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VERSCHOLLEN UND WIEDERGEFUNDEN - DAS ÖLGEMÄLDE DES BERLINER HOFAPOTHEKERS CASPAR NEUMANN (1683-1737)

Aus der Pharmaziehistorischen Bibliothek Bergmann im Wallgau/Oberbayern (Leiter: Apotheker G. Bergmann)

von Günter Bergmann

Zusammenfassung: Zu den bedeutenden deutschen Pharmazeuten des frühen 18. Jahrhunderts zählt Caspar Neumann.

Er hatte als erster die Konzeption eines wissenschaftlich ausgebildeten Apothekers entwickelt. In hohem Ansehen stehend, wurde auch er, dem Zeitgeist entsprechend, in einem Ölgemälde abgebildet. Der Weg dieses zeitweise verschollenen Bildes sowie die wichtigsten Stationen seines Lebens- und Berufsweges sind hier nochmals zusammengefasst.

Summary:

Caspar Neumann is one of the prominent German pharmacists of the early 18th century. He was the first to develop the notion of the scientifically educated apothecary. Due to his high standing and in accord with the Zeitgeist he was depicted in an oil-painting. The object of this essay now is to outline the route travelled by this temporarily missing work of art as well as to recapitulate the most important stations of Neumann’s life.

Einleitung

Obwohl in den Jahren 1939 bis 1942 rechtzeitig mit der Auslagerung von Kunstwerken aus Berlin begonnen wurde, sind viele Werke, vor allem Bilder, durch den zweiten Weltkrieg vernichtet, verschollen oder als Beutekunst verschleppt worden (1). So galt auch eine große Anzahl wertvoller Gemälde und Grafiken, vorwiegend aus dem Besitz des ehemaligen Berliner Reichsarbeitsministeriums, ab 1934 Militärärztliche Akademie, seit ihrer Auslagerung als verschollen.

Die Herkunft und jetziger Standort des Ölgemäldes

Im Jahr 1928 hatte Georg Poensgen (1898-1974), damaliger Assistent bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Berlin, den Auftrag erhalten, den Bestand der Kunstwerke im Besitz des Reichsarbeitsministeriums zu erfassen und zu dokumentieren. In seinem im gleichen Jahr erschienenen Katalog (2) hat er diese Kunstwerke, vorwiegend Ölgemälde, Graphiken und Büsten, mit recht guten kurz gefassten Beschreibungen und schwarzweißen Abbildungen dargestellt.

Im Vorwort nimmt er zur Herkunft der aufgelisteten Stücke Stellung. Demnach wurde die Basis zu der Sammlung von Kunstwerken von dem preußischen Generalstabschirurgen und Chef des Militärmedizinalwesens Johann Goercke (1750-1822) - dem ersten Direktor der 1795 gegründeten "Medizinischchirurgischen Pépinière in Friedenszeiten"- gelegt (3). 1811 errichtete König Friedrich Wilhelm III. mit der "Medizinisch- chirurgischen Akademie für das Militär" eine neuartige Ausbildungsstätte, die zugleich die Lehrverpflichtungen des 1809 aufgelösten "Collegium medico-chirurgicum" übernahm, während die Pépinière 1818 den Namen "Medizinisch-chirurgisches Friedrich- Wilhelms-Institut" erhielt. Zur hundertjährigen Stiftungsfeier der Pépinière 1895 wurden dann beide Institutionen vereint (4), und es entstand die "Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen", die 1910 einen Neubau an der Invaliden- / Scharnhorststraße bezog.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Akademie aufgelöst und das Gebäude dem Reichsarbeitsministerium zugewiesen, wobei zu den erhalten gebliebenen und im Laufe der Zeit ständig vermehrten Sammlungen nun weitere Stiftungen und Leihgaben an Gemälden, Stichen, Büsten usw. aus den ehemals königlichen Schlössern in Niederschönhausen und Charlottenburg sowie aus der Nationalgalerie hinzukamen. Nach 1933 erforderte der Aufbau der Wehrmacht wiederum eine steigende Zahl an Sanitätsoffizieren, sodass man im Reichsarbeitsministerium 1934 die "Militärärztliche Akademie" eröffnete. In deren Festräumen hingen nunmehr die wertvollen (laut Poensgen vordem auf verschiedene Standorte innerhalb des Gebäudes verteilten) Ölgemälde der Militär- und Leibärzte einschließlich des Bildes des Berliner Hofapothekers Caspar Neumann.

