20.03.2012 •

    1. SYMPOSIUM DES AK WEHRMEDIZIN AUF DEM DEUTSCHEN ZAHNÄRZTETAG

    Am 11. /12. November 2011 fand der diesjährige Deutsche Zahnärztetag in Frankfurt statt. Dabei handelt es sich um die größte zahnärztliche Fortbildungsveranstaltung auf deutschem Boden.

    Sie wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und den Landeszahnärztekammern von Rheinland-Pfalz und Hessen ausgerichtet. An beiden Veranstaltungstagen wurde den Besuchern erneut ein umfangreiches Fortbildungsprogramm angeboten. Ein Novum stellte das 1. Symposium des Arbeitskreises Wehrmedizin dar, in dessen Sitzung im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages erstmals zu speziell wehrmedizinisch- zahnärztlichen Themen vorgetragen wurde. Der Arbeitskreis Wehrmedizin wurde 2010 unter dem Dach der DGZMK gegründet und ist damit ein Teil der über 20.000 Mitglieder zählenden größten wissenschaftlichen Vereinigung der Zahnärzteschaft Deutschlands.

    Die Soldaten der Bundeswehr sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Dieses gilt nicht nur, aber vor allem für den Einsatz. In diesem Zusammenhang sei auf besondere klimatische Verhältnisse, auf hohe physische und psychische Belastungen wie auch auf den abgesetzten Einsatz fernab von einer zahnärztlichen Versorgung hingewiesen. Diese besonderen Bedingungen stellen zum einen besondere Anforderungen an die Zahngesundheit dar, zum anderen können sie möglicherweise aber auch Einfluss auf die orale Gesundheit unserer Soldaten haben. Die zivile zahnmedizinische Forschung befasst sich mit diesem Thema, wenn überhaupt, nur am Rande. Über viele Fragestellungen liegen keine oder nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Dies liegt sicherlich zum einen daran, dass der zivilen wissenschaftlichen Forschung die besonderen Anforderungen vor allem im Einsatz nicht bekannt sind, zum anderen aber auch daran, dass Einsatzbedingungen an einer Universität im Heimatland nur unzureichend dargestellt und simuliert werden können.

    Aus genannten Gründen ist ein Erkenntnisgewinn zu wehrmedizinisch relevanten zahnärztlichen Themen unbedingt anzustreben, dazu möchte der Arbeitskreis Wehrmedizin beitragen. Zu den Mitgliedern des Arbeitskreises gehören sowohl Sanitätsoffiziere Zahnarzt, als auch zivile Kollegen, unter anderem auch einige namhafte Hochschullehrer. Das Symposium des AK wurde vom 1. Vorsitzenden, Herrn Oberfeldarzt Michael Lüpke, mit einem Vortrag zum Thema „Zahnmedizin im Einsatz“ eröffnet. Oberfeldarzt Lüpke stellte den aktuellen Stand der Beteiligung des zahnärztlichen Dienstes der Bundeswehr an den verschiedenen Auslandseinsätzen dar. Am Beispiel der Zahnarztgruppe in Mazar-e- Sharif wurden die infrastrukturellen Gegebenheiten und Möglichkeiten erläutert. Darüber hinaus wurde auf die speziellen Aufgaben und das Behandlungsspektrum im Einsatzland ausführlich eingegangen. Grundsätzlich hat die orale Sanierung vor dem Einsatz im Heimatland zu erfolgen, dennoch sind Notfälle im Einsatz unvermeidlich. Den Hauptanteil der im Einsatz auftretenden Notfälle kommen aus dem Bereich der konservierenden Zahnheilkunde.

    Auf eine mögliche Korrelation zwischen einsatzbedingter Stressbelastung und Störungen des craniomandibulären Systems ging Herr Privatdozent Dr. M. Oliver Ahlers aus Hamburg mit dem Thema „Cranio Mandibuläre Dysfunktion als Folge von Stress im Einsatz – differenzierte Diagnostik und Therapie“ ein. Bei der Cranio-mandibulären Dysfunktion (CMD) handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen in der Zahnmedizin. Die Ätiologie ist multifaktoriell, unbestritten ist jedoch eine starke Beteiligung der Muskulatur des craniomandibulären Systems. PD Dr. Ahlers stellte die Pathogenese sehr gut verständlich dar und ging insbesondere auf den Einfluss von psychoemotionalem Stress ein. Da bei den Soldaten von einer deutlich erhöhten Stressbelastung im Einsatz auszugehen ist, ist mit einem verstärkten Auftreten craniomandibulärer Dysfunktionen während und nach den Einsätzen zu rechnen. PD Dr. Ahlers stellte ausführlich verschiedene Möglichkeiten der Diagnostik vor und betonte in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der Erfassung möglicher Cofaktoren.

