Artikel: A. Rieke

Hepatitis C als heilbare Infektions­erkrankung

Eine Übersicht über Epidemiologie, Klinik und heutige Therapiemöglichkeiten

Einführung

Der internationale Einsatz der Bundeswehr führt Soldatinnen und Soldaten auch in Hochinzidenzländer einer viralen Hepatitis. Es liegen keine genauen Zahlen zur Häufigkeit einer chronischen Hepatitis C bei Angehörigen der Bundeswehr vor, da keine gesonderte Erfassung vorgenommen wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Prävalenz in der Bundeswehr in etwa der Allgemeinbevölkerung entspricht. Mit den revolutionären neuen Behandlungsmöglichkeiten einer DAA-Therapie (direct-acting antiviral; DAA) ergibt sich erstmals die Möglichkeit, die Erkrankung gut verträglich zu heilen. Doch die Dunkelziffer einer unerkannten Hepatitis C in der Bevölkerung ist groß. Das Ziel der WHO, Hepatitis C bis zum Jahre 2030 zu eliminieren, ist mit Beschluss der Bundesregierung im April 2016 für Deutschland übernommen worden. Zur Erreichung dieses Zieles ist es notwendig, Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko hinsichtlich einer chronischen Hepatitis C zu identifizieren und einer Behandlung zuzuführen. Der folgende Artikel soll helfen, Betroffene in der Bundeswehr zu erkennen und eine sachgerechte Therapie sicherzustellen.

Virus

Das Hepatitis-C-Virus (HCV) gehört zur Gruppe der Flaviviren und ist ein RNS-Virus, bei dem 6 verschiedenen Genotypen (GT 1 - 6) unterschieden werden. Ca. 100 verschiedene Subtypen unterscheiden sich in ca. 20 - 30 % ihrer Nukleotidsequenz und auch Mehrfachinfektionen mit unterschiedlichen Genotypen sind möglich.

Epidemiologie

Die WHO schätzt, dass ca. 2 - 3 % der Weltbevölkerung chronisch mit HCV infiziert sind, wobei in den Ländern Afrikas etwa 15 % der Bevölkerung betroffen sind, im Mittelmeerraum 2 - 3 % und in Deutschland ca. 0,3 - 0,5 %. Die Krankheitslast der HCV-Infektion ist hoch und für ca. 30 % aller Leberzirrhose-Erkrankungen verantwortlich, sowie für ca. 25 % der primären Leberzellkarzinome (HCC). In Europa leben schätzungsweise 18 Millionen infizierte Menschen, wobei in einigen Gruppen hohe Antikörperprävalenzen zu finden sind: intravenöse (i.v.) Drogengebraucher, Dialysepatienten, Personen, die vor 1991 mit Blut transfundiert wurden oder vor Ende der 1980er Jahre Plasmaderivate erhielten. In Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf 270.000 geschätzt. Ein großer Teil ist jedoch nicht diagnostiziert. In den Ländern der speziellen Einsatzgebiete der Bundeswehr, wie Afghanistan, Irak und Kongo, muss unter den hygienischen Bedingungen der Gesundheitsversorgung die Seroprävalenz der Hepatitis C in der einheimischen Bevölkerung höher eingeschätzt werden. Nach einem Auslandseinsatz mit Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung in einem lokalen Krankenhaus vor Ort, u. a. sogar mit Bluttransfusion oder Kontakt mit unsterilen Nadeln, sollte dies regelhaft als Anlass zur Bestimmung des Hepatitis-C-Antikörpers (Anti-HCV) im Nachgang genommen werden. Eine besondere Stellung nimmt das Land Ägypten ein, das durch den Versuch einer Bilharzioseimpfung Ende der 1960er Jahre eine iatrogene Übertragung der Hepatitis C erlitten hat. Mit Werten zwischen 14 und 22 % ist Ägypten das Land mit der höchsten Seroprävalenz weltweit. Für Afghanistan wird die Seroprävalenz der Hepatitis C in der Gesamtbevölkerung mit 0,7 % angegeben, für die Maghreb- Staaten und Mittel-Ost Afrika mit 1 % (Lybien 1,2 %, Marokko 0,8 %, Tunesien 0,6 %). In Somalia, Sudan und dem Yemen wird die HCV-Prävalenz auf 0,9 % geschätzt und ist damit etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, im Kongo liegt sie zwischen 4,1 und 9,9 %. In den besonderen Risikogruppen wie Bluter, Drogengebraucher oder Dialysepatienten muss in diesen Ländern mit einer Prävalenz zwischen 30 und >90 % (bei IVDU; intravenous drug use) gerechnet werden.

