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15 JAHRE SANITÄTSDIENSTLICHE UNTERSTÜTZUNG VON MANDATIERTEN AUSLANDSEINSÄTZEN

Persönliche Eindrücke von Angehörigen des Sanitätskommandos III

Als zur Zeit der Geburt Christi der Arztberuf in die Legionen des römischen Kaisers Augustus aufgenommen wurde, schlug auch gleichzeitig die Geburtsstunde des Militärsanitätsdienstes.

Über die Jahrhunderte weiterentwickelt, erfuhr er seine nächste, große Zäsur der Moderne im Jahr 1864, als die Genfer „Konvention zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken bei den im Felde stehenden Armeen“ von zwölf Staaten Europas unterzeichnet wurde.

Während in den Nachkriegsjahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg der Sanitätsdienst der Bundeswehr grundsätzlich auf nationales Territorium beschränkt blieb, wird die Bundeswehr seit 1990 im Rahmen von friedenserhaltenden und -sichernden Maßnahmen (peacebuilding und peacekeeping) auch außerhalb der Bundesrepublik Deutschland eingesetzt. Für diese mandatierten Auslandseinsätze stellt der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr ein essentielles Element dar. Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Einsätzen innerhalb von NATO- oder UNMandaten nach Maßgabe des Art. 24 Abs. 2 GG hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1994 geklärt. Darüber hinaus enthält es die Grundlegung für den Parlamentsvorbehalt für den Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte im Ausland. Als Folge dieses Urteils beteiligten sich mittlerweile Tausende Bundeswehr-Sanitäterinnen und -Sanitäter an verschiedensten Einsätzen, rund um den Globus. Der nachfolgende Artikel soll einen kurzen Überblick über deren Beteiligung an den mandatierten Auslandseinsätzen der Bundeswehr seit 1994 geben und persönliche Eindrücke von Angehörigen des Sanitätsdienstes vermitteln.

Balkan IFOR OFA A. Zwad Anfang April 1996 war es soweit: Nach zeitlich überschaubarer Einsatzvorausbildung verlegte ich in meinen ersten Einsatz als Rettungsmediziner mit der Bundeswehr auf den Balkan. Ich landete bei schönem Frühlingswetter im unzerstörten Split und erreichte nach kurzer Busfahrt mit meinen Kameraden und Kameradinnen den Sanitätseinsatzverband in Trogir. Mich erwartete ein direkt an der azurblauen Adria idyllisch gelegenes ehemaliges Marinegelände, in dem neben dem Stab Nationaler Befehlshaber das Feldlazarett und die MEDEVAC-Kräfte untergebracht waren. In feste Gebäude, große Hallen, Unterkunftscontainer in zwei Stockwerken und Betreuungseinrichtungen in Zelten war eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus allen Teilstreitkräften aus dem gesamten Bundesgebiet eingezogen. Alles war relativ eng bebaut, an jeder möglichen und unmöglichen Stelle Fahrzeuge abgestellt und Material gelagert.

Im Kontingent war bereits Routine eingezogen bei der Bewältigung der anstehenden Aufträge, nachdem in der Vorgängermission UNPROFOR erste Erfahrungen gesammeltwurden. Nach einem Beschluss des Bundestages vom 30. Juni 1995 kamen ab Januar 1996 auch ca. 4000 Soldaten aller Teilstreitkräfte der Bundeswehr zum Einsatz. Sie wurden in Kroatien stationiert in Trogir, Benkovac, Primosten, Zadar und Sibenik. Nachdem am 21. November 1995 die Friedensvereinbarung von Dayton zwischen den Konfliktparteien unterzeichnet worden war, wechselte die Mission zur Peace Implementation Force, kurz IFOR. Auftrag des Sanitätseinsatzverbandes war, wie sollte es anders ein, die sanitätsdienstliche Unterstützung der deutschen und multinationalen Kräfte auf Ebene 1 bis 3 (role 1 to 3). Die Behandlung von Zivilpersonen gehörte nicht zum Auftragsumfang, da die zivile Infrastruktur im Raum Trogir - Split intakt war, wurde aber in begrenztem Umfang geduldet.

Zum einen war ein Schwerpunkt die Behandlung von Soldaten und UN-Mitarbeitern im Feldlazarett in den einzelnen Fachabteilungen (Chirurgie, Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Urologie, HNO, Neurochirurgie, Augenheilkunde, Oralchirurgie), wobei die zahnärztliche Sprechstunde regelmäßig ausgebucht war. Unter anderem ließen sich dort Angehörige osteuropäischer Streitkräfte bevorzugt ihre Gebisse sanieren. Die Einsätze der MEDEVAC-Kräfte bestanden überwiegend in der Begleitung von Versorgungstransporten, Patrouillen, Betreuung von Pionierbaustellen und EOD-Erkundungen. In der Regel war man als BAT zwei bis vier Tage in Kroatien und Bosnien-Herzegowina unterwegs mit Übernachtung in Camps anderer Nationen oder auch mal auf einem Parkplatz am Straßenrand. Zu unseren Aufgaben gehörte auch die Besetzung des SAR-Hubschraubers, der jedoch eher gelegentlich eingesetzt wurde. In Erinnerung geblieben ist mir ein Flug nach Zentralbosnien zu einer Sanitätseinrichtung einer türkischen Einheit. Der Patient war angekündigt als akutes Abdomen, intubiert und beatmet. Bei Ankunft kam mir der Patient zu Fuß mit einer Infusion in der Hand entgegen, um in den Hubschrauber zu steigen. Er war nur vor Jahren abdominell voroperiert, litt jetzt unter mäßigen rezidivierenden Unterbauchschmerzen und sollte lediglich eine CT-Untersuchung im FLAZ erfahren. Leicht sediert transportierten wir ihn in Begleitung einer jungen türkischen Krankenschwester nach Trogir, wo er erst bei Landung im FLAZ wieder erwachte. Den 2-stündigen Flug inklusive Tankstop hatte er verschlafen.

