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INNERE MEDIZIN AM BUNDESWEHRKRANKENHAUS WESTERSTEDE

DER WEG DES KOOPERATIONSKRANKENHAUSES - EINE STANDORTBESTIMMUNG

Der Artikel nimmt eine Standortbestimmung der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede in der Kooperation zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede und der Ammerland-Klinik Westerstede vor. Es erfolgt eine Darstellung des zeitlichen Ablaufes von der Idee bis zum aktuellen Stand der Zusammenarbeit. Auftrag und Ziele werden benannt.

Die aktuellen Leistungszahlen der Inneren Abteilung des Bundeswehr-krankenhauses und die synergistischen Leistungen mit dem Koopera tionspartner werden dargestellt und vor dem Hintergrund der Kooperationsvereinbarung interpretiert. Des Weiteren wird die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Sanitätsoffiziere in der Inneren Abteilung dargestellt. Es kann gezeigt werden, dass das Kooperationsmodell der Inneren Abteilung mit dem zivilen Partner Ammerland- Klinik geeignet ist, vor dem Hintergrund knapper Ressourcen den Auftrag angemessen zu erfüllen.

Die Zusammenarbeit der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede und der Ammerland-Klinik Westerstede erfolgt seit fast drei Jahren. Nun soll eine Standortbestimmung vorgenommen und Außenstehenden eine Möglichkeit gegeben werden, sich mit diesem einzigartigen Projekt zu befassen (Abb. 1).

Der Weg der Inneren Abteilung vom Bundeswehrkrankenhaus Bad Zwischenahn zur Kooperation in Westerstede

Der medizinische Schwerpunkt des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses Bad Zwischenahn lag im Bereich Orthopädie. Die Innere Abteilung betrieb eine Station sowie die FU-Stelle 1 (FU 1) mit Sonographie und Endoskopie. Die Weiterbildungszeit für Innere Medizin betrug vier Jahre. Die Behandlungszahlen der Inneren Abteilung waren über Jahre hinweg rückläufig. Auch das Patientenspektrum schränkte sich durch fehlende apparative Möglichkeiten (Herzkatheter, ERCP, Dialyse etc.) und fehlende ergänzende Abteilungen (z.B. Neurologie, Urologie, Gynäkologie etc.) zunehmend ein. Aus Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten für ambulante Patienten erfolgten viele ambulante Behandlungen stationär. All dies beeinflusste die fachlichen Möglichkeiten sowie die Zufriedenheit von Patienten und medizinischem Personal.

Im Zuge der Bundeswehrreform wurde auch das Bundeswehrkrankenhaus Bad Zwischenahn auf den Prüfstand gestellt. Mit einer starken orthopädischen Abteilung setzte es in dieser Region seinen Schwerpunkt, jedoch reichte diese Stärke allein nicht mehr aus, um den militärischen Auftrag als Bundeswehrkrankenhaus zur Aus-, Fort- und Weiterbildung des Sanitätspersonals effektiv zu erfüllen. Unter dem damaligen Verteidigungsminister entschied man sich für einen ungewöhnlichen Weg. Gesucht wurde ein Kooperationspartner, der sich in fachlichen und strukturellen Voraussetzungen mit dem Bundeswehrkrankenhaus ergänzt, sodass der medizinische und der militärische Auftrag bei überschaubarem personellen und wirtschaftlichen Aufwand durch die Synergieeffekte erfüllbar sein würde.

Als geeigneter Kooperationspartner fand sich die Ammerland-Klinik im benachbarten Westerstede, ein jüngst modernisiertes Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Nach Verhandlungen, Machbarkeitsstudien und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen wurde 2005 vom Landrat des Landkreises Ammerland und dem damaligen Verteidigungsminister Dr. Peter Struck der Rahmenvertrag unterzeichnet. Das Kooperationsprojekt Westerstede war ins Leben gerufen. Am 23. August 2006 erfolgte der erste Spatenstich und nur zwei Jahre später begann der Umzug in die neuen Räumlichkeiten als direktem Anbau an die bestehende Ammerland- Klinik. Am 30. Juni 2008 wurde das Bundeswehrkrankenhaus Westerstede offiziell in Dienst gestellt.

