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Hundegestützte Intervention in der ­Therapie PTBS-erkrankter Soldaten

Eine Pilotstudie*: Wirkt der Helfer auf vier Pfoten?

In der Vergangenheit hat das Diensthundewesen der Bundeswehr einen bemerkenswerten Entwicklungsprozess durchlebt. Lag der Fokus bis Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts fast ausschließlich auf Wachbegleithunden, so steht inzwischen die Ausbildung von Spezialdiensthundeteams im Mittelpunkt.

Heute bildet die Schule für Diensthundewesen als zentrale militärische Ausbildungsstätte Sprengstoff- und Rauschgiftspürhunde der Feldjägertruppe, Minen- und Kampfmittelspürhunde der Pioniere, Zugriffsdiensthunde des Kommando Spezialkräfte sowie Spezialdiensthunde der Fallschirmjägertruppe und der Objektschutzkräfte der Luftwaffe mit den dazugehörigen Diensthundeführern aus. Diese Diensthundeteams tragen durch die spezifischen Fähigkeiten zum bestmöglichsten Schutz der Soldatinnen und Soldaten, aber auch der Bevölkerung, in den zahlreichen Einsatzgebieten der Bundeswehr bei.  Photo Abb. 1: Stressabbau durch Körperkontakt mit dem Helfer auf vier Pfoten.

Ein Auslandseinsatz verläuft aber manchmal nicht ohne Folgen. Eine erste Auseinandersetzung mit der Thematik des Einsatzes von Diensthunden für an der Seele verletzte Kameradinnen und Kameraden erfolgte an der Schule für Diensthundewesen bereits im März 2012. Der Impuls kam von einsatzerfahrenen Diensthundeführern, die die Überlegung anstellten, ob Diensthunde eine effiziente Unterstützung für PTBS-Erkrankte sein könnten. Um den Erkrankten eine möglichst optimale, individuelle und vielschichtige Therapie zukommen zu lassen, sammelte das Zentrum für seelische Gesundheit des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz auf der Suche nach „neuen“ Behandlungswegen ebenfalls schon frühzeitig erste Erfahrungen mit tiergestützten Therapien.

Hieraus entstand im Rahmen der Pilotstudie „Prüfung von Effekten therapiebegleitender, hundegestützter Intervention während leitliniengerechter Psychotraumtherapie-Behandlung“ eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Kompetenzzentren.

PTBS in der Bundeswehr 

Die Aufgaben der Soldaten der Bundeswehr haben sich zweifelsohne in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Die Bundeswehr ist eine Armee im Einsatz geworden und damit verbunden haben sich vielfältige Herausforderungen ergeben – Herausforderungen für die Organisation insgesamt, insbesondere aber auch für die vielen Soldatinnen und Soldaten und für deren Familienangehörigen. Und selbst wenn Auslandseinsätze enden, liegt für manche Soldaten der Einsatz noch lange nicht hinter ihnen, weil sie in ihm physisch und psychisch verwundet wurden.

In der sogenannten „Dunkelzifferstudie“ der Forschungsgruppe der TU Dresden um Professor Dr. Wittchen wurden unter anderem Daten über Inzidenz und Prävalenz für psychische Störungen nach Auslandseinsätzen bei deutschen Bundeswehrsoldaten erhoben. In einem ersten Teil wurden Soldatinnen und Soldaten des 20. und 21. ISAF Kontingents (2009/2010) in einem persönlichen Untersuchungsgespräch nach dem Einsatz befragt, beim folgenden Studienteil wurden Soldatinnen und Soldaten aus dem 26. und 27. ISAF Kontingent (2011/2012) vor sowie zwölf Monate nach Einsatzrückkehr untersucht.

Die Ergebnisse der Studie überraschten zunächst.

Lediglich 2,9 % der im 20. und 21. Kontingent ISAF in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten kehrten mit einer PTBS zurück (12-Monats-Prävalenzrate). Davon war ein Drittel erstmalig an einer PTBS erkrankt. Bezogen auf je 10 000 Soldaten, die einen durchschnittlich viermonatigen ISAF-Auslandseinsatz absolvieren, ist somit von einer absoluter Zahl von 291 Soldaten, die in den ersten zwölf Monaten nach Einsatzbeginn an PTBS erkranken, davon 89, die inzident – also neu – erkranken, auszugehen.

