schwerpunkt in den zwei extra eingerichteten großen Impfzentren der Bundeswehr in Bonn und Berlin – mit einer Kapazität von rund 1 000 Immunisierungen pro Tag – als auch in den RegSanEinr. Allerdings band dies alles nicht nur personelle Ressourcen für die Impfdurchführung selbst, sondern erforderte durch die knappen Zeitlinien und wechselhaften Bedingungen einen hohen organisatorischen Aufwand.

    Die tägliche Inübunghaltung und das ineinandergreifende Agieren der verschiedenen Fähigkeiten des KdoBer ist zugleich eine wesentliche Voraussetzung der für die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) geforderten Kaltstartfähigkeit der sanitätsdienstlichen Kräfte des Kdo RegSanUstg. Jedoch stößt auch diese bewährte Vorgehensweise immer mehr an ihre Grenzen, da v. a. die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst inzwischen zu Einschränkungen der personellen Verfügbarkeit führen.

    Diese Darstellung zeigt die aktuelle Situation auf. Obwohl die Abstimmungen mit den beteiligten Kommandobehörden stetig voranschreiten und das Kdo RegSanUstg auch mit den im Rahmen der Kohäsion zugeordneten Truppenstellern in engem Kontakt steht, lassen sich die Strukturanpassungen vor dem Hintergrund der Neugewichtung der LV/BV derzeit noch nicht mit der gebotenen Zuverlässigkeit kommunizieren.



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