Der Kooperationsvertrag

Im Kooperationsvertrag wurden die grundsätzlichen Rahmenbedingungen der Kooperation zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede und der Ammerland-Klinik festgelegt. Geplant wurden zwei Krankenhäuser unter einem Dach mit Aufteilung der medizinischen Leistungserbringung sowie dem verzahnten Betrieb funktionaler Bereiche. So wurde die Klinik für Unfallchirurgie der Ammerland- Klinik durch das Bundeswehrkrankenhaus übernommen, die Anästhesie mit perioperativer Intensivstation, die Radiologie und die interdisziplinäre Notaufnahme werden in enger Zusammenarbeit betrieben. Beide Krankenhäuser betreiben zudem je eine Innere Abteilung.

Das Ergebnis ist die Zusammenarbeit am Klinikzentrum Westerstede als eine zivil-militärische Kooperation des Bundeswehrkrankenhauses und der Ammerland-Klinik Westerstede. Es handelt sich weiterhin um zwei eigenständige Krankenhäuser, welche durch die Nutzung von Synergieeffekten medizinisch und wirtschaftlich effizienter arbeiten. Eine Voraussetzung dafür ist unter anderem auch die Nutzung des Krankenhausinformationssystems (KIS) durch beide Krankenhäuser und die Einführung der elektronischen Patientenakte mit Beginn der Kooperation. Die detaillierte Ausgestaltung der bereits im Rahmenvertrag angelegten Aufteilung der fachlichen Zuständigkeit für die Inneren Abteilungen dauerte bis Dezember 2010 an (Organigramm Klinikzentrum Westerstede).

Die Aufteilung der Abteilungen beider Häuser ist im Organigramm dargestellt. Die Abteilungen für Anästhesie und Intensivmedizin, die Radiologie, die Interdisziplinäre Notaufnahme und der Zentral-OP werden gemeinsam betrieben. Hierzu wird die Infrastruktur beider Kooperationspartner gemeinsam genutzt. Die Traumatologie, bestehend aus den Abteilungen für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Neurochirurgie, und sämtliche Fachärztlichen Untersuchungsstellen werden ausschließlich von der Bundeswehr betrieben. Fachärztliche Kompetenz, die nur ein Vertragspartner vorhält, kann vom anderen Kooperationspartner genutzt werden. Einzelheiten hierfür sind im Konsiliararztvertrag geregelt.

Zusammenarbeit der Medizinischen Klinik und der Kardiologischen Abteilung der Ammerland- Klinik mit der Abteilung I des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede

Die Abteilung Innere Medizin des Bundeswehrkrankenhauses verfügt über eine Station mit 33 Betten, von denen 12 im Krankenhausplan des Landes Niedersachsen für die Versorgung ziviler Patienten aufgenommen sind. Zusätzlich werden in der FU 1 Kapazitäten für die ambulante und teilstationäre Versorgung von Soldaten genutzt.

Die Abteilung I des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede verfügt aktuell über einen Facharzt für Innere Medizin mit der Schwerpunktbezeichnung Kardiologie, einen Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt-bezeichnung Pneumologie sowie einen Allgemeinen Internisten, der in der zweiten Jahreshälfte in den Ruhestand geht. Ein weiterer Facharzt für Innere Medizin befindet sich aktuell in pneumologischer Schwerpunkt-ausbildung. Gemäß STAN ist ein Soll von acht Fachärzten für Innere Medizin vorgesehen, davon sind demnach vier Stellen besetzt und aktuell drei Fachärzte verfügbar. Es besteht eine vorläufige Weiterbildungsbefugnis des Abteilungsleiters. Mit einer 18-monatigen Weiterbildungsbefugnis Innere Medizin, anrechenbar auf den Common Trunk bzw. den Schwerpunkt, wird gerechnet. Mit Rückkehr des zweiten Pneumologen an das Bundeswehr-krankenhaus im Jahr 2014 ist außerdem eine Weiterbildungsbefugnis für mindestens 18 Monate für den Schwerpunkt Pneumologie zu erwarten.

