Artikel: M. Pape

Das VersInstZ SanMat Quakenbrück

1. Entstehungsgeschichte des Versorgungs- und Instand­setzungszentrums Sanitätsmaterial Quakenbrück

Das Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat) Quakenbrück ist eine Dienststelle des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr (ZSanDstBw) mit dem Status einer Bundeswehrapotheke. Stationiert ist das VersInstZ SanMat in der Artlandkaserne im niedersächsischen Quakenbrück.

Mit der Fokussierung der Bundeswehr auf Stabilisierungsoperationen, als Folge der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zerfall des Warschauer Paktes sowie der damit einhergehenden Zentralisierung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (ZSanDstBw), wurde im Jahre 2003 am Standort Quakenbrück zunächst die 5. Kompanie (Sanitätsmaterial-Kompanie) des Sanitätsregiments 12 (Standort des Regimentes: Fürstenau) aufgestellt. Nach Auflösung dieses Regimentes wurde besagte Kompanie 2007 umgegliedert und zunächst dem Lazarettregiment 11 (Standort des Regimentes: Breitenburg, später Seeth) unterstellt. Personal und Material dieser abgesetzten Kompanie bildeten im weiteren Verlauf dann den Grundstock für das neu aufzustellende Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat) Quakenbrück. Die ehemalige Bundeswehrapotheke (BwApotheke) der Marine in Wilhelmshaven wurde dem VersInstZ SanMat unterstellt, sowie Aufträge und Aufgaben der aufzulösenden Bundeswehrapotheken an den Standorten Warnemünde und Husum (3./LazRgt 11) übernommen.

Mit Wegfall der Bundeswehrkrankenhausapotheke Bad Zwischenahn mussten darüber hinaus auch die vielfältigen Aufgaben einer krankenhausversorgenden Apotheke für das neu aufgestellte Bundeswehrkrankenhaus Westerstede sichergestellt werden.

Um die Versorgung mit Sanitätsmaterial sowie die Instandhaltung von Sanitätsgerät auch in den Stabilisierungseinsätzen zu gewährleisten, wurde den VersInstZ SanMat darüber hinaus auch eine Sanitätsstaffel Sanitätsmaterialversorgung Einsatz (SanStff SanMatVers Eins) unterstellt, die im Einsatzfall einen Basisversorgungspunkt Sanitätsmaterial (BVP SanMat) sowie die Apotheke eines Unterstützungspunktes Sanitätsdienst (UPSanDst) betreibt.

2. Auftrag und Gliederung des VersInstZ SanMat Quakenbrück grundsätzlich – oder „Sanitätsmaterialversorgung und –Instandhaltung aus einer Hand“

PhotoAbb. 1: Auftragsspektrum VersInstZ SanMat Quakenbrück Der Auftrag des VersInstZ SanMat Quakenbrück gliedert sich grundsätzlich in drei Schwerpunktbereiche, nämlich die Sanitätsmaterialversorgung/-instandhaltung im Inland, die Sanitätsmaterialversorgung/-instandhaltung in die Einsatzgebiete der Bundeswehr hinein sowie die entsprechende Versorgung mit Sanitätsmaterial und Instandhaltung von Sanitätsgerät im Einsatz (s. Abb. 1).

Hierbei ist sowohl die Logistische Ebene (LogEbene) 1 (Eigen­versorgung des Verbandes), die LogEbene 2 (Sanitätsmaterial­versorgung im zugewiesenen Bereich) als auch die LogEbene 3 (Bewirtschaftung eines Austauschvorrates Nichtverbrauchsgüter Sanitätsmaterial (NVGSan) im VersInstZ SanMat abgebildet.

PhotoAbb. 2: Gliederung und Versorgungsauftrag Als Besonderheit ist hervorzuheben, dass das VersInstZ SanMat Quakenbrück, im Gegensatz zu allen anderen Bundeswehrapotheken, das komplette Spektrum der sanitätsdienstlichen Versorgungseinrichtungen, d. h. sowohl ambulante als auch klinische Einrichtungen aller Behandlungsebenen (Role 1 bis Role 4), im Inland wie in Teilen auch im Ausland, mit Sanitätsmaterial versorgt.