Risikogruppen

Photo Während in Nordafrika und Osteuropa überwiegend unsaubere therapeutische Injektionen im Medizinsystem für die Übertragung der Hepatitis C in der einheimischen Bevölkerung verantwortlich sind, ist der häufigste Grund unter den Niedrigprävalenzländern in Westeuropa, Nordeuropa und Nordamerika der illegale Drogenmissbrauch mit „Needle sharing“. Für die Gruppe der i.v.-Drogengebraucher ist eine Seroprävalenz von 85 % anzunehmen, wobei vermehrt der Genotyp 3 beobachtet wird. Besondere Risiken für die Übertragung einer Hepatitis C sind zudem unsteriles Piercen, Tätowieren, Akupunktieren und eine Behandlung im Medizinsystem von Hochprävalenzländern mit Nadelstichen, Verletzungen, Blutspritzern ins Auge. Häufig liegt ein i.v.-Drogenkonsum Jahre oder gar Jahrzehnte zurück, war zeitlich begrenzt und wird aus Verdrängung bei einer üblichen Anamnese nicht angegeben. Auch der nasale Kokaingebrauch kann über die gemeinsame Nutzung von Röhrchen durch Verletzungen der Nasenschleimhaut zu einer HCV-Infektion führen. In Deutschland ist davon auszugehen, dass etwa die Hälfte aller chronischen Hepatitis-C-Fälle durch parenteralen Drogenkonsum übertragen wird. 

Als Risikogruppen mit einem erhöhten Hepa­titis-­C-­Risiko sollten auf Antikörper (Anti-HCV) getestet werden:

  • Personen mit erhöhten Transaminasen oder chronischer Lebererkrankung
  • Empfänger von Blutprodukten vor 1991
  • Empfänger von Plasmaderivaten Ende der 1980er Jahre
  • Drogengebraucher, auch in früheren Jahren
  • Menschen mit HIV- oder Hepatitis B-Infektion
  • Personen, die sich Tätowierungen mit nichtsterilen Instrumenten stechen ließen
  • Menschen mit riskantem Sexualverhalten
  • Kinder Hepatitis-C-positiver Mütter
  • Lebens- und Sexualpartner von HCV-Infizierten sowie
  • Medizinisches Personal, vor allem bei einem Einsatz unter den Bedingungen eines Hochprävalenzlandes mit niedrigerem Hygienestandard.


Menschen mit diesem Risiko sollten ebenso wie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) auf eine Hepatitis C gescreent werden und einen Hepatitis-C-Antikörpertest erhalten.

