Die Sanitätseinsatzgruppe des ­Seebataillons
Artikel: J. Brückner

Die Sanitätseinsatzgruppe des ­Seebataillons

Aus dem Seebataillon (Kommandeur: Fregattenkapitän A. Meißel) der Einsatzflottille 1 (Kommandeur: Flottillenadmiral Chr. Bock)

Mit der Aufstellung des Seebataillons (SeeBtl) am 1. April 2014 erfolgte die Aufstellung der Sanitätseinsatzgruppe (SanEinsGrp) zur Sicherstellung der rettungsmedizinischen und tauchmedizinischen Versorgung im Einsatz und in der Einsatzausbildung und der sanitätsdienstlichen Ausbildung der Soldaten. Das SeeBtl als „Multitool der Marine“ hat vielfältige Aufgaben.

PhotoAbb. 1: Logo der SanEinsGrp Die Einsatzkompanien, Küsteneinsatz- und Bordeinsatzkompanien, Minen­taucher­kom­pa­nie sowie Aufklärungskompanie mit den Feldnachrichtenkräften der Marine, schützen gemeinsam Einheiten und Einrichtungen der Marine an Land, im Bereich von Häfen und Reeden, in küstennahen Gewässern und Flussabschnitten sowie auf hoher See. Die Spezialisierten Kräfte des SeeBtl sind aktuell, neben verschiedensten Einzelabstellungen, als Harbour Protection Element zum Schutz der Schiffe im Hafen im UNIFIL-Einsatz auf Zypern sowie als Bordeinsatzteam im Rahmen der SOPHIA-­Mission eingesetzt.

Daraus bietet sich ein vielseitiges Aufgabenprofil für die SanEinsGrp mit den Schwerpunkten Tauchmedizin, Taktische Medizin, Notfallmedizin sowie Ausbildung. Im UNIFIL- sowie im ATALANTA-Einsatz am Horn von Afrika erfolgt die sanitätsdienstliche Versorgung der Ebene Role 1 u. a. durch die SanEinsGrp. 

Notfallmedizin und Taktische Medizin

F PhotoAbb. 2: Die Sanitätseinsatzgruppe des Seebataillons ür die Realversorgung im Einsatz sowie im Rahmen der Ausbildungsunterstützung sind die Soldaten der SanEinsGrp zum Notarzt bzw. zum Notfallsanitäter qualifiziert. Die Einsatzszenarien des SeeBtl als „Grüne Marine“ erfordern nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die Ausbildung in Taktischer Verwundetenversorgung, sowie das gemeinsame Üben als Rettungstrupp im Bereich Küsteneinsatz und Bordeinsatz. Die intensive Zusammenarbeit macht es möglich, dass Sanität und Kampftruppe einander weiterbilden, sowie gemeinsame Verfahren optimieren und vertiefen können. Aus notfallmedizinischer Sicht nimmt die Fast-Rope-Ausbildung der Boardingsoldaten eine besondere Rolle ein – die Gefahr des „Sturz aus großer Höhe“ bedeutet, dass im Fall des Falles mit multiplen Verletzungen und dementsprechend schweren Aufgaben für die Retter zu rechnen ist.

Vom Meer zum Land – im EAGLE IV BAT

Der EAGLE IV BAT ist das Flaggschiff der SanEinsGrp. Als leichtes geschütztes Sanitätskraftfahrzeug ist er in fast allen Einsätzen der Bundeswehr anzutreffen. Bedeutsam für die Belange des SeeBtl ist seine Eignung auf Grund von Größe und Gewicht, im Küsteneinsatz mittels Landungsboot verbracht zu werden. Der Transport per Flugzeug ist ebenfalls möglich, sodass er in kürzester Zeit weltweit zum Einsatz kommen kann. Bei Übungen ist er fester Bestandteil für das Abbilden einsatznaher Lagen, könnte jedoch bei Bedarf in seiner Eigenschaft als „militärischer Rettungswagen“ zum Einsatz kommen.

Tauchmedizin – mit Druck umgehen

PhotoAbb. 3: Verbringung eines Verwundeten Die tauchmedizinische Betreuung der Minen­­taucher wird durch die SanEinsGrp sichergestellt. Hierzu werden die Ärzte der SanEinsGrp zum Taucherarzt, die Notfallsanitäter zum tauchmedizinischen Assistenten ausgebildet. Dabei wird das Tauchen nicht nur im Hörsaal, sondern auch im bzw. unter Wasser vermittelt. Die Minentaucherausbildung erfordert eine intensive medizinische Begleitung. Durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln gesundheitlicher Beeinträchtigungen kann in vielen Fällen der Abbruch der Ausbildung vermieden, in anderen Fällen aber auch schwerwiegenderen Unfällen vorgebeugt werden. So ist in der Hallen- und der Freiwasser-Ausbildung und bei Seefahrten zur Tauchausbildung die SanEinsGrp dabei. Auch im Rahmen der Mission ATALANTA steht für die Behandlung von Tauchunfällen die einzige Druckkammer im Umkreis von 1000 Kilo­metern vor Ort bereit. In der tauchme­dizinischen Sprechstunde zu Hause in Eckernförde können Fragestellungen, insbesondere im Rahmen der Begutachtung, besprochen werden. Schließlich führt die SanEinsGrp die tauchmedizinische Aus- und Weiterbildung durch, im Unterricht und durch Rettungsübungen vor Ort.