Im folgenden Studienteil bestätigte sich die verhältnismäßig niedrige Rate: nach zwölf Monaten waren 1,8 % der Soldaten von einer PTBS betroffen, bei lediglich 0,4 % der Soldaten aus dem 26. und 27. ISAF Kontingent ließ sich im oder nach dem Einsatz erstmalig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) feststellen. Die Rate der PTBS-Erkrankungen in der Bundeswehr liegt im Vergleich zur britischen Armee etwas und im Vergleich zur US-Armee deutlich niedriger. Ein weiteres Ergebnis der Studie war aber auch, dass das Risiko an einer anderen psychischen Störung zu erkranken für Soldaten nach Auslandseinsätzen deutlich höher liegt und bisher unterschätzt wurde.

Eine Schlussfolgerung der Arbeitsgruppe um Prof. Wittchen lautet: „Einsatzbezogene psychische Störungen werden nicht hinreichend frühzeitig erkannt, selten diagnostiziert und noch seltener behandelt“. Nur ein Teil der erkrankten Soldatinnen und Soldaten hat professionelle Hilfe in Anspruch genommen, was den Rückschluss auf eine nennenswerte Dunkelziffer zulässt. Betroffene Soldaten scheinen hohe Barrieren wahrzunehmen, um sich Hilfe zu suchen.

Durch den Einsatz von hundegestützten Interventionen in der Therapie könnten derartige Barrieren gesenkt werden. Da die Intervention bundeswehrintern durchgeführt wird, der betroffene Soldat also mit Diensthundeführern und Hunden der Bundeswehr arbeitet, erhoffen wir uns über den bestehenden Anreiz Tiergestützter Interventionen (ressourcenorientiertes, nonverbales und emotionales Arbeiten) hinaus, dem Betroffenen ein Gefühl der kameradschaftlichen Fürsorge vermitteln zu können und somit die Schritte in die Therapie zu erleichtern.

Tiergestützte Interventionen

Tiere werden nun bereits seit über 30 Jahren erfolgreich in den sogenannten Tiergestützten Interventionen eingesetzt, welche die International Association of Human Animal Interaction Organisations (IAHAIO) folgendermaßen definiert:

Eine Tiergestützte Intervention ist eine zielgerichtete und strukturierte Intervention, die bewusst Tiere in Gesundheitsfürsorge, Pädagogik und Sozialer Arbeit einbezieht und integriert, um therapeutische Verbesserungen bei Menschen zu erreichen. Tiergestützte Interventionen beziehen Teams von Mensch und Tier in formale Ansätze wie Tiergestützte Therapie (TGT) sowie Tiergestützte Pädagogik (TGP) ein, unter bestimmten Voraussetzungen auch in Tiergestützte Aktivitäten (TGA) wie beispielsweise Besuchshundedienste in Pflege- und Altenheimen.

Im vorliegenden Projekt handelt es sich um eine Form Tiergestützter Therapie: eine zielgerichtete, geplante und strukturierte therapiebegleitende Intervention, die von professionell im Gesundheitswesen ausgebildeten Personen angeleitet und unter Supervision dieser Ärzte/Therapeuten bzw. Pflegefachkräfte des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz durchgeführt wurde.

Gerade Hunde eignen sich für diese Art von Arbeit durch ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und besondere Fähigkeit, eine Beziehung zu Menschen aufzubauen, und sind daher heute häufig in verschiedensten Settings und Therapieformen wie Psycho-, Physio- oder Ergotherapie in Kliniken, wie auch in privaten Praxen anzutreffen. Die Eignung eines Hundes hängt hierbei weniger von der Rasse, als von individuellen Eigenschaften und Sozialisation ab und kann immer nur im Zusammenspiel mit dem Hundeführer im Team beurteilt werden.

Therapiebegleithunde und Therapiehunde

Das im FebrPhoto Abb. 2: Befi nden des Patienten vor und nach der hundegestützten Intervention. uar 2015 durch das Bundesministerium der Verteidigung erlassene Konzept für das Diensthundewesen der Bundeswehr sieht in diesem Zusammenhang zwei unterschiedliche Diensthundetypen vor, die im Rahmen von therapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden können. Die Befähigungen reichen von einer sozialen Katalysatorrolle bis hin zur Einsetzbarkeit in gezielten Interventionen.

Zum einen ist hier der Therapiebegleithund definiert, der durch nicht therapeutisch ausgebildete Diensthundeführer geführt wird. Diese Diensthunde begleiten temporär therapeutische Maßnahmen, Betreuungsmaßnahmen, Einsatzgeschädigtenseminare und vergleichbare Maßnahmen, sie nehmen dabei eine soziale Katalysatorrolle ein.