Klinischer Verlauf und Diagnostik

Photo Fast immer (>75 %) verläuft eine Hepatitis C asymptomatisch und führt im Gegensatz zur Hepatitis B nicht zu einem ikterischen Verlauf. In Einzelfällen wird bei der Akutinfektion von Gliederschmerzen, grippeähnlichen Symptomen, Unwohlsein, Müdigkeit oder gastroenteritischen Beschwerden berichtet, ohne dass ein eigentliches Infektionsereignis genannt werden kann. Im Rahmen einer akuten Infektion können ca. 6 - 10 Wochen nach einer Infektion erhöhte Transaminasen beobachtet werden, ohne dass dieser Verlauf die Regel darstellen muss. Die Antikörper (Anti-HCV) sind frühestens in Woche 6 nach Infektion, meist aber in Monat 3 und Monat 6 nach Infektion bestimmbar und müssen durch eine HCV-RNA-PCR bestätigt werden. Die Hepatitis C verläuft in etwa 80 % aller Fälle chronisch, so dass mit einem spontanen Virusclearing kaum gerechnet werden kann. Neueren Untersuchungen entsprechend, ist in der Community der MSM mit einer noch geringeren Spontanelimination des Virus (nur ca. 15 %) zu rechnen. Diagnostisch sind die Bestimmung der Transaminasen, von Anti-HCV als Such- und ggf. Bestätigungstest (Immunoblot) und die Bestimmung der HCV-RNA als Beleg einer Infektiosität und chronischen Entzündung zu fordern. Heutige Therapien basieren auf direkt antiviral wirksamen Arzneistoffen (DAA). Die Wahl der geeigneten Hepatitis-C-­Therapie erfolgt in der Regel nach Bestimmung des Genotyps und nach der Feststellung, ob eine Leberzirrhose vorliegt. Bei einigen Patienten muss zusätzlich die Viruslast bestimmt werden. Diese spielte früher eine größere Rolle als heute, da oft bei geringen Viruslasten Therapiedauern verkürzt werden konnten, z. B. von 12 auf 8 Wochen. Bei nicht-zirrhotischen therapienaiven Patienten gibt es mittlerweile Therapieregime, die innerhalb von nur 8 Wochen vollkommen unabhängig von der Viruslast eine Heilung von bis zu 100 % erzielen. Insgesamt ermöglichen moderne Therapieoptionen mittlerweile eine einfache, gut verträgliche und wirksame HCV-Behandlung.

Übertragbarkeit des Virus

PhotoFortgeschrittene Leberzirrhose mit einem hepatozellulären Karzinom bei der Obduktion. Das Ausmaß einer Leberveränderung wird in der Sonographie mitunter unterschätzt. Hepatitis C kann durch das normale zwischenmenschliche Zusammenleben ohne direkten Blut-zu-Blut-Kontakt nicht übertragen werden. Als virale Blutstrominfektion setzt es die Inocculation von Blut/Virus voraus, wobei Blut, Sperma und Vaginalflüssigkeit als infektiös zu betrachten sind. Dagegen sind Tränenflüssigkeit, Schweiß, Aerosole des Respirationstraktes, Urin oder Stuhlgang nicht infektiös und erfordern entsprechend auch keinerlei hygienische Vorsichtsmaßnahmen. Die Benutzung desselben Bestecks, desselben Glases oder derselben Wäsche sind ebenso ungefährlich für die Übertragung einer Hepatitis C wie das Benutzen der selben Toilette oder von sanitären Anlagen. Lediglich die Gegenstände der persönlichen Hygiene, die mit einer Blutkontamination behaftet sein könnten, sollten ausschließlich persönlich genutzt werden, hier insbesondere Zahnbürste, Rasierer, Nagelschere, Verbandsmaterial, Zahnseide und persönliche Injektionsbestecke (etwa für Insulin oder Drogengebrauch). Für Auslandseinsätze und den Umgang mit HCV-Infizierten innerhalb der Bundeswehr dürften diese Anforderungen unproblematisch sein und rechtfertigen keine Sonderbehandlung von Infizierten. Das Einhalten von einer Standardhygiene im Medizinsystem kann sicher eine nosokomiale Infektion verhindern. Für die sexuelle Übertragbarkeit von ­Hepatitis C ist die Datenlage unsicher, es ist bei Heterosexualität von einer Übertragung von 0,05 - 1 % pro “Beziehungsjahr“ auszugehen, wobei als problematisch gelten: genitale Ulzerationen und Verletzungen, Geschlechtsverkehr bei Menstruation, Hämaturie und die Koinfektion mit anderen sexuellen Erkrankungen, vor allem Lues und HIV. In der persönlichen Erfahrung mit heterosexuellen Paaren, von denen ein Partner infiziert ist, gilt, dass sich der andere Partner auch nach vielen Jahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs in aller Regel nicht mit HCV infiziert hat. 

