Interview

Defense Health Agency

Interview mit der Leiterin der Defense Health Agency, Vizeadmiral Raquel C. Bono. Das Gespräch führte Oberstarzt Dr. Kai Schlolaut, Verbindungsoffizier zum amerikanischen Sanitätsdienst. Das Gespräch wurde in Englisch geführt und durch den Sprachmittlerdienst der Bundeswehrverwaltungsstelle USA/CAN übersetzt.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Frau Vizeadmiral Bono, Sie stehen der Defense Health Agency, kurz DHA, als Leiterin (Director) vor. Vielen Dank, dass Sie Photo Abb. 1: Das Wappen der Defense Health Agency. sich die Zeit für dieses Gespräch mit mir nehmen. Die Defense Health Agency gibt es seit dem Jahr 2013, und sie ist seit Oktober 2015 voll einsatzfähig. Was steckt hinter der Schaffung der DHA und wofür steht diese Dienststelle?

Vizeadmiral Bono: Ich danke Ihnen ebenfalls für die Gelegenheit zu diesem Gespräch. Ich begrüße sehr, dass Sie hier Teil unserer DHA-Familie sind und finde es schön, dass wir heute Morgen Zeit gefunden haben, uns zu unterhalten.

Die Defense Health Agency (DHA) wurde geschaffen, als den Streitkräften und dem Deputy Secretary of Defense (US-Vize-Verteidigungsminister) klar wurde, dass die sanitätsdienstliche Versorgung im gesamten militärischen Gesundheitssystem (Military Health System – MHS) effizienter gestaltet werden kann. Die DHA unterstützt die bei Army, Air Force und Navy geläufigen entsprechenden Vorgänge und Dienstleistungen. Mit solchen Unterstützungsleistungen, zum Beispiel in den Bereichen IT und Pharmazie, werden Aufgaben gebündelt, die bei allen Teilstreitkräften anfallen. So wurde schon einige Wirkung erzielt im Hinblick auf die Effizienz der Unterstützung bei Angebot, Art und Weise und sogar Qualität der Gesundheitsfürsorge und entsprechenden Dienstleistungen, die wir militärischen Leistungsberechtigten zur Verfügung stellen.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Die DHA ist eine teilstreitkraftgemeinsame, integrierte Dienststelle zur Unterstützung von Army, Air Force and Navy sowie der Unified Combatant Commands. Können Sie die von Ihnen geleistete Unterstützung, einen Shared Service [zentralisierte Dienstleistung] oder auch andere DHA-Programme anhand eines Beispiels für uns erläutern?

Vizeadmiral Bono: Wir haben mit zehn Shared Services angefangen, die wir als unternehmensspezifische Unterstützungsleistungen bezeichnen, denn faktisch wird durch diese Dienstleistungen das gesamte Unternehmen der militärischen Gesundheitsfürsorge gestützt.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Informationstechnologie im Gesundheitswesen. Sie wissen vielleicht, dass wir uns in der Vorbereitungsphase für die elektronische Gesundheitsakte (MHS GENESIS) befinden. Eines unserer Ziele ist es, die unseren Patienten zuteil gewordene sanitätsdienstliche Versorgung in standardisierter Form zu erfassen und standardisierte elektronische Gesundheitsakten zu führen, in denen diese Informationen gespeichert sind. Wir richten dieses System im gesamten militärischen Gesundheitssystem ein und stellen gleichzeitig sicher, dass an allen Einrichtungen des militärischen Gesundheitssystems bei Army, Air Force, Navy und DHA die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Wir sorgen außerdem dafür, dass klinische und dienstliche Abläufe standardisiert werden, so dass die elektronische Gesundheitsakte im gesamten Spektrum der Gesundheitsfürsorge einheitlich angewendet wird. So können wir auch die Interoperabilität verbessern, das heißt die Möglichkeit, Informationen aus unserer elektronischen Gesundheitsakte an andere Gesundheitsakten oder Krankenakten zu übermitteln und mit ihnen zu verknüpfen, sei es nun im zivilen Netzwerk, wo manche unserer Patienten medizinische Versorgung erhalten, oder dem US Department of Veterans Affairs (US-Kriegsveteranenministerium), zu dem viele unserer Patienten vom Department of Defense (DoD – US-Verteidigungsministerium) wechseln. Das ist so ein Beispiel für eine unserer unternehmensspezifischen Unterstützungsleistungen.