Therapiebegleithunde sind bislang nur im Rahmen der Pilotstudie zur Hundegestützten Intervention in der Therapie (H.I.T.) ausgebildet worden und noch nicht in die Bundeswehr eingeführt.

Des Weiteren wird der Therapiehund beschrieben, der durch therapeutisch ausgebildetes Fachpersonal geführt wird. Hierbei ist der Einsatz im Rahmen der Therapie im Sinne einer zielgerichteten Intervention auf das therapeutische Ziel ausgerichtet. Therapeut/-in und Dienst­hund müssen für diesen Einsatz speziell qualifiziert sein.

Tiergestützte Therapien können hierbei Behandlungserfolge aufweisen, die erst durch die besondere Beziehung zwischen Diensthund und Patient/-in zu erzielen und auf anderem Wege nicht, oder nur mit sehr viel größerem Aufwand, erreichbar sind.

Körperliche und psychische Effekte sowie mögliche Wirkweisen

Obwohl zu den Effekten tiergestützter Interventionen noch ein erheblicher Forschungsbedarf besteht, sind folgende Effekte von Mensch-Tier-­Kontakten auf den Menschen, über experimentelle Studien oder Evaluationen von tiergestützten, insbesondere hundegestützten Interventionen, dokumentiert:

Tiere wirken als soziale Katalysatoren, d. h. in ihrer Anwesenheit kommunizieren anwesende Personen mehr, sowohl verbal als auch nonverbal. Therapeuten mit Hund werden als vertrauenswürdiger eingestuft und der Kontakt mit einem Tier fördert Entspannung und reduziert Angst. Zudem reduziert der Kontakt mit Hunden physiologische Stressreaktionen, z. B. gemessen über Herzfrequenz, Blutdruck oder den Spiegel des Stresshormons Kortisol, insbesondere in stressauslösenden Situationen.

Es scheint, als ob freundliche Tiere als soziale Unterstützer wahrgenommen werden und daher helfen können, Stressreaktionen zu modulieren. Dies ist besonders wichtig für Personen, die aufgrund ihrer Erkrankungen oder ungünstigen Erfahrungen mit Bezugspersonen kaum mehr Unterstützung von anderen Personen, inklusive Familienmitgliedern oder Therapeuten, annehmen können. Hierbei spielt auch die Aktivierung des Oxytozin-Systems im Körper eine entscheidende Rolle, wie in einer aktuellen Veröffentlichung einer japanischen Forschergruppe in der Science untermauert wird. Das Hormon Oxytozin wird unter anderem bei angenehmem Körperkontakt ausgeschüttet, nachweislich auch beim Streicheln eines Hundes. Es vermittelt physiologische Effekte, wie die Reduktion von Stress, aber auch psychische Effekte, wie die Reduktion von Angst und Aggression und die Förderung von Vertrauen, Kommunikation und Beziehungsaufbau. Während Körperkontakt in der Psychotherapie keine Rolle spielt, ist er fast immer Bestandteil Tiergestützter Interventionen - Menschen nehmen gerne Kontakt über Streicheln auf, die entsprechend ausgewählten, mit Menschen gut sozialisierten Tiere, lassen diesen gerne zu. Soziale Normen, die Körperkontakt in zwischenmenschlichen Beziehungen stark reglementieren, spielen im Kontakt mit dem Tier keine Rolle. Zudem haben Tiere einen hohen Aufforderungscharakter und motivieren selbst therapiemüde Patienten wieder zur aktiven Teilnahme an Interventionen.Photo Abb. 3: Beziehung zum Diensthundeführer.

Studie zur Prüfung von Effekten therapie­begleitender, hundegestützter Intervention

Auswahl der Diensthunde und Wesenstest
Alle beteiligten Diensthundeteams der Schule für Diensthundewesen nahmen freiwillig an der Pilotstudie teil. Bei der Auswahl der Diensthunde für die tiergestützten Interventionen standen sowohl die Risikominimierung für den Patienten, als auch das Wohlergehen des Tieres im Vordergrund. Ausgewählt wurden erfahrene, miteinander gewachsene Diensthundeteams der Schule für Diensthundewesen. Die Diensthundeführer sind aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz und der intensiven Kenntnis ihrer Diensthunde dazu in der Lage, Stressoren sowie potentielle Gefahren zu erkennen und folgerichtig zu reagieren. Die ausgewählten Hunde zeichnen sich durch eine hohe Sozialkompetenz und Freundlichkeit gegenüber Menschen aus. Des Weiteren wurden die ausgewählten Teams im Vorfeld einem Wesenstest unterzogen und somit für den speziellen Einsatz als Therapiebegleithund zertifiziert. Die hierbei primär geprüften Kriterien für die Eignung waren der Hund-Mensch-Kontakt, Hund-Umwelt-Kontakt und Hund-Hund-Kontakt.

