06.04.2023 •

Pharmazie in der Bundeswehr

A. Krappitz, T. Hussenether

Bundeswehr/Kdo SanDstBw)

Die Pharmazie bildet ebenso wie die Sanitätsmateriallogistik und die Lebensmittelchemie eine der drei „Säulen“ der Wehrpharmazie. Neben der Anpassung pharmazeutischer Anteile des Sanitätsdienstes der Bundeswehr an die Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung bestimmen insbesondere die krisenhaften Entwicklungen der vergangenen Jahre und deren Auswirkungen das Handeln in diesem so wichtigen Bereich. Wie in vielen anderen Gebieten auch, stand hier allem voran die Coronapandemie im Mittelpunkt. Selbstverständlich bleibt dabei stets auch der sich rasant entwickelnde wissenschaftliche und technische Fortschritt im Fokus. Mit den nachfolgenden Artikeln möchten wir Sie mit aktuellen Schwerpunktthemen in die Welt der Pharmazie in der Bundeswehr entführen und hierbei auch einen Eindruck von dem vermitteln, was in nächster Zeit zu erwarten ist.

Im Rahmen der fachlichen Gesamtverantwortung des Leitenden Apothekers der Bundeswehr für die Wehrpharmazie obliegt dem Leiter des Referates V 1 im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, welches wir Ihnen mit einem der nachfolgenden Artikel näher vorstellen möchten, die fachliche Führung in der Pharmazie. Diese umfasst mannigfaltige Aufgabenfelder, die von der Beratung medizinischen Fachpersonals bei der Arzneimitteltherapie und der sachgerechten Anwendung von Medizinprodukten über die Herstellung und Prüfung der Qualität pharmazeutischer Produkte bis hin zur Erbringung spezieller (klinisch-)pharmazeutischer Dienstleistungen, wie z. B. dem Medikationsmanagement oder der Beteiligung am Antibiotic Stewardship, reichen. Darüber hinaus besteht im Rahmen der sogenannten Eigenvollzugskompetenz ein gesetzlicher Auftrag zur öffentlich-rechtlichen Überwachung inklusive der Untersuchung und Begutachtung amtlicher Proben.

Die Umsetzung des Ansatzes für einen geschlossenen Medikationsmanagementprozess, das sogenannte „Closed Loop Medication Management“ (CLMM) prägt seit einigen Jahren wesentlich die Weiterentwicklung der klinischen Pharmazie. Dabei wird im Kern das Ziel einer wirksamen und sicheren Arzneimitteltherapie aller Patientinnen und Patienten im Krankenhaus verfolgt. Ein elektronisches Verordnungssystem, Apothekerinnen und Apotheker auf Station und die patientenindividuelle Verblisterung bilden elementare Bausteine des CLMM. Mit der Inbetriebnahme eines Verblisterungsautomaten in der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses (BwKrhs) Hamburg soll in naher Zukunft im ersten der vier BwKrhs ein wesentlicher Schritt hin zu einem geschlossenen Medikationsmanagementprozess gegangen werden.

Nicht nur im Apothekenbetrieb stellt die Herstellung pharmazeutischer Produkte, insbesondere von Arzneimitteln, eine Kern­kompetenz des Apothekerberufes dar. Die Fähigkeit zur Groß­herstellung über den apothekenüblichen Maßstab hinaus in der Bundeswehr zu festigen und ausreichend zu dimensionieren, gewinnt gerade vor dem Hintergrund zunehmender Lieferausfälle auch bei bislang jederzeit sicher verfügbar geglaubten Produkten, zunehmend an Bedeutung. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Etablierung eigener Produktionsmöglichkeiten für Autoinjektoren mit hoher wehrmedizinischer Relevanz, wie zum Beispiel die für die Selbst- und Kameradenhilfe vorgesehenen Morphin- und Atropin-Autoinjektoren. Hierzu wird aktuell der Herstellungsbereich für sterile Arzneimittel in der Apotheke des BwKrhs Ulm mit umfangreichen Umbaumaßnahmen ertüchtigt. 

Unterstützt wird die Herstellung tatkräftig durch die Abteilung C im Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Garching-Hochbrück. Mit Stabilitätsuntersuchungen und der analytischen Methodenentwicklung bildet diese ein wichtiges Bindeglied zwischen der Produktion und der Qualitätskontrolle von Arzneimitteln. Das Aufgabenspektrum der Abteilung reicht jedoch weit darüber hinaus. Beispielhaft genannt sei hier die Untersuchung von Masken zum Schutz vor einer Infektionsübertragung mit Fokus auf das Coronavirus. Entsprechende Möglichkeiten wurden bereits in der frühen Pandemiephase in der Laborgruppe Medizinprodukteuntersuchung etabliert. Sie liefern wertvolle Ergebnisse über die Qualität und Wirksamkeit dieser Masken mit Blick auf eine Bewertung der Anwendungssicherheit und auf weitere Beschaffungen.

Als „Akteur im Hintergrund“ bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie bezeichnet sich der Arzneimittelüberwachungsbeauftragte der Bundeswehr selbst. Dabei kam ihm eine sehr bedeutsame Rolle zu. So hat er für die Arzneimittel- und Medizinprodukteversorgung innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Grenzen mit vorausschauendem Handeln vieles möglich gemacht, und das nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten. Die zügige Inbetriebnahme des zur COVID-19-Impfstoffdistribution im Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial Quakenbrück eingerichteten pharmazeutischen Großhandels ist nicht zuletzt dem beherzten Mitwirken des Arzneimittelüberwachungsbeauftragen der Bundeswehr als zuständiger Behörde im Sinne des Arzneimittelgesetzes zu verdanken. Als zentraler nationaler Logistikhub erfolgte von dort über nahezu eineinhalb Jahre die Impfstoffverteilung für die Gesamtbevölkerung in Deutschland.

Schließlich soll auch die Sanitätsakademie der Bundeswehr mit dem Truppenfachlehrer Wehrpharmazie nicht unerwähnt bleiben. Die an dieser Ausbildungseinrichtung durchgeführten Fachlehrgänge garantieren dem Sanitätsdienst der Bundeswehr hervorragend qualifiziertes und gut auf die militärischen Berufsspezifika vorbereitetes pharmazeutisches Personal. Dabei bildet der Lehrgang „Arzneimittelherstellung im Einsatz“, der im Spätsommer vergangenen Jahres nach coronabedingter „Zwangspause“ erstmals wieder durchgführt wurde, sicherlich ein besonderes Highlight.

Mit diesem kurzen Überblick hoffen wir Ihr Interesse an den nachfolgenden Fachbeiträgen geweckt zu haben und wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. 


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