Artikel: Wehrmedizinische Monatsschrift 10/2019

Die Luftfahrtmedizin im Ersten Weltkrieg

Aviation Medicine during Wold War I

Ledderhos C, Potempa H, Vollmuth R

Von wenigen Vorarbeiten abgesehen, fiel die Geburtsstunde der Flugmedizin in den meisten Ländern Europas mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zusammen. Der Krieg hat ihre Entstehung befördert und behindert zugleich. Die durch ihn bedingte rasante technische Entwicklung der Flugzeuge mit erstmals industriell aufgelegten Serien und für diese Zeit beachtlichen Produktionszahlen sowie die jähe Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit machten eine Luftfahrtmedizin, insbesondere in ihrer klinischen Ausrichtung, zu einer conditio sine qua non. In ihren Anfängen war dieser Zweig der Medizin daher zunächst vor allem militärisch geprägt.

PhotoPfalz DR I (Jagd-Dreidecker, ca. 1917) (© SanDiego Air & Space Museum, USA) Die Luftfahrtmedizin konnte dabei auf die zuvor in der Höhenmedizin und Aeronautik erarbeiteten Grundlagen und Erfahrungen zurückgreifen, ihre klinische Orientierung bekam sie jedoch erst durch die kriegsbedingt aufgeworfenen Fragestellungen.

Wesentlich für die Entwicklungen dieser Zeit war die Erkenntnis, Anwärter, aber auch Piloten, einer Auswahl und Tauglichkeitsuntersuchung zu unterziehen, um Ablöseraten und Unfallzahlen zu minimieren. In diesem Prozess kristallisierte sich das Bewusstsein für die Notwendigkeit heraus, die Untersuchungen durch speziell in der Flugmedizin ausgebildete Ärzte durchführen zu lassen. Die luftfahrtmedizinische Forschung widmete sich im Wesentlichen den Fragestellungen, die das erhöhte Leistungsvermögen der Luftfahrzeuge generierte, das heißt der Entwicklung von Sauerstoffgeräten und -masken, Fliegerbrillen, Sicherheitsgurten und Fliegerschutzbekleidung, aber auch beginnenden beschleunigungsrelevanten Problemkreisen. Dieses Spektrum wurde durch sinnesphysiologische Themen sowie solche zur Mehrfachbelastung und psychischen Überlastung ergänzt. Einen Innovationsschub hin zu konkreten ausbildungs- und berufsbezogenen Anwendungen bekam dabei auch die Psychologie. Hier erschienen wegweisende Arbeiten zur Entwicklung von Erhebungsinstrumenten für eignungsdiagnostische Auswahlverfahren, psychologische Anforderungsanalysen und zur Ermittlung der Fähigkeiten, die Piloten sowie weitere Besatzungsmitglieder für ihre Tätigkeitsausübung brauchen.

Im Ergebnis des Ersten Weltkrieges entstanden in den meisten Ländern der kriegführenden Parteien Untersuchungszentren, in denen Anwärter und Piloten nach klar formu­lierten, wenn auch häufig empirisch generierten Richtlinien auf Flugtauglichkeit untersucht wurden, zum Teil standen diesen Einrichtungen flugmedizinische Ausschüsse beratend zur Seite. In einigen Ländern entwickelten sich daneben noch luftfahrtmedizinische Laboratorien, die sich der aufkeimenden psychophysiologischen Fragestellungen annahmen und in ihrer Arbeit häufig von Forschungsausschüssen fachliche Steuerung und Koordination erfuhren. In den USA wurde bereits 1919 eine Ausbildung von Fliegerärzten etabliert.

Im Nachkriegsdeutschland entzogen der Versailler Vertrag und die allgemeinen Verhältnisse der Flugmedizin ihren Forschungs- und Arbeitsgegenstand. Sie verlor damit ihren Hauptinhalt. Dies führte zu einer Stagnation, aus der sie sich erst Ende der 20er Jahre und in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder befreien konnte.

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Datum: 22.10.2019