Im diesem Verhaltenstest wurde die Reaktion des Hundes auf Alltagsreize sowie spezifischere Reize, welche bekanntermaßen Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen können, überprüft.
Festgelegte Ausschlusskriterien waren unter anderem eine niedrige Reizschwelle, niedrige Toleranz gegenüber Alltagsreizen sowie Stress, Ängstlichkeit oder Unsicherheit, was allerdings per se ebenfalls eine Verwendung als Diensthund der Bundeswehr ausschließt.
Über die jeweiligen Eigenschaften der Diensthunde wurden Steckbriefe erstellt, sodass die Zuordnung der Diensthundeteams zu den jeweiligen Patienten durch die Ärzte/Therapeuten anhand des beschriebenen Wesens der Hunde und in Kenntnis ihrer Patienten zielgerichtet erfolgen konnte.

Studiendesign
Seit Februar 2015 wurden Daten von 30 an PTBS erkrankten Soldaten erhoben. Einmal wöchentlich nahmen diese Patienten über eine Dauer von vier Wochen an jeweils dreistündigen Interventionseinheiten teil. TGT strebt die Verbesserung physischer, kognitiver, verhaltensbezogener und/oder sozio-emotionaler Funktionen bei individuellen Klienten an. Fortschritte im Rahmen der Intervention werden gemessen und professionell dokumentiert. Von allen Teilnehmern sowie von einer Kontrollgruppe ohne tiergestützte Intervention werden Daten zum Therapieverlauf erfasst (vier Wochen vor Beginn der Traumatherapie/ Intervention, direkt vor und nach dem Interventionszeitraum sowie drei Monate später). Im vorliegenden Beitrag wird ausschließlich über die Befragungen direkt vor und am Tag nach den jeweiligen hundegestützten Interventionseinheiten berichtet. Die Teilnehmer beantworteten vor den Interventionseinheiten einen Fragebogen zu Stresssymptomen (Perceived Stress Scale PSS), zum Befinden, Konsumverhalten sowie zu Traumakonfrontation und Belastungsfaktoren in den letzten sieben Tagen. Am Tag nach der Intervention fand jeweils eine Gruppensitzung zur Reflektion über die Arbeit mit dem Hund statt. Danach befüllten die Patienten einen Fragebogen zur Beziehung zu Hund und Diensthundeführer, zu allgemeinen Wirkfaktoren psychotherapeutischer Prozesse aus Sicht des Patienten (STEP – Stundenbogen für die Allgemeine und Differentielle Einzelpsychotherapie) und zum aktuellem Befinden.

Interventionseinheiten
Bei den Interventionseinheiten hatten Mensch und Hund zunächst die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Spaziergangs miteinander und mit der Umgebung vertraut zu machen. Folgende „Aktivierungsmodule“ beinhalteten das Absolvieren verschiedener Übungseinheiten mit dem Hund. Dieses erfolgte durch spielerische Übungen aus dem Bereich des Hundesports, wie beispielsweise Obedience, Agility, Dummyarbeit, Apportierarbeit und Suche. Hierbei konnte das Diensthundeteam sein gesamtes individuelles Repertoire ausspielen und auf die Wünsche des Patienten flexibel eingehen.

Ziel war es, dass der Patient zügig eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Hund und verzögert auch zum Diensthundeführer aufbaut. Mit Bewegung, Spaß, gemeinsamer Aktivität und durch ein gemeinsames unverfängliches Gesprächsthema, sollte außerdem eine Ablenkung von der Erkrankung erlangt werden. Ruhepausen zwischen diesen Modulen wurden dann eingelegt, wenn Mensch und/oder Hund dieses benötigten.

Zum Abschluss der Interventionseinheit wurde in einem „Beruhigungsmodul“ durch die Versorgung und Pflege des Hundes (z. B. streicheln, kuscheln, bürsten, füttern etc.) der Körperkontakt zum „vierbeinigen Kameraden“ explizit gefördert, um Stressparameter zu reduzieren und zur psychischen Entspannung beizutragen.