Im pharmazeutischen Bereich bieten wir ebenfalls Shared Services an, von Richtlinien bezüglich der Medikamente, die verschrieben bzw. vom Versicherer übernommen werden können, bis zur tatsächlichen Ausgabe von Medikamenten an Patienten. Das alles haben wir TSK-gemeinsam so organisiert, dass Arzneimittellisten zentralisiert genehmigt werden und die Beschaffung und der Kauf der entsprechenden Pharmazeutika sowie die Verteilung an unterschiedliche sanitätsdienstliche Behandlungseinrichtungen nach einem zentralisierten Mechanismus ablaufen.

Allein diese Beispiele zeigen, dass mit der Zusammenführung dieser Prozesse und der so geleisteten Unterstützung für die Teilstreitkräfte (Army, Air Force und Navy) die Effizienz wirkungsvoll gesteigert und Prozesse standardisiert werden können.

Sie erwähnten bereits unsere Unterstützung für die Unified Combatant Commands. Diese Aufgabe ist für die DHA extrem wichtig, denn wir sind eine Einrichtung, die der Einsatzunterstützung dient. In dieser Funktion stehen wir in direkter Verbindung mit dem Joint Staff Surgeon [leitender sanitätsdienstlicher Berater des streitkräftegemeinsamen Stabs im Pentagon], dem Joint Staff [streitkräftegemeinsamer Stab] und den Combatant Commands. Es gehört auch zu unserer Rolle als Einsatzunterstützungsdienststelle, die Kommandobereiche direkt zu unterstützen, damit entsprechende Operationspläne in den jeweiligen Bereichen bekannt gegeben und umgesetzt werden können.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Wie sehen Ihre Ziele und Prioritäten für dieses und nächstes Jahr aus, und was möchten Sie mit der DHA erreichen?

Vizeadmiral Bono: Sie sprechen hier sehr wichtige Punkte an. Ich denke, dass genau diese Fragen hinter einem großen Teil dessen stehen, was wir heute hier bei der DHA tun.

Der wichtigste Punkt meiner Zielsetzung ist es, die Art von Unterstützungsleistungen zu erbringen, die es den Streitkräften ermöglichen, Einsatzaufträge mit großem Erfolg auszuführen und stets ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. Wir wollen sicherstellen, dass die Teilstreitkräfte Zugang zu solchen unternehmensspezifischen Unterstützungsleistungen haben. Genau diese Unterstützung für das militärische Gesundheitswesen zu leisten ist also mein oberstes Ziel.

Mein zweites Ziel besteht darin, dafür zu sorgen, dass unsere Rolle als Einsatzunterstützungsdienststelle immer weiter ausreift. Diese Rolle ist für das militärische Gesundheitssystem relativ neu. Zum ersten Mal haben wir Gelegenheit, eine derart konzentrierte Zusammenarbeit zur Unterstützung der Combatant Commands zu leisten. Für die DHA ist es extrem wichtig, diese Rolle zur Ausgereiftheit zu bringen.

Das dritte Ziel, das wir vor Augen haben, ist die Optimierung der Abläufe innerhalb der DHA. Ich denke, dass unser ursprüngliches Ziel darin bestand, bei Erreichen der vollen Einsatzfähigkeit durch die Zusammenlegung redundanter Abläufe einen höheren Grad an Effizienz zu erzielen. Mit Blick auf die Zukunft denke ich, dass noch weitere Effizienz erzielt werden kann, wenn wir uns ansehen, welche weiteren Abläufe innerhalb des militärischen Gesundheitssystems standardisiert werden können und wenn wir sicherstellen, dass wir unser Möglichstes tun, um die erzielten Einsparungen aufrecht zu erhalten und noch zu steigern. Diese drei Punkte sind die wichtigsten: Unterstützung für das militärische Gesundheitssystem zu leisten, unsere Rolle als Einsatzunterstützungsdienststelle weiter auszureifen, und schließlich, die Abläufe innerhalb der DHA zu optimieren.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Der Kongress arbeitet derzeit am National Defense Authorization Act (NDAA – Gesetz zur Freigabe von Haushaltsmitteln für die nationale Verteidigung) für 2017. Wie sieht die Zukunft der DHA und des militärischen Gesundheitssystems im Allgemeinen aus?