Die Medizinische Klinik der Ammerland-Klinik betreibt drei Stationen mit insgesamt 105 Betten sowie gemeinsam mit der Neurologie die konservative Intensivstation mit Stroke- Unit und insgesamt 15 Betten. Hier werden auch die internistischen Patienten der Bundeswehr unter Einbindung der Fachärzte des Bundeswehr-krankenhauses intensivmedizinisch versorgt.

Die Medizinische Klinik der Ammerland-Klinik beschäftigt drei Gastroenterologen (Klinikdirektor sowie zwei Oberärzte), von denen zwei Fachärzte zusätzlich den Schwerpunkt Onkologie besitzen und außerdem eine Ambulanz am Krankenhaus betreiben. Es besteht die volle Weiter-bildungsermächtigung für das Fach Innere Medizin und für den Schwerpunkt Gastroenterologie. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten können in der Kooperation auch für die Sanitätsoffiziere genutzt werden.

Die Kardiologische Abteilung der Ammerland- Klinik stellt mit drei Kardiologen (zwei Leitende Ärzte, eine Oberärztin), einem niedergelassenen Kardiologen und dem Abteilungsleiter I des Bundeswehrkrankenhauses den medizinischen Betrieb des Herzkatheterlabors sicher. Die Kardiologie ist inzwischen als Weiterbildungs-stätte anerkannt. Mit einer mindestens 24-monatigen Weiterbildungsbefugnis für den Common Trunk und den Schwerpunkt wird gerechnet.

Eine nephrologische Praxis mit Dialyse und ein Zentrum für Strahlentherapie und Radioonkologie im benachbarten Ärztehaus kooperiert ebenfalls eng mit der Inneren Medizin des Klinikzentrums.

Gemeinsam betrieben wird die unter anästhesiologischer Leitung stehende interdisziplinäre Notaufnahme mit der angegliederten Aufnahmestation mit 22 Betten. Die internistischen Bereitschaftsdienste – verantwortlich für 4 Stationen, die Notaufnahme, die Intensivstation sowie die truppenärztliche Versorgung außerhalb der Rahmendienstzeit – werden im 3-Schicht-Modell von allen Assistenten beider Krankenhäuser gemeinsam besetzt. Bei Aufnahme der Patienten erfolgt eine Dringlichkeitseinstufung nach dem Manchester Triage System. Die Fachärzte der Bundeswehr sind außerdem in den Endoskopiedienst (Notversorgung akuter gastrointestinaler Blutungen) integriert.

Medizinische Versorgung in der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede

Die Innere Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses ist gemäß dem Kooperationsvertrag zuständig für alle zivilen Patienten mit diabetologischen, schweren pneumologischen, angiologischen und rheumatologischen Krankheitsbildern sowie Patienten mit Erkrankungen aus dem Gebiet der speziellen Infektiologie. Das Krankheitsspektrum der Patienten erweitert sich durch Komorbiditäten sowie durch Patienten anderen Erkrankungen, die aus Kapazitäts-, aber auch Ausbildungsgründen auf der Bundeswehrstation betreut werden. Hierzu zählen vorwiegend kardiologische Patienten. Zusätzlich ist die Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses für alle Konsile ihrer Schwerpunkte im gesamten Klinikzentrum und alle internistischen Konsile der orthopädischen und traumatologischen Stationen zuständig.

Im Schwerpunkt Pneumologie werden insbesondere Patienten mit schwerer COPD, Asthma bronchiale und infektiösen Lungenerkrankungen, aber auch mit Lungen- und Bronchialkarzinomen (über die Tumorkonferenz gemeinsam mit Onkologie, Thoraxchirurgie und Strahlentherapie) sowie seltenen Ursachen (insbesondere Lungengerüsterkrankungen) behandelt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor der Neurologischen Klinik der Ammerland-Klinik werden Diagnostik und Therapieeinstellungen schlafbezogener Atmungsstörungen durchgeführt, ferner Einstellung und Anpassung nicht-invasiver Beatmung bei respiratorischer Insuffizienz vorgenommen. Die Pneumologie der Bundeswehr führt alle bronchoskopischen Untersuchungen des Klinikzentrums durch.