Psychotraumatherapie
Während des gesamten Datenerhebungszeitraums nahmen die Studienteilnehmer an der leitliniengerechten Traumatherapie im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz teil. Diese umfasst die Basisprinzipien der Psychotraumatherapie: Stabilisierung, Konfrontation und Reorientierung bzw. Reintegration.

In der Stabilisierungsphase lernt der Patient mit seiner PTBS-spezifischen Symptomatik umzugehen und gewinnt so mehr Kontrolle über sein Leben zurück. Während der Konfrontationsphase werden die traumatischen Erinnerungen mit dem Patienten meist in-sensu konfrontiert, bearbeitet und gegebenenfalls neubewertet. In der letzten Phase wird das (traumatisch) Erlebte in die eigene Biographie integriert und mit dem Patienten wird erarbeitet, wie er sein Leben in Zukunft und trotz (oder gerade mit) den belastenden Ereignissen gestalten kann.

In allen drei Phasen werden Themen wie Kontrolle (oder besser: nicht-alles-kontrollieren- können), Emotionen (Wahrnehmung und Ausdruck) und die Selbstwahrnehmung als Soldat und als Teil der Gesellschaft bearbeitet. Die Arbeit mit dem Hund wirkt auf alle diese Phasen und kann gerade bei diesen Themen ausschlaggebende Beiträge liefern.

Ergebnisse

Die Befragung nach dem Befinden direkt vor der hundegestützten Intervention und am Tag danach zeigt, dass die Teilnehmer am Tag danach signifikant weniger negatives Befinden angaben, sich also insgesamt besser fühlten. Die Verbesserung des Befindens vom Zeitpunkt direkt vor der Intervention im Vergleich zum Tag nach der Intervention, ist in den Wochen eins und drei statistisch signifikant (ANOVA mit Messwiederholung, p<.05) (siehe Abb. 2). In Woche vier zeigt sich lediglich eine Tendenz zu besserem Befinden nach der hundegestützten Intervention (p>.10).

Die Beziehung zum Hundeführer verbesserte sich nach Aussage der Patienten statistisch signifikant kontinuierlich über die vier Wochen hinweg (siehe Abb. 3). Der etwas niedrigere Wert in der vierten Interventionseinheit lässt sich mit dem Abschiedsschmerz (v. a. hinsichtlich des Hundes) erklären, der häufig in Tiergestützten Interventionen zu beobachten ist. Über die vier Wochenmessungen hinweg gaben die Patienten auch signifikant immer weniger Probleme an, mit dem Hund in Beziehung zu treten.

Die empfundene Stressbelastung (PSS; das Gefühl, Probleme nicht lösen zu können, keine Kontrolle zu haben), die jeweils am Tag vor der Intervention erhoben wurde, nimmt über die vier Interventionseinheiten tendenziell, jedoch nicht signifikant ab, d. h. die Patienten fühlten sich etwas weniger belastet.

Die Patienten konnten zudem frei die Veränderungen, die sie durch die Arbeit mit den Hunden bei sich wahrgenommen hatten, auf den wöchentlich vorgegebenen Fragebögen berichten. Dabei beobachteten sie bei sich selbst folgende Effekte (folgende Auszüge sind wortwörtlich übernommen):