Bereits 1975 vermerkte Hubert Fischer schon, dass ein Teil der Bilder - über den ZweitenWeltkrieg hinaus - gerettet werden konnte und "sich heute in der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr in München" befände (5). Diese Information hat allerdings außerhalb militärischer Kreise kaum die Öffentlichkeit erreicht und war zunächst auch dem Verfasser des vorliegenden Beitrags unbekannt. Denn die offizielle Auflistung von Hans F. Schweers aller noch vorhandenen ausgestellten bzw. depotgelagerten Gemälde in deutschen Museen hatte keine Standorthinweise zu den Werken des RAM/MA enthalten.

Anfang 1999 begab sich der Verfasser auf eine länger währende Suche nach dem Verbleib speziell des Neumann-Bildes. Nachfragen beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam erbrachten ebenfalls keine direkten Hinweise auf den Verbleib, da die Auslagerung nicht dokumentiert worden war. Allerdings wurden vage Vermutungen geäußert, die letztendlich nach mehreren Weiterleitungen nach München führten. Hier in der Sanitätsakademie der Bundeswehr konnte im Magazin der "Wehrgeschichtlichen Lehrsammlung" - neben vielen weiteren alten Ärzteporträts - das Ölgemälde des Caspar Neumann tatsächlich noch verpackt (!) aufgefunden werden. Dort ist es heute wieder zugänglich aufgehängt und kann nach Rücksprache besichtigt werden.

Lebenslauf des Caspar Neumann

Caspar Neumann wurde am 11. Juli 1683 in Züllichau als Sohn mittelloser Eltern geboren. Bereits mit zwölf Jahren verwaist, kam er dort bei seinem Paten in die Lehre, um dann von 1701 bis 1704 in Unruhstadt als Provisor tätig zu sein. 1705 ging er nach Berlin, wo er kurzzeitig in der Offizin des Apothekers Schmedicke arbeitete und anschließend in die königliche Hofapotheke wechselte. Friedrich I. von Preußen, der auf ihn aufmerksam geworden war, ließ ihm ein Stipendium zukommen, damit er im In- und Ausland seine chemischen Kenntnisse vertiefen konnte.

So begab sich Neumann ab 1712 auf Reisen durch Deutschland, wobei er sich für die Hüttenwerke im Harz interessierte und in den Hofapotheken verschiedener Residenzstädte arbeitete, bevor er sich nach Holland wandte, wo er in Leiden Schüler Herman Boerhaaves (1668-1738) wurde. Über Utrecht und Amsterdam gelangte er sodann nach London; dort erfuhr er 1713 vom Tod seines Gönners Friedrich I., woraufhin ihm der angesehene Chirurg Abraham Cyprianus großzügig eine Weiterarbeit in seinem Privatlaboratorium ermöglichte. Als Neumann 1716 im Gefolge des englischen Königs Georg I. nach Deutschland reiste, traf er in Berlin den berühmten Mediziner Georg Ernst Stahl (1659- 1734), der sich bei Friedrich Wilhelm I. für eine endgültige Rückkehr einsetzte. Mit entsprechenden Geldmitteln ausgestattet wieder in London, musste Neumann 1718 - nachdem der alte Berliner Hofapotheker verstorben war - seine Reisen, die ihn über Paris bis nach Rom führten, denn auch beschleunigt abwickeln, um schließlich 1719 die Leitung der Berliner Hofapotheke zu übernehmen. Letztere hatte er bis zu seinem Tod inne (6).

