Artikel: A. Lison

„It`s ok not to be ok“ - Die Invictus Games Sidney 2018 aus Sicht eines Mannschaftsarztes

Aus dem Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (Leiter: Oberstarzt Dr. A. Lison)

Die Invictus Games, eine 2014 für versehrte Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörigen von Schirmherrn Prinz Harry ins Leben gerufene Sportveranstaltung, fanden nach London, Orlando und Toronto im Oktober 2018 in Sydney, Australien statt. In diesem Jahr erfuhren die deutschen Teilnehmer eine besondere Ehrung, den Besuch von Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen und ihre Ankündigung, die Spiele unter einem rehabilitativen Aspekt nach Deutschland holen zu wollen. Denn es geht um mehr als um sportliche Leistungen, es geht um Wahrnehmung, Respekt und Wertschätzung des Erlittenen und der zurückgelegten Wege der Betroffenen sowie deren Familien.

PhotoAbb. 1: Wertschätzung für die Rehabilitation: Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen besucht die deutsche Mannschaft und Angehörige (Abb.: Bundeswehr / Sebastian Wilke) Am Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) kümmern wir uns um Soldatinnen und Soldaten, die mit einer einsatzbedingten seelischen Verletzung auf ausdrückliche Empfeh­lung der Wehrpsychiatrie bei uns vorstellig werden. Aber auch um die, die durch einen schweren Unfall in und außer Dienst, oder eine schwere Erkrankung bleibende Schädigungen am Bewegungsapparat erlitten haben. Wir führen in Warendorf Maßnahmen der medizinisch beruflich orientierten Rehabilitation von Soldatinnen und Soldaten durch, weil deren Dienst- und Verwendungsfähigkeit dauerhaft gefährdet ist. Seit Mitte 2018 wird das kleine Team des ZSportMedBw außerdem dauerhaft durch einen Mitarbeiter des Sozialdienstes aus dem BwDLZ Münster unterstützt. Die Möglichkeit sozialer Arbeit in direkter Abstimmung mit Arzt, Patient und Angehörigen ist zu einem unverzichtbaren Baustein der zielgerichteten Verringerung von privaten und beruflichen Teilhabestörungen geworden. Bei chronischen Schmerzzuständen ist der Wiedereingliederungsprozess trotz aller Bemühungen erheblich gefährdet. Von großem Wert ist daher die nunmehr etablierte Unterstützung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede.

Zwei Fachärzte der Abteilung Schmerztherapie ermöglichen bei ­regelmäßigen ambulanten Schmerzsprechstunden vor Ort im ZSportMedBw unter Berücksichtigung allgemeinmedizinischer, stoffwechselphysiologischer, orthopädischer, psychischer und physiotherapeutischer Aspekte eine integrative, auf den Rehabilitationsprozess genau abgestimmte Vorgehensweise. Leider kommen trotz aller Bemühungen, die Zielrichtung und die Möglichkeiten der rehabilitativen Maßnahmen in Warendorf in den Bundeswehrkrankenhäusern und den regionalen Sanitätseinrichtungen bekannt zu machen, besonders die körperlich stark beeinträchtigten Patienten immer noch eher zufällig nach Warendorf. Das mag paradoxer Weise daran liegen, dass wir die dank der Sportschule der Bundeswehr ärztlich indizierte, überwachte und an der jeweiligen Teilhabestörung orientierte Sporttherapie als Teil der Rehabilita­tions­maßnahmen einsetzen können. Eine derart integrierte Sporttherapie stellt einen wichtigen Baustein der beruflich orientierten Rehabilitation dar, sie unterstützt die Wiederherstellung und Verbesserung funktionaler und sozialer Kompetenzen als Voraussetzung der beruflichen Wiedereingliederung von Soldatinnen und Soldaten. 

PhotoAbb. 2: Freiwillige: Florian Hammerbacher, der Liason Officer der deutschen Mannschaft mit Owen Kenny, einem der vielen, die mit ihrem freiwilligen Engagement allen Teilnehmenden zur Seite standen. Sporttherapie genießt dabei eine hohe Akzeptanz seitens der Rehabilitantinnen und Rehabilitanten und eine damit verbundene große Außenwirkung, u. a. auch durch die Invictus Games. Dies ist überaus begrüßenswert, oftmals wird dabei aber außer Acht gelassen, dass es in Warendorf nicht um Sport für Versehrte geht. „Sport hilft immer“ ist fachlich gesehen falsch. Sporttherapie stellt einen überaus wichtigen Bestandteil einer systematischen, fachlich hoch qualitativen Rehabilitation dar, darf aber keinesfalls zum bestimmenden Faktor von Rehabilitation werden. Sport ist nicht selten der Start, aber kann niemals das Ziel sein.