Vizeadmiral Bono: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich kann noch nicht genau absehen, wie der vom Kongress verabschiedete endgültige Wortlaut des NDAA aussehen wird. Es liegt allerdings auf der Hand, dass der Kongress an unserem Erfolg als integriertes militärisches Gesundheitssystem interessiert ist. Ich denke, dass die DHA gebildet wurde, um dabei zu helfen, das Ziel der Integration unseres Gesundheitssystems in Army, Air Force, Navy und innerhalb unseres Tricare-Netzwerks [TRICARE – System der militärischen und zivilen medizinischen Versorgung und Krankenversicherung innerhalb des militärischen Gesundheitssystems] zu erreichen. Bezüglich des Wortlauts des NDAA denke ich daher, dass, egal wie er sich letzten Endes gestaltet, wir hier beim DHA ganz offensichtlich in und mit den Teilstreitkräften bereits sehr viel tun, was der Absicht, die mit dem Wortlaut des NDAA verfolgt wird, bereits entspricht.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Seit März dieses Jahres bin ich als deutscher Verbindungsoffizier zu Gast im Gesundheitssystem des US-Militärs. Ich danke Ihnen vielmals dafür, dass Sie mich so herzlich in Empfang genommen haben, und für Ihre Offenheit gegenüber der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit. In welchen Bereichen sehen Sie Möglichkeiten und Potential für eine engere amerikanisch-deutsche Zusammenarbeit?

Vizeadmiral Bono: Meiner Meinung nach ist alles möglich. Grenzen sind hier nur gesetzt, wenn unsere Vorstellungskraft nicht ausreicht. Zunächst einmal aber finde ich es vor allem ganz großartig, dass wir überhaupt in der Lage sind, diese Verbindung zu knüpfen und so eng zusammenzuarbeiten. Bei der Gesundheitsversorgung auch im militärischen Bereich gibt es in meinen Augen sehr viel, was wir miteinander austauschen können.

Ich sehe hier die Möglichkeit, zu erkunden, inwieweit die Vereinigten Staaten und Deutschland weitere Informationsgewinnung auf sanitätsdienstlicher und operativer Ebene gemeinsam vorantreiben können. Wir stehen hier vor enormem Potential.

Im Hinblick auf die globale Gesundheit (Global Health Engagement) denke ich außerdem, dass es nicht nur unserer gemeinschaftlichen Erfahrung im Umgang miteinander zuträglich ist, wenn wir in der Lage sind, zu verstehen, wie wir, wenn nötig, mit Ihnen als Partner in Bezug auf globale Gesundheit zusammenarbeiten können, sondern dass dies auch eine gute Plattform dafür ist, unsere Stärken gemeinsam auszuspielen, wenn wir uns in einem gemeinsamen Einsatzumfeld wiederfinden. Außerdem ist es auch eine wunderbare Gelegenheit, die Beziehung zwischen unseren beiden Ländern und die militärische Zusammenarbeit auf nachhaltige Weise zu pflegen.

Eine andere Gelegenheit bietet sich in einem Aspekt, den ich zuvor noch gar nicht in Betracht gezogen habe: Ich denke, dass wir anfangen sollten, darüber nachzudenken, Interoperabilität zwischen unserer neuen elektronischen Gesundheitsakte und Gesundheitsaktensystemen unserer Verbündeten und Partner herzustellen. Es ist, finde ich, an der Zeit, dass wir uns einmal ansehen, wie die Interoperabilität zwischen unserer elektronischen Gesundheitsakte für Streitkräfteangehörige im Einsatz und der unserer Partner und Verbündeten hergestellt werden kann, wenn wir gemeinsam in den Einsatz gehen. Unsere Soldatinnen und Soldaten aus Army, Air Force, Navy und Marine Corps erhalten grenzübergreifend in allen Ländern Behandlung, wenn wir gemeinsam dort eingesetzt sind. Ich denke, dass wir anfangen müssen, die Interoperabilität dieser Gesundheitsakte im Kontext unserer Soldatinnen und Soldaten im Einsatz ins Auge zu fassen, damit sie beispielsweise mit Ihrer Gesundheitsakte interoperabel ist. Sie könnten also auf die Akte eines von uns behandelten Soldaten zugreifen und wir auf die eines von Ihnen behandelten Soldaten. Dies sind meiner Meinung nach Bereiche, auf die wir uns konzentrieren sollten, aber ich denke durchaus, dass wir uns hier unendlich vielen Möglichkeiten gegenübersehen.