In dieser Stellung gelang es ihm in kurzer Zeit, aus der königlichen Apotheke einen mustergültigen Betrieb, vor allem aber eine - in Deutschland damals einzigartige - Forschungs- und Ausbildungsstätte zu machen. Sie ermöglichte erstmals einen Unterricht in pharmazeutischer Chemie. Zu seinen vielen Schülern zählte beispielsweise auch Andreas Sigismund Marggraf (1709- 1782), der bekanntlich den Rübenzucker entdeckt beziehungsweise rein dargestellt hat. 1723 wurde Neumann zum Professor für praktische Chemie am "Collegium medico-chirurgicum"(7) ernannt und im Jahr darauf als pharmazeutischer Assessor in das Medizinal- Oberkollegium berufen, womit er zugleich die Aufsicht über alle Apotheken des preußischen Staates erhielt. Außerdem wurde er 1727 in Halle zum Dr. med. promoviert. Im Übrigen hat sich Neumann auch wissenschaftlich betätigt und eine Reihe chemischer Untersuchungen durchgeführt, jedoch verbinden sich auf diesem Gebiet keine nachhaltigen Leistungen mit seinem Namen. Die Verdienste Neumanns, der am 20. Oktober 1737 in Berlin verstarb, liegen vielmehr darin, als Organisator und Lehrer den pharmazeutischen Beruf wissenschaftlich angehoben angehoben und damit das Leitbild für dessen weitere Entwicklung vorgegeben zu haben.

Abbildungen des Hofapothekers Neumann in Kupferstichen

In Anbetracht des hohen Ansehens, das Neumann - unter anderem Mitglied der Leopoldina und der Royal Society in London - zu seiner Zeit genoss, verwundert es nicht, dass der Berliner Hofapotheker auch mehrfach abgebildet worden ist. So existieren aus den Jahren 1730 bis 1740 drei verschiedene Kupferstiche. Deren Zeichnungsvorlage geht auf den berühmten französischen Hofmaler Antoine Pesne (1683- 1757) (8) zurück, wobei der einzig datierte 1734 von Johann Georg Wolfgang (1662-1744) (9) gestochen wurde. Er zeigt ein Hüftbild Neumanns, das Gesicht dem Betrachter zugewandt, in der rechten Hand ein Buch haltend.

Photo Abb 1: Caspar Neumann 1734, Kupferstich von Johann Georg Wolfgang

 

Das Porträt wird von einem ovalen Rahmen umgeben mit der Inschrift "Casparus Neumannus. regis prussiae consiliarius aulicus. medicinae doctor. professor publ[icus] chemiae, diversar[um] societat[um] scientiar[um] sodalis".

Unterhalb dieses Rahmens befindet sich eine Kartusche, darin die Darstellung eines chemischen Laboratoriums mit Öfen und zahlreichen Geräten. Links davon ist ein Putto, den rechten Fuß auf eine Maske setzend, in den Händen eine Retorte und ein Thermometer. Der rechts sitzende Putto vor einem aufgeschlagenen Buch hält in der Hand den Äskulapstab. Darunter befinden sich die Signaturen (links) "Anton Pesne Pictor Reg[ius] Pinx[it] 1731" und (rechts) "J. G. Wolffgang Sculps[it] 1734". Dieser Kupferstich wurde einige Jahre später von einem unbekannten Künstler bis auf kleine Abweichungen bildgetreu nachgestochen und als Frontispiz den postum erschienenen Werken Neumanns beigefügt, so beispielsweise den "Praelectiones chemicae seu chemia medico-pharmaceutica experimentalis et rationalis[...]" (Berlin 1740).