Ob intensivierte, komplexe Hilfsmittelversorgungen, Präventiv-, Ernährungs- oder Stressmedizin und supportive psychotherapeutische Begleitung, soziale Arbeit und Schmerztherapie, die integrative Rehabilitation am ­ZSportMedBw hat zum Ziel, Störungen im Bereich von Körperstrukturen, -funktionen, der Aktivitäten und der Partizipation, die die Dienst- und Verwendungsfähigkeit dauerhaft bedrohen, zu erkennen, zu beschreiben und im Team eine möglichst große Teilhabe am beruflichen und privaten Leben zu ermöglichen. Grundlage hierfür ist immer ein bestmöglicher körperlicher Zustand und see­lische Gesundheit mit der Wiedererlangung sozialer Kompetenzen, die insbesondere nach langen Krankschreibungen verloren gehen. Wer sich entschließt, die Rehabilitationsmaßnahmen in Warendorf in Anspruch zu nehmen, beschließt, sich nicht bezwingen zu lassen von Krankheit, eingeschränkter Teilhabe und Schmerz an Körper und Seele. Es ist ein anstrengender Weg, zurück in ein neues Leben. Man übernimmt wieder Verantwortung für sich und die, die einem nahestehen. Aber man ist dabei nicht allein.

Stronger together in Down Under

PhotoAbb. 3: Helfer: Wer Service Dogs erlebt hat, wird an der stressreduzierenden Wirkung dieser hoch ausgebildeten Tiere nicht mehr zweifeln. Wir reisen mit 20 Teilnehmern, deren Familien und Freunden und einem kleinen Betreuerstab aus Trainern, Psychologen, Masseur und Arzt. Von Anfang an mit dabei ist dieses Mal ein Filmteam von Bundeswehr Exclusive. Bereits im Vorfeld waren fünf Protagonisten ausgewählt worden, die bereit waren, offen über ihre körperlichen und seelischen Einsatzschädigungen zu sprechen. Ihre Homestories zeigen sie am Arbeitsplatz, mit ihren Angehörigen, zu Hause. Eine Frau und vier Männer, die über ihren Leidens- und Genesungsweg und die Bedeutung sprechen, die die Rehabilitation, der Sport und die Spiele für sie gewonnen haben. Sport hat für sie eine wichtige unterstützende Funktion, aber ist nicht zum Selbstzweck geworden.

Auch die Angehörigen kommen zu Wort, mit ihren Sorgen, Erwartungen, sie berichten, wie sich Partner, Kamerad und Tochter verändert haben, seit dem sie die komplexen Rehabilitationsmaßnahmen in Warendorf begonnen haben. In den zurückliegenden Monaten haben wir die Mannschaft gut vorbereitet. Wir haben umfangreiche sportmedizinische Untersuchungen durchgeführt, um Risiken auszuschließen und eine hohe Belastbarkeit sicherzustellen. Zu keinem Zeitpunkt waren Medaillen das erklärte Ziel. Wir wissen spätestens seit Orlando, dass Medaillen eher ein zufälliges Ergebnis darstellen, die Leistungsdichte der anderen Nationen nimmt immer weiter zu und reicht an paralympische Rekorde. Das können und wollen wir nicht erreichen. Die Spiele in Sydney werden abermals zeigen, welche Probleme hierbei entstehen können, aber auch wie der Schirmherr der Spiele darauf reagieren wird.

500 Teilnehmer, 1200 Angehörige aus 18 Nationen, fast 1000 Freiwillige, das sind die beeindruckenden Zahlen, die auf die Bedeutung der Spiele in Australien und vielen anderen Nationen hinweisen (Abb. 2,3). Die Anwesenheit Prinz Harrys und seiner Frau Meghan hat darüber hinaus eine hohe politische Bedeutung für „Down Under“. Als wir die fast 16 500 km zusammen mit der französischen Mannschaft in einem Airbus der Luftwaffe, deren Crew sich rührend um uns kümmert, nach 28 Stunden bewältigt haben, werden auch wir bereits am Airport mit aufrichtiger Freude begrüßt. Eine Musikkapelle spielt, Volunteers umarmen uns, Kaffee wird ausgeschenkt. Sydney ist ganz auf die Games eingestimmt, am Circulation Quai, dem zentralen Fähranleger der Stadt, wehen die Invictus Flaggen im stürmischen Wind. Sportler und Families and Friends werden wie üblich nicht gemeinsam untergebracht. 