Ausbildung und Kompetenzerhalt Einsatzersthelfer-A sowie das Training der Einsatzersthelfer B und CFR wird durch die SanEinsGrp durchgeführt. Darüber hinaus erfolgt Sanitätsausbildung im Rahmen der Übungen der Einheiten des SeeBtl. Doch auch die eigene Ausbildung hat in der SanEinsGrp einen hohen Stellenwert. So nehmen der Kompetenzerhalt im Bereich Tauch- und Notfallmedizin, aktuell die Weiterqualifizierung vom Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter, nationale und internationale Weiterbildungen im Bereich Taktische Medizin oder auch Lehrgänge für Materialbewirtschaftung und Kraftfahrausbildung viel Zeit in Anspruch.

Weltweit einsatzbereit

PhotoAbb. 4: Eagle Anlandung Mit dem umfassenden Fähigkeitsspektrum und den daraus resultierenden vielfältigen Einsatzszenarien des SeeBtl ist Mobilität und Flexibilität auch für die SanEinsGrp eine Herausforderung. So werden die Missionen UNIFIL und ATALANTA regelmäßig durch Kräfte der SanEinsGrp unterstützt. Zahlreiche Seefahrten im Rahmen der Minentaucherausbildung in der Ostsee aber auch Übungsvorhaben in Kroatien, Kreta und den Vereinigten Staaten, die Kooperation mit dem Korps Mariniers in den Niederlanden und die Unterstützung bei der Ausbildung der ghanaischen Marine vor Ort boten 2018 weitere Einsatzorte. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist die Begleitung von Bordeinsatzteams, die als AVPD (autonomous vessel protection detachment) auf zivilen Schiffen eingesetzt sind. Besondere Herausforderung ist hier neben dem Adaptieren an mitunter improvisierte Arbeitsbedingungen die erheblich verzögerte Rettungskette und die daraus resultierende längerfristige Verwundetenversorgung. Mit einer ständigen MilEvacOp-Bereitschaft wird zudem die Fähigkeit zur bewaffneten Rückführung im maritimen Umfeld unterstützt.

Ausnahme Alltag

Im Innendienst erfolgen die Einsatz- und Lehrgangsplanung, Schriftverkehr sowie die Bewirtschaftung von Sanitätsmaterial. Ausbildungsinhalte und -methoden werden ständig überprüft und verbessert. Die Erfahrungen aus Übungen und Einsätzen ­werden für die Weiterentwicklung von medizinischen Vorgehensweisen und Material für den militärisch-taktischen Bereich analysiert. Meldungen aus den Einsatzgebieten, aber auch medizinische Neuerungen werden gesammelt und ausgewertet. Die Ärzte der SanEinsGrp beraten in Sachen Begutachtung, aber auch zu Fragen im Bereich Ernährung, Sportmedizin oder auch Tropenmedizin.

Marinesanität und Zentraler Sanitätsdienst – Hand in Hand

PhotoAbb. 5: Internationale Ausbildungsunterstützung Eine Besonderheit stellt das Zusammenwirken von Zentralem Sanitätsdienst und Marinesanität am Standort Eckernförde dar. So obliegt die truppenärztliche Versorgung der Soldaten dem SanVersZ Eckernförde, während der Schwerpunkt der SanEinsGrp auf der rettungs- und tauchmedizinischen Absicherung von Ausbildungs- und Übungsvorhaben, sowie der sanitätsdienstlichen Ausbildung der Soldaten liegt. Aufgrund der Nähe von SanEinsGrp und Truppe sowie der auftrags- und einsatzspezifischen Expertise kommt der SanEinsGrp auch in der medizinischen Begleitung der Soldaten des SeeBtl eine gewichtige Rolle zu. Darüber hinaus übernimmt die SanEinsGrp gemeinsam mit der Standortfeuerwehr die Aufgabe des First Responders bei medizinischen Notfällen im Marinestützpunkt Eckernförde.

In den vergangenen vier Jahren seit der Indienststellung bis heute konnte sich die SanEinsGrp zu einem verlässlichen und nachgefragten Ansprechpartner entwickeln. Die zahlreichen Aufgaben ließen die SanEinsGrp zu einer professionellen und vielseitig aufgestellten Größe innerhalb des SeeBtl heranwachsen. Auch zukünftig bieten Aufwuchs und Weiterentwicklung des SeeBtl personelle und organisatorische Herausforderungen, aber auch die Möglichkeit, die eigenen Rahmenbedingungen zu optimieren. 

Abbildungen beim Verfasser


Verfasser:
Oberstabsarzt Jonas Brückner
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Scharnhorststraße 13
10115 Berlin
E-Mail: JonasBrueckner@bundeswehr.org 

Datum: 20.05.2019

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 1/2019