01.01.2010 •

    MODERNE KHK-THERAPIE MIT AKUT-NITRATEN

    Ergebnisse klinischer Studien favorisieren den Einsatz von Akut-Nitraten

    Zu den wichtigsten Säulen im therapeutischenManagement der koronaren Herzkrankheit (KHK) zählt eine optimale medikamentöse Therapie.

    Hierüber besteht unter Experten kein Zweifel. Darüber hinaus weiß man mittlerweile, dass sportliche Aktivität in Kombination mit einer effizienten Therapie das Myokardinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlicher reduzieren kann als die Implantation eines Stents. Vor körperlicher Belastung helfen schnell wirksame Nitroglycerinpräparate wie Nitrolingual®, da sie über eine NO-vermittelte Vasodilatation die Vor- und Nachlast senken und darüber hinaus die Perfusion der Koronararterien verbessern. Auf dem 11. Internationalen Nitroglycerin-Symposium des Unternehmens Pohl-Boskamp/ Hohenlockstedt diskutierten renommierte Experten jetzt über aktuelle Aspekte der Therapie mit Nitroglycerin.

    Wie Professor Gerhard Schuler aus Leipzig sagte, hätten verschiedene klinische Studien mittlerweile gezeigt, dass die Implantation eines Stents nicht in jedem Fall die Therapie der Wahl darstellt. Denn: Eine optimale medikamentöse Therapie in Kombination mit körperlichem Training kann das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko nachhaltiger reduzieren als die Implantation eines Stents. Dies belegen unter anderem die Resultate einer klinischen Studie mit 101 Patienten, die Schuler vorstellte. Im Rahmen dieser Studie wurde ein Kollektiv mittels interventioneller Revaskularisation behandelt, das Kontrollkollektiv erhielt eine leitliniengerechte Therapie und betrieb täglich 20 Minuten Sport bei 70 Prozent der maximalen Belastung. Im Ergebnis zeigte sich, dass die medikamentöse Therapie in Kombination mit körperlicher Bewegung die Rate kardiovaskulärer Ereignisse deutlicher reduzierte als die Stent-Implantation. Die Zahlen sprechen für sich: Nach einem Jahr traten bei 12 % der Patienten in der Sportgruppe - im Vergleich zu 30 % der Patienten der Stent-Gruppe - kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Revaskularisation oder Hospitalisation wegen Angina pectoris-Beschwerden auf.

    In einer weiteren Analyse nach fünf Jahren zeigte sich erneut die Überlegenheit der medikamentösen Therapie: In der Sportgruppe waren 63% frei von kardiovaskulären Ereignissen - in der Stent- Gruppe waren es demgegenüber nur 40 %. Um ein angstfreies und sicheres Training durchführen zu können, ist ein schnell wirkendes Nitroglycerin das Mittel der Wahl.

    Hoher Stellenwert für Nitrate im Alltagsleben

    Über seine Erfahrungen mit Nitraten im "Everyday-Life" referierte Professor Thomas Budde aus Essen. Wie der Kardiologe ausführte, spielen Nitrate nach wie vor eine bedeutende Rolle in der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Nitrate sind wahre "pharmakologische Multitalente", denn ihr Einsatzgebiet ist neben der Angina pectoris im Gefolge einer KHK auch der akute Myokardinfarkt und die (akute) Herzinsuffizienz. Bevorzugt eingesetzt werden dabei schnell wirkende Nitrate in Sprayform. Patienten mit Angina pectoris sollten mit einem schnell wirksamen Nitroglycerin-Spray (z. B. Nitrolingual®) versorgt werden, um akute Angina- Anfälle rasch und zuverlässig behandeln zu können. 

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    Akut-Nitrate im Spiegel klinischer Studien 

    In keinem Land werden weltweit so viele perkutane Koronarinterventionen durchgeführt (PCI) wie in Deutschland. Hierauf wies Professor Peter Baumgart aus Münster in seinem Vortrag hin. Die Europäischen Leitlinien empfehlen die Katheterintervention zur Verbesserung der Symptome, nicht jedoch wegen einer Verbesserung der Prognose, so der Kardiologe weiter. Breit angelegte Studien wie die COURAGE-Studie (Clinical Outcomes Utilizing Revascularization and Aggressive Drug Evaluation) belegen jedoch, dass etwa jeder dritte KHK-Patient trotz optimaler medikamentöser Therapie und perkutaner Koronarintervention ein Jahr nach Therapiebeginn immer noch unter Angina pectoris-Anfällen leidet. Im Rahmen eines randomisierten Studiendesigns wurden fast 2300 Studienteilnehmer in zwei Behandlungsgruppen aufgeteilt. Patienten beider Gruppen erhielten eine optimale, leitliniengerechte medikamentöse Therapie. Patienten der ersten Gruppe wurden zusätzlich mittels perkutaner Koronarintervention behandelt, während die zweite Gruppe primär rein medikamentös behandelt wurde.