Darüber hinaus bildet das VersInstZ SanMat Quakenbrück die Einsatzsystematik der SanMatVers mit der „Bundeswehrapotheke Quakenbrück“ analog eines BVP SanMat, der Bundeswehrapotheke Wilhelmshaven analog einer Apotheke eines UPSanDst, der Außenstelle Klinisch Pharmazeutische Dienstleistungen im Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Westerstede als Apothekenäquivalent in einer Role 2E- oder Role 3-Einrichtung, modellhaft ab (s. Abb. 2). Verfahren und Abläufe der SanMatVers im Einsatz können hier somit in einzigartiger Weise beübt und erprobt werden.

Herauszustellen ist weiterhin, dass das VersInstZ SanMat Quakenbrück mit der Bundeswehrapotheke Wilhelmshaven der „Single Point of Contact“ für die Versorgung der Marine mit Sanitätsmaterial ist.

3. Gliederung und Aufträge im speziellen

3.1 Auftrag des eigentlichen VersInstZ SanMat (Bundeswehrapotheke) Quakenbrück

Im Rahmen der Inlandsversorgung mit SanMat versorgt das VersInstZ SanMat Quakenbrück, neben der Bundeswehrapotheke Wilhelmshaven und dem BwKrhs Westerstede, die drei Sanitätsunterstützungszentren (SanUstgZ) in Kiel, Neubrandenburg und Munster mit ihren jeweils unterstellten Sanitätsstaffeln Einsatz (SanStff Eins), Facharztzentren und insgesamt 32 Sanitätsversorgungszentren (SanVersZ) ebenso mit Arzneimitteln und Medizinprodukten, wie auch das Kommando Schnelle Einsatzkräfte ­Sanitätsdienst und weitere Einrichtungen des Heeres- und Luftwaffensanitätsdienstes. 

Der Bereich Instandhaltung von SanMat ist für die planmäßige Instandhaltung (z. B. stK, mtK) und nichtplanmäßige Instandhaltung (sog. Bedarfsinstandsetzung) von SanMat (bis zur Instandhaltungsstufe 3) der o.g. Dienststellen sowie der Marine zuständig. Er verfügt hierzu sowohl über die dafür notwendigen Werkstätten als auch über entsprechend qualifiziertes Personal. Auf Anforderung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr oder der Marine führt das hier tätige Fachpersonal darüber hinaus auch Instandhaltungsmaßnahmen im Auslandseinsatz durch. Der Bereich „Lager NVGSan“ ist u. a. in diesem Zusammenhang für die Bewirtschaftung eines entsprechenden Austauschvorrates an Sanitätsgerät, in enger Kooperation mit dem Logistikzentrums der Bundeswehr verantwortlich.

Hinsichtlich der „Versorgung in den Einsatz“ versorgt das VersInstZ SanMat aktuell die sanitätsdienstlichen Versorgungseinrichtungen in den Einsätzen EUTM MALI und MINUSMA. Darüber hinaus werden im VersInstZ SanMat Quakenbrück SanMat-Pakete im Rahmen der Nationalen Katastrophenvorsorge (NatKV) bzw. für militärische Evakuierungsoperationen (MilEvacOp) vorgehalten.

Das bisher geschilderte Auftragsspektrum wird ergänzt durch die Teileinheit Augenoptik/Brillenherstellung. In dieser Teileinheit werden neben Dienstbrillen auch Sehhilfen und Sonderbrillen, beispielsweise für die ABC-Schutzmaske, gefertigt.

Alle bisher beschriebenen Prozesse sind in einem Qualitätsmanagementsystem nach DIN ISO 9001 niedergelegt und durch den TÜV Süd zertifiziert. Dies umfasst auch die Prozesse der im Folgenden beschriebenen BwApotheke Wilhelmshaven.