Die Mannschaft bezieht ein Hotel im Olympiapark, dem eigentlichen Austragungsort der Veranstaltung. Alle Sportstätten sind fußläufig erreichbar. Die Angehörigen reisen mit der S-Bahn von ihrem Hotel im Stadtzentrum aus an, können aber ab dem 2. Tag mit den Athleten im Dome, einer riesigen kuppelförmigen Halle, gemeinsam essen. Die sanitätsdienstliche Versorgung ist auf hohem Niveau sichergestellt. Der australische Sanitätsdienst wird durch zivile Kräfte ergänzt und stützt sich auf die Kliniken der Stadt ab. Das Technical Meeting für die mitgereisten Ärzte und Therapeuten ist eine Mischung aus Lässigkeit und Professionalität, geleitet von dem Mediziner, der üblicher Weise für die Paralympics verantwortlich ist. Die Einteilung der Athleten in Beeinträchtigungsklassen erfolgte bereits in Warendorf in Anwesenheit einer hierfür aus London extra angereisten professionellen Kategorisiererin im kollegialen Gespräch mir als benanntem Mannschaftsarzt. Nun weiß jeder woran er ist, Nachkategorisierungen wie noch in Toronto erforderlich, entfallen.

PhotoAbb. 4: Invincible – Unbesiegbar: Der Goldmedaillengewinner im Zeitfahren. Der Jet Lag macht uns allen zu schaffen, bereits am nächsten Tag beginnen die Trainings. Am Abend machen wir uns mit der Schnellfähre auf den Weg zur Opera, ein schwerer Gewittersturm zieht auf. Als ein Blitz keine 20 Meter zwischen der Sydney Harbour Bridge und unserem Boot krachend einschlägt, bleiben unsere Kameraden, die eine PTBS erlitten haben, gefasst. Sie haben in ihren Therapien viel gelernt und für solche Situationen hart gearbeitet. Trotz der Witterungsabhängigkeit haben die Verantwortlichen die Stufen und den Platz vor dem Opernhaus für die Zeremonie gewählt, zu symbolträchtig ist dieser Ort für die Nation. Von der gegenüberliegenden Seite der Bucht aus wird die berühmte Dachkonstruktion im wechselnden Spiel aus der gelben Invictusfarbe und Bildern gehandycapter Athleten angestrahlt. Scharfschützen haben dort oben Stellung bezogen. Beim Einmarsch werden wir wieder in dieser unnachahmlich herzlichen Art durch unsere austra­lischen Kameradinnen und Kameraden begrüßt, „Aussi, Aussi, Aussi“ dröhnt ihr liebevoll gemeinter Willkommensgruß. Zu unserer Überraschung werden wir als Betreuer ohne Vorankündigung von den Athleten getrennt und auf die Zuschauerränge verwiesen. Ruheräume, die den Namen verdienen, gibt es hier nicht, immerhin eine Anzahl sog. Service Dogs, die von einer zivilen Organisation bereitgestellt werden, die der Beruhigung dienen sollen. Es wird alles gut gehen. Hier zeigt sich wieder, wie wichtig die Auswahl und Vorbereitung unserer Mannschaft war.

Nach einer beeindruckenden Show, die nicht nur landesweit, sondern international übertragen wird, betritt Prinz Harry die Bühne, der Höhepunkt des Abends. Wie kein anderer wird seine Person mit der Idee der Spiele verbunden. Kurz berichtet er über seine Erlebnisse aus der Militärzeit, die ihn dazu brachten, die Spiele ins Leben zu rufen. Er spricht auch von der Stellung und Wahrnehmung der Armee in der Gesellschaft, die nicht überall unterstützt werde. Erstmals prägt er den Begriff der Invictus Generation, Männer und Frauen, die offen ihre körperlichen und seelischen Wunden zeigen und ihr Schicksal in die Hand nehmen.