Ich möchte klarstellen, dass die Zusammenarbeit mit anderen Ländern sehr wichtig ist, weil der Bereich der militärischen Gesundheitsfürsorge mittlerweile so komplex geworden ist und niemand von uns die einzig richtige Lösung parat hat. In Wirklichkeit ist das, was hier benötigt wird, eine Reihe, oder eine Ansammlung von Lösungen, um zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen. Dass wir im Verbindungswesen Beziehungen wie die zu Deutschland und anderen Ländern haben, ist sehr wichtig für unseren Erfolg. Gerade jetzt, wo wir alle dabei sind, unsere Arbeit effizienter zu gestalten und zu versuchen, die Variabilität in Aspekten der sanitätsdienstlichen Versorgung zu reduzieren, ist dies von besonderer Bedeutung. Je mehr wir Ideen austauschen und unsere gemeinschaftlichen Erfahrungen und unser Wissen teilen, desto besser ist es für uns alle. Ihr Aufenthalt als Verbindungsoffizier hier bei uns ist in meinen Augen modellhaft für das, was wir mit anderen Partnern und Verbündeten anstreben.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich Ihnen noch eine letzte, persönliche Frage stellen: Warum sind Sie Ärztin bei der Navy geworden, und was steckt hinter Ihrem Erfolg als Führungskraft im militärischen Gesundheitssystem?

Vizeadmiral Bono: Ich werde den zweiten Teil Ihrer Frage zuerst beantworten: Mein Erfolg ist in Wirklichkeit auch der vieler Anderer. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, meine Arbeit so zu leisten, wie ich es getan habe, wären da nicht diese fantastischen Leute um mich gewesen, die ja selbst sehr erfolgreiche und erfahrene Führungskräfte sind. Das ist das eine. Es ist nicht mein Erfolg, sondern ein gemeinschaftlich erarbeiteter, den ich hier genießen darf.

Zur Navy bin ich gekommen, weil ich in der Navy Chirurgin werden wollte, und ich wollte so diesem Land auch etwas zurückgeben. Die Vereinigten Staaten sind meine Wahlheimat. Ich wurde auf den Philippinen geboren, wanderte in die Vereinigten Staaten ein, als ich noch sehr jung war und wurde später eingebürgert. Sowohl mein Vater als auch mein Großvater glaubten sehr fest daran, dass es wichtig sei, einem höheren Zweck zu dienen. Für uns bedeutete dies, der Nation der Vereinigten Staaten zu dienen. Für mich bedeutet die Fortdauer meines Dienstes in der Navy, dass ich auch weiterhin einem Land etwas zurückgeben kann, das uns so viel gegeben hat – mir persönlich und meiner Familie.

Das Militär ist für mich aber auch ein Ort, an dem die Werte und die Stärken der Vereinigten Staaten am deutlichsten offenbar werden. Es ist etwas ganz Besonderes für mich, mich in diesem Umfeld zu bewegen, und einer der größten Vorteile daran, diesen Dienst zu leisten, ist die Möglichkeit, über den großen Teich hinweg mit anderen Nationen, unseren Partnern und Verbündeten, zusammenzuarbeiten. Für mich ist das eine sehr bereichernde Erfahrung.