Für die Behandlung diabetischer Patienten wird bis zur Verfügbarkeit des ersten eigenen Diabetologen in 2012 mit einer niedergelassenen Schwerpunktpraxis für Diabetologie kooperiert. Die Patienten werden dabei gemeinsam visitiert. So wird gleichzeitig eine Brücke in den ambulanten Sektor gebaut. Zusätzlich verfügt die Innere Abteilung über entsprechend geschultes Pflegepersonal sowie eine Ernährungsberaterin. Die Ammerland- Klinik betreibt ein zertifiziertes Wundzentrum, in dem Patienten mit diabetischem Fußsyndrom behandelt werden.

Soldaten mit sämtlichen internistischen Krankheitsbildern werden ausschließlich von der Bundeswehr versorgt, teilweise unter Einbindung fachärztlicher Expertise der Ammerland- Klinik.

In der FU 1 werden ambulante Soldaten behandelt und begutachtet. Räumlich angegliedert sind die Funktionsbereiche. Hier werden sämtliche sonographischen und endoskopischen Untersuchungen, Herz-Kreislauf-Diagnostik und Lungenfunktionsuntersuchungen vorgenommen. Um stationäre Aufenthalte bei diesen Patienten zu vermeiden, werden ambulante Übernachtungsmöglichkeiten vorgehalten.

Der Truppenarzt für die Versorgung der Soldaten des Bundeswehrkrankenhauses wird ebenfalls von der Inneren Abteilung gestellt. Er betreut über die rein truppenärztliche Tätigkeit hinaus die Soldaten, die am Adipositas-interventionsprogramm teilnehmen. Für das Sportprogramm sowohl der Patienten als auch des Stammperso-nals (mit Eigenbeteiligung) können die Sporthallen und -plätze, das Fitnessstudio sowie das Schwimmbad des benachbarten Sportzentrums genutzt werden.

Weiterbildungskonzept für Assistenzärzte der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede

Die Innere Abteilung verfügt über durchschnittlich 10 Assistenzärzte, von denen sich die Mehrzahl in der klinischen Erstverwendung mit der Facharztrichtung Innere und / oder Allgemeinmedizin befindet. Durch vierteljährliche Rotationen lernen alle Assistenten die Station, die FU 1 sowie die Notaufnahme kennen. Hierbei wird auf eine breite Basisausbildung Wert gelegt. Zusätzlich findet ein Austausch von Assistenzärzten zwischen der Ammerland-Klinik und dem Bundeswehrkrankenhaus statt, so dass alle Assistenzärzte die Möglichkeit haben, in den verschiedenen Schwerpunkten des Klinikzentrums gleichermaßen ausgebildet zu werden. Durch diese Rotation ist die komplette Weiterbildung von Sanitätsoffizieren zum Facharzt in Westerstede möglich. Darüber hinaus gibt es für die Bundeswehrassistenten am Klinikum Oldenburg die Möglichkeit, die internistische Intensivmedizin an einem Haus der Maximalversorgung zu erlernen.

Täglich finden Fallbesprechungen ausgewählter Patienten statt. Es erfolgt eine frühzeitige Einarbeitung in der Notaufnahme und in die Bereitschaftsdienste. In der FU 1 erlernen die Assistenten unter oberärztlicher Supervision die Grundfertigkeiten der sonographischen und endoskopischen Untersuchungsmethoden und den Umgang mit dem Defibrillator bei kardiologischen Patienten. Zum Erwerb der ATN Rettungsmedizin werden Einsatzfahrten auf den Rettungsmitteln des Landkreises und Intubationspraktika in der Anästhesie durchgeführt. Je nach angestrebtem Facharzt kann ein Einsatz in anderen Abteilungen des Hauses erfolgen: Beispielsweise kann für den Facharzt Innere und Allgemeinmedizin neben dem Pflichtteil Innere Medizin und Anästhesie nach Neigungen die weitere klinische Ausbildung variiert werden.