    Die Analyse der COURAGE-Daten zeigt folgendes: Selbst bei einer optimalen medikamentösen Therapie und auch bei zusätzlicher interventioneller Revaskularisierung sind nach einem Jahr gut ein Drittel der Patienten weiterhin nicht frei von Angina pectoris-Beschwerden: 34 % der Patienten mit primärer Revaskularisierung und 42 % der Probanden mit primär rein medikamentöser Therapie litten weiterhin unter Angina pectoris-Anfällen. Auch nach fünf Jahren klagte mehr als jeder vierte Patient über Angina pectoris. Umso höher ist der Stellenwert von Akut-Nitraten wie Nitrolingual ®, nicht zuletzt, um die Lebensqualität der betroffenen Patienten zu erhalten oder gar zu steigern, so Baumgart abschließend. Dass Nitrate auch in der kardialen Rehabilitation einen hohen Stellenwert haben, verdeutlichte Professor Christian Holubarsch aus Bad Krozingen. "Trotz moderner interventioneller Techniken leiden viele Patienten nach wie vor unter einer belastungsinduzierten Angina pectoris und sollten deshalb mit einem Nitrat behandelt werden", sagte der Experte. Als Gründe hierfür nannte Holubarsch: Entweder lehnen die Patienten eine chirurgische Intervention trotz Indikation ab oder ein solcher Eingriff ist wegen gleichzeitig bestehender Begleiterkrankungen nicht möglich. Darüber hinaus haben Patienten trotz einer durchgeführten Stent-Implantation oder einer anderen Intervention pektanginöse Beschwerden. Insbesondere bei dieser Patientenklientel empfiehlt Holubarsch die Therapie mit einem Nitroglycerin-Spray.

    Nitrolingual akut® Spray. Wirkstoff: Glyceroltrinitrat. Zus.: 1 Sprühst. enth. 0,4 mg Glyceroltrinitrat. Sonstige Bestandt.: Mittelkettige Tri- u. Partialglyceride, Ethanol, Pfefferminzöl. Anw.-Geb.: Anfallsbehandlung u. Prophylaxe d. Angina pectoris, akuter Herzinfarkt, akute Linksherzinsuffizienz, katheterinduzierte Koronarspasmen. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gegen e. d. Bestandt. od. andere Nitratverbdg., akutes Kreislaufversagen, kardiogener Schock, ausgeprägte Hypotonie (RRsyst. < 90 mmHg), Einnahm. v. Phosphodiesterasehemmern z. Behandlg. d. erektil. Dysfkt. o. d. pulmonalen arteriellen Hypertonie. Nur m. Vorsicht bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie, konstriktiver Perikarditis, Perikardtamponade, niedrig. Füllungsdrücken (z. B. b. akut. Herzinfarkt; RRsyst.< 90 mmHg vermeiden), Aorten- u./o. Mitralstenose, b. orthostatischen Kreislaufregulationsstör., erhöhtem intrakraniellem Druck. In d. Schwangerschaft u. Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung anwenden. Nebenw.: Anf. sehr häufig Kopfschmerzen, häufig Hypotension m. Reflextachykardie, Benommenheit, Schwindel- u. Schwächegefühl. Gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Flush, allerg. Hautreaktion, stark. Blutdruckabfall m. Verstärk. d. Angina pectoris-Symptomatik, Kollapszustände m. Bradykardie u. Synkopen. Sehr selten exfoliative Dermatitis. Toleranz u. Kreuztoleranz mögl., hohe kontinuierl. Dosen vermeiden. Hypoxämie u. Ischämie b. KHK möglich. Beeinträchtig. d. aktiven Verkehrsteiln. od. Maschinenbedien. mögl., insbes. i. Zusammenhang m. Alkohol. Verschreibungspflichtig.

     

    Weitere Informationen: Herr Stefan Titzrath G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG Kieler Str. 11 25551 Hohenlockstedt Tel.: 04826/59-483 E-Mail: s.titzrath@pohl-boskamp.de

    Datum: 01.01.2010

    Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2010/1

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