24.03.2021 •

Intensivmediziner begrüßen Lockdown-Beschlüsse

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin e. V. (DGIIN) begrüßt die gestern in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen Maßnahmen zur Verlängerung des Lockdowns. Insbesondere den STOP-Lockdown über die Ostertage und die erweiterte Testung in den Schulen erachten die Experten der DGIIN als sinnvoll. Die Fachgesellschaft hatte in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass es weiterhin Maßnahmen brauche, die zur Kontaktreduzierung führten, damit ausreichend Kapazitäten zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen auf Intensivstationen bleiben.

„Wir werden zwar aufgrund der Latenzzeit der Erkrankungen in den kommenden Tagen einen weiteren Anstieg der Belegungszahlen der Intensivstation mit COVID-19-Patienten sehen, dieser wird aber trotz aller bisherigen Belastung kompensierbar sein. Der STOP-Lockdown in Kombination mit einem erweiterten Teststrategie, insbesondere in den Schulen, und einer Beschleunigung des Impftempos unter Einbeziehung der Hausärzte ist eine der wichtigsten Maßnahmen der Bundesregierung und Ministerpräsidenten in der B 1.1.7-Pandemie, die eine neuen Qualität in der Verbreitung und Schwere der Erkrankung darstellt“, sagt Professor Dr. med. Christian Karagiannidis, Präsident der DGIIN.

Derzeit sind in ganz Deutschland rund 3000 Intensivbetten mit COVID-19-Patienten belegt, das ist vergleichbar mit der Spitze der ersten Welle im Frühjahr 2020. Vor diesem Hintergrund begrüßt die DGIIN die jetzt getroffenen Beschlüsse.  

„Impfen, impfen, impfen – das ist das Gebot der Stunde“, betont Professor Dr. med Uwe Janssens, Generalsekretär der DGIIN. „Auch wenn die Impfdosen der drei in Deutschland zur Verfügung stehenden Präparate aktuell nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, ist die gute Nachricht, dass der Impfstoff der Firma AstraZeneca wieder freigegeben wurde. Hier gilt es, auf die sehr seltene Nebenwirkung einer Hirnvenenthrombose zu achten und entsprechende Symptome rasch weiter abzuklären“, so der Intensivmediziner.

Die Situation auf Intensivstationen ist weiterhin angespannt:

 „Das Personal ist extrem müde und an seiner Belastungsgrenze angekommen“, so Dr. med. Matthias Kochanek, President-Elect der DGIIN. „Neben den beschlossenen Maßnahmen kommt es jetzt einmal mehr auf die Vernunft des Einzelnen an“, so Kochanek weiter. 

Bereits bei kleinsten Symptomen sollten die Menschen sich testen lassen. Dies gelte auch für die Rückkehr von einer Reise, wenn nicht ohnehin ganz darauf verzichtet werden könne.  

Der Vorstand der DGIIN ist der festen Überzeugung, dass die gestern beschlossenen Maßnahmen zusammen mit einer Beschleunigung des Impftempos und ausgeweiteten Testungen helfen, die Krise nachhaltig bewältigen zu können.


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