PhotoAbb. 3: Tätigkeitsspektrum Darüber hinaus ist das VersInstZ SanMat Quakenbrück akademische Ausbildungsapotheke der Apothekerkammer Hamburg und Weiterbildungsstätte für die Weiterbildung zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie.

Das fachliche Aufgabenportfolio des VersInstZ SanMat Quakenbrück sowie der anderen Bundeswehrapotheken ist in Abb. 3 zusammengefasst.

3.2 Auftrag „Außenstelle Westerstede der Bundeswehrapotheke Quakenbrück“

Das VersInstZ SanMat Quakenbrück hat den Auftrag, die Sanitätsmaterialversorgung des BwKrhs Westerstede sicherzustellen. Neben der rein materiellen Versorgung sind durch die krankenhausversorgende Apotheke jedoch auch umfangreiche klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen zu erbringen. Um eine qualitätsorientierte Arzneimittelauswahl und eine Überprüfung der patientenindividuellen Arzneimittelverordnungen im Sinne des Medikationsmanagements nach § 1a Apotheken-Betriebsordnung sicherstellen zu können, müssen diese Apotheker daher obligate Mitglieder des therapeutischen Teams der BwKrhs sein. Vor diesem Hintergrund ist im BwKrhs Westerstede eine Teileinheit „Außenstelle Westerstede der Bundeswehrapotheke Quakenbrück“ im Sinne eines betrieblich abgesetzten Bereichs der krankenhausversorgenden Bundeswehrapotheke Quakenbrück für die kontinuierliche Wahrnehmung insbesondere der ortsgebundenen klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen eingerichtet. 

3.3 Auftrag der Bundeswehrapotheke Wilhelmshaven

Die BwApotheke Wilhelmshaven versorgt im Schwerpunkt die Einsatzflottillen 1 und 2 bzw. den Marinesanitätsdienst mit Sanitätsmaterial. Da die in Rede stehende Apotheke mit dem SanUstgZ Wilhelmshaven in derselben Liegenschaft kolloziert ist, wird auch besagtes SanUstgZ mit seinem Facharztzentrum, seiner SanStff Eins und seinen SanVersZ durch diese versorgt.

Die Versorgung in den Einsatz wird in enger Kooperation mit den Versorgungseinrichtungen der Marine durchgeführt. Aktuell umfasst dieser Auftrag die Einsätze UNIFIL, EUNAVFOR ATALANTA und SEAGUARDIAN. 

3.4 Auftrag der Sanitätsstaffel Sanitätsmaterialversorgung Einsatz

Während die bisher erwähnten Sanitätsmaterialversorgungseinrichtungen hauptsächlich für die „Inlandsversorgung“ bzw. die „Versorgung in den Einsatz“ verantwortlich sind, betreffen Auftrag und Fähigkeiten der „Staffel“ hauptsächlich die „Versorgung im Einsatz“; d. h. sowohl die Verlegung, den Aufbau und den Betrieb eines BVP SanMat (der BVP SanMat ist eine Bundeswehrapotheke im Sinne der der Bereichsvorschrift C1 - 841/0 - 4000 „Der Betrieb von Bundeswehrapotheken“) als auch die Verlegung, den Aufbau und den Betrieb der Apotheke eines UPSanDst. Weiterhin verfügt die SanStff SanMat Vers Eins über eine Transportgruppe, um Sanitätsmaterial zwischen den Einsatzapotheken und den sanitätsdienstlichen Versorgungseinrichtungen (Role 1 - 3) im Einsatz transportieren zu können. Neben diesen Fähigkeiten verfügt die „Staffel“ auch über die Befähigung zur Herstellung von Arzneimitteln im Rezeptur- und Defekturmaßstab, einschließlich zur Erzeugung und Abfüllung von Sauerstoff mittels einer mobilen Sauerstofferzeugungs- und abfüllanlage (MSEA) auf Containerbasis.