Der dritte Kupferstich stammt von Johann Christoph Sysang (1703-1757) (10), der Neumann in Haltung und Kleidung ebenfalls gemäß der Vorlage von Antoine Pesne zeigt. Das Porträt ist hier allerdings von einem rechteckigen, oben leicht gewellten Rahmen mit stilisierten Blattranken umgeben und die Kartusche enthält die Inschrift "Casparus Neumannus Medicinae Doctor, Regiae Majestatis Prussicae Consiliarius aulicus, Profess[or] publicus Chymiae practicae, Collegii Medico-Chirurgici nec non Collegii Medici supremi Berolinens[ is] ac diversar[um] Academ[iarum] Scientiar[um] Membrum. Natus d[ie] 11. Jul[ii] 1683. Denatus d[ie] 20. Oct[obris] 1737". Rechts unterhalb des Plattenrahmens findet sich die Signatur "Sysang Sc[ulpsit]".

Abbildung des Hofapothekers Neumann als Ölgemälde

Neben diesen Kupferporträts gibt es von Neumann nun aber auch noch ein großes Ölgemälde, das seit dem Zweiten Weltkrieg jedoch verschollen und erst jetzt wieder aufgefunden werden konnte. Das auf Leinwand gemalte Bild (146 x 112 cm) befindet sich in einem schlichten barocken Goldrahmen mit feiner umlaufender Perlstab-Schmuckleiste, deren Ecken mit pflanzlichen Ornamenten verziert sind.

Photo Abb 2: Caspar Neumann um 1736, Ölgemälde, vermutlich von Joachim Martin Falbe

Ein auf der unteren Rahmenleiste in der Mitte angebrachtes Metallschild trägt die Aufschrift "Caspar Neumann Prof. d. Chem. am Colleg. med. ciur[!] 168- 1737", während auf der Rückseite der Leinwand "Militärärztliche Akademie Berlin NW 40 Nr. 20" als letzte Standortangabe vermerkt ist.

Das unsignierte Bild wird bei Georg Poensgen dem Berliner Hofmaler Joachim Martin Falbe (1709-1782) (11) zugeschrieben, der ein Schüler und langjähriger Mitarbeiter Pesnes war. Im Mittelpunkt des Bildes sitzt der Apotheker Neumann - mit weißer Allongeperücke, in silbergrauem Rock mit goldenen Schnüren und Knöpfen, offener Weste und offenem weißen Hemd mit Manschetten - in seiner Bibliothek auf einem blaugrün gepolsterten Lehnstuhl am Tisch. Im Dreiviertelprofil ist das Gesicht leicht aus der Frontalansicht gedreht, der Oberkörper halbrechts gewendet, die angewinkelten Arme mit den Händen auf dem Tisch aufliegend. Die rechte Hand hält eine Schreibfeder, die linke ein aufgeschlagenes Buch, dessen Frontispiz und Titel fein ausgemalt zu erkennen sind. Auf dem parallel zur Bildebene stehenden Tisch befinden sich Schreibutensilien mit Tintenglas und Feder, eine Siegellackstange mit Petschaft, Brieföffner, Streusanddose und etwas zurückliegend ein geöffneter Brief.

Walter Artelt, der das Original-Gemälde wohl nie gesehen hatte, sondern nur die schwarz-weiß Abbildung der Publikation von Poensgen [siehe Anm. 2] vorliegen hatte, beschrieb das Ölgemälde 1948 folgendermaßen: "Das Bildnis [...] zeigt uns den älteren Neumann auf der Höhe seines Ansehens. Das rundliche, vollblutige, etwas derbe Gesicht unter der Allongeperücke passt zu dem vierschrötigen Körper des feinschmeckerischen Apothekenherrschers, der sicherlich den Weinen, über die er wissenschaftlich gearbeitet hat, auch nach Feierabend nicht abgeneigt war"(12).