Je nach Facharztrichtung können verschiedene Fortbildungen besucht werden (Sonographiekurse, Duplexsono-graphiekurse, Echokardiographiekurse, intensivmedizinische Fort- und Weiterbildungen etc.). In der Inneren Abteilung wird einerseits fundiertes Fachwissen vermittelt, andererseits die für Auslandseinsätze wichtigen Fähigkeiten erlernt und geübt. Die ersten jungen Fachärzte für Innere Medizin befinden sich in der Schwerpunktweiterbildung, welche, wie an anderen Bundeswehrkrankenhäusern auch, im erforderlichen Umfang an Zentren absolviert werden kann.

Leistungsdaten der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede

Die Kooperation musste in ihren ersten 1 ½ Jahren “zusammenwachsen“. So mussten insbesondere Details der Zusammenarbeit noch geklärt und eine gemeinsame Geschäftsordnung erarbeitet werden. Daher sind gerade die ersten Leistungszahlen noch hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Doch bereits im dritten Jahr der Kooperation lassen sich die Synergieeffekte in der Patientenversorgung, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, bei der In-Übung-Haltung sowie auch in der Wirtschaftlichkeit durch Nutzung gemeinsamer Ressourcen nachweisen.

In der gemeinsam betriebenen Notaufnahme wurden 2010 insgesamt 1.943 internistische Patienten ambulant behandelt und 5.215 Notfallpatienten stationär aufgenommen. Sämtliche Patienten wurden hierbei von Assistenzärzten beider Kliniken versorgt, unabhängig vom jeweiligen Krankheitsbild und der späteren Zuteilung zu den entsprechenden Abteilungen beider Kliniken.

Die Tabelle 1 gibt einen Überblick der Leistungszahlen der Funktionsdiagnostik für die FU 1 und die Innere Station des Bundeswehrkrankenhauses. Die Leistungen, die in der interdisziplinären Notaufnahme und für die Ammerland-Klinik erbracht wurden, sind nicht berücksichtigt. Insgesamt stieg die Zahl der ambulant behandelten Patienten von 5.805 in 2009 auf 8.811 in 2010 an (Tabelle 1).

Die Zahl der Neuaufnahmen auf der bundeswehr-internistischen Station stieg von 889 Patienten in 2009 auf 1.166 Patienten in 2010 und damit um 30 % an. Die Hochrechnungen für das Jahr 2011 lassen durch reibungsloseren Ablauf und eindeutige Patientenzuweisungen bereits in der Notaufnahme mit weiteren Steigerungen rechnen. Im I. Quartal 2011 wurden bereits 348 Patienten behandelt, dies entspricht einem Zuwachs von etwa 20 % gegenüber 2010.

In 2009 hat die Innere Abteilung der Ammerland- Klinik insgesamt 87 Konsile für das Bundeswehrkrankenhaus durchgeführt. Die Innere Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses hat im Gegenzug 299 Konsile für die Ammerland- Klinik zusätzlich zu den eigenen hausinternen Leistungen durchgeführt. Hierin zeigt sich die gute Einbindung der Abteilung I im Klinikzentrum und auch deren Akzeptanz beim zivilen Vertragspartner.

Bezüglich des Case-Mix-Indexes (CMI) lässt sich ebenfalls eine Steigerung feststellen. Der CMI lag in 2009 für Zivilpatienten bei 0,801 (mit Soldaten bei 0,706). Es erfolgte seit Januar 2011 die nun konsequente Zuteilung insbesondere der pneumologischen und diabetologischen Krankheitsbilder. Es gelang dadurch eine Steigerung der Behandlungszahlen, zusätzlich wurden auch kardiologische Patienten durch die Bundeswehr behandelt und auch Patienten auf der Intensivstation entsprechend ihrer Grundkrankheit unserer Abteilung zugeordnet. So lag der CMI für das I. Quartal 2011 bereits bei 0,861 für die zivilen Patienten (mit Soldaten bei 0,768 ).

Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich auch bei der Betrachtung des Casemixes der Gasamtfallzahlen, der von 627,7 Bewertungsrelationen in 2009 auf 841 Bewertungsrelationen in 2010 stieg. Für 2011 wird anhand der ersten Quartalszahlen analog zu den Fallzahlen mit einer Steigerung um rund 20 % gerechnet.