Waren längere BAT-Einsätze schließlich beendet, hatte man meist ein bis zwei Tage zur Nachbereitung und Erholung in Trogir. Neben der Pflege und Wartung der Fahrzeuge und des Materials, dem Wiederauffüllen der Medikamentenbestände usw. blieb immer Zeit für einen kurzen Gang zum Strand und ein Bad in der eindrucksvollen Adria. Das Umfeld war sicher, man konnte in Zivil zu zweit das Lager verlassen und auch die Umgebung erkunden. Trogir war zum Beispiel ein bezauberndes Adriastädtchen mit dem in ganz Osteuropa am besten erhaltenen romanisch-gotischen Komplex. Heute zählt die Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ein Erlebnis für einige Angehörige des SanEinsVbd war auch ein Besuch einer Open-Air Opernaufführung in der Innenstadt von Split. Gespielt wurde "Aida" in atemberaubender Kulisse und Beleuchtung - ein unvergessliches Ereignis.

Der Alltag war jedoch geprägt von Fahrten durch Bosnien und Kroatien, während derer medizinisch eher selten etwas zu tun war. Der TPz oder 2-Tonner-BAT war fast unser zu Hause, die abwechslungsreiche Landschaft glitt an uns vorüber. Während Kroatien nur in umschriebenen Regionen größere Kriegsfolgen aufwies und ansonsten gelegentlich das Haus eines Serben gezielt zerstört worden war, waren die Schäden in Bosnien deutlicher. Als Landstrich sowieso schon benachteiligt und ärmer, war hier auch die Zerstörungswut offensichtlicher. Hinzu kam die allgegenwärtige Minenbedrohung, manchmal blieb nur noch ein einspuriger Fahrweg auf der Straße, wo die Minenwarntrassierung bis auf die Fahrbahn reichte. Unwohl fühlten wir uns aber eigentlich nur auf der Fahrt durch Sarajevo, da hier die Bedrohung durch Heckenschützen noch erheblich war.

Ein willkommene Abwechslung erfuhr ich gegen Ende meines Kontingents, als ich für 5 Wochen in Tuzla in Nordost-Kroatien bei einer amerikanischen Division eingesetzt war. Deutsche Teile leisteten dort Transportunterstützung mit SLT und Containertransportern. Dort nahm ich neben meiner Funktion als BAT-Arzt der deutschen Teile auch die Funktion eines Verbindungsoffiziers SanDst und Führer der sanitätsdienstliche Teile wahr. Neben der Integration in den amerikanischen Divisionsstab gehörte auch die Erkundung der verschiedenen multinationalen sanitätsdienstlichen Einrichtungen in der Region zu meinen Aufgaben. In Trogir war der Informationsstand zu regionalen Sanitätseinrichtungen in diesem Gebiet zu diesem Zeitpunkt noch lückenhaft. Ein Auftrag, den ich gerne übernahm und der mir viel Spaß machte.

Insgesamt war in diesem IFOR-Einsatz für mich noch vieles neu. Als Rettungsmediziner wurde ich eher selten gefordert, da der Einsatz ja in einem vergleichsweise sicheren Umfeld stattfand. Unvergesslich und bedrückend bleibt der Gegensatz von unbeeinträchtigter Urlaubsregion an der Adria und den kriegsbedingten Zerstörungen wenige Kilometer weiter im Hinterland. Auch die Zeugnisse des Hasses zwischen Kroaten, Serben und Bosniern werden mir in Erinnerung und weiterhin weitgehend unverständlich bleiben. Der Einsatz hat mich als Sanitätsoffizier damals jedoch erfüllt, mich überwiegend hervorragende Kameradschaft erleben lassen und mir auch viele positive Eindrücke beschert, die heute noch lebendig sind.

 

Mazedonien Task Force FOX (TFF)

OTA B.Most, AbtLtr G 3 SanKdo III, Einsatz von Oktober 2001 bis Januar 2002 alsMedical Director TFF

Am 4. Oktober 2001 übernahm Deutschland als Lead Nation mit der Führung der TFF einen großen Teil der Verantwortung für die Zukunft Mazedoniens. TFF war damit der dritte zeitgleiche NATO-Einsatz auf dem Balkan neben KFOR. Die frühere jugoslawische Teilrepublik MAZEDONIEN konnte zunächst nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 ihre Unabhängigkeit friedlich realisieren. Das Zusammenleben der slavo-mazedonischen Bevölkerungsmajorität mit der albanischen Minderheit gestaltete sich in den ersten Jahren weitgehend konfliktfrei. Dies änderte sich mit dramatischer Geschwindigkeit, als Februar 2001 die militärische Gewalt aus dem KOSOVO auf MAZEDONIEN übergriff. Freischärler der albanischkosovarischen UCK überfielen mazedonische Polizeistationen und Armeeposten und töteten etliche Polizisten und Soldaten. Im weiteren Verlauf des Konfliktes schlug die mazedonische Armee mit großer Härte zurück. Schließlich eskalierte die Lage zu einem Bürgerkrieg entlang der gesamten mazedonischen Grenzregion zum KOSOVO.

Auf Druck der internationalen Völkergemeinschaft kam es am 13. August 2001 zum Friedensvertrag zwischen den Konfliktpartein. Kern der Vereinbarung war eine Entwaffnung der albanischen Freischärler, deren anschließende Amnestie sowie vor allem ein politischer Reformprozess mit mehr politischen und kulturellen Rechten für den albanischen Bevölkerungsanteil. Bis Ende September 2001 erfüllten die albanischen Freischärler ihren Anteil des Vertrages und gaben während der NATO-Mission ESSENTIAL HARVEST rund 3800 Waffen ab. Die seit dem 04.10.2001 laufende Nachfolgeoperation TASK FORCE FOX hatte den Auftrag, die Sicherheit und Bewegungsfreiheit der internationalen Beobachter von OSCE und EU zu schützen, vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Regierung und Separatisten zu unterstützen und damit die politische Stabilität MAZEDONIENS wiederherzustellen.

Militärische Lage

Die militärische Lage während der Einsatzdauer des Verfassers war geprägt vom Misstrauen der beiden Konfliktpartein. Mazedonische Polizei und Armee hatten das von den Albanern kontrollierte Gebiet durch eine Kette von Check Points abgeriegelt, die jede Zufahrtstraße kontrollierten. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen, die in Einzelfällen mit dem Tode von Polizisten, aber auch Zivilisten endeten. Ein wesentlicher Teil der Durchführung unseres Auftrages bestand somit darin, die mazedonische Seite als vertrauensbildende Maßnahme vom schrittweisen Abbau der Check Points zu überzeugen. In der Umsetzung bedeutete dies unter anderem regelmäßige militärische Patrouillen bis Zugstärke, die Präsenz eigener Kräfte zeigten und Informationen gewannen. Hauptgefahr für die eigenen Kräfte war neben Schusswaffengebrauch der Konfliktparteien die ständige Minengefahr im gesamten Einsatzgebiet.