Wie ich Ärztin wurde ist auch eine interessante Geschichte: Mein Vater, der selbst Chirurg ist, studierte an der University of Minnesota. Weil ich das älteste Kind war, durfte ich aufbleiben, um auf ihn zu warten, bis er zum Abendessen nach Hause kam. Bei einem dieser gemeinsamen Abendessen sprachen wir darüber, was wir an jenem Tag so gemacht hatten, und ich erwähnte, dass ich, wenn ich erwachsen sei, Krankenschwester werden wolle, damit ich in einem Krankenhaus arbeiten und ihn häufiger sehen könne und nicht mehr bis abends auf ihn warten müsse, um mit ihm zu essen. Mein Vater fragte: „Warum wirst du nicht Ärztin?“ Und ich antwortete ihm, dass mir gar nicht klar gewesen sei, dass Mädchen auch Ärzte werden können. Mein Vater sagte zu mir: „Du kannst werden, was auch immer du willst.“ Und seitdem habe ich diese Worte immer gelebt. Er brachte mir bei, dass alles möglich ist, und dass mich nur die Grenzen meiner eigenen Vorstellungskraft bremsen können.

Oberstarzt Dr. Schlolaut: Frau Vizeadmiral Bono, ich danke Ihnen vielmals für dieses Gespräch.

Vizeadmiral Bono: Ich danke Ihnen.   

Alle Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung von der DHA bereitgestellt.
 

Defense Health Agency (DHA):
Die Defense Health Agency ist die zentrale Dienststelle des global agierenden U.S.Photo Gliederung Defense Health Agency: www.health.mi/dha  Military Health Systems (MHS), die als ‚joint and integrated Combat Support Agency‘ die Sanitätsdienste von Army, Navy und Air Force in die Lage versetzt sanitätsdienstlich einsatzbereite Truppen und einsatzbereite sanitätsdienstliche Truppen (‚medically ready force and ready medical force‘) zur Auftragserfüllung an die Combatant Commands abzustellen. Die DHA ist Teil des Department of Defense und setzt auf der operativen Ebene die strategischen fachlichen Vorgaben des Assistant Secretary of Defense for Health Affairs (ASD(HA)) um. Truppendienstlich untersteht die DHA unmittelbar dem ASD(HA). Die DHA wurde 2013 gegründet und erreichte im Oktober 2015 ihre volle Einsatzbereitschaft. Die DHA ist fachlich den Sanitätsdiensten der Army, Navy und Air Force, welche über die medizinischen Behandlungseinrichtungen verfügen, vorgesetzt und erlässt Vorgaben für TSK-übergreifende Aufgaben (z. B. ‚Integrated Shared Services‘: Aufgaben der Pharmazie, des TRICARE Programms, der medizinischen IT, des Betreibens von Behandlungseinrichtungen, der sanitätsdienstlichen Logistik, der Finanzen, der Beschaffung und Vertragsgestaltung, der Forschung und Entwicklung, des Gesundheitsschutzes und der sanitätsdienstlichen Ausbildung), um die Integration der Sanitätsdienste zu fördern und eine medizinische Versorgung anzubieten, die höchste fachliche Standards und Kosteneffizienz vereint. Die DHA verwaltet die Krankenversicherung TRICARE und stellt damit weltweit die sanitätsdienstliche, zahnärztliche sowie pharmazeutische Versorgung von mehr als 9,4 Millionen aktiven Soldatinnen und Soldaten, Ruheständlern und deren Angehörigen sicher und führt truppendienstlich die medizinischen Behandlungseinrichtungen der National Capital Region rund um Washington D.C., einschließlich des Walter Reed National Military Medical Centers und des Fort Belvoir Community Hospitals. Die zentrale Aufgabenwahrnehmung der DHA ist das Ergebnis einer MHS Task Force in 2011, die alle bisherigen Organisations-Untersuchungen des Military Health Systems und deren Forderungen nach vereinten Aufgabenwahrnehmungen aufgegriffen hat und kann als wegweisend für die weitere Entwicklung des U.S. Military Health Systems zu mehr Jointness gesehen werden. Vice Admiral Bono ist seit November 2015 Direktorin der DHA und Nachfolgerin von LtGen Robb (Air Force) auf dem zwischen den TSK rotierenden Dienstposten. Die DHA ist in Falls Church, Virginia am Rande Washingtons stationiert.