Unter Berücksichtigung der Tatsache der geringen Anzahl von Fachärzten, der begrenzten Bettenzahl und der Aufteilung des Patientengutes zwischen den Kliniken, ist die Zahl der erbrachten Leistungen aus hiesiger Sicht als sehr hoch zu bewerten (Grafiken 1 und 2).

Bei den stationären Patientenzahlen ist zu berücksichtigen, dass diagnostische Leistungen, die keiner stationären Überwachung bedürfen, konsequent ambulant durchgeführt werden. Wären zum Beispiel Endoskopiepatienten – fast ausschließlich Soldaten – zur Untersuchung stationär aufgenommen worden, hätte man bei geringer Änderung des CMI ca. 400 Behandlungsfälle mehr gehabt. Des Weiteren werden in der FU 1 sämtliche Untersuchungen eines Patienten möglichst an einem Tag durchgeführt. Dies führt zwar zu geringeren ambulanten Fallzahlen, da Mehrfachvorstellungen vermieden werden, ist jedoch in Bezug auf den persönlichen Zeitaufwand der Soldaten, Arbeitsausfall und Fahrtkosten vorteilhaft zu werten. Außerdem soll das Adipositas-interventionsprogramm trotz hohem wirtschaftlichen, organisatorischen und personellen Aufwand (drei Wochen teilstationär und anschließend regelmäßige Kontrolluntersuchungen über drei Jahre) im Sinne des Erhalts der „Physical Soldiers Fitness“ zur Prävention des Auftretens kardiovaskulärer Schäden fortgeführt werden.

Ausblick

Es lässt sich feststellen, dass trotz nur 50 % besetzter STAN-DP für Fachärzte bereits jetzt eine hohe Leistungsverdichtung in der Abteilung I des Bundeswehrkrankenhauses Westerstede erzielt wird. Mit der Verfügbarkeit weiterer Fachärzte in der Abteilung könnten die Leistungen in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. So wird im teilstationären und ambulanten Bereich ein Schulungszentrum für Diabetiker (zunächst nur für Soldaten) angestrebt. Die Erfordernisse hierfür wurden erfasst und das Personal ausgebildet, so dass die Grundlage für das Ziel einer zertifizierten Abteilung in enger Zusammenarbeit mit Neurologen, Chirurgen der Wundsprechstunde, Gefäßchirurgen, Angiologen und Diabetologen einschließlich der Vernetzung mit den niedergelassenen Kollegen und den Truppenärzten geschaffen wurde. Eine weitere Zusammenarbeit ist zwischen der pneumologischen Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses und der kardiologischen Abteilung der Ammerland-Klinik im Sinne eines kardiopulmonalen Zentrums in Vorbereitung.

Fazit

Insgesamt werden die folgend aufgeführten zentralen militärischen und fachlichen Aufgaben der Inneren Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses in Westerstede voll erfüllt

  • qualifizierte medizinische Aus-, Fort- und Weiterbildung von ärztlichem und nichtärztlichem Sanitätspersonal sowie der einsatzmedizinische Kompetenzerhalt
  • umfassende ambulante und stationäre sanitätsdienstliche Versorgung von Soldaten
  • optimierte medizinische Versorgung von Zivilpatienten
  • Abstellung von medizinischem Personal für die Ausbildung und den Einsatz Die Kooperation am Klinikzentrum bietet hierfür hervorragende Möglichkeiten.

Es stehen in den wesentlichen Teilgebieten der Inneren Medizin (Kardiologie, Gastroenterologie, Pneumologie, Onkologie, Diabetologie, Angiologie) stets hohe Patientenzahlen zur Verfügung. Der Standort Westerstede eignet sich somit hervorragend zur Ausbildung und In-Übung-Haltung von ärztlichem und nichtärztlichem Personal in der Inneren Medizin.

