24.10.2022 •

    Abteilung XXI – Mikrobiologie und Krankenhaushygiene

    R. M. Hagen

    Im verlegefähigen Einsatzlabor
    Bundeswehr/Alexander Markus

    Innerhalb der Abteilung XXI – Mikrobiologie und Krankenhaushygiene bieten wir eine breite infektiologische Diagnostik auf höchstem Niveau sowie eine Beratung zur antiinfektiven Therapie (Antibiotic Steward­ship), Beiträge im Rahmen der Einsatzunterstützung im Sinne Public Health sowie Forschung und Entwicklung aus einer Hand. Der präventivmedizinische Ansatz der Krankenhaushygiene rundet diesen ganzheitlichen Ansatz ab. Damit ist unsere Abteilung einzigartig im Bereich der Bundeswehr.

    Sektion A

    Die Abteilung XXI bietet in ihrer Sektion A die Routinediagnostik (individualmedizinische Diagnostikleistungen) an und bedient zugleich den Aufgabenbereich Public Health Labor im Sinne einer „populationsbezogenen Infektiologie“. Sowohl auf dem Diagnostiksektor als auch in der Entwicklung und Forschung arbeiten wir mit zahlreichen anderen qualifizierten zivilen und militärischen Institutionen (Diagnostikeinrichtungen, Speziallaboratorien und Universitäten) zusammen.

    Als zentraler Dienstleister stellen wir ein umfangreiches diagnostisches Spektrum für den Bereich der Infektionskrankheiten mittels modernster Methoden (z. B. RealTime-PCR und MaldiTOF) zur Verfügung und decken die Bereiche Bakteriologie, Virologie, Parasitologie und Mykologie komplett ab. Somit unterstützen wir die Ärzte aus den behandelnden Fachgebieten maßgeblich. Resistenztestungen sowie das Antibiotic Stewardship ermöglichen eine gezielte, passende Antibiotikatherapie für unsere Patienten. Im Sicherheitslabor der Stufe 3 kann eine Tuberkulose-Diagnostik sichergestellt werden. Weiterbildungsmöglichkeiten für akademisches Personal werden ebenfalls angeboten. Es besteht eine enge Kooperation mit Institutionen innerhalb und außerhalb der Bundeswehr. 

    Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Mikrobiologie der Universität Bonn ermöglicht es, den Weiterbildungsassistenten eine Ausbildung auf höchstem Niveau zu bieten. Aktuell liegt eine Weiterbildungsermächtigung von 30 Monaten für das Fachgebiet Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie vor, die Erteilung einer vollständigen Weiterbildungsermächtigung für dieses Fachgebiet wird jedoch noch dieses Jahr angestrebt. Weiterhin liegt eine Weiterbildungsermächtigung von 12 Monaten für die Zusatzweiterbildung Infektiologie zusammen mit Oberfeldarzt Dr. Müller (Klinik für Innere Medizin) vor. Unser Labor arbeitet nach den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen und nimmt regelmäßig an internen und externen Qualitätskontrollen teil. Die Akkreditierung unseres Labors ist bereits in Vorbereitung.

    Infektionsprävention, Untersuchung von Umgebungskonta­minationen, konsequentes Hygienemanagement, Erstellung von Hygienestandards und das Risikomanagement für unser Krankenhaus gehören zum Aufgabenspektrum des Bereichs Krankenhaus­hygiene. Insbesondere die Vermeidung der Verbreitung von multiresistenten Keimen und auch das COVID-Management stehen aktuell im Mittelpunkt. Immer unter dem Leitgedanken „Konsequente Krankenhaushygiene bedeutet Patientensicherheit!”.

    Sektion B

    In unserer Sektion B (Populationsmedizinische Diagnostik) findet sich die „Leitlabor“-Funktion für unsere Einsatzlaboratorien (im Sinne eines „Reach-Back Labors“). Hier wird auch die fachliche einsatzvorbereitende Ausbildung der Medizinisch-Technischen LaborassistentInnen für die Einsatzlabore sowie der Gesundheitsaufseher im Sinne einer Kompetenzorientierten Ausbildung durch­geführt.

    Infektiologische und vektorbiologische Diagnostik wird zentral vorgehalten und mittels Telemedizin/Telemikrobiologie in die Einsatzländer transportiert. Damit kann weltweit eine fachliche Unterstützung auf hohem Niveau sichergestellt werden.