Eigene Kräfte

Das 800 Mann starke Kontingent TFF wurde durch 11 Nationen gebildet, wobei Deutschland bis Juni 2002 als Lead Nation die Masse der Kräfte stellte. Die Auftragsdurchführung basierte auf zwei wesentlichen Säulen: den Field Liason Teams (FLT) und den 3 Extraction Kompanien. Die 31 FLT mit je 3 Soldaten waren über den gesamten Einsatzraum der internationalen Beobachter disloziert. Viele wohnten in angemieteten Häusern inmitten der albanischen Ortschaften und trugen damit wesentlich zur Vertrauensbildung bei der Bevölkerung bei. Auftrag war die Verbindung zu den Beobachtern vor Ort sowie Erkenntnisse über Stimmung, krisenhafte Entwicklungen und Bedürfnislage der Bevölkerung zu gewinnen. Die Extraction Kompanien wurden durch Deutschland, Frankreich und Italien gestellt. Auftrag der Kompanien war es, bei Gefahr zeitgerecht internationale Beobachter auch unter Einsatz militärischer Gewalt zu evakuieren.

Sanitätsdienstliche Unterstützung TFF

Die fachdienstliche Führung der Sanitätskräfte TFF erfolgte von Oktober 2001 bis Juni 2002 durch einen deutschen Medical Director. Auftrag der Sanitätskräfte TFF war die sanitätsdienstliche Versorgung der eigenen Soldaten. Dem Medical Director TFF standen für diese Aufgabe in der Behandlungsebene 1 ein deutscher Sanitätszug, der gleichzeitig die Behandlungseinrichtung Camp Fox betrieb sowie italienische, französische und dänische SanTrp zur Verfügung. Weiterhin erfolgte die Abstützung der Ebene 2 auf das Rettungszentrum EREBINO (4./San- EinsVerb KFOR), das im Verlauf des Einsatzes TFF auf Zusammenarbeit angewiesen wurde. Mit dieser Maßnahme konnte die Einheitlichkeit der Führung hergestellt werden. Die weitergehende klinische Versorgung der Ebene 3 erfolgte primär über das FLAZ in PRIZREN, wo immer möglich auch über die Universitätsklinik SKOPJE. Die Steuerung aller Einsätze leistete die direkt TFF unterstellte Rettungsleitstelle (RCC) auf dem EREBINO.

Zusammenfassung und Ausblick

Knapp 10 Jahre nach dem Einsatz in MAZEDONIEN und meinen zwischenzeitlich in Afghanistan gewonnenen Erfahrungen bewerte ich die kurze Episode der TFF als einen Einsatz, der sich durch knappen, präzise kalkulierten Einsatz der Ressourcen, eine leistungsfähige Verbindungs- und Beobachterorganisation, klare Stabsstrukturen und eine erfolgreiche und weitgehend zeitgerechte Auftragserfüllung auszeichnete. Persönlich hatte man Gelegenheit ein Land zu erleben, dessen kulturelle Wurzeln bis in die früheste Christenheit zurückreichen und dessen Grundfesten damals durch einen von außen hereingetragenen Islamismus erschüttert wurden. Mazedonien ist heute ein Staat, der sich als Teil der Völkergemeinschaft Europas versteht und den Anschluss an EU und NATO sucht. Für mich gab es ein Wiedersehen mit der mazedonischen Armee, da während meines Einsatzes im HQ KABUL 2008/09 die Wachen durch Mazedonien gestellt wurden.

 

Georgien UNOMIG

OSF H.R. Bauer, SanKdo III, Dez G 3.2, Einsatz UNOMIG von 1996 bis 2009 insgesamt 7 mal als SanFw RettAss

The Mission is cease - so die kurze Meldung, die am 16. Juni 2009 früh morgens per LoNo im Einsatzgebiet des Deutschen Anteils der "Vereinten Nationen Beobachtermission in Georgien" (UNOMIG), auf den Bildschirmen erschien. Im täglichen morning briefing wurde diese Nachricht durch den Sector Commander dann offiziell bekannt gegeben. Für drei Sanitätsstabsoffiziere, 3 Offiziere und 6 Sanitätsfeldwebel bedeutete das das Ende von Patrouillentätigkeiten entlang der Verwaltungsgrenze von Georgien und der abtrünnigen de facto Republik Abchasien. Die Versorgung von Zivilisten wurde ebenfalls auf Weisung der Senior Medical Officer sofort eingestellt.

Die Bundeswehr beteiligte sich seit 1993 mit Sanitätspersonal und Militärbeobachtern an der durch UN Resolution 858 am 24. August 1993 implementierten Mission im südlichen Kaukasus. Schwerpunkt der sanitätsdienstlichen Tätigkeit war die medizinische Versorgung der 483 Missionsangehörigen aus mehr als 30 Nationen (136 Militärbeobachter, 20 UN-Polizisten, 115 international Mitarbeiter und 210 Ortskräfte), sowie die einheitliche, erweiterte Ersthelferausbildung des militärischen Anteils. Bei freier Kapazität wurden, vor allem in der Region GALI, auch zivile Patienten durch das "German Medical Team" versorgt. Die Einsatzdauer betrug in der Regel 6 ½ Monate, in Ausnahmefällen ein Jahr. Die Mission hatte den Auftrag, das am 14. Mai 1994 in Moskau unterzeichnete Abkommen über eine Waffenruhe und Truppenentflechtung zu überwachen und zu überprüfen. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurden Patrouillen in der Sicherheitszone und in der Waffenausschlusszone, sowie in der Kodori-Schlucht durchgeführt.