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass die SanStff SanMat Vers, neben ihrem originären Auftrag, zweimal jährlich den Lehrgang „Arzneimittelherstellung und Sauerstoffproduktion im Einsatz“ für die Sanitätsakademie der Bundeswehr durchführt. Unterstützt wird sie hierbei durch pharmazeutisches Personal aus den Apotheken der Bundeswehrkrankenhäuser.

Neben den pharmazeutischen Fähigkeiten verfügt die Staffel zusätzlich, ebenso wie das eigentliche VersInstZ SanMat, über die Fähigkeit zur Instandhaltung von NVGSan, sowie zur Instandhaltung von Brillen und Sehhilfen im Einsatz.

Bildeten in der Vergangenheit die Aufträge „Inlandsversorgung/-instandhaltung“ so­wie „Versorgung in den Einsatz“ die Schwerpunkte der Tätigkeiten des VersInstZ ­SanMat Quakenbrück, so rückt mit der Refokussierung der Bundeswehr auf Bündnis- und Landesverteidigung zusehends der Auftrag der „Sanitätsmaterialversorgung im Einsatz“ deutlich stärker in den Vordergrund.

Hierauf soll im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes nun genauer eingegangen werden.

4. Paradigmenwechsel

Mit der Nato-Assignierung der SanStff SanMatVers Einsatz für die VJTF 2018 - 2020 und der damit assoziierten NATO-Zertifizierungsübung TRIDENT JUNCTURE 2018 wurde die Staffel SanMatVers Einsatz erstmals für ihren originären Auftrag herangezogen und materiell und personell aufgestellt. Das bisher insbesondere im Rahmen der Inlandsversorgung eingesetzte Personal der SanStff SanMatVers Einsatz wurde aus diesen Bereichen abgezogen und mit seinem eigentlichen Auftrag konfrontiert.

So galt es die Fähigkeiten eines Basisversorgungspunktes Sanitätsmaterial (BVP SanMat) sowie einer Einsatzapotheke für einen Unterstützungspunkt Sanitätsdienst, einschließlich deren Befähigung zur strategischen und taktischen Verlegung sowie die Sicherstellung der Sanitätsmaterialversorgung und des Sanitätsmaterialtransportes im Einsatz/-Übungsraum, in Ermangelung einer final abgestimmten Fähigkeitsforderung, auszuplanen und darzustellen. 

4.1 Materielle Vorbereitung

Die materielle Vorbereitung zur Übung gestaltete sich in Ermangelung des Materials aus den Rüstungsprojekten BVP SanMat und UPSanDst, sehr herausfordernd. Unzweckmäßige bzw. veraltete Materiallisten (Fernfeldsprechgerät, Taschenleuchte) trafen auf innovative Lösungsansätze und aktuelle Erfordernisse.

So traf nach Erstellung des „DPE“ (Detailplanungsergebnis) zunächst eine „Flut“ an Material aus unterschiedlichen Verbänden und Einrichtungen des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr in der SanStff SanMatVers Einsatz ein. Hinzu kam, dass die bisher genutzte Infrastruktur in der Artlandkaserne nur unzureichend auf die Unterbringung dieses Materials nach Art und Umfang vorbereitet war.

Parallel zum Management des Materialzuflusses galt es, dass Personal der SanStff SanMatVers Einsatz an dem in Rede stehenden Material auszubilden. Wohlgemerkt dies alles ohne ein tatsächliches Stabselement, wie es den übrigen Verbänden des ZSanDstBw üblicherweise zur Verfügung steht. Einweisungs- und Überprüfungsfahrten auf die jeweiligen Fahrzeugmuster, Handlungssicherheit/Teilnahme an Schulungen im Umgang mit dem Aufbau von modularen Sanitätseinrichtungen (MSE) und die Einführung in den Funk- und Fernmeldebetrieb sind nur ein geringer Auszug aus dem Portfolio der zusätzlichen Aufträge.