  • Durch den Umgang mit dem Hund habe ich zu mehr Ruhe kommen können (finden). Zusätzlich hat sie mir das Vertrauen wiedergegeben, nicht immer und alles falsch zu machen. Der Hundeführer ist ein sehr ausgeglichener Mensch. Seine Ruhe übertrug sich auf mich und er fragte nie etwas, was ich nicht beantworten wollte. Er hat sich ganz auf mich eingelassen und stand mir immer zur Seite. Ich bin ihm sehr dankbar!
  • Ich habe mich voll entspannt gefühlt und ob keine Probleme oder sonstiges da wären. Ich konnte sogar öfters lachen und mich einfach gehen lassen. Das Gefühl fröhlich zu sein war doch überwältigend, dass hatte ich sehr lange nicht mehr erlebt. Einfach unbeschreiblich gut.
  • Ich hatte zuerst Angst gehabt, vom Hund auch abgelehnt zu werden. Das war Gott sei Dank nicht der Fall. Der Hund hat mich so akzeptiert, wie ich bin. Ich musste mich nicht verstellen. Ich persönlich hatte das Gefühl nicht beobachtet zu werden und stand nicht unter Druck die Dinge unbedingt 100 % richtig zu machen. Ich war entspannt und war Herr meiner Lage und war sicher, dass mich keiner bewertet. Das wichtigste: Ich hatte vor meinem gegenüber keine ANGST! (seit sehr langer Zeit).
  • Nachdem ich den ersten Kontakt mit dem Hund hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als ich ihn zurückbringen musste, habe ich fast keine Minute an die eigenen Krankheitsprobleme gedacht.
  • Emotionen konnten besser wahrgenommen und gezeigt werden. Der Hund gab mir viel ­Sicherheit!
  • Als ich den Hund begrüßt habe, übertrugen sich sein Vertrauen und seine Freude auf mich. Ich musste ihm nichts vorspielen und konnte so sein, wie ich bin. Der Hund gab mir mein Vertrauen und meine Gelassenheit wieder.
  • Der Hund ist eine Maschine (positiv) voller Kraft und Elan. Er fordert mich ganz schön so sehr, dass ich nach 30 Minuten eine Pause brauchte. Er weckt aber auch etwas Vertrautes in mir. Ich war selbst so wie er, voller Kraft und Power und kaum zu beruhigen. Die Arbeit mit ihm tat mir gut. Nach drei Stunden war ich aber auch total erschöpft. Aber ich freue mich auf das nächste Mal. Er gibt mir Mut und vielleicht lerne ich durch die Arbeit mit ihm auch mir selbst wieder ein Stück zu vertrauen. Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich ihn vor mir, sehe, wie er mich durch seine Gesten und sein Bellen auffordert aktiv zu werden. Er tut mir gut, gleichzeitig habe ich aber auch höllischen Respekt vor diesem Energiebündel, aber keine Angst!
  • Ich habe viel besser geschlafen nach dem Therapietag. Durch die Aufmerksamkeit des Hundes konnte ich mein Sicherheitsbedürfnis runterfahren. Und konnte mich dem Spaziergang öffnen und habe wie lange nicht mehr genießen können.
  • Ich kam und war sofort daheim. Ich fühle mich wohl und sicher in seiner Nähe. Es ist ein beruhigendes Gefühl ihn dabei zu haben. Er gibt mir eine gewisse Lebensfreude wieder, die ich lange nicht mehr verspürt hab. Meine Krankheit und meine Probleme rücken weit nach hinten. Ich fühle mich geschützt und geborgen.

Schluss

Aus den vorliegenden Ergebnissen unserer Studie zu den Effekten der hundegestützten Intervention in der Therapie PTBS erkrankter Kameraden lässt sich schließen, dass die Patienten hinsichtlich ihres Befindens statistisch signifikant profitieren, aber auch hinsichtlich ihrer Fähigkeit, eine vertrauensvolle Beziehung zu anderen, in diesem Fall Hund und Diensthundeführer, aufbauen zu können. Die wortwörtlichen Feedbacks der Patienten unterstützen dieses aussagekräftig. Auch wenn lediglich eine tendenzielle Abnahme der empfundenen Stressbelastung zu verzeichnen ist, was aufgrund der laufenden intensiven Traumatherapie und dem kurzen Zeitraum der hundegestützten Intervention nicht anders erwartet wurde, so sind die gefundenen Verbesserungen wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Therapie und die Lebensqualität der Patienten.

Das Angebot der hundegestützten therapiebegleitenden Interventionen stellt ein einfaches und wirksames unterstützendes Element in der Traumatherapie bei PTBS dar. Im Sinne der Verbesserung und Anpassung bereits etablierter therapeutischer Verfahren ist aus fachlicher Sicht eine Etablierung der hundegestützten therapiebegleitenden Interventionen sinnvoll, die bei entsprechender Bereitstellung von Ressourcen umgesetzt werden könnte. Auch andere Patientengruppen können hiervon in erheblichem Maße profitieren.

Danksagung

Für die großartige Unterstützung gilt es Herrn OTA PD Dr. Kehe sowie Herrn Oberregierungsrat PD Dr. Girgensohn aus der Abteilung E der Sanitätsakademie der Bundeswehr herzlich zu danken.

Der größte Dank gilt allerdings allen freiwillig teilnehmenden Diensthundeteams und Patienten. Sie alle haben durch ihre Mitarbeit geholfen, neue Ansätze für die Therapie zu entwickeln! Für manchen war das die Initialzündung für Offenheit, Selbstvertrauen und ein positiven Blick in die Zukunft. z

* Entstanden im Rahmen eines Forschungsvorhabens (Forschungsnummer 837.364.14 /9603) für den Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Datum: 11.04.2016

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2016/1