Im Hauptquartier SUKHUMI waren ein Rettungsassistent und ein SanMatFw stationiert. Der Arzt war als Senior Medical Officer (SMO) der Fachberater der militärischen und administrativen Leitung der Mission. Gleichzeitig nahm er die Tätigkeiten des Dienstältesten Deutschen Offiziers (DDO) wahr und war somit gegenüber der UN auch National Senior Representative. Während die Team Base in der Kodori-Schlucht nicht regelmäßig besetzt war, fanden in den Sektoren ZUGDIDI und GALI täglich Patrouillenfahrten statt. Die medizinische Grundausstattung war in den drei Sektoren identisch. In Gali und Zugdidi verfügte man über je ein minengeschütztes Sanitätsfahrzeug, sowie über einen KrKw 2to gl oder einen Toyota Land Cruiser in einer Sanitätsversion. Hingegen war in Sukhumi, mit Blick auf die unwegsamen Wege in der Kodori-Schlucht und die schwer zu befahrenden Passstraßen, nur ein KrKw 2to gl stationiert.

Das medizinische Behandlungsspektrum umfasste Impfungen und die "hausärztliche" Versorgung des VN-Personals, ebenso wie die notfallmedizinische Versorgung von Minenund Schussverletzten oder von verunfallten Personen. Konnten die lokalen Krankenhäuser die Patienten nicht weiter versorgen, organisierte der SMO, in Zusammenarbeit mit der VN-Verwaltung, MEDEVACs in die nächste Fachklinik in Georgien oder im Ausland. Während der Dauer der Anwesenheit der Vereinten Nationen kam es immer wieder zu Übergriffen auf VN-Personal. Patrouillen wurden an der Durchführung ihres Auftrages durch Straßensperren oder durch Beschuss gehindert. Mehrmals kam es zu Entführungen. Bei der letzten und längsten Entführung wurden ein deutscher Offizier, zwei weitere internationale Teammitglieder und ich für 7 Tage in der Kodori-Schlucht verschleppt. 1994 hatte ich die erste Einweisung in die Mission. Nach insgesamt sieben Einsätzen mit insgesamt ca. 1600 Einsatztagen im Kaukasus war es für mich persönlich ein guter Einsatzabschluss, die Mission mit abzubauen und in der Gruppe von fünf einsatzerfahrenen Kameraden unser Material in Container zu verladen, um dann gemeinsam von Tiflis aus das Land zu verlassen.

Es war eine spannende und sehr fordernde Aufgabe über die Jahre hinweg mit all den Veränderungen, die die unterschiedlichen politischen Situationen für die Mission brachten. Durch die Schließung der UNOMIG und die Übernahme von Grenzsicherungsaufgaben durch russische Kräfte hat sich die Lage in der ehemaligen Area of Responsibility (AOR) nicht wesentlich geändert. Bereits zwei Wochen später wurde ein gezielter Anschlag auf eine Patrouille der auf der georgischen Seite operierenden Mission der europäischen Union (EUMM) verübt. Traurige Bilanz dieses Zwischenfalls: ein toter Sanitäter und ein verletzter Arzt des Medic Club Georgia, die diesen Einsatz sanitätsdienstlich betreuen. Während des 16-jährigen Bestehens von UNOMIG fanden 13 Missionsangehörige, darunter ein deutscher Arzt, den Tod.

 

Banda Aceh

OFAp H. Berge

Nach dem verheerenden Tsunami vom 26.12.2004 im Indischen Ozean verlegten in den ersten Januartagen des Jahres 2005 mehrere hundert Sanitätskräfte in die Region Aceh (Nordsumatra). Hier wurde umgehend ein mobiles Rettungszentrum errichtet, welches die Akutversorgung der Überlebenden übernahm. Erstmals arbeiteten Landstreitkräfte und Marine zusammen. Zu diesem Zweck wurde der Einsatzgruppenversorger "BERLIN" vom Horn von Afrika vor die Küste Sumatras verlegt. Für internationale Hilfsorganisationen, wie auch für Journalisten, war die Region Aceh aufgrund des dort herrschenden Bürgerkrieges gesperrt. Im Katastrophengebiet fanden ca. 130.000 Menschen den Tod, 120.000 werden bis heute vermisst. Am zweiten Weihnachtsfeiertag saß ich, wie viele andere auch, vor dem Fernseher und sah die ersten, erschütternden Bilder aus Südostasien. Täglich stiegen die Zahlen der Toten. Man sah Aufnahmen von Flutwellen, die in Hotelanlagen eindrangen und vieles mit sich rissen.

Trotz allem stellte ich mir die Frage wie es zu so vielen Toten kommen konnte. Dass viele Kinder und alte Menschen, die nicht schwimmen konnten oder über nur geringe Kräfte verfügten, betroffen waren, konnte ich mir noch vorstellen. Ein gesunder, erwachsener Mensch muss doch aber schwimmen oder sich irgendwo festhalten können. Soviel zur Theorie. Der Anblick, der sich mir wenige Tage später in Banda Aceh bot hatte mit dieser Theorie nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Bilder dieser Art hatte ich noch nie gesehen und sie waren auch im deutschen Fernsehen nur bedingt zu sehen. Die Stadt war buchstäblich weggespült.

Auf die Menschen, die sich in der Nähe der Küste aufgehalten haben kam mit fast 40 km/h eine neun Meter hohe Wand aus Schlammwasser, durchsetzt von Autowracks, Metallteilen, Gartenzäunen, Holzlatten und allem anderen, was zum alltäglichen Leben dazu gehört, zu. Südlich von Banda Aceh war die Welle über 36 m hoch. Im Hafenbereich und in unmittelbarer Umgebung der Küste hatte niemand eine Chance. Doch beginnen wir am Anfang: 26. Dezember 2004: Um 7.58 Uhr Ortszeit (1.58 Uhr MEZ) erschüttert ein Seebeben der Stärke 9,1 den Grund des Ozeans vor der Nordwestküste Sumatras. Die Wellen breiten sich binnen Stunden bis an die Küsten Afrikas aus. Zunächst ist von 1500 Toten die Rede, am Abend von 8500.

Um 18.30 Uhr wird der Bereitschaftsgrad für den "Airbus" A 310 MedEvac erhöht. Die mit Intensivmedizin bestückte Maschine hebt zwei Tage später nach Phuket in Thailand ab, um Verletzte auszufliegen. Am 30. Dezember entscheidet Verteidigungsminister Struck, dass der Einsatzgruppenversorger "BERLIN" aus dem Seegebiet am Horn von Afrika Kurs auf die Katastrophenregion nimmt. An Bord befindet sich ein modernes Rettungszentrum. Einen Tag später fällt die Entscheidung, dass ein luftbewegliches Rettungszentrum auf Sumatra eingesetzt werden soll. Am 5. Januar 2005 verlegen die ersten 50 Soldaten der Hauptkräfte ins Katastrophengebiet.