Abgebildete Fachbücher aus der Bibliothek Neumanns

In seiner linken Hand hält Neumann - wie erwähnt - ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Güldene Rose/ Das ist/ Einfältige Beschreibung des allergrössesten/ von dem Allermächtigsten Schöpffer Him[m]els und der Erden JEHOVAH in die Natur gelegten/ und dessen Freunden und Auserwehlten zugetheilten Geheimnisses/ als Spiegels der Göttlichen und Natürlichen Weisheit/ ans Licht gebracht durch J.R.V.M.D.". Dieses Buch erschien ohne Druckervermerk erstmals in Hamburg 1705, sodann in Frankfurt/Leipzig 1706, und zwar als Teil (eines aus drei Traktaten bestehenden) Sammelbandes (13). Interessant ist, dass der anonyme Verfasser das Werk "seinem" allergnädigsten Herrn, dem Preußenkönig Friedrich I. gewidmet hat, während vorerst offen bleiben muss, welcher Autor sich hinter der Abkürzung "J.R.V.M.D." verbirgt. Es stellt sich jedenfalls die Frage, warum sich Neumann ausgerechnet mit diesem Buch abbilden ließ.

Hatte er doch auf seinen Reisen durch Deutschland, Holland, Italien, Frankreich und England nicht nur seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse erweitert, sondern auch gelernt, gewissen Anschauungen und Theorien skeptisch gegenüber zu stehen. Dies schließt freilich nicht aus, dass er sich auch mit dem Gedankengut der Alchemie und der hermetischen Philosophie auseinandersetzte, wofür nicht zuletzt ein Werk Georg von Wellings (14) spricht, das sich auf einem der abgebildeten Bücherregale erkennen lässt. Diesbezügliche Überlegungen bedürfen jedoch noch gründlicher Untersuchungen und müssen daher einer gesonderten Studie vorbehalten bleiben. Im rechten Teil des Ölgemäldes sind im Hintergrund drei Bücherreihen zu sehen: In der unteren stehen Folianten, in den beiden darüber Werke im Quartformat, deren aller Rücken relativ gut leserliche Titel aufweisen.

Photo Abb 3: Detail aus der Handbibliothek

Dies ist in der Malerei recht selten, hier jedoch wohl ein Indiz dafür, dass Neumann zeigen wollte, nach welchen Themenschwerpunkten seine Fachbibliothek ausgerichtet war. Diese Titel, die auf den Büchern nur stark verkürzt wiedergegeben sind, werden im Folgenden komplett aufgezeigt. Dabei werden in der Auflistung jeweils die erste und gegebenenfalls die zu Lebzeiten Neumanns letzterschienene Auflage (ungeachtet teilweise vorgenommener Titeländerungen) angegeben.

Auf dem oberen Regalboden stehen vier Bücher, sie stammen von englischen Autoren und stellen einen unmittelbaren Bezug zu Neumanns Aufenthalt in England dar:

John Woodward (1665-1728): An essay towards a natural history of the Earth, and terrestrial bodies, especially minerals etc.; with an account of the universal deluge, and of the effects that it had uppon the Earth. London 1695; London 1723.
Richard Bradley (1688-1732): Ten practical discourses concerning the four elements, as they relate to the growth of plants [...]. With a collection of new discoveries for the improvement of land, either in the farm or garden. London 1727; London 1733.
Walter Harris (1647-1732): Pharmacologia antiempirica: or, A rational discourse of remedies both chymical and Galenical [...] Together with some remarks on the causes and cure of the gout, the universal use of the Cortex, or Jesuits powder, and the most notorious impostures of divers empiricks and mountebanks. London 1683.
John Floyer (1649-1734): [Psychrolousia]: or, The history of cold bathing, both ancient and modern. In two parts. The first written by Sir John Floyer. The second, treating of the genuine use of hot and cold baths. Together with the wonderful effects of the Bath-water, drank hot from the pump, in decay‘d stomachs, and in most diseases of the bowels, liver, and spleen, &c. Also proving, that the best cures done by the cold baths, are lately observed to arise from the temperate use of the hot baths first. To which is added, an appendix by Dr. E. Baynard. London 1702; London 1732.