Wahre Helden

PhotoAbb. 5: Invictus – Unbezwingbar: Mit Würde das eigene Ziel erreichen. Die Spiele beginnen am nächsten Tag mit den verschiedenen Raddisziplinen. Uns wird das erste Mal hier sehr deutlich, wie unterschiedlich die Nationen mit dem Thema Leistung und Medaillen umgehen, noch deutlicher als in Toronto. Den 2,4 km langen, hügeligen und z.T. kurvigen Rundkurs im Botanischen Garten legt der Gewinner der Goldmedaille auf einer High-Tech-­Zeitfahrmaschine mit aerodynamischen Helm und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 54 km/h zurück (Abb. 4). In den anderen Disziplinen sind Medaillengewinner des letzten Jahres abgeschlagen. Wir schütteln ein wenig konsterniert den Kopf. Aber keiner geht auf die Strecke, ohne alles zu geben, es geht um mehr, als nur um das Dabeisein. Wir vertreten Deutschland. Und wir sind beeindruckt vor allem von den vielen anderen Athletinnen und Athleten, die alle ihr Bestes geben, zusammen ins Ziel fahren, nur mit einem Bein treten, weil die Prothese plötzlich wie verrückt schmerzt, invictus – unbezwingbar (Abb. 5).

Diese gegensätzlichen Eindrücke ziehen sich wie ein roter Faden durch die Spiele. Hier Höchstleistungen von Menschen, die ihr gesamtes Leben darauf eingerichtet zu haben scheinen, als Sieger ins Ziel zu kommen, dort diejenigen, die stolz darauf sind, überhaupt ins Ziel zu kommen. Gerade diese Menschen werden besonders vom Publikum gefeiert, auch wenn die Medaillengewinner umjubelt werden. Ich beginne zu verstehen, dass es vielleicht beides geben muss, je nachdem, wie die Betroffenen sozialisiert sind, welche Lebensziele sie sich gesteckt haben und welche Verarbeitungsprozesse sie für sich gewählt haben. Und ich bin stolz auf unsere Patientinnen und Patienten, deren Würde darin besteht, gute Eltern, Partner und beruflich etablierte Soldatinnen und Soldaten zu sein. Um diese Würde kämpfen sie täglich, nicht nur hier in Sydney.

Ein wichtiger Besuch

Die Verteidigungsministerin kommt, legt einen Zwischenstopp auf einer Arbeitsreise ein. Im Gespräch habe ich die Aufgabe, aus Sicht des Mannschaftsarztes zu berichten. Ich spreche bewusst das Thema Höchstleistung an. Sie hakt sofort ein, lehnt eine leistungsorientierte Ausrichtung einer deutschen Teilnahme ab, betont den rehabilitativen Ansatz der Spiele. Dann überrascht sie uns mit der Ankündigung, die Spiele genau mit diesem Ansatz nach Deutschland holen zu wollen, mit einem ganz eigenen Image, welches die Gewinner ehrt, aber die wahre Leistung herausstellt. Sie spricht viel mit der Mannschaft und den Families and Friends, jubelt mit und zeigt ihren Respekt.

PhotoAbb. 6: Fröhliche Fans: Bewunderung statt Heldentum! Die Invictus Games in Deutschland? Ich habe mit dieser Idee, wie vermutlich viele, gehadert. Ist unsere Gesellschaft reif dafür? Wie mögen sich die Kameradinnen und Kameraden fühlen, wenn sie in Deutschland auf offene Ablehnung stoßen würden? Ein Artikel der TAZ über die Games spricht gar davon, die „Fortsetzung des Krieges“ komme sehr neoliberal daher, „als Challenge unserer Warriors“. In der FAZ heißt es, Bundeswehrärzte hätten einem Athleten jahrelang die falsche Prothese verordnet, was fachlich und faktisch falsch ist, aber es liest sich gut. Sport als Allheilmittel, Warendorf als magischer Ort, der Menschen wieder zum Gehen bringt, aber man von Glück reden muss, wenn man dort angenommen wird. Zuspitzung, Herabwürdigung der Leistung anderer: Stilmittel, die den Menschen, die betroffen sind, nicht gerecht werden. Ich gehörte zu denen, die der Meinung waren, dass wir uns lieber zurückhalten sollten. Das hat sich geändert. Die Ministerin hat den Anstoß gegeben, nicht mit dem Entschluss an sich, sondern mit ihrem damit verbundenen Bekenntnis zur Rehabilitation und den wahren Zielen des Invictus Gedankens. Warum sollen wir nicht endlich offen zeigen, was mit Menschen passieren kann, wenn sie im Auftrag ihres Parlamentes in die Einsätze gehen? Hat das nicht vielmehr mit Anteilnahme als mit Verherrlichung zu tun? Die Invictus Games in Deutschland, das sei ein „Sonnensignal für die Truppe“, wird die Ministerin zitiert. Vielleicht ist es sogar mehr (Abb. 6).