Nach über 30 Stunden Flug und Aufenthalt in Bulgarien und Pakistan erreichen 12 Soldaten der Hauptkräfte Indonesien. Wir reisen an Bord einer russischen Transportmaschine vom Typ Antonov. Nach einem Tag Aufenthalt in Medan kommen wir in der Nacht des nächsten Tages in Banda Aceh an. Der Rest der Hauptkräfte hat, von Medan aus, im Landmarsch Banda Aceh erreicht. Wir sind in einem Trakt des ehemaligen Universitätskrankenhauses von Banda Aceh untergebracht. Gleich am ersten Morgen werden wir von einem Nachbeben der Stärke 6,4 geweckt, das den ersten Stock empfindlich zum Schwanken bringt. Unsere Unterkunft verfügt weder über Wasser, noch über Strom, Toiletten oder andere sanitäre Einrichtungen. In den kommenden Tagen werden unsere Kameraden des Sanitätshygienetrupps wahre Wunder vollbringen. Gleichzeitig wird das Luftlanderettungszentrum (LLRZ) errichtet. Stabsoffiziere stehen neben Obergefreiten und bauen Zelte auf, schippen Schlamm und versuchen die Einsatzbereitschaft herzustellen. Jeder fasst da an, wo er gebraucht wird und wo er seine ganz persönlichen Fähigkeiten am besten einbringen kann. Die Bilder aus Banda Aceh City haben bei allen ihre Spuren hinterlassen und wir wollen so schnell wie möglich helfen. Von den 250.000 Einwohnern haben ca. 50 % die fürchterlichen Geschehnisse nicht überlebt. Hunderttausende Menschen haben Familienmitglieder, Bekannte und Freunde verloren. Die Zahlen, sind zu abstrakt, zu unfassbar, um sie realisieren zu können.

Am 10. Januar beginnen unsere Ärzte mit Schutzimpfungen und behandeln Verletzte. Die ersten Zelte des Rettungszentrums stehen. In den frühen Morgenstunden des 13. Januar trifft die "BERLIN" vor Banda Aceh ein. Wenige Tage später werden weitere Soldatinnen und Soldatenstarten zur Verstärkung des mobilen Rettungszentrums in die Katastrophenregion verlegt, wodurch sich rund 150 Bundeswehrangehörige an Land im Einsatz befinden. Mit den auf der "BERLIN" eingesetzten Kräften, umfasst das deutsche Kontingent rund 380 Teilnehmer.

Schwerpunkt unserer Bemühungen ist es nachhaltig zu unterstützen und das General Hospital in drei Stufen wieder in Betrieb zu nehmen. Im ersten Schritt soll die akutmedizinische Versorgung der Bevölkerung aufgebaut werden. Danach soll deutsches Sanitätsgerät in das Hospital integriert und einheimisches Personal eingearbeitet werden. Im dritten Schritt sollen diese Mitarbeiter nach Übergabe des Materials die eigenständige, medizinische Versorgung der Bevölkerung übernehmen können.

Als das wieder hergestellte General Hospital an den indonesischen medizinischen Leiter übergeben und der Bundeswehreinsatz am 18. März 2005 beendet wird, stehen folgende Maßnahmen auf der Leistungsbilanz:

  • 3429 Impfungen
  • 2311 ambulante Behandlungen
  • 854 stationäre Behandlungen
  • 196 Operationen
  • 89 MedEvac Flüge.

Die Bundeswehr übergibt Geräte und Medikamente im Wert von 2,7 Millionen Euro aus ihren Beständen an die indonesischen Behörden. Die Gesamtkosten betragen rund 15 Millionen Euro und werden aus dem Verteidigungs- Etat bestritten. Sie rechnen auf den deutschen Hilfsbeitrag in Höhe von 500 Millionen Euro an.

 

Afghanistan ISAF

OFA C. Schleucher, DezLtr G 3.1 SanKdo III, Einsatz ISAF von 11/2003 bis 03/2004 als KpChef Klinik Kp KABUL, von 06/2007 bis 09/2007 als KpChefMEDEVAC KpMASAR-e SHARF, von 04/2009 bis 11/2009 als KpChef SanKp bwglEins und Ltd Notarzt SanEinsVbd MASAR-E-SHARIF

Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 erfolgte durch die zuständigen NATO Gremien schnell die Feststellung eines Angriffes auf einen NATO Staat und seitens vieler NATO Mitgliedsstaaten die Erklärung den USA als angegriffenem Staat beistehen zu werden. Nach Sturz der Taliban Herrschaft über Afghanistan wurde im Rahmen der "Petersberger Konferenz" das weitere Vorgehen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Afghanistans abgestimmt. Im Nachgang dieser Konferenz wurde durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen der ISAF Einsatz zunächst für den Raum Kabul und später für ganz Afghanistan beschlossen. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich von Anbeginn an dieser Mission. Während sich der Einsatz im Jahr 2002 auf Kabul und die nähere Umgebung konzentrierte wurde bereits im Oktober 2003 mit der Übernahme des PRT Kunduz und im Juli 2004 mit dem Aufbau des PRT Feysabad begonnen. Seit Juli 2005 hat Deutschland die Verantwortung für die Koordination der Wiederaufbauhilfe im Norden Afghanistans, zunächst aus Kunduz, ab Herbst 2006 aus Masar-e Sharif.

Mit den Veränderungen der Verantwortungsbereiche, Aufgaben und Stationierungsorte deutscher Kontingente in Afghanistan veränderten sich auch schrittweise die Anforderungen an die sanitätsdienstliche Versorgung. Während in der Anfangsphase neben der klinischen Versorgung von Soldaten und Soldatinnen die notfallmedizinische Versorgung von Verwundeten auf vergleichsweise kurzen Entfernungen im Vordergrund stand, gewann die Herausforderung einer notfallmedizinischen Versorgung mit zunehmenden Entfernungen erheblich an Bedeutung. Hiermit sind die zunehmend lauter vorgetragenen Forderungen nach weiteren Luftrettungsmitteln verbunden.