    Die populationsbezogene Infektiologie ist integraler Bestandteil unserer Abteilung und wird insbesondere in Pandemiezeiten äußerst wichtig. Hier wird ein hoher Durchsatz an Testungen ermöglicht, die jederzeit an die Erfordernisse und Herausforderungen neuer Infektionserreger angepasst werden. Zusätzlich wird ein Rapid Deployable Outbreak Investigation Team Public Health für besondere Ausbruchslagen natürlichen Ursprungs aufgestellt und bereitgehalten.

    Im Hinblick auf Gesundheitsvorsorgeleistungen besonders relevante Laborfähigkeiten finden sich in den Laboren für Virologie mit Zellkultur (z. B. zur Aufklärung von Influenzaausbrüchen) und Medizinischer Parasitologie (inklusive molekularbiologischer Diagnostik und Epidemiologie). Das als Leit- und Referenzstelle fungierende Labor für Medizinische Parasitologie stellt innerhalb der Bundeswehr Know-how in diesem Kompetenzbereich bereit, welches in zivilen Einrichtungen kaum noch in dieser Breite, mit diesem Probendurchsatz und mit dieser Expertise zu finden ist. Das Untersuchungsspektrum des als zentrale Einrichtung innerhalb des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ausgebrachten Laborbereichs umfasst praktisch alle Organismen, die unter dem Begriff Parasiten subsummiert werden können.

    Die Aufklärung und Eindämmung von Ausbruchsgeschehen durch Krankheitserreger und deren Überträgertiere im Labor für Medizinische Zoologie/Medizinische Entomologie gehören ebenfalls zum Portfolio der Sektion XXIB. Zusammen mit dem ebenfalls als Alleinstellungsmerkmal geltenden Bereich Medizinische Zoologie/Medizinische Entomologie bilden wir seit 2021 das „Zentrum für Medizinische Parasitologie, Medizinische Zoologie und Medizinische Entomologie“. Die Etablierung als deutsche Referenzinstitution (fachliches Kompetenzzentrum) für die Diagnostik von freilebenden Amöben ergänzt das Portfolio der Parasitologie. Aktuell liegt eine Weiterbildungsermächtigung für das Fachgebiet Parasitologie gemäß § 29 des Heilberufegesetzes der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz vor.

    Virusinfektionen sind die häufigsten Ursachen von Atemwegs- und gastrointestinalen Infektionen. Zur weiterführenden Diagnostik sind neben den serologischen und molekularbiologischen insbesondere kulturelle Verfahren (Zellkultur) erforderlich. Das Zellkultur-Labor dient insbesondere der Anzucht und Identifizierung von Viren im Rahmen der Surveillance (z. B. im Rahmen der SARS-CoV-2 bzw. Influenza- oder „Influenza-like Infections“).

    Das nach Validation in den Einsätzen/Einsatzgebieten etablierte Telemikrobiologie-Modul hat sich im Rahmen der Bereitstellung einer Reach-Back-Capability mittels telemedizinischer Verfahren in der Praxis bewährt. Die daran geknüpften Erwartungen hinsichtlich eines zusätzlichen Expertisetransfers in die Einsatzgebiete haben sich erfüllt. Dem Kliniker im Einsatz kann auf diese Weise mikrobiologische Fachexpertise bereitgestellt werden, die ansonsten vor Ort nicht verfügbar wäre. Damit hat sich auch das Telemedizin-Motto „Export von Expertise, statt Export von Experten“ realisiert. Im Labor für Medizinische Parasitologie ist die Telemikrobiologie organisch eingebunden. Das Labor hält den Status einer Experten- und Ausbildungsstätte für den Teilbereich „Telemikrobiologie“. Durch die Nutzung der Telemikrobiologie kann zudem eine laborbasierte „near real time surveillance“ vorgehalten werden.

    Fazit

    In einer einzigartigen Weise werden in unserer Abteilung die verschiedenen „Welten“ (die infektiologische Individualdiagnostik, die Funktion eines Public Health Labors, die angewandte Forschung und die Einsatzunterstützung) nutzbringend zusammengeführt. Hierdurch entstehen zahlreiche Synergismen. Von herausragender Bedeutung ist (sowohl für Routineuntersuchungen als auch epidemiologischen Fragestellungen) die Assoziation der Public Health Funktion mit der bakteriologischen, mykologischen, parasitologischen, und virologischen Routinediagnostik im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, um alle möglichen Differenzialdiagnosen berücksichtigen und entsprechende nutzbringende Auswertungen vornehmen zu können. 


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