Eine weitere Herausforderung war die zeitgerechte Bereitstellung von EVGSan für die Volltruppenübung bzw. die Einsatzverpflichtung.

Diese Leistungen hätten insgesamt, ohne die vorzügliche Unterstützung durch die beiden anderen VersInstZ SanMat in Blankenburg und Pfungstadt, nicht zeitgerecht erbracht werden können. Gleichwohl kam es zu deutlichen Einbrüchen hinsichtlich der bisher gewohnten Lieferzeiten im Rahmen der Routineversorgung, die bis in das Jahr 2019 nachwirkten. 

4.2 Vorbereitung der Übung TRIDENT JUNCTURE 2018

Zunächst wurde das für die Übung benötigte Querschnittsmaterial identifiziert und unter Beachtung aller notwendigen Dokumente vorschriftenkonform verstaut. Das EVGSan wurde in Boxpaletten eingelagert und in „Kühl-Container“ verladen – nur Kühlcontainer erlauben die Lagerung innerhalb der gesetzlich vorgegebenen konstanten Temperaturbereiche.

Die zur Verfügung gestellten Kühlcontainer eigneten sich je nach Bauart jedoch nur unzureichend für den Parallelbetrieb als Transport- und Lagerungsraum, da sie zumeist weder über Zurrpunkte, noch über andere Möglichkeiten zum Anbringen alternativer Ladungssicherungshilfsmittel verfügten. Für den Land- und Seetransport mussten daher alternative Ladungssicherungsmöglichkeiten identifiziert und beschafft werden.

Der Transport des Querschnittmaterials wurde sowohl auf eigener Achse (Fahrzeuge/Anhänger) als auch durch Dritte durchgeführt. Im Rahmen von zwei Umläufen wurde das Material so von Quakenbrück zum Seehafen Emden verbracht. 

4.3 Verlegung und Aufbau im Übungsraum:

Die folgenden Abschnitte beziehen sich grundsätzlich auf den BVP SanMat, sind jedoch für die Apotheke des UPSanDst analog zu betrachten.

Die Verlegung des Personals nach Norwegen fand am 12. September 2018 statt, wo das Personal in „Camp Gardermoen“ untergebracht wurde. In den nächsten Tagen wurde im Rahmen des RSOM-Prozesses (Reception, Staging, Onward Movement) dann das Material im Seehafen Fredrikstad entgegengenommen und nach Gardermoen verlegt.

PhotoAbb. 4: BVPSanMat Der Aufbau von Teilen eines BVP SanMat erfolgte im Anschluss. Parallel zum Aufbau wurden die Sanitätsmaterialcontainer durch das ebenfalls an der Übung teilnehmende Logistik Bataillon (LogBtl) 172 bis zur Logistischen Basis im Einsatz (LogBasis i.E.) transportiert.

Nach Abschluss aller Maßnahmen konnte so am 21. September Aufnahmebereitschaft für das EVGSan gemeldet werden (s. Abb. 4).

Das Einrichten der Lagerbereiche EVGSan gestaltete sich nun jedoch herausfordernder. Das in Boxpaletten transportierte Material musste, in Ermangelung eigener Fähigkeiten, durch einen Teleskop­stapler des LogBtl umgeschlagen und über die Giebelseiten der Lagerräume zur Verfügung gestellt werden, da ein Befahren der Zeltböden mit Flurförderzeugen nicht möglich ist (aufgrund des Gewichtes von Gabelhubwagen und Palette brechen die Böden ein). Hier besteht sowohl für den BVP SanMat als auch die Apotheke des UPSanDst eine Fähigkeitslücke mit eklatanten Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft dieser Einrichtungen.

Dieses Problem zeigte sich auch im Routineversorgungsbetrieb, so dass Materialbewegungen innerhalb der Einrichtungen nur mittels einer „Menschenkette“ möglich waren. Folglich wurde für die Übung entschieden, zur Lagerung des EVGSan die ebenfalls mitgeführten Aluminium-Regale zu nutzen, was selbstredend erhebliche Auswirkungen auf den Aufbau und die damit korrelierten Verlegezeiten zur Folge hatte.