„ ...serving your country…“

Es ist wieder Prinz Harry, der mich auf diesen Gedanken bringt. Er bricht scheinbar mit einem Tabu, als er auf der Abschlusszeremonie den Heldenbegriff relativiert. Die Teilnehmer seien keine Superhelden, sondern normale Menschen, die mit Hilfe anderer Außergewöhnliches leisten, aber damit meint er nicht die exorbitanten Erfolge der Medaillengewinner. Ihm geht es um etwas anderes, und er spricht das an, was ein Motto der Invictus Games in Deutschland sein könnte: „It`s okay not to be okay“. Man müsse kein Veteran sein, um den Invictus Gedanken zu verstehen. Ob Lehrer, Arzt, Mutter oder Vater, Kind oder Großeltern, Farmer, Klempner, Anwalt oder Vorstandschef oder sonst irgendjemand, jeder könne in seinem Leben etwas finden, dass er zum Besseren wenden wolle, und die Männer und Frauen der Invictus Games würden uns daran erinnern, dass keine Herausforderung zu schwer sei, um sie nicht bewältigen zu können. Er stellt die besondere Bedeutung mentaler Gesundheit heraus, auch für die, die primär körperlich verletzt sind. 

Die Teilnehmer der Spiele würden all denen, die sie sehen, zeigen, dass es in Ordnung sei, über Angst, Stress und Depression zu sprechen, dass es gut sei, um Hilfe zu bitten. Dies sei mutig, es könne das Leben für einen selbst, aber auch für die anderen verbessern, die mit betroffen sind. Es sei der erste Schritt in eine bessere Zukunft. Es sei nun die Aufgabe, all jene zu erreichen, die sich nicht vorstellen könnten, einmal teilzunehmen. Und er ruft die Zivilgesellschaft auf, wahrzunehmen, dass es jederzeit jedem passieren könne, körperlich oder seelisch verletzt zu werden. Wenn man die eigene Ver­letzlichkeit wahrnehme, könne man an Stärke gewinnen. Wer tapfer genug sei, um Hilfe zu bitten, könne wieder das Leben fühlen, statt nur zu überleben (Abb. 7). Und wer seine Geschichte teile, könne die Welt verändern.“I can´t think of a better way to ­continue serving your country“.

Vielleicht mag man das pathetisch finden, vielleicht muss man hier gewesen sein und diesen Mann erlebt haben, um ihm zu glauben. Aber ist es nicht das, wofür der Sanitätsdienst steht? Ich bin dafür, die Games nach Deutschland zu holen, nicht nur weil sie 2020 in Den Haag, in einem Land ohne angelsächsische Prägung und uns verwandter Gesellschaft stattfinden. Sondern weil wir damit eine Idee vertreten, die unserem Selbstverständnis entspricht. Die Spiele können uns helfen, Rehabilitation anders zu verstehen, sie ist mehr als Sport und Krankengymnastik. Es geht um Würde und Menschlichkeit, zu der wir uns bekennen. Wer, wenn nicht der Sanitätsdienst kann das voran treiben und Rehabilitation endlich in die Fläche bringen, dorthin, wo engagierte Truppenärztinnen und -ärzte die Menschen vor Ort begleiten. Es kann uns jeder Zeit passieren, was andere Armeen und Gesellschaften bereits schmerzlich erfahren mussten: Tod und Verwundung in großer Zahl, vielfaches Leid. Wir können im Umgang mit den uns anvertrauten Kameradinnen und Kameraden Vorreiter sein, in den Streitkräften und darüber hinaus. Es wird in jedem Falle einige Jahre dauern, bis die Invictus Games in Deutschland sind. Wir sollten die Zeit nutzen.

Alle Fotos (bis auf Abb. 1): ZSportMedBw


Datum: 10.04.2019

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 1/2019