Pressemitteilung

Hepatitis C im Blick behalten: Diagnose ermöglicht schnelle Heilung

Bei der Früherkennung kommt hausärztlichen Praxen eine Schlüsselrolle zu

In der täglichen Praxisroutine erfordern gerade unspezifische Symptome in Kombination mit speziellen Risikofaktoren besondere Wachsamkeit. Denn bei frühzeitiger Diagnose bietet sich Patienten die Chance, durch eine effektive Behandlung Folgeschäden zu vermeiden. Dies gilt beispielsweise für Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV): Moderne, gut verträgliche Therapien mit direkt antiviral wirksamen Substanzen ermöglichen bei nahezu allen Patienten Heilungsraten bis zu 100 %. Doch dies setzt eine konsequente Früherkennung voraus.

Photo Weltweit gehören Infektionen mit Hepatitis-C-Viren (HCV) zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Nach Schätzungen der WHO sind weltweit etwa 71 Millionen Menschen chronisch mit HCV infiziert; das entspricht einem Prozent der Weltbevölkerung. Eine chronische HCV-Infektion kann unbehandelt zu Leberzirrhose oder hepatozellulären Karzinomen führen. Außerdem gehen nahezu zwei Drittel der Lebertransplantationen auf eine chronische Hepatitis C zurück.1,3 

In Deutschland sind etwa 270 000 Menschen mit HCV infiziert, wobei eine Dunkelziffer einkalkuliert werden muss.4 Einer der Gründe hierfür ist, dass etwa 75 % aller Infektionen asymptomatisch oder nur grippe ähnlichen Symptomen verlaufen – an eine mögliche HCV-Infektion wird dabei oft nicht unbedingt gedacht.1,5  Daher sollten auch bei eher unspezifischen Symptomen, etwa Abgeschlagenheit, Muskel sowie Gelenkschmerzen und leichtem Fieber, nicht nur mögliche grippale Infekte in Betracht gezogen werden.

In diesen Fällen können allein anamnestische Angaben diagnostisch richtungsweisend sein (Kasten unten). Diagnose ist so wichtig, weil Betroffenen die Chance einer effektiven Therapie bietet. Letztere kann nicht nur individuelle Folgeschäden, sondern auch eine weitere Verbreitung von HCV-Infektionen verhindern. Inzwischen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar das Ziel ausgegeben, die Erkrankung bis 2030 weltweit zu eliminieren. 2  Deutschland hat sich dem angeschlossen und verfolgt diese Eliminationsziele.

Seit der Einführung der modernen DAA-Therapien (direct-acting antivirals) sind chronische HCVInfektionen heute sehr gut behandelbar – ganz anders, als dies unter den früher standardmäßig eingesetzten interferonbasierten Therapien der Fall war. So können mit kurzer Therapiedauer und guter Verträglichkeit sehr hohe Heilungsraten bei fast allen Patienten erzielt werden.

Photo Seit Juli 2017 ist ein Hepatitis-CMedikament mit zwei neu entwickelten DAA (Glecaprevir/ Pibrentasvir; Maviret®) in Deutschland auf dem Markt.7 Die Fixkombination bietet die Option einer pangenotypischen Behandlung. So zeichnet sich diese Therapie dadurch aus, dass hohe Heilungs raten 12 Wochen nach Behandlungsende (sust ained virologic response, SVR 12) bis 100 % Genotypen (GT1 bis 6) erreicht werden – und zwar bei einer Therapie dauer von nur acht Wochen bei therapienaiven Patienten ohne Zirrhose, die den Großteil der heutigen HCV-Patienten ausmachen.7,8 

Außerdem belegt das umfassende klinische Studienprogramm ein Sicherheitsprofi l.7 Dar über hinaus zeigen auch Real-Life-Daten: 99,6 % aller therapienaiven Patienten ohne Zirrhose, die mit Glecaprevir/Pibrentasvir behandelt und im Deutschen Hepatitis C Register (DHC-R) erfasst wurden, erreichten unabhängig vom Genotyp mit einer 8-Wochen-Behandlung eine virologische Heilung (SVR 12).9 Das Therapieregime kommt komplett Ribavirin aus: Einmal täglich drei Tabletten einzunehmen.