    Professor Dr. Dr. Andre Eckardt aus Hannover trug vor zum Thema „Versorgung schwerster Gesichtsschädelverletzungen bei irakischen Zivilpersonen im Rahmen eines humanitären Hilfsprojekts“. Im Rahmen eines Einsatzes für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ wurden von ihm inzwischen über 600 schwerst gesichtsverletzte Iraker in Amman/ Jordanien behandelt. In eindrucksvollen Bildern konnte er darstellen, welche Rekonstruktionen nach komplexen Weichteil- und Knochenverletzungen im Bereich des Gesichtsschädels möglich sind und wo die Grenzen liegen. Anders bei einer Versorgung in Deutschland, wo eine möglichst umfassende Rekonstruktion in einer Operation angestrebt wird, hat sich unter den örtlichen Bedingungen in Amman ein schrittweises Vorgehen bewährt.

    Neben der chirurgischen Therapie ist bei den betroffenen Patienten auch eine psychologische Betreuung unabdingbar, da in vielen Fällen neben den körperlichen Schäden eine starke psychologische Traumatisierung vorliegt. Herr Oberfeldarzt Privatdozent Dr. Constantin von See aus Munster trug zum wehrmedizinisch sehr interessanten Thema „Wehrmedizinische Aspekte der endodontischen Versorgung“ vor. Endodontische Behandlungsmaßnahmen sind im Einsatz überproportional häufig erforderlich. Oberfeldarzt PD Dr. See führte aus, dass das Ziel der endodontischen Behandlung die Vermeidung der Reinfektion des Wurzelkanals und die dauerhafte Schmerzfreiheit des Patienten sein muss. Anhand eigener Studien stellte er die unterschiedlichen Effekte hyperbarer Druckzustände dar. Zur Prävention von endodontischen Komplikationen empfiehlt der Referent die Verwendung thermoplastischer endodontischer Fülltechniken in Verbindung mit einem adhäsiven coronalen Verschluss. Die Schwierigkeiten einer exakten prognostischen Einschätzung für den Einsatz wurden anhand verschiedener Fälle dargelegt.

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    Flottillenarzt d. R. Prof. Dr. Peter Pospiech trug zu Möglichkeiten der wehrmedizinischen Forschung in der Truppe vor . (Foto: Michelle Spillner)

     

    Der zweite Vorsitzende des Arbeitskreises Wehrmedizin, Herr Flottillenarzt d. R. Professor Dr. Peter Pospiech aus Krems stellte in seinem Vortrag mit dem Thema „Wissenschaftliches Arbeiten in der Truppe: Eine winwin- Lösung für alle“ die Möglichkeiten dar, die sich gerade bei der Gruppe der Soldaten für wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Der Vorteil ist unter anderem darin begründet, dass mit der zahnärztlichen Behandlungskarte eine umfangreiche Dokumentation der Behandlungsmaßnahmen vorliegt, mittels der eine Aufarbeitung zu vielen Fragestellungen möglich wird. Prof. Pospiech regte an, verstärkt wehrmedizinische Fragestellungen aufzugreifen und bot seine Unterstützung ausdrücklich an. Er berichtete von einer eigenen Studie, die er im Rahmen seines eigenen Einsatzes innerhalb der Mission „Atalanta“ durchführen konnte.

    Das Schlusswort hatte der Inspizient Zahnmedizin der Bundeswehr, Herr Admiralarzt Dr. Wolfgang Barth, der in seinen Ausführungen die Bedeutung der Bearbeitung wehrmedizinisch- zahnärztlicher Themen herausstellte und ein entsprechendes Aufgreifen und Bearbeiten derartiger Themen anregte. Mit insgesamt 71 Teilnehmern war die Resonanz gut, erfreulich war dabei insbesondere auch der hohe Anteil junger Kolleginnen und Kollegen.

    Datum: 20.03.2012

    Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2011/4

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