Die Abteilung bildet darüber hinaus auch im eigenen Bereich bereits heute Schwerpunkt-medizin ab, sei es durch diagnostische Bronchoskopien mit allen Punktionstechniken bei Tumoren und unklaren Lungengerüst-erkrankungen, die Schlaf- und Beatmungsmedizin in der Pneumologie oder durch die gesamte nicht-invasive Diagnostik und Therapie der Kardiologie. Die diesjährige Neuaufstellung einer kardiologischen Abteilung der Ammerland- Klinik führt aktuell zu einer vermehrten Zusammenarbeit. Eine kardiologische Weiterbildung ist bereits beantragt. Auch die Schwerpunktweiterbildung in der Pneumologie und Diabetologie wird am Bundeswehrkrankenhaus Westerstede in naher Zukunft möglich sein.

Schon jetzt verfügen wir gemeinsam mit der Medizinischen Klinik der Ammerland-Klinik über die Ermächtigung für die Basisausbildung in Innerer Medizin einschließlich Facharzt mit Schwerpunkt Allgemeine Innere Medizin. Auch der Schwerpunkt Gastroenterologie kann im Kooperationshaus erworben werden. Die Abteilung I beteiligt sich an den ärztlichen Leistungen der konservativen Intensivstation der Ammerland-Klinik. Intensivmedizinische Leistungen werden von Fachärzten konsiliarisch erbracht, die Assistenten leisten Ausbildungsabschnitte auf den hausinternen Intensivstationen. Auch die Möglichkeiten der Ausbildung in der Intensivmedizin und im Herzka-theter-Labor des Klinikums Oldenburg werden von Sanitätsoffizieren genutzt (insbesondere um Ausbildungs-engpässe zu verhindern). Eine umfassende sonographische und endoskopische Diagnostik und Therapie in der Abteilung I, die überwiegend durch Assistenzärzte unter Anleitung von Fachärzten durchgeführt wird, steht für eine zeitgemäße moderne Ausbildung.

Unter Berücksichtigung der Besonderheiten am Bundeswehrkrankenhaus Westerstede stellt sich eine Innere Abteilung mit hoher Leistungsfähigkeit dar. Die Effizienz ergibt sich daraus, dass ein integratives Konzept für Innere Medizin am Standort gelebt wird. Weiteres Potential in der Entwicklung der Abteilung ist insbesondere durch den hohen Zuspruch junger Sanitätsoffiziere und die über die Jahre ständig verbesserte Zusammenarbeit mit dem zivilen Kooperationspartner gegeben. Eine Forderung nach einer in allen Schwerpunkten vertretenen Inneren Abteilung in einem Bundeswehrkrankenhaus mit diesen lokalen, personellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen ist nach hiesiger Auffassung nicht sinnvoll. Durch die Nutzung der Synergieeffekte, welche eine geeignete Kooperation bietet, kann trotzdem eine umfassende internistische Versorgung der Patienten sowie Ausbildung und In-Übung-Haltung des Sanitätspersonals bei optimierter Nutzung wirtschaftlicher Ressourcen gewährleistet werden. Dieses Modell stellt einen praktikablen Lösungsansatz dar, um trotz knapper Haushalts-mittel ein breites Spektrum an Schwerpunkten in der Inneren Medizin zu betreiben.

Diese Einschätzung wird heute offensichtlich auch vom zivilen Kooperationspartner geteilt: „Über die Sinn-haftigkeit dieser Doppelstruktur (Vorhaltung einer internistischen Abteilung bei jedem Kooperationspartner) ist sehr viel gestritten worden“, so der Ammerländer Landrat Jörg Bensberg, der der Gesellschafterversammlung der Ammerland-Klinik GmbH vorsteht. „Nach nahezu drei Jahren der Zusammenarbeit und des Zusammen-wachsens kann ich heute jedoch rückschauend feststellen, das anfängliche Abstimmungsprobleme in der Zusammenarbeit weitgehend überwunden sind und sich beide Abteilungen gut ergänzen. „Sorgen bereitet mir weniger diese Struktur an sich, sondern eher die zuverlässige Vorhaltung des erforderlichen ärztlichen Personals für die vom militärischen Partner betreuten Schwerpunkte. Darauf sind wir als Ammerland-Klinik dringend angewiesen“, so Landrat Bensberg.

Datum: 18.10.2011

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2011/2

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