Insbesondere im Jahr 2009 hat sich die Bedrohungslage für die Deutschen Streitkräfte in Afghanistan verschoben. Während bis dahin insbesondere die Bedrohung von (improvisierten) Sprengfallen und allenfalls "kleinen" Angriffen ausging, fanden im Jahr 2009 im Raum Kunduz mehrfach hochintensive mehrstündige Feuergefechte mit Insurgenten statt. Während dieser Gefechte wurden die Sanitätskräfte ebenso wie die Infanterie- und Aufklärungskräfte durch die Insurgenten beschossen und mussten sich daher auch auf kürzeste Kampfentfernungen selbst verteidigen. Die Kennzeichnung der Sanitätsfahrzeuge mit dem Schutzzeichen führte nicht zu einer Schonung der Sanitätskräfte, wenngleich diese auch nicht übermäßig bekämpft wurden. Demgegenüber steht, dass die Schutzzeichen der Sanitätsfahrzeuge es den Insurgenten erleichtert die Aufteilung der Konvois besser erkennen zu können. In der Folge wurden mehrfach gerade die Zugführerfahrzeuge gezielt angegriffen. Aus diesen Gründen sind die Sanitätsfahrzeuge derzeit nicht mit dem Schutzzeichen gekennzeichnet und - soweit technisch möglich - mit einem auflaffetierten MG ausgestattet.

Die Entwicklung der Aufgaben der Einsatzkontingente ISAF führt außerdem zu dem Erfordernis einzelne Rettungsassistenten ohne eigenes Sanitätsfahrzeug im wesentlichen für Ausbildungsaufträge für die Afghanische Polizei abzustellen. Gerade diese benötigen zum Teil weit über die normalen Kompetenzen eines Rettungsassistenten hinausgehende notfallmedizinischen Einsatzkompetenzen, da sie gegebenenfalls Verletzte / Verwundete über einen lagen Zeitraum eigenverantwortlich betreuen müssen.

Die im Verlauf des Einsatzes in Afghanistan gemachten Erfahrungen führten zu wesentlichen Veränderungen in der sanitätsdienstlichen Ausbildung und Ausrüstung aller Deutschen Soldatinnen und Soldaten aber auch des Sanitätspersonals. Das Ziel der sanitätsdienstlichen Versorgung ist auf Dauer und in intensiven Gefechten nur zu erreichen, wenn alle Glieder der Rettungskette, angefangen von der Selbst- und Kameradenhilfe bis hin zur stationären Versorgung in Krankenhäusern in Deutschland, verlässlich ineinander greifen.

Die Erfahrungen der Gefechte im Jahr 2009 haben jedoch auch den Stellenwert der allgemeinmilitärischen Ausbildung von Sanitätspersonal wieder deutlich ins Bewusstsein gerückt. Jeder Soldat, der außerhalb der Feldlager eingesetzt wird - auch Sanitätspersonal - muss zwingend in der Lage sein sich selbst gegen Angriffe von Insurgenten zu verteidigen.

Neben den dargestellten allgemeinen militärischen Herausforderungen fordern auch die klimatischen Verhältnisse eine besondere Aufmerksamkeit. Extremtemperaturen über 55°C im Sommer und unter -20°C im Winter gilt es ebenso zu begegnen wie Sandstürmen, extremer Trockenheit und Sonneneinstrahlung. Hier ist insbesondere die präventivmedizinische Beratung der Truppenführer aller Ebenen wesentlich, um klimatisch bedingte Krankheitsfälle zu minimieren.

Von Beginn an wurde die afghanische Bevölkerung zudem durch den Sanitätsdienst - insbesondere die Klinikanteile - mitversorgt, sofern lokale Gesundheitseinrichtungen diese zur Behandlung vorgestellt haben oder die Afghanis durch ISAF Soldaten zu Schaden gekommenen sind (Unfälle, Gefechtshandlungen). Darüber hinaus wird seit Beginn der ISAF Mission ein besonderes Augenmerk darauf gelegt das lokale Gesundheitssystem durch Weiterbildung des einheimischen medizinischen Personals zu unterstützen. Gerader vor dem Hintergrund der Entwicklung der Sicherheitslage findet diese Unterstützung zunehmend innerhalb der Feldlager statt.

 

Einsatzgebiete deutscher sanitätsdienstlicher Unterstützung:

GEORGIEN
 1994 - 2009 United Nations Observer Mission in Georgia (UNOMIG), Georgien

Hauptauftrag der UNOMIG war die Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Mission. Hierfür befanden sich drei Ärzte und sechs Sanitätsfeldwebel im Einsatz. Diese hatten zwar einen speziellen medizinischen Versorgungsauftrag, besaßen aber ebenso wie die übrigen Offiziere der Bundeswehr den Status eines (waffenlosen) Militärbeobachters der Vereinten Nationen. Darüber hinaus beteiligten sich drei deutsche Militärbeobachter an regelmäßigen Patrouillen auf beiden Seiten der Sicherheitszone zwischen Georgien und Abchasien. Die Beobachtermission sollte der Entschärfung des Konfliktes zwischen den ethnischen Gruppen der Georgier und der Abchasen dienen. Das Mandat der Vereinten Nationen endete im Juni 2009, da Russland von seinem Vetorecht im Weltsicherheitsrat Gebrauch machte.

Balkan
 1995 - 1996 United Nations Protection Force (UNPROFOR), Kroatien

Der UNPROFOR-Auftrag umfasste die Überwachung der UN - Schutzräume, sowie die sanitätsdienstliche Versorgung in einem deutsch - französischen Feldlazarett in Trogir/ Kroatien. Hierfür stellte Deutschland ab dem 8. August ein Heereskontingent aus etwa 530 Soldaten. Des weiteren wurden zwei Transall-Flugzeuge bereitgehalten, um medizinische Notfälle transportieren zu können. Am 20. Dezember 1995 wurde UNPROFOR durch IFOR abgelöst.

1995 - 1996 Implementation Force (IFOR), Kroatien/ Bosnien-Herzegowina
Nach schwierigen Verhandlungen und massivem internationalen Druck kam es in Dayton (USA) am 21. November 1995 zu einer Einigung zwischen den Konfliktparteien im ehemaligen Jugoslawien. Im daraus resultierenden Friedensvertrag vom 14. Dezember 1995 beschlossen die Konfliktparteien die Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe IFOR, die unter NATO-Kommando stand. Das deutsche IFOR - Kontingent, welches ca. 4.000 Soldatinnen und Soldaten umfasste, war primär mit Logistik, Transport und medizinischer Versorgung beauftragt. Die sanitätsdienstliche Versorgung wurde in einem deutsch - französischen Feldlazarett sichergestellt. Eine wesentliche Leistung, die im Rahmen des dritten IFOR-Kontingents erbracht wurde, war die Verlegung dieses Feldlazaretts von Trogir nach Railovac. Die deutsche Beteiligung dauerte vom 20.12.1995 bis zum 20.12.1996 an, bis die Mission durch SFOR abgelöst wurde.