Entgegen diesen Erfahrungen ist bei MSM eine zunehmende Infektionsrate mit HCV feststellbar, weil ungeschützter Analverkehr bzw. harte Sexualpraktiken vor allem für den rezeptiven Partner ein erhöhtes Hepatitis-C-Risiko darstellen. Zusätzlich führt die Injektion von sexuell stimulierenden Substanzen (sogenanntes „Slamming“) über „Needle sharing“ zu einem weiteren Risiko für die Übertragung einer Hepatitis C. 

Impfung und Postexpositionsprophylaxe/ PEP

Durch die hohe Replikationsrate und Variabilität des Hepatitis-C-Virus ist wie auch bei HIV eine schützende Impfung nicht in Sicht. Allerdings sollten alle Patienten mit einer chronischen Hepatitis C gegen Hepatitis A und B geimpft sein, was bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr Standard ist. Eine eigentliche Postexpositionsprophylaxe/PEP nach Unfällen mit HCV analog dem Vorgehen bei HIV ist auch im Zeitalter der modernen DAA-Therapien nicht zugelassen. Allerdings kann auf die sehr hohen Heilungsraten und Möglichkeit einer Viruseradikation durch DAAs im Falle einer Infektion verwiesen werden. Alle Akutmaßnahmen wie Desinfektion, Ausbluten lassen bei Stichverletzungen und Dekontamination bei Blutspritzern auf Schleimhäuten gelten ohne Ausnahme wie bei HIV. Reiner Blut-Haut-Kontakt ohne Verletzung der Haut führt nicht zur Übertragung des Hepatitis-C-Virus.

Klinische Symptomatik

PhotoEin chronisches Exanthem bei Hepatitis C. PhotoDie typischen Veränderungen einer Leberzirrhose mit Spidernävie und Lackzunge können das Ausmaß einer Leberveränderung anzeigen. Die chronische Hepatitis C ist vom Beschwerdebild uncharakteristisch und wird kaum richtig zugeordnet. Oft sind es vermeintlich Befindlichkeitsstörungen wie chronische Müdigkeit, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel, depressive Beschwerden und die Entwicklung unspezifischer Gelenkbeschwerden, Morgensteifigkeit und die empfundene Einschränkung der eigenen Leistungsfähigkeit, die über leicht erhöhte Transaminasen in der Abklärung zur Verdachtsdiagnose einer Hepatitis C führen. Daneben haben etwa 40 - 74 % aller Patienten, die mit Hepatitis C infiziert sind, extrahepatische Manifestationen an anderen Organen. Es sind dies die Kryoglobulinämie mit Ulzerationen an den Extremitäten, Formen ­einer Glomerulonephritis mit Proteinurie, Immunthyreopathien mit Hyper- und Hypothyreose, eine Porphyria ­cutanea tarda und, besonders charakteristisch, ein Lichen ruber planus der Mundschleimhaut. Beim Vorliegen einer Proteinurie oder Zeichen einer Glomerulonephritis mit positivem Harnsediment (Akantozyten) muss immer auch an eine virale Hepatitis und bei der Hepatitis C typischerweise an eine membrano-proliferative Glomerulonephritis gedacht werden. Die Zusammenhänge mit einer chronischen Immunaktivierung durch Hepatitis C und der Entwicklung eines B-Zelllymphoms, einer Lungenfibrose, Myokarditis, Psoriasis, einer Panarteriitis nodosa und einem Sjögren-Syndrom liegen auf der Hand und bei der Vorstellung von Patienten ist es immer wieder eindrucksvoll, zu welchen klinischen Erscheinungsbildern eine chronische Hepatitis C fähig ist. Signifikant beeinflusst Hepatitis C auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität und zeigt sich in einer höheren Inzidenz psychischer Begleiterkrankungen mit Depression, Angstzuständen, bipolaren Störungen, Müdigkeit, die in Studien zur Lebensqualität von 50 % aller HCV-Patienten angegeben werden. Schlafstörungen (ca. 60 % aller Patienten) und sexuelle Funktionsstörungen finden sich bei etwa der Hälfte aller Betroffenen. Dazu kommen Erlebnisse einer Stigmatisierung aufgrund des vermeintlichen Zusammenhangs mit Drogen oder „unstetem Lebenswandel“ als Übertragungsweg und führen bei den meisten Patienten zu einer Änderung ihrer Lebensgewohnheit. Verinnerlichte Scham, soziale Ablehnung und Rückzug, verbunden mit Infektionsängsten gegenüber der Umgebung, stellen auch eine Hürde beim Zugang zur Behandlung dar und sollten vorurteilsfrei offen angesprochen werden. Vom Grad der Stigmatisierung ist kein Unterschied zwischen HIV- und Hepatitis-C-Betroffenen auszumachen. Hepatitis C ist meldepflichtig, dennoch gebietet der Wunsch nach strikter Vertraulichkeit im Umgang mit der Diagnose, auf eine Kennzeichnung von Personalpapieren oder Krankenakten zu verzichten. Durch Einhalten einer Standardhygiene kann auch im Gesundheitswesen eine Übertragung dieser viralen Erkrankung ausgeschlossen werden.

