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SIGNATUREN VON SANITÄTSFAHRZEUGEN

Mittlerweile in aller Munde, scheint das asymmetrische Gefecht ein neues, ein aktuelles Phänomen zu sein. Ein Blick in die militärischen Geschichtsbücher lehrt uns jedoch eines Besseren.

Schon die napoleonischen Truppen in Spanien wurden vom „kleinen Krieg“ überrascht und waren gezwungen, ihre Einsatzgrundsätze an die Kampfweise auf dem spanischen Kriegsschauplatz anzupassen.


140 Jahre später und 10 000 km weiter östlich sah sich das französische Expeditionskorps Fernost (Corps Expéditionnaire Français en Extrême-Orient, CEFEO) im damaligen französisch Indochina (den heutigen Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha) wieder mit der Guerilla konfrontiert.
Die geringe Halbwertszeit der „Lessons learned“ wird deutlich, sieht man den erfolglosen Versuch des französischen Expeditionskorps, die asymmetrisch kämpfenden Viet-Minh zumindest einzudämmen, um in der symmetrisch geführten Feldschlacht von Dien Bien Phu vernichtend geschlagen zu werden.

Photo GFF KI 2 BAT EAGLE IV.

Die USA traten in der Nachfolge der französischen Kolonialmacht in den Krieg ein und versuchten, den kommunistischen Vietkong an der Machtergreifung in Vietnam zu hindern. Auch in diesem Fall haben die konventionell ausgerüsteten und nach diesen Einsatzgrundsätzen ausgebildeten US-amerikanischen Streitkräfte kein Rezept gefunden, den asymmetrisch kämpfenden Vietkong zu besiegen. 1973 wurden die amerikanischen Bodentruppen abgezogen, der Vietnamkrieg mit dem Sieg des kommunistischen Nordvietnams 1975 beendet.
In dem Versuch, der asymmetrischen Bedrohung zu begegnen, bedient sich heute eine Vielzahl von Streitkräften kleiner Einsatzelemente, so dass die Entscheidungen auf dem Gefechtsfeld vom Zug-, oft auch vom Gruppenführer getroffen bzw. herbeigeführt werden.
Nachdem die Schnelligkeit der sanitätsdienstlichen Hilfe das wesentliche Paradigma für die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer Verwundung ist, besteht die unabdingbare Notwendigkeit, die Sanitätskräfte gemeinsam mit den zu unterstützenden Kampftruppen einzusetzen und so der identischen Bedrohung auszusetzen. Dies mündet in der Notwendigkeit, die Sanitäter mit Fahrzeugen auszustatten, die über die gleiche Mobilität und den gleichwertigen Schutz verfügen wie die Fahrzeuge, mit denen die Kampftruppe ausgestattet ist.

Photo sgSanKfz BOXER.

Bei der Auslegung eines geschützten Sanitätsfahrzeuges gilt es, die optimale Balance der Leistungsparameter zu finden, um die Sanitätstruppe in die Lage zu versetzen, der zu unterstützenden Truppe ohne Einschränkung folgen zu können. Gleiches gilt für  den Parameter Schutz, bei welchem sicherzustellen ist, dass die Fahrzeuge (STANAG 4569) dem Sanitätspersonal als auch den Verwundeten den (möglichst) identischen Schutz bieten, über den die Fahrzeuge der Kampftruppe verfügen.
Dazu kommt, dass es grundsätzlich gilt, dem asymmetrisch agierenden Gegner die Zielauswahl dadurch zu erschweren, dass er Mühe hat, das Fahrzeug, das über die geringste Kampfkraft verfügt, zu identifizieren, anzugreifen und dadurch an der Durchführung des Auftrages zu hindern.

Photo Gepanzertes Transportfahrzeug (GTK) BOXER.


Diese Vorgehensweise wurde innerhalb der Bundeswehr durch die Beschaffung des GFF Kl 2 BAT EAGLE IV und des schweren geschützten Sanitätsfahrzeugs (sgSanKfz), der Sanitätsvariante des BOXER, sowie der Umrüstung der Transportpanzer (TPz) FUCHS IED/Mi-Schutz, San mit großem Erfolg umgesetzt. Mit der Einführung dieser Fahrzeuge wurde sichergestellt, dass die Sanitätskräfte nur schwer von der begleiteten Kampftruppe zu unterscheiden sind und so nicht mehr das bevorzugte Ziel abgeben.

Photo TPz FUCHS IED/Mi-Schtz San. (Foto: Bundeswehr/M. Lerchenmüller)

Diesem Konzept folgte schon in den 1980er Jahren das deutsche Heer, das bei der Kampfwertsteigerung des Schützenpanzer MARDER darauf geachtet hat, dass alle SPz – vom Gruppenfahrzeug (mit nur einem Funkgerät) bis zum Panzer des Bataillonkommandeurs mit zwei Antennen ausgestattet wurden. Diese Maßnahme sollte den Panzerabwehrverbänden des Warschauer Paktes das Erkennen der Führungsfahrzeuge angreifender mechanisierter Kräfte erschweren und dazu beitragen, dass diese nicht mit erhöhter Priorität bekämpft werden.
Es hat sich gezeigt, dass die geübte Praxis, lediglich das internationale Schutzzeichen abzudecken einzig den Effekt erzielt, dem Angreifer den Haltepunkt zu nehmen. Die beabsichtigte Wirkung, die Identifikation des Sanitätsfahrzeuges zu erschweren, tritt jedoch erst ab einer Entfernung von einigen hundert Metern und damit am Ende des Wirkungsbereiches von Handwaffen ein.
Die gemachten Erfahrungen verschiedener Streitkräfte, ob aktuell oder historisch, bestätigen die Entscheidung, dem EAGLE IV den EAGLE IV BAT, dem TPz FUCHS Gruppentransportfahrzeug den TPz FUCHS San und dem Gruppentransportfahrzeug BOXER das sgSanKfz BOXER zur Seite zu stellen, technisch und taktisch die richtige Entscheidung war.

 

Datum: 26.04.2013

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2013/1