1996 - 2004 Stabilization Force (SFOR), Bosnien-Herzegowina
Durch die Resolution 1088 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 12. Dezember 1996 wurde das Mandat der bisherigen Implementation Force (IFOR) auf die SFOR zunächst für 18 Monate übertragen und später mehrmals verlängert. Der SFOR-Einsatz erfolgte im Rahmen der Operation Joint Guard auf Grundlage des Dayton-Vertrags von 1995. Seine Hauptaufgabe war die Unterstützung der zivilen Aktivitäten im Rahmen des Dayton Vertrages, um einen dauerhaften Frieden im Einsatzgebiet zu schaffen. Nach Verlegung des Feldlazaretts Trogir, stellten deutsche Sanitätskräfte die medizinische Versorgung der Kontingentteilnehmer in Railovac sicher. Die deutsche Beteiligung endete am 02.12.2004, als die SFOR von EUFOR abgelöst wurde.

2004 bis heute European Union Force (EUFOR), Bosnien-Herzegowina
Auftrag der EUFOR sind die Friedenssicherung, die Überwachung und Rüstungskontrolle sowie die Unterstützung der zivilen Implementierung. Sanitätsdienstlich werden die 997 Kontingentteilnehmer durch ein Einsatzlazarett versorgt, welches dem Niveau eines deutschen Kreiskrankenhauses entspricht. Für den Transport verletzter Soldaten stehen geländegängige Rettungsfahrzeuge zur Verfügung, die ausstattungstechnisch einem Notarztwagen entsprechen. Im Bedarfsfall kann ein Rettungshubschrauber eingesetzt werden.

Mazedonien
1998 - 1999 Kosovo Verification Mission (KVM), Mazedonien
Die KVM war eine Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Kosovo, deren Ziel u. a. die Überwachung polizeilicher Maßnahmen und die Überprüfung der Bewegungsfreiheit von Beobachtern und humanitären Organisationen waren. Das Kosovo bildete zu diesem Zeitpunkt den gefährlichsten Krisenherd in Europa. Ein Übergreifen des Konfliktes auf benachbarte Gebiete und Länder drohte eine ganze Region zu destabilisieren und dadurch die Sicherheit Europas zu beeinträchtigen. Im Dezember 1998 verlegten deutsche Kräfte, unter ihnen zahlreiche Sanitätskräfte, über Griechenland nach Mazedonien, wo sie in Tetovo eine erste Basis zur Absicherung der KVM einrichteten. Neben dem Aufbau eines Rettungszentrums wurde dort eine Bundeswehrapotheke eingerichtet. Nach dem Scheitern der Verhandlungen von Rambouillet wurden die OSZE-Mitarbeiter am 20. März 1999 nach Mazedonien evakuiert. In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1999 begann die NATO ihre Luftoffensive „Operation Allied Force“ gegen Jugoslawien.

2001 - 2002 Task Force Fox (TFF), Mazedonien
2001 eskalierten ethnische Konflikte zwischen mazedonischer Mehrheit und albanischer Minderheit zu einem regional umschriebenen Bürgerkrieg. Nach dem durch NATO und EU vermittelten Friedenschluss wurden zunächst in der Operation ESSENTIAL HARVEST die Freischärler entwaffnet. Auftrag der knapp 1000 Mann starken Nachfolgermission TFF war es, die Sicherheit und Bewegungsfreiheit der internationalen Beobachter von OSCE und EU zu schützen und damit die politische Stabilität MAZEDONIENS wiederherzustellen. Dies umfasste gemäß Mandant:

  • die Sicherheit der eigenen Kräfte zu jeder Zeit zu gewährleisten,
  • Verbindung zu den im Einsatzraum dislozierten Beobachtern der OSCE und EU herzustellen und zu halten,
  • Verbindung zu staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen aufzubauen und zu halten und vertrauensbildende Maßnahmen zu fördern,
  • die Fähigkeit bei Gefahr jederzeit die gesicherte Abholung von Beobachtern auch unter Einsatz militärischer Gewalt sicherzustellen.

Kosovo
 1999 bis heute Kosovo Force (KFOR), Kosovo

Die Kosovo Force wurde im Jahre 1999 nach Beendigung des Kosovokrieges aufgestellt und steht unter NATO-Führung. Ihr obliegt es, gemäß der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 10. Juni 1999 beschlossenen Resolution 1244 für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu sorgen. Ihr Hauptquartier befindet sich in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Deutsche Sanitäterinnen und Sanitäter sind seit Missionsbeginn mit Masse im Feldlazarett Prizren eingesetzt. 2007 wurde nach nur zehn Monaten Bauzeit der Neubau eines 7,5 Millionen Euro teuren Einsatzlazaretts fertiggestellt, welches den Soldaten der Task Force South auf 1.400 qm eine optimale sanitätsdienstliche Versorgung garantiert. Aufgrund der hohen Erdbebengefahr im Kosovo, wurde die Einrichtung auf eine 60 cm starke Bodenplatte aus Stahlbeton gebaut.

Asien
 1999 - 2000 International Force East Timor (INTERFET), Osttimor

Die INTERFET wurde als multinationale Schutztruppe von den Vereinten Nationen beauftragt, die Sicherheitslage in Osttimor bis zum Eintreffen offizieller UN-Friedenstruppen zu stabilisieren. Am 16. September 1999 stellte der deutsche Außenminister Joschka Fischer dem Deutschen Bundestag den Plan zur Entsendung eines Sanitätskontingents der Bundeswehr zur Unterstützung der Friedenstruppen und weitere Aufbauhilfen vor, welcher am 07.10.1999 gebilligt wurde. Bis zu 100 Soldatinnen und Soldaten durften nach Darwin/ Australien verlegt werden. Die Luftwaffe stationierte dort zwei MedEvac C-160 Transall. Diese flogen ihren ersten Einsatz am 21.10.1999, als verletzte INTERFET- Soldaten und ein ziviler UN-Mitarbeiter evakuiert wurden.