Entwicklung der Therapie

Mit der Entdeckung des Replikonmodells ergaben sich erstmals Anhaltspunkte für eine direkt wirksame antivirale Therapie, die heute Standard in der Behandlung ist. Die Geschwindigkeit von der Identifizierung des Hepatitis-C-Virus 1989 zur Entwicklung einer breit verfügbaren modernen direkt antiviral wirksamen Therapie (DAA-Therapie) ist atemberaubend. Mit den DAAs ist eine vollständige Kontrolle und Blockie­rung der HCV-Replikation möglich. Das Virus benötigt für seine Existenz eine dauerhafte Replikation und integriert sein Genom (anders als HIV) nicht in den Zellkern der Leberzelle. Damit ist HCV angreifbar und das Virus vollständig eliminierbar, wenn ausreichend lange konsequent die Replikation unterbunden wird. Während bis 2014 noch Therapien mit Interferon, Ribavirin und den Proteaseinhibitoren (PIs) der ersten Generation Heilungsraten zwischen 40 und 60 % bzw. 70 % (je nach Genotyp) ermöglichten, kann heute praktisch jeder Patient mit Hepatitis C geheilt werden. Dabei sind die eingesetzten Substanzen sehr gut verträglich.            Die DAA-Therapien werden nach ihrem Angriffspunkt in der Replikation benannt und enden in ihrem Namen als Proteaseinhibitoren auf die Bezeichnung „…previrs“, als Polymeraseinhibitoren auf die Endung „…buvirs“ und als NS5A-Inhibitoren auf „…asvirs“. Damit können die eingesetzten Substanzen ihrem Wirkort bei der Replikationshemmung des Hepatitis-C-Virus zugeordnet werden. Die letzten antiviralen Kombinationstherapien sind im Sommer 2017 zugelassen worden. Die heute verfügbaren Therapieoptionen stellen eine Auswahl dar, die nahezu alle Anforderungen an eine HCV-Therapie erfüllen. Aus der Vielzahl der Substanzen, die seit 2014 zugelassen wurden, kann eine Konzentration auf fünf Substanzkombinationen beobachtet werden:

  • Sofosbuvir/Ledipasvir (Harvoni; nur bei GT1 und 4)
  • Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret),
  • Grazoprevir/Elbasvir (Zepatier; nur bei GT1 und 4)
  • Sofosbuvir/Velpatasvir (Epclusa)
  • Bei DAA-vorbehandelten Patienten: Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir (Vosevi).