Der mittlere Regalboden bietet neben Lemery’s Universalpharmakopöe und Wellings magisch-kabbalistisch-theosophischem Werk zwei chemische Titel, von denen einer daran erinnert, dass Neumann Schüler Boerhaaves gewesen war:

Herman Boerhaave (1668-1738): Elementa chemiae, quae anniversario labore docuit in publicis, privatisque, scholis. 2 Bde., Leiden 1732.
Pierre Jean Fabre (um 1600-1656): Alle in zwey Theile verfassete Chymische Schriften : darinnen [...] enthalten I. Die Universal-Chymie oder Anatomie der gantzen Welt [...]. II. Die Universal- Weißheit oder Anatomie des Menschen und der Metallen [... ); Nebst beygefügten sehr vielen nützlichen Arcanis; Anfänglich von dem Autore in lateinischer Sprache [...] beschrieben, jetzo aber [...] ins Deutsche übersetzet. Hamburg 1713.
Nicolas Lémery (1645-1715): Pharmacopee universelle, contenant toutes les compositions de pharmacie qui sont en usage dans la medicine, tant en France que par toute l’Europe; leurs vertus, leurs doses, les manieres d’operer les plus simples & les meilleurs. Avec plusieurs remarques & raisonnemens sur chaque operation. Paris 1697; Paris 1724.
Georg von Welling [bzw. Gregorius Anglus Sallwigt] (1655-1727): Opus mago-cabbalisticum et theosophicum. Darinnen der Ursprung, Natur, Eigenschafften und Gebrauch des Saltzes, Schwefels und Mercurii, In dreyen Theilen beschrieben, und nebst sehr vielen sonderbahren Mathematischen, Theosophischen, Magischen und Mystischen Materien, Auch die Erzeugung der Metallen und Mineralien, aus dem Grunde der Natur erwiesen wird; Samt dem Haupt-Schlüssel des gantzen Wercks, Und vielen curieusen MagoCabbalistischen Figuren [...] Frankfurt am Main 1719; Homburg v.d.H. 1735.

Auf dem unteren Regalboden schließlich finden sich neben zwei maßgebenden Arzneibüchern - die man in der Bibliothek eines Apothekers auch erwarten darf - ein botanisches Werk sowie zwei über Bergbau, die zugleich auf Neumanns Studien in Paris beziehungsweise auf seine Besuche deutscher Hüttenwerke verweisen:

Pharmacopoeia Augustana Renovata. [Augsburg 1564]; Augsburg 1710. Georg Agricola (1494-1555): Vom Bergkwerck XII Bücher. Darinn alle Empter, Instrument, Bezeuge, unnd alles zu disem handel gehörig [...] beschriben [...] verteuscht [!] durch [...] Philippum Bechium. Basel 1557; Basel 1621.

Dispensatorium regium electorale Borusso- Brandenburgicum. Berlin 1698; Berlin 1713.

Sébastien Vaillant (1669-1722) : Botanicon Parisiense, ou Denombrement par ordre alphabetique des plantes qui se trouvent aux environs de Paris compris dans la carte de la prevote et de l’election de la dite ville par le Sieur Danet Gendre annee 1722, avec plusieurs descriptions des plantes, leurs synonymes, le tems de fleurir et de grainer, et une critique des auteurs de botanique. Leiden u. Amsterdam 1727.
Georg Engelhard von Löhneyß (1552- 1622): Gründlicher und ausführlicher Bericht von Bergwercken, wie man dieselbigen nützlich und fruchtbarlich bauen, in glückliches Auffnehmen bringen, und in guten Wolstand beständig erhalten [...] Sampt beygefügter nützlicher Berg-Ordnung, und Bericht von der Bergleute Verrichtung und Freyheiten. Allen denen, so Bergwercke bauen, und dabey interessirt sind, zu Dienst [und] Gefallen [...]. Leipzig1690; Zellerfeld 1717.