2002 bis heute International Security Assistance Force (ISAF), Afghanistan
Im Januar 2002 verlegten Vorauskräfte der Division Spezielle Operationen (DSO), inkl. eines sanitätsdienstlichen Anteils, nach Kabul. Dort wurde im Camp Warehouse ein erstes Luftlanderettungszentrum errichtet, welches später bis zum Einsatzlazarett ausgebaut wurde. Im Jahr 2006 wurden die deutschen Hauptkräfte nach Masar-e Sharif, in den Norden des Landes verlegt. Inzwischen ist dort ein modernes Einsatzlazarett entstanden, welches den Standard eines Kreiskrankenhauses aufweist. Das deutsche Einsatzkontingent ISAF stützt sich im Norden zusätzlich auf das Rettungszentrum Kunduz sowie das Rettungszentrum Feysabad ab. Ein wesentlicher Teil der ISAF-Operation ist der Betrieb eines Lufttransportstützpunktes in Termez/ Usbekistan nahe der afghanischen Grenze. Hier wurde bereits 2002 eine Casualty Staging Unit (CSU) errichtet. Diese Infrastruktur in sicherem Umfeld gewährleistet angesichts der geografischen und meteorologischen Bedingungen sowie der Lage in Afghanistan die für einen sicheren Flugbetrieb unerlässliche Flexibilität.

2005 ACEH, Indonesien (Region Aceh)
Nach dem verheerenden Tsunami vom 26.12.2004 im Indischen Ozean verlegten in den ersten Januartagen des Jahres 2005 mehrere hundert Sanitätskräfte in die Region Aceh (Nordsumatra). Hier wurde umgehend ein mobiles Rettungszentrum errichtet, welches die Akutversorgung der Überlebenden übernahm. Erstmals arbeiteten Landstreitkräfte und Marine zusammen. Zu diesem Zweck wurde der Einsatzgruppenversorger "BERLIN" vom Horn von Afrika vor die Küste Sumatras verlegt. Für internationale Hilfsorganisationen wie auch für Journalisten war die Region Aceh aufgrund des dort herrschenden Bürgerkrieges gesperrt. Im Katastrophengebiet fanden ca. 130.000 Menschen den Tod, 120.000 werden bis heute vermisst.

2006 - heute United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL), Libanon
Die United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) wurde bereist im März 1978 gegründet. Die Mission ist bis heute im Libanon stationiert. Zu ihren derzeitigen Aufgaben zählen unter anderem die Überwachung des (angestrebten) Waffenstillstands sowie die Minenräumung. UNIFIL wird halbjährlich vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verlängert. Die Aufgabe der Bundeswehr im Stabilisierungsprozess sind Aufklärung und Kontrolle der Seewege, die Umleitung von Schiffen im Verdachtsfall, Lufttransport, humanitäre Hilfe und technische Ausrüstungshilfe. Das Operationsgebiet der deutschen Marineeinheiten, die so genannte "Area of Maritime Operations" (AMO), erstreckt sich über ein Gebiet von ungefähr 110 x 43 Seemeilen und ist damit etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Deutsche Sanitätskräfte haben in der Vergangenheit auf den dort eingesetzten Einsatzgruppenversorgern unterstützt.

2002 ARTEMIS, Demokratische Republik Kongo/ Uganda
Deutscher Auftrag der Operation ARTEMIS war die Truppenversorgung auf der Route Deutschland - Uganda (Entebbe) durch C-160 Transall sowie die Unterstützung der Führung der Operation "Artemis". Der deutsche Sanitätsdienst beteiligte sich durch die Bereitstellung der Fähigkeit zur Rückholung von Verwundeten mittels einer Transall A310 "MedEvac" und ca. 60 Soldaten an der Operation.

2002 - heute Operation Enduring Freedom (OEF), Horn von Afrika
Das Einsatzgebiet gemäß Art. 6 des Nordatlantikvertrags der OEF umfasst die arabische Halbinsel, Mittel- und Zentralasien, Nordostafrika und die angrenzenden Seegebiete. Das deutsche Mandat wurde durch den Bundestag jedoch auf den Marineeinsatz am Horn von Afrika und die Zahl der einzusetzenden Soldaten auf maximal 800 beschränkt. Dieses Mandat wird jährlich durch den Bundestag überprüft, der das Kontingent nach und nach verkleinerte. Im Rahmen von OEF sind Angehörige des Bundeswehr-Sanitätsdienstes auf dem jeweils im Einsatz befindlichen Einsatzgruppenversorger (EGV) eingesetzt.

EUFOR RD CONGO, Demokratische Republik Kongo/ Gabun
Im EU-geführten Einsatz EUFOR RD Congo sicherten Bundeswehrsoldaten die ersten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit mehr als 40 Jahren in dem afrikanischen Land ab. Bilanz des vom 30.07.-30.11.2006 laufende Einsatzes war, dass die Anwesenheit der europäischen Truppen entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Wahlen, die am 30. Juli 2006 im Kongo begannen, weitgehend ruhig und friedlich verlaufen sind. Die überwiegend vom KSES aus Leer/ Ostfriesland stammenden Sanitäterinnen und Sanitäter bauten in Libreville/ Gabun und Kinshasa/ Demokratische Republik Kongo zwei Rettungszentren auf und stellten somit sicher, eventuell verwundete Soldaten adäquat versorgen zu können.

2008 - heute ATALANTA (Horn von Afrika)
Die Mission ATALANTA soll im Einsatzgebiet operierende Piraten abschrecken und bekämpfen. Ziel ist es vor allem, den Schiffsverkehr des Welternährungsprogramms, den zivilen Schiffsverkehr und die dortigen Handelsrouten zu sichern sowie das Völkerrecht durchsetzen. Seit dem 19. Dezember 2008 sind deutsche Streitkräfte mit einer Fregatte sowie zwei Bordhubschraubern, einem Team zum Schutz von Handelsschiffen (Vessel Protection Detachment), und einem Boardingteam an der Operation ATALANTA beteiligt. Die sanitätsdienstliche Versorgung wird durch eine erweiterte Facharztgruppe sichergestellt.

Datum: 10.01.2010

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2010/1