27.06.2013 •

EINSATZ DES OPERATIONSMIKROSKOPS IN DER ZAHNÄRZTLICHEN AUSBILDUNG

EINE FALLDARSTELLUNG AUS DEM STUDENTENKURS

Noch vor wenigen Jahren war die Verwendung von Lupenbrillen in der zahnärztlichen Ausbildung eine Seltenheit. Die Lehrmeinungen änderten sich und der Anblick von Zahnmedizinstudenten mit optischen Hilfsmitteln wurde Normalität.

Doch selbst diese Hilfen reichen mitunter nicht aus und müssen, wie in Kiel, durch moderne Mikroskope ergänzt werden (Abb.1). Der folgende Fall aus dem Studentenkurs soll diese Praxis schildern.

Allgemeine Anamnese
Es stellte sich eine 60-jährige Patientin mit gutem Allgemeinzustand, einem leichten Hypertonus und einem eingestellten Diabetes Typ II vor.

Spezielle Anamnese
Die Patientin kam mit einer Überweisung aus der Klinik für Prothetik mit der Bitte um Fortsetzung der begonnenen Revision am Zahn 45. Grund für die Revision war eine insuffiziente Wurzelfüllung bei einer geplanten prothetischen Neuversorgung des Zahnes. Die Patientin war schmerzfrei.

Zahnspezifischer Befund
Der zu behandelnde Zahn reagierte negativ auf den Sensibilitätstest mit Kälte und war perkussionsunempfindlich. Es lagen keine Weichgewebsschwellungen vor. Die Sondierungstiefen betrugen zirkulär zwei bis drei Millimeter. Der Zahn wurde als erhaltungswürdig eingestuft. Röntgenologisch lag präoperativ eine Aufnahme vor Beginn der Revision vor (Abb. 2). Es zeigte sich eine insuffiziente, vier Millimeter vor dem Apex endende Füllung. Deren koronaler Anteil wurde durch die Prothetik bereits entfernt.

Therapie
Nach dem Anlegen von Kofferdam und der Erweiterung der Trepanationsöffnung wurde die alte Wurzelfüllung bei einer approximativen Arbeitslänge von 19 Millimeter mit Hedströmfeilen und Eukalyptusöl entfernt. Ein weiteres Vorstoßen nach apikal war nicht möglich. Obwohl der Apex röntgenologisch nicht erreicht war, signalisierte die elektrometrische Messung mit dem Raypex 5® (VDW, München) ein Erreichen desselben. Beim Blick durch das Operationsmikroskop OPMI pico® (Carl Zeiss AG, Oberkochen) fiel sofort ein Fremdkörper auf der erreichten Arbeitslänge auf. Wie im zweiten diagnostischen Röntgenbild ersichtlich, handelte es sich um ein Instrumentenfragment (Abb. 3). Die Entfernung des Instruments erfolgte mittels Ultraschall (VDW.Ultra®, VDW, München).
Das Röntgenbild nach der Entfernung des Fragments war unauffällig und zeigte keine metalldichten Verschattungen mehr an (Abb. 4). Anschließend fand die definitive konische Aufbereitung statt (MTOW®, VDW, München). Die Aufbereitungslänge betrug 20 Millimeter. Der Masterpoint endete 1,5 mm vor dem Apex, bei einer Größe von ISO 40/04.
Die Wurzelfüllung erfolgte mit der Methode der lateralen Kondensation und der Verschluss der Wurzelfüllung mit Clearfil Core® (Kuraray GmbH, Hattersheim am Main) (Abb. 5). Die Weiterbehandlung und Kontrolle erfolgte durch die prothetische Abteilung der Universitätsklinik Kiel.

Schlussfolgerung
Die Entfernung von Instrumentenfragmenten ist nur unter Sicht möglich. Sie gehört nicht zum Standard der studentischen Ausbildung. Als Behandlungsalternative wäre nur eine Extraktion in Frage gekommen.

Die Einführung des Dentalmikroskops in die studentische Ausbildung ermöglicht das Präparieren mittels Ultraschall in der Tiefe des Wurzelkanals und liefert damit die Möglichkeit, Zähne mit schlechter endodontischer Langzeitprognose langfristig zu erhalten.

Datum: 27.06.2013

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2013/2

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