Artikel: Wehrmedizinische Monatsschrift 10/2019

Human Enhancement – alter Wein in neuen Schläuchen oder tatsächlich eine Herausforderung für die Wehrmedizin?

Human Enhancement – old wine in new bottles or really a challenge for military medicine?

Erley OM, Vergin A, Haggenmiller C, Sammito S

PhotoDie hohe Sitzposition des Piloten im Eurofighter ermöglicht eine gute Rundumsicht, verlangt aber Dreh- und Nickbewegungen des Kopfes - auch unter hohen g-Belastungen. Informationen werden akustisch und visuell bereitgestellt. Dem Piloten stehen ein Head-up-Display, drei Head-down-Displays, ein Warning Panel und ein Helmet Mounted Symbology System zur Verfügung. Die Performance des Gesamtsystems ist damit unmittelbar von den körperlichen (insbesondere Belastung der HWS, Seh- und Hörvermögen) und auch psychischen Leistungsfähigkeiten (Signalerkennung und –verarbeitung, Multitasking) abhängig. Aufgabe von HPO ist es u.a., hierfür spezifische Trainingsverfahren zu entwickeln. (© Eurofighter) Human Enhancement (HE) bzw. Human Performance Enhancement (HPE) ist gelebte Praxis in multinatio­nalen militärischen Einsätzen. Vornehmlich kulturell begründete Dissonanzen zwischen den unterschied­lichen NATO-Partnernationen bei den Verfahrensweisen im Umgang mit diesem Thema führen zu Verun­sicherungen bei den deutschen Kontingentanteilen, den Einsatzsoldatinnen und -soldaten ebenso wie bei truppendienstlichem Führungs- und sanitätsdienstlichem Betreuungspersonal. Das Fehlen einer trennscharfen Begriffsabgrenzung zwischen (medizinisch indizierter) Therapie, Human Performance Degradation (HPD), HE, Human Performance Optimization (HPO) und HPE erschwert eine zielführende Auseinandersetzung im nationalen wie internationalen militärischen und vor allem wehrmedizinischen Kontext zusätzlich.

Ziel des Beitrags ist es, eine praktikable Begriffsdefinition zu erarbeiten und Möglichkeiten und Risiken von Maßnahmen des HE zu betrachten.

Dazu erfolgte eine Literaturrecherche, die auch in internationalen Datenbanken nicht verfügbare militärische und zivile Publikationen einschloss.

Als Ergebnis ist festzustellen, dass es dringend interdisziplinärer sanitätsdienstlicher Aktivitäten bedarf, um geeignete bzw. relevante HE-Maßnahmen zu identifizieren, wissenschaftsbasierte Beratungsleistungen für politische und militärische Entscheidungsträger zu ­erbringen, sowie einen medizinisch und medizinethisch fundierten Diskurs zu befördern.

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Datum: 31.10.2019