 


Photo Abb.3: Vizeadmiral Raquel C. Bono Vizeadmiral Raquel C Bono – Leiterin der Defense Health Agency

Vizeadmiral Raquel C. Bono wurde im Juni 1979 zum Offizier ernannt. Sie machte ihren Abschluss (baccalaureate degree) an der University of Texas in Austin und besuchte die medizinische Fakultät der Texas Tech University. Am Naval Medical Center Portsmouth absolvierte sie ihr chirurgisches Praktikum genauso wie ihre Facharztausbildung in Allgemeinchirurgie. Es folgte ein Stipendium (Fellowship) in Unfall- und Intensivmedizin an der Eastern Virginia Graduate School of Medicine in Norfolk.

Bereits kurz nach der Ausbildung versah Vizeadmiral Bono zwischen August 1990 und März 1991 ihren Dienst bei Operation Desert Shield und Operation Desert Storm als Leiterin der Aufnahme, sanitätsdienstliche Versorgung und Abtransport von Verwundeten im Fleet Hospital Five in Saudi Arabien. Nach ihrer Rückkehr war sie am Naval Medical Center Portsmouth als Chirurgin im General Surgery Department stationiert; außerdem leistete sie Dienst in der Intensivmedizin (Medical/Surgical Intensive Care Unit) und war Oberärztin (Chirurgie) im Verbrennungszentrum (Burn Trauma Unit) des Sentara Norfolk General Hospital. Zu ihren Verwendungen zählten unter anderem die Leitung der Abteilung Unfallmedizin (Trauma), die Leitung der Abteilung Ambulante Pflege (Ambulatory Procedures Department), der Vorsitz über den Ausschuss zur Pflege und Nutzung von Labortieren (Laboratory Animal Care and Use Committee), die stellvertretende Leitung der Abteilung Klinische Studien und Forschung (Clinical Investigations and Research Department), der Vorsitz über den Ausschuss Ärztliche Unterlagen (Medical Records Committee) sowie die Aufgabe der Führungskoordinatorin Praktikanten. ­Außerdem war sie Führungsfachkraft für Praktikantenangelegenheiten für den Surgeon ­General der US-Navy.

Im September 1999 wurde sie Leiterin für Rekonstruktionsmedizin (Director of Restorative Care) am National Naval Medical Center in Bethesda, Maryland. Darauf folgte von September 2001 bis Dezember 2002 die Verwendung als Offizier für Laufbahnplanung der Sanitätstruppe (Medical Corps) für den Chief Medical Corps beim Bureau of Medicine and Surgery der US-­Navy. Im Januar 2003 kehrte sie als Leiterin für chirurgische Dienste (Director for Medical-Surgical Services) zum National Naval Medical Center zurück.

Von August 2004 bis August 2005 diente sie als persönliche Referentin des 35. Navy Surgeon General und Leiters des Bureau of Medicine and Surgery. Darauf folgte von August 2005 bis August 2008 die Leitung (commanding officer) des Naval Hospital Jacksonville in Florida. Von September 2008 bis Juni 2010 war sie Stabschefin (Chief of Staff) und Stellvertretende Leiterin (Deputy Director) von TRICARE Management Activity (TMA) für das Office of the Assistant Secretary of Defense, Health Affairs (OASD(HA)). Danach folgte die Verwendung als Deputy Director für Medizinische Ressourcen, Planung und Grundsätze (Medical Resources, Plans and Policy (N093)), Chief of Naval Operations. Von November 2011 bis Juni 2013 diente sie als Kommandoärztin beim U.S. Pacific Command im Camp H.M. Smith auf Hawaii. Von Juli 2013 bis September 2013 war sie Acting Commander Joint Task Force National Capital Region Medical. Von September 2013 bis Oktober 2015 diente sie als Director des National Capital Region Medical Directorate of the Defense Health Agency und als 11. Chief des Navy Medical Corps. Aktuell ist sie Director der Defense Health Agency.

Bono ist zertifizierte Chirurgin (Diplomate) des American Board of Surgery und gleichzeitig Fellow des American College of Surgeons. Außerdem ist sie Inhaberin eines Executive MBA des Carson College of Business an der Washington State University. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit der Defense Superior Service Medal (3), der Legion of Merit Medal (4), der Meritorious Service Medal (2) und der Navy and Marine Corps Commendation Medal (2).

Datum: 24.10.2016

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2016/3