Schlussfolgerungen

Insgesamt betrachtet, bieten diese Bücher - die es mit Blick auf die speziellen Interessen ihres Besitzers noch im Einzelnen zu untersuchen gilt - einen Querschnitt durch verschiedene Fachgebiete und verschaffen uns so einen instruktiven Eindruck vom wissenschaftlichen Bildungsstand eines Apothekers der Barockzeit. Auch deshalb ist die Wiederentdeckung des im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörten, jedoch bisher verschollenen, Ölgemäldes des Caspar Neumann für die Geschichte der Pharmazie ein Glücksfall.

Literatur:

  1. Schermuck-Ziesché A: Schicksale v. Gemälden im Dessau-Wörlitzer Kulturkreis, vgl. Artikel „Anhaltische Gemäldegalerie Dessau“, Bildnisse des Fürstenhauses Anhalt, Auslagerung und Verluste. [hohe Anzahl verschollener Werke des Hofmalers Antoine Pesne].
  2.  Poensgen G: Kunstwerke im Besitz des Reichsarbeitsministeriums, Reichsdruckerei, Berlin 1928. Die Lebensbeschreibungen der Ärzte hat Ministerialrat Dr. Dr. Bauer (Berlin) verfasst, die Bildaufnahmen erstellte Walter Christeller.
  3. Winau R: Johann Goercke und die Gründung der Pépinière. In: Dahlemer Archivgespräche 1 1996; 47 – 57.
  4. Schickert O: Die militärischen Bildungsanstalten von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des medizinisch-chirurgischen Friedrich Wilhelms-Instituts. Berlin 1895.
  5. Fischer H: Die militärärztliche Akademie 1934-1945, Neudruck d. Ausg. 1975; Osnabrück 1985;112 ff.
  6. Neumann, Caspar. In: Hein W-H, Schwarz H-D (Hrsg.): Deutsche Apotheker- Biographie. Bd. 2. Stuttgart 1978 (Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, NF, 46); 465 – 467
  7. Jüttner G: Wegbereiter der akademischen Apotheker-Ausbildung: Das Collegium medico- chirurgicum (1724–1809) und die Hofapotheke des Berliner Stadtschlosses. In Dilg P, Engel (Hrsg.): Pharmazie in Berlin. Historische und aktuelle Aspekte. Berlin 2003 (Stätten pharmazeutischer Praxis, Lehre und Forschung, 2); 7–21.
  8. Zu Pesne vgl. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme u. Felix Becker. Bd. 26 [Leipzig 1932]. Leipzig 1999; 467–470.
  9. Zu Wolfgang J G, Berliner Kupferstecher vgl. Allgemeines Lexikon [wie Anm. 8], Bd. 36 [Leipzig 1947]; 222.
  10. Zu Sysang JC, Zu diesem Leipziger Hofkupferstecher vgl. Allgemeines Lexikon [wie Anm. 8], Bd. 32 [Leipzig 1938]; 367f.
  11. Zu Falbe JM vgl. Allgemeines Lexikon [wie Anm. 7], Bd. 11 [Leipzig 1915]; 210ff.
  12. Artelt [wie Anm. 6],117 und Tafel 7, der die Abbildung des damals bereits verschollenen Gemäldes wohl der Publikation von Poensgen [siehe Anm. 2] entnommen hat.
  13. Zu “Güldene Rose…” vgl. Ferguson J: Bibliotheca Chemica. Vol. I. Glasgow 1906 (Neudruck London 1954) S. 225f. und 296 sowie Vol. II. Glasgow 1906 (Neudruck London 1954) S. 492f.; vgl. Duveen D I: Bibliotheca Alchemica et Chemica. London 1965. S. 266f. und 595.
  14. Zu diesem Autor vgl. ausführlich Jungmayr P: Georg von Welling (1655– 1727). Studien zu Leben und Werk. Stuttgart 1990 (Heidelberger Studien zur Naturkunde der frühen Neuzeit, 2).

 

 

Weitere Literaturhinweise beim Verfasser.

Datum: 10.01.2011

Quelle: Wehrmedizinische Monatsschrift 2010/10