4.4 Übung:

Die eigentliche Übung (LIVEX-Phase) fand im Zeitraum 25. Oktober bis 7. November 2018 statt. Als integraler Bestandteil der Unterstützungskräfte wurden die Anteile BVP SanMat sowie die Apotheke des UPSanDst durch ihren Realversorgungsauftrag am Übungsgeschehen beteiligt. 

Als Herausforderung stellte sich hierbei jedoch u. a. das Fehlen einer eigenen Kommunikationslinie für diesen Auftrag heraus. So mussten beispielsweise SanMat-Anforderung der den Bataillonen zugeordneten Role 1-Einrichtungen über den Gefechtsstand des jeweiligen Bataillons zum Brigadegefechtsstand übermittelt werden. Dieser gab die Anforderung dann an den Gefechtsstand des Sanitätsbataillons Einsatz weiter. Von dort wurde die Anforderung an den GefSt des UPSanDst weitergeben. Da die Apotheke des UPSanDst über keinen eigenen Zugang zu dem in Rede stehenden Kommunikationssystem verfügt, wurde die Anforderungsdatei im Kompanietrupp des UPSanDst ausgedruckt und dann schlussendlich an die Apotheke übergeben. Die ausgedruckte Anforderung diente als Grundlage für die weitere Bearbeitung in der Apotheke: kommissionieren, kontrollieren, regelungskonform verpacken und zum Transport bereitstellen.

Ebenso war eine Kommunikation zwischen den Transportfahrzeugen und der entsendenden Apotheke nicht möglich, um beispielsweise auf Lageänderungen oder Fahrzeugschäden reagieren zu können. 

4.5 Abbau/Rückverlegung:

Die Rückbauphase begann am 12. November 2018. In drei Etappen wurde jeweils ein Abschnitt innerhalb der Modularen Sanitätseinrichtung (MSE) zurückgebaut, das Material auf Vollzähligkeit/Vollständigkeit und Gebrauchsfähigkeit geprüft, anschließend gereinigt und verpackt/verstaut. Das Material wurde anschließend zurück zum Seehafen Fredrikstad verlegt. Mit dem Eintreffen in Deutschland und der anschließenden Nachbereitung im VersInstZ SanMat Quakenbrück endete die Übung TRIDENT JUNCTURE 2018 für die SanStff SanMatVers Einsatz.

4.6 Fazit:

Die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Übung TRIDENT JUNCTURE 2018 hat aufgezeigt, was aus einem bisher in der Routineversorgung verhafteten VersInstZ SanMat herauszuholen ist. Die Herausforderung, Personal und Material weltweit verlegen zu können wurde erprobt und insgesamt als grundsätzlich machbar bewertet. Ursächlich hierfür waren der sehr hohe Motivationsgrad des eingesetzten Personals, wie auch dessen sehr hoher Ausbildungsstand in allen geforderten „Gewerken“.

Gleichwohl hat sich ebenfalls mehr als deutlich gezeigt, dass die bisherige personelle, materielle und infrastrukturelle Struktur der VersInstZ SanMat ebenso an die neuen Herausforderungen angepasst werden muss, wie auch die Struktur der Einsatzapotheken und insbesondere die Kommunikationswege. Ohne eine Zwischenlagerung des Staffelmaterials am Standort Rheine, sowie die Verfügbarkeit und Improvisationsfähigkeit des hoch qualifizierten und motivierten Personals des gesamten VersInstZ SanMat Quakenbrück, wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen. Die Zusammenfassung aller fachlichen „Gewerke“ in einem Verband sowie die Routineversorgung aller Behandlungsebenen aus einer Einrichtung heraus haben sich, trotz des identifizierten Anpassungsbedarfes, somit mehr als bewährt. 

Alle Abbildungen bei Verfasser

Flottillenapotheker Martin Pape

Datum: 13.04.2020