Anwenderfreundliche Wochenpackungen und Tagesblister ermöglichen bei diesem Therapieregime darüber hinaus eine sehr gute Einnahmekontrolle für Arzt und Patient. Vor diesem Hintergrund ist die Früherkennung von HCV-Infektionen umso wichtiger. Hausärztlichen Praxen kommt somit beim „HCVScreening“ eine Schlüsselrolle zu. Da das Hepatitis-C-Virus durch Blutzu-Blut-Kontakt übertragen wird, sollte Personen mit entsprechenden Risiken ein Screening angeboten werden.3 Generell empfohlen wird ein HCV-Antikörper-Test bei erhöhten Transaminase-Werten. Getestet werden sollten außerdem Personen mit klinischen Zeichen einer Hepatitis C bzw. chronischen Lebererkrankungen, auf die oft eher unspezifische Symptome hinweisen können (Kasten links).3,10,11,12  Darüber hinaus kann eine HCV-Diagnostik jedem gewährt werden, der eine entsprechende Untersuchung explizit wünscht.

Im Falle eines positiven HCVAntikörper-Tests sollte weitergehende Diagnostik erfolgen – in der Regel in Zusammenarbeit mit fachärztlichen Kollegen. Neben der indikationsgerechten antiviralen Therapie ist auch ein Beratungsangebot zwecks Prävention wichtig.

Fazit für die Praxis:

  • Eine chronische Hepatitis C kann schwerwiegende Folgen haben. Unbehandelte Patienten leben mit dem Risiko, im Verlauf eine Leberzirrhose oder ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln.
  • Folgekomplikationen könnten vielen Patienten erspart bleiben: Moderne Wirkstoffe zur HCV-Therapie erzielen sehr hohe Heilungsraten. Die Behandlungsdauer ist kurz und das Sicherheitsprofil gut.
  • Acht Wochen sind bei HCV der schnellste Weg zur Heilung. Mit der DAA-Kombinationstherapie aus Glecaprevier/ Pibrentasvir (Maviret®) z. B. lässt sich genotyp-übergreifend beim Großteil der heutigen HCV-Patienten eine virologische Heilung mit einer Therapiedauer von acht Wochen erreichen.
  • Die frühe Diagnose ist entscheidend, um Folgeschäden und eine weitere Ausbreitung von HCV zu vermeiden. Bei der Früherkennung von HCV-Infektionen kommt allgemeinmedizinisch tätigen Ärzten eine Schlüsselrolle zu.


  1. Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 29, 19. Juli 2018
  2. World Health Organization (WHO): Factsheet Hepatitis C, update April 2017 Geneva 2017; www.who.int/mediacentre/factsheets/fs164/en/ 
  3. Sarrazin C et al. Z Gastroenterol. 2018; 56: 756-838
  4. Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 30, 27. Juli 2017
  5. Chen SL et al. Int J Med Sci. 2006; 3 (2): 47-52
  6. Hüppe D et al. Z Gastroenterol 2019; 57: 27-36
  7. Fachinformation Maviret®; Stand: März 2019
  8. Decisions Resources Group. Hepatitis C Virus: disease landscape & forecast 2016. Januar 2017
  9. Wiegand J et al. AASLD The Liver Meeting. San Francisco, November 9th-13th, 2018. Poster #611
  10. Manns MP. Der Allgemeinarzt 2014; 20: 18-24
  11. Robert Koch-Institut. Hepatitis C. 2018. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisC.html 
  12. AASLD/IDSA: Recommendations for One-Time Hepatitis C Testing. https://www.hcvguidelines.org/evaluate/testing-and-linkage


Datum: 06.05.2019