Die Substanzkombinationen Maviret und Epclusa sind ebenso wie Vosevi pangenotypisch wirksam, können also bei allen Genotypen (GT1 - 6) erfolgreich eingesetzt werden. Bei einer hochgradigen Niereninsuffizienz oder gar Dialysepflichtigkeit ist der Einsatz der Substanzen Maviret (alle Genotypen) und Zepatier (für GT1 und 4) möglich. Die Preisgestaltung der Optionen ist in den letzten Monaten dynamisch geworden, so dass als wichtigste Überlegungen vor einer Behandlung gelten:

  • Ist der Patient schon einmal mit DAA (oder INF) behandelt worden?
  • Liegt eine Leberzirrhose vor?


Photo Bei den genannten Fragen ist dann zu überlegen, wie am preiswertesten ein „sustained virological response“ (SVR12) erzielt werden kann, also eine stabile Viruseradikation/- elimination, welche 12 Wochen nach Abschluss der Behandlung durch abschließende Testung ermittelt wird. Liegt hier die Viruslast unter der Nachweisgrenze, gilt der Patient als virologisch geheilt. Das Erreichen der SVR12 ist somit mit einer Ausheilung der Hepatitis C gleich zu setzen.

Die aktuelle Hepatitis-C-Leitlinie der Fachgesellschaft DGVS informiert über die Einsetzbarkeit der Substanzen bei den unterschiedlichen Genotypen. Die im Jahr 2017 zugelassenen Substanzen sind darin noch nicht abgebildet.

Bei therapienaiven Hepatitis-C-Patienten ohne Leberzirrhose, dem Großteil der heutigen Patienten, ist pangenotypisch der Einsatz einer 8-wöchigen Therapie mit Maviret (3 Tabletten einmal täglich) möglich. Für diese Patientengruppe wäre auch eine Therapie mit Epclusa (1 Tablette einmal täglich) denkbar, jedoch über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Substanzen Zepatier und Harvoni sind bei den noch recht häufig vorkommenden Genotypen 1 und 4 eine denkbare Option und ermöglichen eine Therapie innerhalb von 8 - 16 Wochen. Bei Zepatier muss für den Genotyp 1a bei einer Ausgangsviruslast >800.000 I.U./ml auf das Vorhandensein von NS5A-Resistenzmutationen (RAVs) untersucht werden, da sie die Aktivität der Substanz Elbasvir um mindestens den Faktor 5 verringern. Beim Genotyp 4 muss Zepatier bei einer hoch virämischen Ausgangssituation (>800.000) IU/ml) über 16 Wochen + Ribavirin eingesetzt werden. Die Substanzkombination Vosevi ist für den Einsatz bei DAA-vorbehandelten Patienten auch mit Resistenzmutationen sinnvoll. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind (auch als App) in der Drug-Drug-Interaction Datenbank von Liverpool prüfbar und helfen bei der Substanzauswahl.

Fazit

Mit den genannten Therapieregimen ist eine SVR zur Woche 12 nach Abschluss der Therapie und damit die Heilung in bis zu 100 % der Fälle möglich. Für Patienten mit DAA-Vorbehandlungen gelten gesonderte Bedingungen, die mit der neuen Substanzkombination Vosevi in aller Regel gut beherrschbar sind. Aus persönlicher Erfahrung erfordert die Therapie einer dekompensierten Leberzirrhose bei Hepatitis C besondere Kenntnis und sollte in Zentren vorgenommen werden. Eine Therapie mit Interferon oder Ribavirin ist heute obsolet.

Verlauf einer Behandlung

Zu Beginn einer Behandlung sollte die Adhärenzfähigkeit und Motivation zur Therapie geprüft werden. Die Behandlung setzt eine lückenlose Compliance voraus. Die Bestimmung der Lebersyntheseleistung, der Transaminasen, der Ausschluss einer Autoimmunhepatitis oder Hepatitis anderer Genese, gehören zur Eingangsuntersuchung, die um eine Abdomensonographie erweitert wird. Ergeben sich aus der körperlichen Untersuchung oder dem Labor Hinweise für eine Leberzirrhose, kann heute nichtinvasiv durch Bestimmung des Fibroscans bzw. der Scherwellen-Elastographie ein Zirrhoseausschluss erfolgen, der bei der Entscheidung hilft, ob eine kurze 8-Wochen-Therapie mit Maviret möglich ist. Drogengebrauch oder Alkoholkonsum stellen keine Kontraindikationen mehr dar, wenn sie nicht die Compliance beeinträchtigen.

In unserer Ambulanz kontrollieren wir die Behandlung in Woche 2 und in Woche 6, wenn mit 12 Wochen behandelt wird. Sonst reicht eine Überprüfung der Viruslast gegen Ende der Behandlung aus, die in Monat 3 und Monat 6 nach Abschluss der Behandlung durch Bestimmung der Viruslast komplettiert wird. Eine negative Viruslast 12 Wochen nach Abschluss der Behandlung ist mit einer Heilung von der Hepatitis C gleich zu setzen. Allerdings liegt keine Immunität gegen Hepatitis C vor, d. h. eine Reinfektion ist jederzeit möglich. Der Antikörper (Anti-HCV) bleibt zeitlebens positiv.

Besondere Beachtung erfordert die Koinfektion mit Hepatitis B oder ein Anti-HBC positiver Status, da aus immunologischen Gründen nach der Heilung einer Hepatitis C, eine Hepatitis B reaktivieren und klinisch apparent werden kann. Hier müssen die HBV–DNA–PCR und die Transaminasen kontrolliert werden und ggf. die Hepatitis B suppressiv antiviral therapiert werden.

Mit den heute zur Verfügung stehenden DAA-Kombinationstherapien kann praktisch jeder Patient geheilt werden. Die Eliminierung der Hepatitis C führt bei dem einzelnen Patienten zu einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und verbessert seine Prognose auf das Niveau eines Nicht-Infizierten, wenn noch keine fortgeschrittene Fibrose/Leberzirrhose vorliegt. Es ist nationales Ziel, die Hepatitis C in Deutschland bis 2030 zu eliminieren. Deshalb sollten alle Patienten mit Hepatitis C einer Therapie zugeführt werden. Es bleibt eine Herausforderung, die nicht diagnostizierten Menschen in Deutschland zu identifizieren. Extrahepatische Manifestationen, immunologische, rheumatologische oder nephrologische Krankheitsbilder können dabei helfen, Patienten rechtzeitig zu identifizieren.

Die zunehmenden Auslandseinsätze von Bundeswehrangehörigen bedeuten in der Konfrontation mit Hochendemiegebieten ein erhöhtes Risiko einer HCV-Infektion und sollten dazu führen, dass routinemäßig der Anti-HCV-Status innerhalb der Bundeswehr überprüft wird. Aus meiner Sicht ist zu empfehlen, alle Patienten mit HCV-positivem Serostatus auf ihre Therapienotwendigkeit hin zu überprüfen und bei HCV-positiver Viruslast zu behandeln. 

Literatur beim Verfasser

Dr. Ansgar Rieke
Chefarzt Innere Medizin, Nephrologie-­Infektiologie
Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein
Kemperhof Koblenz
Koblenzer Str. 115 - 155
56073 Koblenz
E-Mail: ansgar.rieke@gk.de


Mit freundlicher Unterstützung von AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG
DE/HCV/0518/1761
Bildrechte: A. Rieke

Datum: 10.12.2018

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 3/2108

Termine

15.05.2019 - 17.05.2019
3. ARKOS Jahrestagung
15.05.2019 - 17.05.2019
RETTmobil 2019
24.05.2019 - 26.05.2019
Jahrestagung des Deutschen SanOA e.V.
23.07.2019 - 25.07.2019
5. Fachkolloquium Zahnmedizin
Alle Termine